Die neue Softness

„Wie schön es doch ist, Menschen auch sanft und humorvoll bewegen zu können“, habe ich mir vor ein paar Tagen gedacht. Das, als ich einen “etwas anderen” Artikel zum Thema Nachhaltigkeit lesen durfte.

“Sind deine Augen größer als der Bauch”,

lautete der Name des Artikels, der unser Konsumverhalten in Frage stellen sollte. Ein Satz, den viele von uns vielleicht noch aus der eigenen Kindheit kennen: Weil wir damals anhand unseres kindlichen Wesens und dem Mangel an Erfahrung, überhaupt noch nicht einschätzen konnten, was zu viel für uns war, wenn es um Lieblingsspeisen ging und wir den Teller zu voll geladen hatten. Für uns kam die Wurst schließlich erstmal aus dem Kühlschrank.

Wenn unsere Augen als Erwachsene nun größer als unser tatsächliche Hunger sind, wir vielleicht regelmäßig größere Mengen an verdorbenen Lebensmitteln aus dem Kühlschrank wegwerfen, da wir nicht damit haushalten können, oder weil es uns, aufgrund der Supermarktpreise für Billigfleisch und andere Produkte, einfach egal ist, weil wir es uns leisten können: Auch darauf können wir den Satz anwenden:

“Die Augen größer als der Bauch”.

Auch wenn wir Essen gehen und ständig oder immer wieder die Hälfte auf dem Teller zurücklassen, die dann im Mülleimer landet.

IMG_0333
Ich habe öfter die Erfahrung gemacht, dass es ganze Menschengruppen gibt, unter denen es als “schick” und “hip” gilt, im Restaurant den ganzen Tisch voll mit Speisen zu bestellen, zu überladen, von einigem überhaupt nicht mal zu probieren und vieles nur angekostet zurückgehen zu lassen.

Ist das die neue Dekadenz?

Nun, in Düsseldorf verbietet man in einem Restaurant eiweissreiche Insekten, die dort zum kulinarischen Genuss gereicht werden, wohingegen man in China und Japan die Haifischflossensuppe als besondere Delikatesse zelebriert. (Um nur ein Beispiel von unendlich vielen zu nennen.)

Eine etwas verkehrte Welt, dabei leben wir alle unter derselben Sonne.

Und ist es nicht bereits dekadent, jeden einzelnen Tag Fleisch- und Wurstwaren auf dem Teller liegen zu haben und das so zu erwarten?

IMG_0331

Ich finde meinen jüngeren Bruder recht cool: Er studiert Ernährungswissenschaften, ist seit mehreren Jahren bereits Veganer, aber einmal in jedem Herbst, lässt er sich den Genuss einer Schlachtplatte, bei uns im Schwarzwald, von einem Hof den er kennt, nicht entgehen. Inkonsequent vielleicht, aber genussbewusst.

Und “bewusst” ist ein schönes Stichwort, denn unsere gelebte Dekadenz (und was sind tierische Lebensmittel anderes, auch wenn die Supermarktpreise (leider) anderes suggerieren?) müssen wir nicht auf dem Rücken von Mutter Natur austragen.

Eine ganz eigene Portion an LuxusVorstellung können wir auf viele andere Arten und viel befriedigendere Weisen erleben, indem wir das tun ohne anderen zu schaden: Ausser vielleicht den „Naysayers“. Aber die sind ja ohnehin nie zufrieden. Vor allem nicht mit sich selbst.

IMG_0337

Wer kennt nun nicht die unschönen Film-Aufnahmen aus allerlei Tierfarmen etc.?

Ich beispielsweise mag solche Filme nicht. Mich erreicht man aber auch anders. Da ich eine Form des Fotographischen Gedächtnisses (unerfreulicherweise nicht in naturwissenschaftlichen Schulfächern) habe, hat mich bereits als Kind, der Anblick eines überfahrenden Eichhörnchens oder Igels am Fahrbahnrand, tagelang davon abgehalten Fleischgerichte essen zu können. Dies, weil sich das Bild des toten Waldtierchen, welches ich nur wenige Sekunden gesehen hatte, derart in mein Gedächtnis eingebrannt hatte und mir so gänzlich den Appetit verdarb.

