Ringelpiez mit Anfassen

Schon einmal die falschen Pferde zusammen auf eine Koppel gestellt?

Da klatschen die Hufeisen der muskelbepackten Hinterbeine mit viel Schmackes gegen die Körper der Schwächeren und zurück. Nicht schön – ein pures Glück und ein Stoßgebet zum Himmel, dass kein Eisen die Gelenke eines anderen eleganten Vierbeiners trifft.
Wie gut, dass wir Menschen ja so viel zivilisierter sind.

Zumindest wissen wir uns so zu benehmen, uns nicht öffentlich abzuklatschen und offensiv stutig zu beißen.
Und trotzdem: Wo viele Menschen sind, prallen die unterschiedlichsten Charaktere zusammen und es menschelt. Ganz normal – wir sind nunmal keine Roboter und Kleingrüppchen-Bildung gibt es selbst in Schafherden.

Vielleicht mag glückseliges Gruppen-Allerlei ja noch auf einer Waldorfschule zutreffend sein, und im Kindergarten sowieso. Meine Mutter ist Erzieherin und deswegen kenne ich das sehr gut:
Freitag ist Wald-Tag und alle Kinder nehmen sich an den Händchen und gehen gemeinsam in den dunklen Schwarzwald. “Auf dass keines der lieben Kleinen verloren geht, und auf dass alle aufgrund diesem Zusammengehörigkeitsgefühl Stärke entwickeln mögen.”

Dabei gibt es auch im Schwarzwald keine Wölfe und Bären mehr.

Aus meiner langjährigen Zeit als Leistungssportlerin im Mannschaftsport und aus meiner gut fünfjährigen Gruppenerfahrung bei einem Einsatzzug der Polizei, könnte ich diesen Artikel zusätzlich mit zahlreichen Erfahrungen ausschmücken. Ich belasse es bei wenigen:

Wochenlang auf engstem Einsatz- und Lebensraum zusammengepfercht zu sein, mit Charakteren die du toll findest, die dir aber trotzdem nach zwei bis sieben Wochen Einsatz – 24 Stunden auf engstem Raum – irgendwann einmal anfangen auf den Keks zu gehen – wie du ihnen ja auch – mag in jungen Jahren doch noch irgendwie amüsant sein …

Aber im Leben nicht, möchte ich heute noch einmal zurück in diese Zeit und für viele Jahre in einem 4er-Bett-Zimmer in einer Kaserne schlafen und gemeinsame Waschräume mit den Jungs benutzen, immer dann wenn man nicht auf Einsatz war.
Und wenn man auf Einsatz war: in einem 10er-Frauen-Zimmer untergebracht zu sein – oder zu Hundert geschlechts-gemischt in Turnhallen übernachten zu müssen.

Gruppengefühl „par excellence“.

Ich war damals um die 20 Jahre alt und eine abenteuerlustig anspruchslose Vollblut-Polizistin: sportlich und polizeilich hochmotiviert und zickig, auch anlehnungsbedürftig, gruppenbrauchend, noch nicht bei mir selbst angekommen. Und so waren wir alle! Zum Glück, denn sonst hätte das wohl kaum funktioniert. Ab einer gewissen Reife braucht und will es das aber unter Umständen nicht mehr.

IMG_3114
Polizeizeit und mein damaliger Gruppen-Lieblingsmensch. (1998)

Sobald allerdings irgendwo eine Gruppe gegründet werden muss, weil rein zufällig dasselbe Ziel verfolgt wird, gibt es gerne die “Gruppenschäfer”.
Diese sind herden-optimistische Menschen, die der Meinung sind, alle zusammen könnten Friede, Freunde, Eierkuchen sein und zu Best Friends oder mindestens innigen Freizeitpartnern mutieren.

Gleiche Ansichten? Gleiche Bedürfnisse? Gleiche Vorlieben? Gleiche Werte?

