Authenticity

Ja, wie ist das mit der Authentizität?

Ich habe in meinem süß fortgeschrittenen Alter tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass man überhaupt nicht authentisch sein kann, wenn man nicht ganz genau weiß wer man ist.
Eigentlich erkenne ich das erst seit geraumer Zeit. Einem knappen Jahr vielleicht. Seit ich nämlich erstmals super-genau definieren kann, was ICH will, was MEINE Werte sind und was MICH definiert und auch GENAU DANACH LEBE.

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So perfekt mein dingliches Umfeld in der Kindheit war… Im schönsten Schwarzwald mit riesigem Haus und Garten und eigenem Pony, später Pferd… Ich komme aus einem schwierigen Elternhaus und habe eine, in den verschiedensten Ausführungen, äußerst gewaltgeprägte Kindheit erlebt. Und ich musste mich deswegen permanent verbiegen: Zuhause, um dem Schlimmsten zumindest gelegentlich aus dem Weg gehen zu können. Und in der Öffentlichkeit, ausserhalb meiner Familie, um keine Verdachtsmomente aufkommen zu lassen:

Denn auch für ein gequältes Kind gibt es nichts Schlimmeres als die Aussicht seine Eltern verlieren zu können, da es nicht weiß, dass es da draußen tatsächlich Menschen gäbe, die ihm mehr Eltern, mehr Schutz, mehr Liebe und mehr Gutes sein würden, als es die eigenen Eltern annähernd sind.

“No matter how dirty your past is, your future is still spotless.”

Genau das ist mein optimistischer Gedanke dazu! Mein unsterblicher Optimismus: ohnehin die Eigenschaft, der ich am dankbarsten von allem bin, was ich an positiven Fähigkeiten habe.

Um so früh als möglich Zuhause weg sein zu können, bin ich so früh wie möglich – nämlich mit 16 Jahren – von dort, mehr als 400 Kilometer weggezogen und habe eine Ausbildung bei der Bundespolizei (damals Bundesgrenzschutz) gemacht. Damit war ich sofort frei, geschützt und finanziell gänzlich unabhängig und bin nur noch selten “nach Hause” gefahren.

Nun ist es aber so, dass der Polizeiberuf, der sicher viele attraktive Facetten hat, Kreativität und eine eigene Persönlichkeit, eigenes Denken und Fortschritt nicht fördert, sondern zu unterdrücken versucht.
Das mag vielleicht für einen Menschen, der die Werte der Polizei gänzlich teilt in Ordnung sein und ihn so seiner Persönlichkeitsausbildung nicht beschneiden.

Bei mir ist es so, dass ich zu 100% hinter jedem Tun stand, das ich mit den Jungs und Mädels auf gleicher Ebene erlebt habe und wann immer ich mit Herzenskollegen und unter Herzensvorgesetzten eingesetzt war, Streife fuhr und wo & wie immer wir für eine Sache eingestanden sind.

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Wohinter ich nicht stehe und niemals stand, waren die massiven Fehlentscheidungen einer doch häufig inkompetenten Führung, eine weltfremde ungerechtfertigte Härte dieser und irgendwelcher Machtmänner, die meinten ihre Hierarchien dazu ausnutzen zu können. Schön unhübsch und ganz ähnlich beschrieben in dem Lied von Wolfgang Ambros: „Tagwache”

Menschen, die versucht haben (m)eine bunte Welt erneut schwarz zu malen.

“Hell is empty and all the devils are here.” (William Shakespeare)

Ich bin nicht der Typ Mensch, der gerne den Mund hält wenn es um Ungerechtigkeiten anderen oder mir selbst gegenüber geht.
Bei der Polizei, als gut bezahlender, sicherer und damit eine Freiheit möglich machender Arbeitgeber, habe ich bereits früh gelernt, sanft zu rebellieren und inakzeptablen Führern auf der Nase herum zu tanzen, indem ich mich beispielsweise nicht mehr an Kleidungsvorschriften gehalten habe und nicht mehr für jeden Vorgesetzten gearbeitet habe. Stattdessen dafür wofür die deutsche Polizei meiner Meinung nach stehen sollte: Bürgernahe Menschen, denen es nicht um ein frostiges Durchsetzen irgendeiner Macht geht, sondern Gerechtigkeits- Ordnungs- und Fairnessssuche.

Und ich habe später permanent gestrahlt und gelächelt und von Bürgern und Fluggästen hunderte Komplimente dafür bekommen, „was ich doch für eine besonders nette Polizistin sei“. Das war zuletzt mein kleiner Beitrag für die Gesellschaft. Auf einem Traumdienstposten am Flughafen, direkt bei einer der schönsten deutschen Städte: Baden-Baden.

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Und was ich dort, nach meiner Kindheit, nun auch wieder nicht zufriedenstellend wirklich gelernt hatte, war das Finden von mir selbst.

Wer bin ich eigentlich tatsächlich? Was will ich? Was brauche ich?

Es ging unter darin, es noch immer vorwiegend anderen Recht machen zu wollen und für andere mehr da sein zu wollen, als für mich selbst. Vermutlich war die treibende Kraft noch immer “geliebt werden wollen”, so, wie ich es in der Kindheit eben nie erlebt hatte und so anhaltend, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, danach strebte. So hatte ich einige Freundschaften (mit Frauen & Männern), in denen ich nicht wirklich glücklich war, da ich gegen mein Wertesystem lebte.

Seit 2013 habe ich nun für 2, 3 Jahre einen Schicksalsschlag nach dem anderen erlebt. Es waren insgesamt sieben oder zehn. Und mein ganzes Leben flog mir um die Ohren.

“The most sweet hearted people are the most mistreated people.”

Und trotz, oder gerade wegen aller Enttäuschungen: Herz habe ich heute noch immer ganz viel und das schon mein ganzes Leben lang. Allerdings verschenke ich meine Energie nicht mehr an Menschen, von denen ich heute weiß, dass es vergebens war, ist und sein wird. Und das ist Selbstliebe, die wir erst durch Selbsterkenntnis finden.

“When you start seeing your worth, you’ll find it hard to stay around people who don’t.”

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Ich schreibe hier so oft, wie bunt mein Leben ist und das ist es auch. Kunterbunt, spannend, voll Aufregung, Abwechslung… So viel erlebt! Reich an Liebe ist es aber erst heute. Und das, obwohl ich aktuell so wenige Menschen in meinem direkten Umfeld habe, wie noch niemals zuvor.

Und weil das diese Liebe ist, diese Erkenntnis, dieses Wissen, wer ich denn nun bin, wie ich denn nun fühle, was meine Werte sind und ich nicht mehr gegen diese lebe, fällt es mir schlussendlich herrlich leicht authentisch zu sein.
Weder rechtfertige ich mich für irgendeinen Teil meiner Geschichte, noch für irgendetwas, was an mir nicht perfekt geraten sein mag.

“The greatest prison people live in, is the fear of what other people think.”

Früher dachte ich immer, dass man die Menschen möglichst kurz halten sollte, bezüglich seiner Wahrheit über sich. Und ich habe mich für meine Kindheit geschämt. Wenig tief blicken lassen also, damit manche Menschen dieses Wissen nicht einmal gegen einen benutzen können, was zum Tratschen haben und alte Wunden damit aufreissen. Und so lebte ich, Glücksclown und Klassenkasperl spielend, meine Vergangenheit verleugnend und bei Rückfragen positiv schildernd.

“Once you’ve accepted your flaws no one can use them against you.”

Heute weiß ich, dass wenn DU DICH selbst mit all DEINEN Fehlern und DEINER Geschichte akzeptierst, DU unbesiegbar gegenüber Sticheleien, Gerede und Intrigieren bist. Allgemein gegenüber der Meinung anderer, denn DU RUHST IN DIR: DU weißt genau welche Werte DICH ausmachen und das alles leben gegen deine Werte, das DICH umgeben mit – für DICH – „falschen“ Menschen und „ungewünschten“ Situationen nicht DIR & DEINEM Stil entspricht und damit schmerzhaft ist.

Deshalb läßt du das schön bleiben und gehst DEINEN WEG, mit DEINE VISIONEN, mit DEINE Menschen die DIR, nach wie vor, die Welt bedeuten.

Und plötzlich ist Authentizität ein Kinderspiel.

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Selbstbewusst im Knaller-Kleid, keine Selbstverständlichkeit für jede.

Meine neueste Authentizität sind meine Vanilla-Mocca gefärbten Haare. Es lässt mich etwas erwachsener, reifer und damit seriöser wirken. Genau so, wie ich aktuell rüberkommen möchte.

 

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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