Und trotzdem denke ich, dass derartiges Videomaterial einen Fleischliebhaber und -verschwender nicht in jedem Fall aufrütteln wird. Deshalb, weil wir alle verschieden sind.

Sehr sicher werden solche Schreckensbilder jene bewegen, die sich bereits schon zuvor Gedanken über Tierschutz, Fleisch- und Tierproduktkonsum und das Thema Nachhaltigkeit an sich gemacht haben.

Aber was ist mit den anderen? Wie erreichen wir die?

IMG_0336

Nun bin ich immer auf Lösungssuche und kam bei folgendem Motto an:

Um etwas zu erreichen was wir noch nie hatten – und von genug Nachhaltigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen sind wir bekanntlich noch Welten entfernt – müssen wir (viele) Dinge tun, die wir bislang noch nicht getan haben.

Eine Sache davon kann doch sein, an diese ganzen Konsumverhaltens- und Umweltschutzthemen auch verspielter ranzugehen, ohne dabei den Ernst der Lage zu verkennen. So wie es in dem Artikel, den ich oben erwähnte, auch versucht wurde.

Sanfte positive, gar humorvolle, Motivation – statt Manipulation oder Härte

Die die sich über das 1 Euro 20 Schnitzel im Supermarkt freuen, die welche die eigenen Kinder bereits so aufwachsen lassen – so selbst aufgewachsen sind – und meist überhaupt nicht aus absichtlich verschwenderischen Vorsätzen, sondern weil sie es vielleicht nicht anders kennengelernt haben, derart handeln… Da kann man vielleicht anders einhaken.

Wie?

Wie steht es mit sanften Hinweisen auf eine Wahrheit, einen smarten Ratschlag, eine leckere Alternative bietend und weder belehrendes Verhalten noch Härte aufzudrücken zu versuchen?
Härte und Strenge kenne ich von meiner Kindheit und ein bißchen auch aus der Ausbildung und dem versage ich mich heute gänzlich und wähle stattdessen meine Freiheit, meine eigene Denke. Und so haben eben auch andere ihren Dickkopf: In Bezug auf ihren Fleischkonsum, ihr ganzes Ernährungsverhalten vielleicht.

IMG_0339

Wie steht es in Anbetracht dessen nun damit, Nachhaltigkeit, Tier- und Umweltschutz als „das neue Cool”, „das neue Rich”, „den neuen Wohlstand”, „das neue Must-Have” zu vermitteln?

Der Empfänger bestimmt die jeweilige Art & Weise. Kreativ, empathisch.

Werbung kann da sicher vieles tun. Bildschöne Bilder präsentierend, die exakt diese Zielgruppe anspricht, beispielsweise.

Jeder einzelne von uns aber auch: Inspirierend scheinend, strahlend und nicht (ausschließlich) belehrend.

Sensible Themen, und das sind Nutztiere in Massentierhaltung… Das Abholzen der Regenwälder für Plantagen und Nutella und Weiden… Das Leerfischen der Weltmeere, Billiglebensmittel, übermäßiger Wurst- und Fleischkonsum, Billigmode… Auch Orcas und Delphine und allerlei Zootiere in Gefangenschaft: verlangen möglicherweise auch etwas mehr Fingerspitzengefühl im Sinne von gekonntem Humor und gewieftem Charme, um an ein Ziel zu kommen, das wir bislang noch immer nicht erreicht haben.

Unsere Natur ist ein großes wunderschönes “Wow”! Und wer sich das vor Augen hält und erkennt, der lernt eine andere Facette von sich kennen.

IMG_0338

 

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *