Persien erleben und lieben.

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Bei Shiraz

Den Iran habe ich kennen & lieben gelernt, als ich für ein knappes Jahr auf der Deutschen Botschaft im Zentrum Teherans gearbeitet und im Norden der Stadt gewohnt habe.
Ich erinnere mich immer wieder gerne zurück an Rosenwasser, Rosengärten, den Geschmack von Safran, frisch gepressten reinen Granatapfelsaft, Falafel und an viele warmherzige Menschen.

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Nahid, Mariam & ich

Wenn ich über die iranische Landeshauptstadt sagen würde, dass ich sie mochte, wäre das zwar eine Lüge, aber ich habe mich in die IranerInnen als Menschen „verliebt“. Teheran selbst ist eine etwas anstrengende Stadt. Persien an sich dafür wunderschön, magisch, geradezu märchenhaft und ich möchte es als Reiseland empfehlen.

Die IranerInnen durfte ich durchweg als offen, herzlich gastfreundlich und besonders gepflegt & bildungsinteressiert kennenlernen. Frauen in farbenfrohen Hijabs, Tuniken und langen Gewändern, von tiefschwarz über grün und rot; Männer in silberglänzenden Anzügen; Und eine ganze Nation, die nach lecker blumigem Rosenwasser riecht.

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Überall Blumen, Rosen, kunterbunte Kacheln, Kultur und Kunst.

Wie oft wurde ich auf den bunten Obst-, Gemüse- oder Kleidermärkten, die ich alleine besuchte, auf Englisch angesprochen, interessiert befragt und freundlich angeschaut. Beim Handeln und Feilschen haben mich spontan sehr oft gänzlich Fremde unterstützt. Das, obwohl jeder Händler von sich aus schon sehr entgegenkommend war. Fremde Frauen, von jung bis alt, luden mich zu einem gemeinsamen Glas Tee ein oder wollten gerne mit mir zu Mittagessen. Ich fühlte mich selten in einem Land derart willkommen, wie ich es im Iran tat. Und das jeden einzelnen Tag.

Und by the way: Dort schmecken Mangos, Paprika, Gurken und so viel mehr, wie sie wohl tatsächlich schmecken sollten.

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Pool und Palmen.

Sehr gut erinnere ich mich auch heute noch an das frisch gebackene, fladenbrotähnliche, große rechteckige Brot, das man in den, von mir so geliebten, cremigen iranischen Joghurt mit Schalotten & Salz tunkte. Monatelang konnte ich nicht genug davon bekommen und habe mich daran so sehr gewöhnt, dass ich es immer wieder sehnsuchtsvoll vermisse. „Barbari“ heißt es, und bevor ich morgens zur Botschaft gefahren bin, fuhr ich immer bei einem dieser speziellen Barbari-Bäckern vorbei.

Barbari-Backstuben waren daran zu erkennen waren, dass sich dort frühmorgens bereits lange Schlangen von Menschen gebildet hatten. Bei den Bäckern, die Barbari aus einer größeren Luke heraus, an die Menschen auf der Strasse reichten und verkauften, gab es nur diese eine Art von Brot: frisch & noch heiß, in offenen Öfen gebacken, die goldgelbe Kruste sanft knusprig und innen warm & weich. Und wenig schmeckt derart ursprünglich, pur und dabei sagenhaft super. Umgerechnet für einen Euro gab es diese leckeren Brote, nach denen ich heute noch sehr gerne verrückt sein wollte & dürfte.

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Einladung zum Abendessen in einem persischen Privathaushalt.

Beim Anstehen für das „goldene Brot“ wurde ich stets neugierig betrachtet. Meine sehr helle Haut, hellgrüne Augen und meine europäischen Gesichtszüge fielen, in dieser Menge von iranischen Menschen, deutlich auf. Nie wurde ich aber schamlos angestarrt, in irgendeiner Art und Weise distanzlos angemacht oder abschätzig angesehen.

Ich versuchte mich immer so unauffällig als möglich zu verhalten und hielt Kopf und Blick stets etwas gesenkt. Wenn ich doch einmal aufsah und sich meine Augen mit denen eines iranischen Mannes trafen, senkten wir beide sofort Kopf und Blick. Oft waren die Männer dabei allerdings verlegener als ich selbst.

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Hotel & Restaurant bei Persepolis.

Allgemein verhielt ich mich in der Hauptstadt Irans im täglichen Leben sehr devot. Das kann ich jeder Frau die Persien bereisen möchte auch so empfehlen. Für mich war das einerseits aus Respekt selbstverständlich, andererseits empfand ich es auch als eine interessante Erfahrung, als eine Bereicherung und ein charmantes Schauspiel, sich so ganz anders als bei uns zu geben.

Meine Körperformen waren, mehr als nur den Vorschriften entsprechend, verhüllt und außer auf Hände und Gesicht konnte Man(n) keinen Blick auf meine Haut erhaschen. Es war nur gelegentlich so, dass sich aufgrund dem, im Iran locker um den Kopf geschwungenen Kopftuch, eine blonde Strähne löste und mir ins Gesicht fiel. Gerade die jungen iranischen Frauen waren diesbezüglich aber sehr viel freizügiger und gaben bereitwillig und gerne einen Blick auf die, oft hell gefärbten Haare frei.

Weniger streng als in Teheran selbst, erschien mir die Kleidungsetikette für Frauen auf dem Land und in den anderen Städten des Landes. Wobei es auch da Ausnahmen gibt: Mashhad und Qom als religiöse Hochburgen, sind ebenfalls für ihre Strenge hinsichtlich der Einhaltung der Kleiderregeln bekannt.

Die außergewöhnliche Kultur und die geschichtlichen Überbleibsel und Traditionsquellen entschädigen aber tatsächlich dafür, dass man im Sommer auch bei 40 und 45 Grad plus gänzlich verhüllt sein muss. Und daran gewöhnen wir uns auch wirklich schnell.

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„Knallbunte Kachelkunst“

Was ich mir nicht nehmen ließ, war, dass ich gerne Gewänder und weite Tuniken in fröhlichen freundlichen Farben trug. Oft war ich in meine Lieblingsfarben: Pinktöne von Himbeerrot bis Altrosé getaucht und das war, zumindest in Teheran selbst, etwas ungewöhnlich und auffällig. Zu Ramadan hielt ich mich aber daran, ausschließlich in dunklen gedeckten Farben auf die Straße zu gehen.

In Teheran fahren das ganze Jahr über täglich Busse durch die Stadt, in der eine Art „Sittenpolizei“ die Mädchen und Frauen einsammelt, die nicht ordnungsgemäß gekleidet sind. Herausgelöst werden die eingesammelten Damen dann dadurch, dass deren Väter oder Ehemänner einen Geldbetrag als Strafe bezahlen müssen.

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Persische Teenagerin aus Isfahan mit ihrem Hund.

Es kam in meinem Jahr dort ein paar mal vor, dass, wenn ich mit der Bahn alleine auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause war, mich ein Iraner ansprach. Die Art des Ansprechens war immer dieselbe: Ein einzelner, oft gutaussehender und gutgekleideter Mann ging ein Stück neben mit her und versuchte mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer zu reichen. Dabei redete er abwechselnd auf Farsi und Englisch höflich auf mich ein.  Zwei oder drei sehr freundliche aber bestimmte “Merci!” (danke auf Farsi, der Sprache im Iran), reichten jeweils aus, dass er zurück blieb und ich alleine und ohne Telefonnummer weiter gehen konnte.

Alleine gereist bin ich auch. Das jeweils mit dem Flugzeug, obwohl die Deutsche Botschaft von Inlandsflügen aus Sicherheitsgründen vehement abgeraten hatte (2013). Inzwischen dürfte sich das verändert haben, da Sanktionen heute nicht mehr verhindern, dass Flugzeuge erforderliche Bauersatzteile erhalten können und das Fliegen im Iran sicher(er) ist.

Eine Zug- oder Autofahrt in diesem weitläufigen Land dauert einfach sehr lange und wer ohne Inlandsflüge reist, sieht kaum so viel wie er gerne sehen möchte. Ich habe umgerechnet 20€ pro Hin- und Rückflug bezahlt und mir damit jeweils 10-20 Stunden auf dem Highway gespart.

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Wunderhübsch.

Auf einer meiner Reisen haben mich zwei Mädchen, die ich zufällig in einem Park getroffen habe, spontan zu sich nach Hause eingeladen. Sie wollten mich gern ihren Eltern vorstellen und mir ihr Zuhause zeigen. Ich bin gerne mit, habe tolles iranisches Essen serviert bekommen, konnte neugierige Fragen über Deutschland beantworten und habe auch selbst wieder sehr viel über die iranische Kultur erfahren. Wie viele der jungen Iranerinnen studierten die beiden jungen Frauen nicht im Iran sondern in Indien und wünschten sich eine berufliche Zukunft in Europa.

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Garten und Grün in einer Hotelanlage in Yard.

