Alle Jahre wieder

Vorweihnachtszeit ist die Zeit des Jahres, während der sich samstags in der Schatten-Arkade (Schadow Arkaden Düsseldorf) alle 600000 Düsseldorfer, plus mindestens noch einmal genau so viele Menschen aus umliegenden Städten – wie heimliche Kölner beispielsweise – tummeln.

Und zwar just in dem Moment in dem Frau den Eingang betritt um zum Fitnessstudio im 1. Stock zu gelangen. Eine Wegstrecke, welche üblicherweise in sportlichen 2 Minuten spielend zu überwinden ist, kann so leicht auf das 10-fache der Zeit anwachsen.

20 lange Minuten und “Hilfe! Ich verpasse meinen Kurs“ später: Dabei ist es völlig egal, ob wir uns dafür entscheiden morgens trainieren zu gehen – oder am Nachmittag: Wenn die Geschäfte noch geschlossen sind oder abends schließen, hat nämlich auch das Trainingscenter geschlossen.

So bleibt die leicht sperrige Sporttasche, elegant über eine Schulter geworfen und gespickt und gefüllt bis obenhin mit Sportdress, 3 paar Sport- und TanzSchuhen, Bras für die diversen Aktivitäten, Wechselgarderobe, Terra-Bändern, Dusch- und Pflegeutensilien, 3-7 Parfums, mindestens 3 Lippenstiften und dem ein oder anderen, im Mindesthaltbarkeitsdatum, abgelaufenen Eiweißriegel … gerne hängen und eckt an, zwischen: edelsten Pelzmänteln der Oberkasseler Damen, aktiv begriffen von den klebrigen Schokoladen-, Crepes- und Gebrannte-Mandel-Finger der süßesten unter den Süßen, die Papa lässig auf dem Arm trägt.

Slalom-Lizenz erforderlich.

Hürdenlauf-Kenntnis ebenfalls von großem Vorteil.

Stau bei der Rollstreppe. Sie nimmt sich heute mal frei. Danke.

Nach gut 20 Minuten und dabei knapp 80 Metern zurückgelegtem Weg, mehr geschwitzt als beim nun anvisierten Kurs, erreichen wir das Ziel. Einchecken und schnell in die Umkleiden retten: Wunderbare Ruhe und kein einziger Mensch ist da. Wir geniessen die Stille, nur über die Lautsprecher ertönt beschwingte Musik, die so überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun hat: Auch fein. Wir summen entspannt mit und unser Sportlerpuls fährt so schnell runter, wie er gerade hochgeschossen ist.

Ausziehen.

Anziehen.

Schnell einen Zopf geflochten, einen Blick in den Spiegel, einen Sprung auf die Waage und wir gehen zügigen Schrittes den Weg zum Kursraum. 36 Treppenstufen joggend mit links hinauf, öffnen die Türe und dort sitzt sie: eine Einzelkämpferin. Sie und ich sind und bleiben die einzig beiden Teilnehmerinnen und damit entfällt dieses Workout.

Der Trainer darf nach Hause gehen und sich auf dem Weg einen Glühwein gönnen. “Gehen Sie über Los und ziehen Sie dabei kein Geld, kein Bauch-Beine-Po, kein Body-Complete, kein Hard-Body-Irgendwas ein“. und der Kursraum wird sofort verschlossen, nachdem wir nach wenigen Minuten wieder Draußen sind.

Motiviert schwingt Frau sich dann eben aufs Laufband. Sie hat das ganze Studio allein für sich und damit endlich einmal Zeit zu überprüfen welches Laufband denn nun das beste von allen ist und wo der Empfang der Fernseh- und Musikprogramme am klarsten.

Auf jeden Fall aber in der ersten Reihe, denn von hier aus haben wir – habe ich – einen fantastischen Blick, durch fast raumhohe Fenster, auf den bunten Weihnachtsmarkt samt Karussell unten auf dem schattigen Platz neben der Arkade. Schatten bedeutet in dem Fall aber, dass die Beleuchtung und das Lichtgeflacker sich umso wunderbarer abheben und die Augen begeistern, während die fleißigen Beine unter uns Kilometer um Kilometer laufen.

Viertausend Menschen haben wir gezählt – das gesamte Fitnessstudio immer noch still und leer – als wir nach einer guten Stunde vom Band hüpfen.

Dusche für uns allein.

Sauna für uns allein.

Einmal noch tief durchatmend, die sanfte Stille genießen, bevor wir das Trainingscenter verlassen um uns auf den erneuten Arkaden-Kampf zu wappnen. Oder wir machen es dieses Mal anders: reihen uns mit unserer Sporttasche ein und lassen uns locker entspannt treiben bis wir Arkade, die Innenstadt, Metro & Co hinter uns gelassen haben.

Zuhause angekommen realisieren wir, dass wir unbedingt noch ein Geschenk für morgen gebraucht hätten. Also nochmal los, oder doch ein paar abgelaufene Eiweißriegel verschenken und so tun als ob?

IMG_2654
Weihnachten ist auch in London – hier Mayfair – für die, die mal rauswollen und die Sport- oder Aktentasche mal eben an den Nagel hängen …

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *