Dunstige Diplomatie

Als hochsensible Persönlichkeit verfüge ich über einen Siebten Sinn: Ich kann das Innere eines Menschen sehen. Simsalabim, Zauberei, – Zauderei ist ohnehin nicht meins.

Grob gesprochen ist das so. Feiner gesprochen bedeutet das, dass ich ganz feine Antenne habe und mit Leichtigkeit die Intension meines Gegenübers mit seinem gesprochenen Wort abgleiche. Das, um so jede Ungereimtheit, Lüge und Heuchelei – diplomatisch auch “Diplomatie” genannt – erkennen und aufdecken zu können.

Bitte beneidet mich jetzt nicht darum. Hochsensibilität hat auch ein paar Merkmale, mit denen es schwierig ist umzugehen und die mich schon sehr viele Nerven gekostet haben und die Fähigkeit Menschen fühlen zu können, ist auch nicht immer ein Geschenk. Davon kann jeder Hochsensible ein nettes Liedchen trällern.

Wundersam sonderbar empfinde ich es, wenn das Äußere eines Menschen nicht seine Wahrheit widerspiegelt. Ich sehe es als ein gewieftes unfaires Spiel, von welchem ich lieber nicht Teil sein möchte, weil ich eben auch erkenne, dass viele andere diese Falschheit nicht durchschauen.

Freundlichkeit um seine eigenen Bedürfnisse durchzusetzen, ist eben eine Etikette mit der ich mich nicht selbst identifiziere. Auch finde ich dahingehend liebend gern entzückend deutliche Worte. Ist es nicht irgendwie egoistisch und berechnend so zu sein, und für welche die ein Gespür dafür haben sowieso kinderleicht zu erkennen und plump?

“ … um ihre Nasen im Trog halten zu können”

Ehrlich, ich hege eine übergroß überschwängliche Liebe und Sympathie für Revolutionäre, Querdenker und Quertuer und generell für Menschen, die anders sind und sich nicht darum scheren, was andere – gerne die breite Masse – über deren Verhalten und Lebensführung denken. Solange sie ein gutes Herz in sich tragen. Auch dafür habe ich ein sehr gutes Gespür.

Wenn ich früher nur Ansätze einer Gutherzigkeit in einem verhärteten Menschen erkannt habe, habe ich keinen Aufwand gescheut, diesem Menschen immer wieder mit größter rosaroter Liebe entgegen zu treten, ihn mit sprühenden Optimismus und liebevollen Zuspruch zu überschütten und in positives Denken zu hüllen, um sein Herz und seine echte Lebensfreude wieder aufzurütteln.

Motivator zu sein war wohl stets eine Berufung – von mir.

Das mache ich heute im Coaching bisweilen so.

An Heucheleien in den Führungsetagen hatte ich dafür umso weniger Interesse. Das bricht erst seit ein, zwei Jahren durch. Ich habe mich in meinem langjährigen Beruf niemals in den gehobenen Ebenen eingemischt – nur im Kleinen liebend gerne rebelliert – und mich privat mit oberflächlicheren Befriedigungen: wie viel Sport und Bummeln, Shoppen und Kaffee trinken mit Freundinnen begnügt.

Die Schönrednerei meiner Vorgesetzten, der Politiker im Fernsehen, der Diplomaten auf den Botschaften auf denen ich gearbeitet habe und diplomatischer Personen in meinem Bekanntenkreis, gingen mir damals herzlichst an meinem schönen, wohlgeformten Hintern vorbei.

Heute ist manches anders. Nicht nur, dass ich gar keinen Fernseher mehr besitze.

Ich weiß nicht einmal, ob mich meine Beziehung mit einem Narzissten dahingehend verändert hat aktiver zu werden. Sein professionelles verbales Schmusen hatte mich während unserer gemeinsamen Zeit auch komischerweise überhaupt nicht gestört: Blind in verzauberter Liebe. War ich mit meinem herzallerliebsten Narzissten alleine, hat er über Bekannte gerne mal deutlich uncharmant und hart geurteilt. Trafen wir dann eben auf diese Bekannten bei einem Streifzug durch unsere Stadt, oder abends in den Restaurants, hat er ihnen den feinsten Schwarzwald-Honig um ihre verzückten Münder geschmiert und mit Samthandschuhen die Brust getätschelt. Big business.