Woran ich mich im Iran stets gehalten habe, war die Regel, dass ich mich niemals bei Eintritt der Dämmerung noch alleine draußen aufgehalten habe. So habe ich es in Teheran gehalten und auf jeder meiner Reisen. Wenn ich auf Reisen war, bin ich vor Anbruch der Dämmerung zurück in mein Hotel gegangen und in Teheran war ich immer mit anderen zusammen unterwegs. Eine Frau gilt als „leichtes Mädchen“, wenn sie alleine unterwegs ist, sobald die Sonne untergegangen ist. Und das braucht niemand.

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Rosengarten im Innenhof einer privaten Wohnanlage.

Rückblickend war das Ungewöhnlichste das ich im Iran getan habe, wohl das Skifahren, weil den Iran für gewöhnlich erstmal keiner mit Skifahren in Verbindung bringt. Ich wohnte für diesen Wintersport im Norden Teherans geradezu ideal, weil Teheran am Fuße des Elburs-Gebirges liegt und es so bis zum ersten Skilift nur wenige Kilometer sind.

Auf der Piste ist das Leben sehr viel freier als im Rest des Landes. Die Mädchen tragen figurbetonende Skioveralls in knalligen Neonfarben und freche Helme statt züchtiger Kopftücher. Auf den nach draußen gerichteten Lautsprechern der Skihütten ertönt laute Techno- und Elektromusik, die auf allen Pisten zu hören war.

Im Sommer habe ich Golf geübt – nicht gespielt. Frauen durften nicht auf den 12-Loch-Platz im Herzen Teherans. So hatte ich eine Golflehrerin bekommen und mit ihr auf der Driving Range Bälle abgeschlagen. Leider war ihr Englisch nicht besonders gut. Das ist außergewöhnlich für den Iran & die PerserInnen. Außer „nice shot“ konnte sie mir wenig sagen und keine präzisen Angaben zu Technik & Fehlern manchen. Aber alleine das Gefühl im Iran Golf „zu spielen“ war so besonders, dass ich immer wieder Stunden bei ihr gebucht habe. In Tunika & mit Kopftuch versteht sich von selbst.

Andere Sportarten, die ich in Deutschland ausübte waren im Iran unmöglich auszuüben. Nur was das Joggen anging hatte Mitarbeiter der Botschaft Glück: Der Deutsche Botschafter hat eine Residenz mit riesigem Garten, um den eine gut 4 Meter hohe Mauer gezogen war. Dort konnten wir in T-Shirt, Shorts und ohne Kopftuch unsere Runden drehen.

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Ältere Lady im Blumengarten.

Meine liebste Süßspeise im Iran war frisch gepresster Karottensaft mit zwei Kugeln cremigem Safraneis, was es im Frühjahr & Sommer an fast jeder Straßenecke zu kaufen gibt. Davon habe ich innerhalb eines Jahres bestimmt an die 50 Portionen genossen. Gerade dieser Tage erinnere ich mich daran zurück, da nun hierzulande die Eissaison beginnt.

Der Karottensaft als gesundes Getränk, und darin die cremige Safran-Sahne-Sensation. Zugegebenermaßen befanden einige der Europäer, die ich dort kennengelernt und dazu befragt habe, diese Süßspeise als eher weniger schmackhaft. Meine Meinung dazu ist, dass es jeder zumindest probieren und danach sein Urteil fällen sollte: Es ist echt lecker.

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Aufschlussreich war für mich die Tatsache, dass Peugeot seine ganzen weißen Fahrzeug nach Iran zu verkaufen zu scheint. Das auf dem Foto hier sind zwar keine Peugeots, aber die persischen Autofahrer bevorzugen ganz klar weiß und, was internationale Automarken angeht, ganz klar Peugeot.

Insgesamt hatte ich ein ganz wunderbares Jahr im Iran mit allein positiven Eindrücken. Ich kann Frauen nicht davon abraten, den Iran auch gut & gerne allein und auf eigene Faust bereisen zu können. Einige meiner deutschen Bekannten meinen zwar, dass mein problemloses Reisen auch damit zu tun gehabt haben könnte, dass ich einen Diplomaten Status / Diplomaten Pass besaß, aber ich meine, dass man mir das im täglichen Leben ja nicht ansehen konnte und ich auch dort stets respektvoll, niemals grenzüberschreitend und immer besonders freundlich behandelt wurde.

Nun ist mein Jahr im Iran schon etwas vorbei (2012/2013). Noch immer schreibe und berichte ich aber sehr gerne darüber. Der Iran hat mich ja auch dazu inspiriert, mit dem Nähen anzufangen und persisch inspirierte romantische  Tuniken zu nähen. Und ich habe heute noch regelmäßig Kontakt zu einer Iranerin, die ich dort kennenlernen durfte und bin so auf dem neuesten Stand, was den Iran & Teheran angeht.

Wer Fragen an mich hat oder Anregungen sucht, dem helfe ich sehr gerne weiter.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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