Wahre Schönheit

Eleganz hat viele Gesichter und ist sehr viel vielseitiger als nur „Businesskostümchen und Pumps“ und gut ist. So dachte ich nämlich früher, sehr grün hinter den Ohren, über Eleganz.

Insbesondere die Französinnen verstehen herrlich viel von Stil und können eine wunderbare Inspiration sein: Stets gekonnt lässig mit einer Prise Imperfektion… Besonders schön, weil es das Schöne besonders macht… Elegante Hingucker, nonchalant!

Ich mag den verstrubbelten Look einer Caroline de Maigret und die Pureness so vieler Madames, die mir in meinen Pariser Stunden begegnen. Frankreichs Damen müssen ihren Style doch mit der Muttermilch aufsaugen! In die Wiege gelegt bekommen. Ich liebe ihn, studierte ihn, lese darüber und wünschte mir noch immer ein großes Fitzelchen mehr dieses herrlichen Fingerspitzengefühls.

Eleganz – rein optisch betrachtet – umweht immer eine Prise Understatement. Das Französische, was ich mit dem englischen “pureness” beschreibe. So spektakulär unaufgeregt und ungekünstelt und sich stets charmant im Hintergrund haltend. “Stilles Wirken” könnte man dazu vielleicht sagen.

Und Eleganz ist so fantastisch viel mehr, als sich allein darüber zu definieren, was wir an unseren Körpern tragen.

IMG_0208

Eleganz: nie aufdringlich, schwelgt nicht in Aufwand und Luxus (obwohl die Klamotte durchaus sündhaft teuer sein kann) und trägt dennoch und unbedingt eine gekonnt raumerhellende Portion Raffinesse.

Die Mode trägt unsere Persönlichkeit… das innere Leuchten der Trägerin nach außen. Tuend unaffektiert. Und das funktioniert nur, wenn wir nicht nur EINEN, sondern UNSEREN Stil präsentieren. Einen, der sich derart gelungen an den eigenen Körper, das eigenen Körpergefühl und das eigene Wesen schmiegt, dass Frau richtiggehend eins wird: mit ihrer gewählten Garderobe, den Accessoires, Haaren, Hüten…

IMG_0206

Doch nur, weil dies nun alles Attribute sind, die eine Perfektion nicht verlangen, haben fettige Haare, abgeblätterter Nagellack und zu viel Haut, die Frau zeigt, so wenig mit Eleganz zu tun, wie ein Goldfisch im Glas mit den Weiten des Ozeans. Nüscht!

Eleganz ist nämlich immer topgepflegt: Geduscht, gebadet, beduftet, gepampert, sanft geschniegelt und gebügelt, um sich anschließend gewollt zu verwuscheln. Im Reinen sein: Rein die Kleidung – rein der Geist. Herrlich spirituell heute, was? Nö, bei Eleganz gibt es keinen Bruch im Gesamterscheinungsbild zu finden. Der Bruch ist trotzdem da: er ist die Prise gewollt zerzaustes – dabei verführerisch scheinendes, lecker duftendes – Haar. Oder der ein, zwei Nummern bewusst zu groß gewählte Blazer.

Elegant empfinde ich leise weise Reife. Was mich betrifft eine, die ich mir mühselig erarbeiten musste und noch längst nicht an jedem Tag hinbekomme. – Aber vielleicht auch gar nicht immer hinbekommen & leben möchte.

Klar, Mode soll uns Spaß machen.

Und vor 15 Jahren hatte es sogar überhaupt nichts mit Stil und Eleganz zu tun, was ich da so präsentierte: Anfang 20 und ich wollte meinen durchtrainierten athletischen Körper zeigen und den Mädels und Jungs ein bisschen den Kopf damit verdrehen. Davor gab es auch längerfristig eine Zeit lang meine Markenphase, in der ich mit meiner bevorzugten Lieblingsmarke als wandelnde Litfaßsäule unterwegs war. In Hoodies, BoyfriendJeans und dergleichen.

Etwas peinlich. Aber es waren die 90er.

Heute habe ich weder noch meinen Sportlerbody, noch das Bedürfnis oft shoppen zu gehen. Nur wenn ich ein Teil sehe, von dem ich denke, das ich es in mindestens fünf Jahren auch noch tragen werde, schlage ich zu. Manche Teile, die in meinem Schrank hängen – und das verspreche ich – werde ich für immer tragen.

IMG_0207

Im Iran habe ich gar die Erfahrung gemacht, dass selbst Frauen, die bis auf das Gesicht gänzlich figurverbergend verhüllt sind, Eleganz und Aura ausstrahlen. Wunderschön und geheimnisvoll.

Elegant ist auch ein wunderbar aufrechter Gang, gerade Rücken, Stolz, Füße die fest auf den Boden treten, ein offenes Lächeln, Selbstbewusstsein und Souveränität. Ruhe und Tiefenentspanntheit auszustrahlen. Reife und sich selbst zu mögen – nicht nur das neue T-Shirt das wir tragen.

Ist Eleganz denn immer nur gedeckte Farben und echte Klassiker zu tragen?

Oder kann Eleganz auch Kanarienvogelgelb, Pink und Rosenrot, Mustermixe, Pastellexplosionen, Blumen-Super-Trouper-Alloverprints, Rückendekolletee, blauen Nagellack, einhornbuntes Haar, halbdurchsichtige Negligees über BH zu SkinnyJeans, Blumenkranz im Haar, Sneakers, Jogginghosen, schmucklos, Flamingodrucke, giftgrüne Socken, goldfarbige Highheels, Blumenmuster auf beigen Feinstrümpfen, Swatch-Watch und Caprihosen… ?

Das überlasse ich ganz euch.

Am treffendsten, was Eleganz angeht, ist nämlich diese simple Aussage:

IMG_0195

So eine lange Schreibe also, für einen so wunderschönen wie kurzen Sinn: Es sind die inneren Werte, die zählen und schön und herrlich elegant machen. Zu unserem dazu passenden, bedacht gewählten und gepflegten Äußeren dazu.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *