Offene Grenzen? Lieber mindestens Schleierfahndung!

Wer nicht von klein auf gelernt hat Grenzen zu setzten, da er es nicht konnte, weil seine Grenzen in der Kindheit permanent überschritten worden sind, für den ist es nicht ganz so einfach dies später zu lernen.

Dennoch gilt hier nicht, dass „was Gretchen nicht lernt, Grete nimmer mehr lernen kann“. Manche lernen dies zwar ihr ganzes Leben lang nicht, vielleicht aber, weil sie es einfach nicht brauchen. Und das ist doch auch ein gelungener und schöner Weg.

IMG_5856
Vielleicht einer der hübschesten Pfade die man gehen kann?

Ich habe es aber gebraucht und mir meine Grenzen zurückerobert. Eine Dornenhecke um mich gebaut, die nicht mehr jeder und in jedem Maße überwinden kann. – Mit hübsch lächelnd einladenden Rosen, bis zu (m)einem bestimmten Punkt.

Und wenn wir endlich Grenzen setzen lernen, ist dies ein ganz wunderbares, befreiendes Gefühl. Wir öffnen und schließen das große Tor zu unserem wunderschönen und geheimnisvollen Märchenreich, zu unserem Herzen, ganz beliebig und endlich genau so wie wir es wollen. Ein hübsches Spiel und eine raffinierte Neuentdeckung, die uns Raum geben.

Und ich meine, dass wir, die das nicht kannten, dieses Gefühl dann sehr viel bewusster leben und fühlen, als solche, für die Grenzen immer schon selbstverständlich waren, da sie stets respektiert wurden. Wir strahlen damit – mit unseren neu geschaffenen Grenzen. Eine Hecke, ein Wassergraben, ein Ozean, eine eigene Welt! Es ist wohl eine besondere Souveränität und Selbstliebe sowieso.

Egoismus? Nein, denn es ist mein Leben und über dieses bestimme ausschließlich ich selbst. So wie jeder andere über seines auch. Ich nur nicht schon immer.

IMG_5669
Eine Burka aus einem Bettlaken gezaubert: auch Schutz. :-) Mein Blickschutz im iranischen hochreligiösen Mashhad. (2013)

Selbst hatte ich mich in den vergangenen Jahren mit Grenzen auseinander setzen müssen, da ich in eine Beziehung mit einem stark narzisstischen Mann geschlittert bin und die damalige Trennung (m)eine Hölle war. Zurück blieb nur mehr (m)eine leere Hülle und es war höchste Zeit an mir zu arbeiten. – Wegen Narzissmus und Sadismus, die ich bereits gut von meiner Kindheit her kenne, heute 10 Meter gegen den Wind rieche und für meine Zukunft nun dauerhaft meiden kann und werde.

Einfach war das alles nicht, aber aller Anfang ist nunmal schwer, ich mag auch Herausforderungen und jedem Anfang wohnt sowieso ein süßer, hübscher Zauber inne. Und so habe ich es positiv aufgegriffen und angefangen, mich erstmal, wie eine kleine erschöpfte und nachdenkliche Raupe, in meinem Kokon zu verstecken, diesen Schutz zu nutzen und mich zu sammeln, um anschließend wegzufliegen und zu distanzieren. Als Schmetterling.

I am learning to love the sound of my feet walking away from things not meant for me.

Und: The more I find myself, the more people I lose.

Ich habe viele und vieles verloren in den vergangenen Jahre. Dinge wie Menschen.

Falsche Freunde, weil ich sehr hingefallen war und mein Exfreund „einen Namen“ hat. Auch Freunde, die mit meiner neuen und heutigen Überzeugung nicht leben wollen: Habe ich es nämlich früher toleriert, dass es meist nach den Wünschen meiner Freundinnen und Bekannten ging, und um die Erfüllung derer Vorstellungen, so geht es mir heute um eine ausgewogene Balance und Geben & Nehmen ohne jegliches Fordern.

Ich habe es nicht bereut, tausende von Kilometern und Euros aufgewandt zu haben, um von meinen jeweiligen Wohnort oder Auslandsposten Heimatbesuche zu machen, würde dies heute, in der Art und dem Umfang, allerdings niemals mehr wieder tun. Es gibt auch Flugtickets zu meiner Welt.

14b4858b7b83e52c9f95527e2069c210
Mainstream war und wird nicht meins.

Zeit ist das größte Geschenk, – was ich schon immer sagte.

Heute mit dem Unterschied, dass ich es inzwischen durchziehe, meine Zeit tatsächlich nur noch mit den Menschen zu verbringen, die mir am Herzen liegen, oder denen, von denen ich meine, dass sie daran festwachsen könnten. Weil sie meine Werte haben und leben. Und deswegen auch meine aktive Trennung von einigen ehemaligen Freunden, die ich, nach allem was war, nicht mehr als solche gesehen habe. Vorbei ist vorbei.

Zurück zum Thema:

Wir sind nicht das passive Produkt unserer erlebten Vergangenheit, sondern das unserer heutigen Entscheidungen. Und wer so denkt, ist frei – von allem – völlig egal, welche Geschichte er hat.

Ich gehöre dabei heute nicht zu denen, die sich komplett gewandelt haben, indem sie, aus der verarbeiteten Krise heraus, zu einem Coach werden, „Gleichgesinnten“ in besonderem Maße helfen wollen, sich berufen fühlen, nun „irgendwas“ Gutes & Soziales machen zu müssen und deswegen einen ganz neuen Weg gehen. Sozial war ich nämlich schon immer. Nebenbei. Frei.

Meine berufliche Perspektive sehe ich dennoch nach wie vor karriereorientiert, zielstrebig, arbeitsintensiv, aktiv und nicht (vorwiegend) als Helferin und Ratgeberin für und in Krisen. Denn ich denke, und habe es selbst so erlebt und gemacht, dass ein bunt gelebtes Leben, Herausforderungen, Wissenshunger, Abenteuer, Aktivität und Spaß immer und für jeden der beste Ratgeber sind. Sich selbstständig aufzurappeln.

Ich habe dabei mein ganzes Leben lang schon die exakt selben Träume und Wünsche, verrückte Spinnereien, und mein Motor ist stets Optimismus und Freiheit. Die Welt verbessern wollte ich schon immer und frech, rebellisch, motivierend und eine Querdenkerin war und bleibe ich ebenfalls.

Vielleicht gerade deswegen, da ich in einzelnen Facetten eine ziemlich häßliche Kindheit hatte. Die Verantwortlichen dafür bekamen unlängst ebenfalls ihre Grenzen aufgezeigt und spielen in meinem heutigen und zukünftigen Leben keine Rolle mehr. Das ist es, was ich mir inzwischen selbst wert bin.

IMG_5144 (2)
Der wichtigste Mensch? Der bin ich mir heute selbst.

Früher habe ich auch jeden angelächelt. – Auf der Straße, in Räumen, beruflich, privat, bekannt, unbekannt, völlig egal und „everywhere“. Das habe ich mir inzwischen auch gänzlich abgewöhnt. Wobei ich immer noch deutlich mehr lächle, als es die meisten anderen Menschen tun. Dies ist aber meinem Optimismus und sonnigen Gemüt geschuldet und nicht mehr meiner devoten, zu lieben Grundhaltung, die einst Everybody’s Darling sein wollte. Vorbei. Befreit.

Mein Lächeln gibt es heute wann immer ich es will, und nicht, wie bei einem programmierten Roboter, für jeden und beliebig. Ich habe Gefallen daran gefunden, für Fremde und Befremdende auch mal die gänzlich unnahbare, distanzierte Diva zu sein und zu bleiben. Mit etwas arrogant, in die Höhe, gerecktem Näschen und Kinn. In Paris gilt ein derartiges Auftreten gar als schick.

Und ehrlich? Wer mich nicht mag, dem sei dies gegönnt. Auch bei mir fand eine Veränderung statt:

I used to walk into a room full of people and wonder if they like me… Now I look around and wonder if I like them.

Sicher wirke ich heute weniger süß als noch vor ein paar Jahren. Aber ich habe auch kein Interesse mehr daran „süß und nett“ zu jedem zu sein. Allerdings bin ich vielleicht noch nicht völlig in (m)einer Mitte angekommen. Womöglich halte ich den Bogen von meinem früheren Extrem, zur anderen Seite der Mitte noch leicht überspannt? Ihr Lieben, das wird sich bei mir, und bei jedem der an sich arbeitet, zu gegebenem Zeitpunkt einpendeln! :-)

Heute kümmere ich mich lieber wieder um Herausforderungen, die mich wirklich interessieren und für die ich brenne. Dazu gehören mein Abitur oder Fachabi so toll abzuschließen wie nur möglich, einen tollen Studienplatz oder auch Job, jeweils am liebsten im englischsprachigen Ausland zu ergattern, einen glücklichen Jobwechsel hinzulegen, mein Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Zeit mit wirklichen Freunden, Aktivurlaub, der „Große Weiße“ vor Südafrika, mit dem ich tauchen und manchmal gerne tauschen mag, und das Ziel des Umzuges in eine schöne neue Stadt, die zu mir passt. So wie Menschen zu mir passen müssen.

Neulich habe ich einen Artikel gelesen:

„Du findest mich arrogant? Vielen Dank!“

Arroganz ist erstmal keine Eigenschaft, die wir positiv bewerten. Wir können sie in diesem Zusammenhang aber auch anders – etwas distanzierter – sehen. Verstehen tue ich diese Aussage dann sehr gut, denn sie zeigt uns „nur“, dass da jemand Grenzen setzt.

Es bedeutet: „Du erkennst die von mir aktiv gesetzte Grenze (an)“.

Und das ist gut so, finden wir doch super, da es genau so gedacht ist. :-) Wunderbar! Herzlichst, PetissaPan

 

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *