Blumenwiese

Von der Stutenwiese – letzter Blog – heute zur Blumenwiese: Den Blümchen in Office, Politik und Gesellschaft.

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„Amal Floral. Amal Fatale.“ Beweist Herz & Köpfchen als Anwältin für Menschenrechte und hat ein Händchen für (ungewöhnliche) Mode. Eine meiner absoluten Lieblingsfrauen. (Foto: Harper’s Bazar 03/2017)

Freuen können sich alle, die es stets vermisst haben, femininere Mode im Büro tragen zu können.

Nach über 15 Jahren in einer maskulinen Uniform, bin auch ich sehr glücklich darüber, dass sich die Mode im Business-Bereich aktuell immer mehr zum Femininen hin entwickelt. Blumig ins Büro, und damit ist nicht das neueste Pfingstrosen-Parfum gemeint sondern Mode! Blümchen gehen tatsächlich Business.

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Die beiden „schönsten Blumen auf der Wiese“, beim W20 Summit 2017 in Berlin. (Foto: BZ-Berlin/REUTERS)

Selbst bin ich, seit einem knappen Jahrzehnt, ein bisschen Pink-Päpstin und mag alles von Altrosa, über sanfteres Flamingopink, zu satt. Und versuche damit auch andere Damen zu inspirieren.

Ich liebe Farben, die ich als Kind komischerweise nicht anziehen und besitzen wollte. Das klassische Mädchen war ich nämlich nie: Mit burschikos kurzem Haarschnitt, die Beschützerin meiner jüngeren Brüder und in abgewetzten Jeans auf Kirsch- und Apfelbäumen kletternd, oder in Wald und Maisfeldern unterwegs. Wann immer ich gerade nicht, auf dem Rücken meines ersten Ponys „Pascal“, ohne Sattel, über Wiesen und Äcker galoppiert bin.

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Bruderherz & me. Er lieb – ich frech, aber erklärt sich anhand diesem Foto auch von selbst ganz gut.

Ich war ein richtiger Wildfang. Kaum zu bremsen, aktiv, stets Grenzen testend, und bei Wind und Wetter am liebsten draußen Zuhause. Für Rosa und Mädchenkram war da kein Platz. Und selbst für Blumen und Schmuck konnte ich mich lange nach meiner Kindheit noch nicht begeistern.

Wenn ich in meinen 20ern mit Freundinnen über Dates sprach, weil ich gerade eines hatte, sagte ich immer, dass “er” mir hoffentlich keine Rosen, Vergissmeinnicht oder ein Wildblumensträußchen zum Treffen mitbringt, weil ich mir lieber Schokolade wünschte. Das ist heute anders. Und, auch wenn ich Schokolade noch immer sehr mag, freue ich mich – ladylike – über Blüten sehr viel mehr.

Es war allerdings auch früher nie so, dass ich Blumen nicht mochte. Das Gegenteil war der Fall und ich bildete mir ein, dass Blumen und Blüten frei sein müssten: Draußen in der Natur lebend, auf Wiesen und im Garten, und nicht abgeschnitten, tot, in einer Vase gefangen sein dürften. Mein Freiheitsgedanke, für andere wie für mich selbst, war schon immer sehr ausgeprägt.

 

Zeit für Wandel – blumiges Wies’n wandeln

Nun machen also die Blumen-Prints seit geraumer Zeit eine wunderbare Entwicklung und Freiheitsbewegung durch. Denn wenn Damen, mit Namen wie Amal, Ivanka, Maxima und wie sie alle heißen, Tulpen, Gerbera und Lilien für politische oder gesellschaftliche Events wählen, kann das nur einen schwungvollen Schritt nach vorne bedeuten. Und nicht nur das: auch die aktuelle cosmo@work bringt es auf den Punkt:

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„… weil Sie es wert sind“ (Seite 32 der aktuellen cosmo@work)

Wunderbar, dass sich da endlich was tut.

Warum mussten Frauen im Job so oft ihre Weiblichkeit verleugnen? Nun scheint endlich anzukommen, dass ein femininer Stoff, sanfte oder kräftige weibliche Farben, nur eine Facette von uns spiegeln. Unsere feminine Facette. Und warum bitte sollte die in der Berufswelt keine Rolle spielen dürfen? Warum sollten wir uns weiterhin verstellen? Mit femininer Mode ist es einfach nur so, dass uns etwas gefällt, unsere Persönlichkeit unterstreicht oder uns sehr gut steht. Damit zu tun, über welche Fähigkeiten wir verfügen, hat es nichts.

Solange nämlich die Optik unsere Fähigkeiten und unser Können nicht übertrumpft, ist die Gefahr klein, dass wir ausschließlich auf äußere Reize reduziert werden. Und sollte dies geschehen, können wir Zweifler immer noch vom Gegenteil überzeugen.

Ein klassischer Hosenanzug in dunkelgrau sagt nichts darüber aus, ob wir über viel Biss verfügen und ob wir mutig, verlässlich und verhandlungsstark sind. Genauso wenig wie ein hochwertiges Blumenkostüm den Verdacht aufkommen lassen darf, dass wir nur weich und lieblich können und keine ernstzunehmende Konkurrenz darstellen. „Da machen Sie es sich zu einfach, meine Herren!“ Die Optik kann und wird täuschen. Referenzen kommen auf den Tisch, wenn Farbe bekannt werden muss und da hat sich bereits der ein oder andere verwundert die Augen gerieben.

Auch bei der Polizei machte ich häufiger die Erfahrung, als Frau maskuliner und sogar besser als ein Mann sein zu müssen, um als gleichwertige Kollegin anerkannt zu werden. Was falsch ist!

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Orientierungsmarsch im Berchtesgadener Land. Klar bin ich an diesem kalten Frühlingstag noch ins Wasser gefallen. ;-)

Schon öfter habe ich im Kreis von Freundinnen oder Kolleginnen debattiert. Warum beispielsweise eine Frau in einem hochwertigen Hosenanzug in Pink, oder einer edlen Bluse mit einem floralen All-Over-Print, nicht genau so gut ein Unternehmen führen können sollte, wie eine in schwarz, dunkelblau oder sonstigem Einheitsbrei. (Es wird schon kein babyrosa Rüschen-Kostüm sein. Stil bekommen wir schon hin.) Und warum uns so manches Outfit, das nicht gänzlich der Mainstream-Business-Etikette entspricht, uns bisher eher ins Aus befördert hat, oder uns im Bewerbungsgespräch die 2. Runde verwehrte.

Aber ich verstehe natürlich auch, dass es eine Etikette gibt.
Ich mag Etikette auch wirklich gern. Auf dem Golfplatz beispielsweise: Das Verbot von Jeans und kragenlosen Shirts bei Männern, und Damen tragen elegante, knieumspielend schwingende Röcke in Pink oder Orange, mit und inmitten von Gänseblümchen und gelbem Hahnenfuss.

Meine Liebe zu sehr eleganten, femininen und verspielten Kleidern dominiert heute meinen Kleiderschrank und meinen Modestil. Was ich im Büro wagen soll, dazu lasse ich mich weiterhin sehr gern von Businessblättern, Politsendungen und News inspirieren. Darüber trage ich, in allen Fällen, meinen Trenchcoat. Einen echten Klassiker, von dem ich lange geträumt habe und erst dann zuschlug, als er (endlich) mit femininem Stilbruch daherkam.

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Britischer Trench mit hoher Taille, ohne Gürtel, dafür femininem Schößchen und einem Schal mit amerikanischer Flagge getragen. OMG!

Was kann feminine Mode im Office noch, außer „nur“ uns Frauen glücklich machen?

1.) Ganz automatisch gute Laune verbreiten. 2.) Etwas mehr Menschlichkeit in Branchen bringen, in der dies vielleicht dadurch wünschenswert wird, da überfällig ist? (Farbe & Muster bitte nicht nur in der Kreativ-Branche.)

Klar geht’s ums Geschäft und davon sollte nichts ablenken. Aber sanfter untermalt ist der Hit und das geht mit einem Augenzwinkern, einem sonnigen Blumendress-Gruß, grünen Prada-Socken in eleganten Riemchensandalen (a la Ala Zander), oder in einem erwachsenen Dress in mädchenhaftem Rosé.

Mit höflicher Sanftheit, sehr viel charmanter, und davon bin ich überzeugt, wird Business und das Geschäftsleben aufgelockerter und damit cleverer und erfolgreich. Unterm Strich: besser.

 

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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