Ich selbst stand scheu lächelnd und etwas verwundert über deren Ahnungslosigkeit daneben. Heute weiß ich was sich mir damals bereits subtil angedeutet hatte: Die meisten Menschen wollen keine schonungslose Ehrlichkeit und lieber eine – selbst offensichtliche – “in Watte gepackte” Lüge erzählt bekommen.

Wieso? Und die viel wichtigere Frage: Wieso?!

Noch niemals zuvor wurde mir das so sehr bewusst gemacht, wie in der Zeit mit meinem durchaus einflussreichen und sehr gern und an-gesehenen Ex, der vor Charisma nur so strahlte und überging.

Ich war das schmückende Beiwerk: Nicht so sehr viel weniger charmant, aber still, optisch 30 Jahre jünger, blind und geblendet von der eigenen Faszination dem großen Zampano gegenüber und um herrlich viel Diplomatie dümmer. So dürfte man uns gesehen haben. Und ich sah plötzlich klar:

„Danke für deine Lehren lieber „Mick“. Du wirst mit allem durchkommen außer damit, dass du es gänzlich unterschätzt hast, wie sehr ich an Baden-Baden hänge und dorthin zurückkommen werde.“ Was hattest du gesagt: “Du würdest mich aus der Stadt treiben” … und in Miami am Flughafen, „dass wenn ich jemals illoyal dir gegenüber werden würde, du mich “killen” würdest“.

Tja, damals war es dann auch mit deiner hübschen Diplomatie vorbei. „Und danke dafür, dass ich noch leben darf und die Einblicke in deine Seelenwelt.“

Wer schöne Worte finden kann ist kein besserer Mensch und oft nicht einmal so ungefährlich.

Heucheleien und Märchenstunden also …

Oh ja, charmant bin ich doch. Bevorzugt dann, wenn ich in 5*Hotels ein- und ausgehe. Das, weil ich dort entweder im Service arbeite oder auch genußfreudig Urlaub mache. Ich mag Extreme und gerne beide Seiten von Medaillen.

Charmant bin ich auch wenn ich date und verführe. Im Business aber verführe ich nicht und ich schätze es wenig wenn man versucht mich hinters Licht führen zu wollen und mich mit Schönrednerei überzeugen will. Ich stehe, außer vielleicht in der Horizontalen, nicht auf Gesäusel und „Honig-um-den-Mund-Geschmiere“. Den besten Honig gibt’s sowieso im Schwarzwald und da komme ich her. Was also will mir die Männerwelt, gerade im Business verkaufen?

Demnächst male ich mir wahrscheinlich noch ein hübsches Schild, das ich mir dann über meine Brüste klebe, auf welchem stehen soll: “Ich durchschaue schöne Worte und bin nicht empfänglich für zielorientierte Komplimente und dergleichen Ihrerseits. Danke schön”.

Puh, bin ich ein harter Brocken: So unangepasst, bossy und arrogant kalt, was?!

Dann schlucke es hinunter und gehe zur Tagesordnung über oder meide mich. Vermutlich ist es nämlich genau das was ich damit erreichen möchte: Kein Business, und damit meine ich Schule, Uni, und Arbeitsplatz gleichermaßen, mit manchen Leuten.

Selbstständigkeit ist dahingehend so erquickend erfüllend. Und ich liebe ehrliche Komplimente, Wahrhaftigkeit, aufrichtige Freundlichkeit, schöne Authentizität, Lachen und Blödsinn machen. So wie ich grenzenlos herzenswarm, süß, emphatisch, weich, verspielt und feminin bin, wenn ich ein Umfeld und Menschen um mich habe, die passen. Mein inneres Kind ist wundervoll präsent und wird von mir bewusst, achtsam und aktiv gelebt und gepflegt.

Gruppendynamik ist wunderbar wenn die Gruppe passt – und das ist keine Rosinenpickerei.

Na gut, ein bißchen Rosinengepicke vielleicht … aber das muss auch sein – auch weil ich weiß, dass eine einzige Person eine ganze Gruppe durcheinander bringen, gegeneinander aufhetzen und das Klima nachhaltig vergiften kann. Es ist auf jeden Fall immer eine Person, die engen Kontakt mit der Führungs- oder Autoritätsebene pflegt oder ihn sich wünscht.

Aus solchen interessanten Beobachtungen können wir jede Menge Großartiges lernen und für uns an Mehrwert mitnehmen, wenn wir uns einmal entschließen sollten zu gehen oder unsere Position räumen:

Bye bye!

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Schlechtes Klima also … Klimawandel, Natur, Menschen und Menschlichkeiten. Manch einer würde mich vermutlich privat genauso furchtbar finden, da ich mich auch dort nicht blinzelnd-blind auf Menschen einlasse die mein Wertesystem kreuzen. Zumindest bin ich aktuell (noch) so: In einer wunderbar kreierten Freiheit, in der ich endlich mal nicht in einem Rudel auftrete und mir von Vorgesetzten anhören lassen muss, wie was zu sein hat. Danke dafür, denn dafür bin ich dankbar.

Wie aber wird Frau zum Rebell und kostet ihre gewonnene Freiheit und Selbstständigkeit vollständig aus?

Wie war das mit meiner Auslandskarriere bei der Polizei, die mir komplett dadurch ruiniert wurde, weil ich mit einem damaligen (verheirateten) Vorgesetzten nicht “in den Urlaub fliegen wollte”? Danke A.!

Wie war das mit meiner Bitte um Versetzung, die ich bei einem Mitglied des Personalrates der Polizei vortrug: “Helfen könne er mir leider nicht, aber wir könnten uns gerne mal privat treffen”? Danke M.!

Wie war und ist das generell mit Autoritätspersonen, bei denen Kätzchen nur allzu gerne auf den Schößen sitzen?

So toll aber auch, dass ich während meiner Ausbildung bei der Polizei noch minderjährig war und Mann mich diesbezüglich gänzlich in Ruhe ließ – weil lassen mußte. “Hunderte Male” aber gesehen …

Sind das alles die Schattenseite der Medaille der “Schönrednerei”? Reden konnten die nämlich alle. Ist Business generell eine Farce? Muss Frau generell abnicken, lächeln, falsch lachen und sich dämlich stellen, Kaffee kochen, Muffins einkaufen oder sich gar bücken, um nach oben gehoben zu werden? Nein, denn diese Entscheidung trifft jeder für sich selbst und bahnt sich seinen Weg auch gegen alle Widerstände.

Menschenfreundin, Wahrheitsliebende und sanfte Feministin … Jungs und Männer: Ich mag euch ja und habe auch überhaupt nichts gegen den “alten weißen Mann” in Führungs-Etagen, so er tatsächlich besser ist, als es eine Frau in seiner Position wäre.

Dennoch, oder gerade deswegen bin ich so frei, ganz offen meine wenig blumig servierte direkte Meinung gegenüber euren Argumenten zu sagen. Sonst werde ich womöglich noch (mal) als Frau wahrgenommen. Eine Frau bin ich privat. Business ist Business.

Provozieren gerne dort, wo man denkt dass es von Nöten ist.

Nebenher führe ich ein Herzensbusiness, in dem ich mein Herz und meine ganze Menschenliebe einbringe. Dafür braucht es keine Heuchlerei, kein falsches Gesäusel, keine Überredungsversuche und dergleichen. Stattdessen einfach Authentizität, Feinfühligkeit, Liebe und das feine Gefühl und Gespür, welches ich für Menschen einfach gerne habe.

Ich glaube an einen Wandel in den FührungsEtagen. Darauf erstmal ein Glas Wasser.

Herzlich, Petissa

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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