Wir Menschen sind generell ganz verschieden. Wir sind ganz wundervolle, liebenswerte, sowie eigenständige Individuen, die sich an den unterschiedlichsten Punkten ihres Lebens befinden.
Menschen mit den unterschiedlichsten Gesprächsthemen, der unterschiedlichen Motivation.
Laut schnatternd händchen-haltend oder sich tiefsinnig und leistungsorientiert austauschend: Für alles gibt es eine wunderbare Zeit im Leben und wir lernen sowieso nie aus.
Da passt selten jeder zu jedem.

Nur weil wir in dieselbe Ballett-Stunde gehen, heißt das ja nicht, dass alle Sushi oder Kegelabende lieben.
Und nur weil wir denselben VHS-Kurs belegen, heißt das nicht, dass wir auch sonst dieselben Themen haben.

Nicht mal im Tierreich kannst du jedes Pferd mit jedem beliebigen auf die Koppel stellen.

Und ich mache mir heute schon Gedanken darum, ob sich mein Whippet und mein Dackel mal so gut leiden können, dass ein harmonisches Zusammenleben möglich sein wird, oder ob sie getrennte Schlafzimmer brauchen werden.

Seelen können sich wie Magnete anziehen, oder sich abstoßen. Und nur weil wir Königsberger Klopse und Kaiserschmarren total lecker finden, heißt das nicht, dass wir die beiden zusammen in einen Topf schmeissen.

Toll doch, wenn sich innerhalb von 20 und 30 Leuten ein paar liebliche Kleingruppen finden und man bezüglich dem Gruppenprojekt trotzdem am selben Strang zieht.

Und klar wird es immer Menschen geben, die nicht gern alleine sind und Menschentrubel brauchen:

Können die dann ja so leben.

Aber ist es denn der geheime Lebenstraum eines introvertierten, tiefsinnigen, ausgereiften, anderweitig interessierten Menschen, mit einem Schlag 30 neue Freunde sein Eigen nennen zu können? Woher diese Zeit und Lust nehmen, wenn es nicht der obersten Priorität entspricht und die kostbare Freizeit gerne unter tatsächlichen Herzmenschen und Herzvorlieben aufgeteilt wird?

Die Hälfte aller Menschen ist immerhin introvertiert und jeder fünfte ist hochsensibel und so besonders wählerisch in seinen Kontakten und Aktivitäten. Und da gerade diese Menschen – in ihrer Feinfühligkeit und Stille – sehr gerne überhört, übergangen und überrannt werden, sollten wir uns gerade auch für deren Bedürfnisse stark machen.

Und wenn es Gruppenschäfer gibt, ist es gut, dass es auch die toleranten Gruppenführer gibt.

Tolerante Gruppenführer sind die die tatsächlich jedes einzelne Menschlein für sich selbst erkennen, nicht nur das große Ganze sehen und trotzdem das gemeinsame Ziel nicht nur nicht aus den Augen verlieren, sondern dieses über alles setzen. Denn warum kämen wir hier sonst in dieser Konstellation zusammen?

Kein Ringelpiez mit Anfassen.

Kein Gruppenzwang.

So viele Menschen lieben und leben Paarbildungen und Kleingruppen, nicht Großaufläufe. Und da eine jede Gruppe ja schon während ihrer Gruppenzeit zusammen gluckt, darf sie in der Freizeit gerne auseinander klaffen.
So hat jedes Tierchen sein Pläsierchen, und der Mensch sowieso.

Leben und Leben lassen.

Toleranz ist toll und essentiell!

Ich coache für Selbstliebe. Und Selbstliebe bedeutet, dass wir in erster Linie unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen und nicht die moralischen Erwartungen der Gesellschaft, die meist sowieso nur immer 50% der tatsächlichen Meinung aller ausmachen.

Herzlich, Petissa

❤ Ich coache, schreibe, texte und fotografiere täglich auf Facebook. Mein Facebook-Profil, unter dem Namen: „PetissaPan“ ❤

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *