Wunderpretation des gelobten Individualismus

Meine Interessen und Werte laufen mit denen der monetär-primären Gesellschaft nicht wirklich konform. Idealisten sind eben sehr oft unbequem, aber auch wunderbar inspirierend.
Werte die mir unser – oder auch ein anderes – gesellschaftliches System aufzudrücken versucht, interessieren mich sehr, inspirieren mich dafür aber nicht im geringsten.
So bin ich ohnehin der Meinung, dass sich immer mehr Menschen von gesellschaftlich auferlegten Fesseln befreien werden: um ihr Selbst zu leben und ihr Selbst zu feiern.

Gesellschaft und ihre prägenden Normen sind doch oft genug veraltet, abgestumpft, stumm und einfarbig. In ihrer tiefverwurzelten seelischen Unzufriedenheit, stürzt sie sich in materiellen Konsum und auf wenig tiefsinnige Aktionen und beruft sich immer mal wieder lautstark, auf irgendwelche Absicherungen, die ihr “laut Vertrag” zustehen, während sie doch auf ihrem Hintern sitzen bleibt und damit in genau der Schublade bleibt, die ihr zugeteilt worden ist.

Es ist der bequeme Weg.

Jedoch auch einer, der viele nicht und niemals glücklich machen wird. Und ist das tatsächlich besser als sich auf die Suche zu begeben, um damit von innen heraus glücklich und erfüllt zu sein?

Ja, es erfordert Mut anzuecken, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und diese zu leben. Es erfordert anfangs auch viel mehr Aufwand, aus der Reihe zu tanzen, das buntgescheckte Einhorn zu sein, Gegenwind aushalten zu müssen und sich nicht mit Verallgemeinerungen und Zwängen abzufinden.

Nur, wer der Meinung sein sollte, dass diejenigen die munter querleben, beleben und sich nicht in Systeme einfügen, die großen Egoisten und negativen Exzentriker seien, liegt meiner Meinung nach damit unfassbar falsch.

Egoistisch und bequem empfinde ich eher noch die, die sich widerstandslos allem anpassen. Welche die wider ihre Werte leben, nichts hinterfragen und einfach nur mitmachen, mitreden, schlafen, um entspannt im Strom schwimmen zu können.

Die Wasserqulität modrig?

Die Idealisten hingegen setzen sich nicht selten erheblich viel mehr für Menschen, Tiere und Rechte ein, bewegen dabei nicht allein ihren Schnabel in empört-entrüsteter Manier, sondern packen tatkräftig mit an, und sind eine tatsächlich helfende Hand, statt sich nur im Schutz der Gesellschaft auszuruhen.

Individualisten unserer Gesellschaft regen das an, was bewegt werden soll. Denn nachweislich ist unsere Gesellschaft doch ohnehin einem Wandel unterworfen und kommt früher oder später ins Rollen. Dank der Individualisten häufig früher. Gut so.

Für alle ein Stück vom Kuchen bitte.

Und für mich als Schwarzwälderin Schwarzwälder-Kirschtorte bitte.

Hier gibt es nicht nur die “Normalos”. Wir bestehen aus so viel Verschiedenem: Sanften, Mutigen, Ellbogen-Menschen, Herz- und Kopfmenschen, Romantikern, Rationalisten, Spirituellen, Geistes- und Naturwissenschaftlern, Kümmerern, Energieräubern, Ehrlichen, Verlogenen, Frechen, Braven, Selbstbewussten, Starken, Alten, Jungen, Schwachen, Lauten, Leisen, Gewohnheitsmenschen, Einzelstücken, Dicken, Dünnen, Kinderfreundlichen, Fremdenfeindlichen, seelisch Kränkelnden, körperlich kranken, Müden, Energiegeladenen, Einfarbigen, Bunten, Karriereaffinen, Luxusliebenden, Materialisten, Minimalisten, Gepflegten, Organisierten, Chaotischen, Pessimisten, Optimisten, Unsensiblen, Hochsensiblen, Autisten, Neurotypischen, Neurotischen, Umweltaposteln, Tierfreunden, Freigeistern, Künstler, Denkern etc.

Ich werde euch heute nicht meine – in 15 Minuten niedergeschriebene – Hausaufgabe zum Thema vorenthalten. Diese habe ich vor circa einem Monat im Fach Soziologie „zum Besten gegeben“. Sie war gewollt spaßig und lieb provokativ am Thema vorbei:

Ein deutliches Plädoyer für Individualismus eben – was nun nicht die Aufgabe war.

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Ich feiere Individualismus, weil das „Uns-Selbst-Sein“ uns zu besseren Menschen macht, was wir dann an andere so weitergeben werden. Da ist Liebe. Echte Nächstenliebe und bringt eine wirklich fröhlich-zufriedene Gemeinschaft hervor und keinen in Zwängen lebenden und denkenden Einheitsbrei.

Warum ich kein Fan der Mainstream-Gesellschaft, sehr wohl aber eine umarmende Freundin der Gemeinschaft, bestehend aus Individualisten bin? Weil sie viel mehr Toleranz leben könnte und damit zufriedener und passender wäre.

Und wäre das nicht wunderbar?

Die/meine Individualsierungsthese (Dezember 2017)

Die Individualisierungsthese ist ein weiterer Erklärungsansatz des Wertewandels in der Gesellschaft und des in Gang gesetzten Wandels der Familie.
Bei der Individualisierungsthese geht es, wie der Name bereits benennt, um die Individualisierung des einzelnen Individuums.
Sie beinhaltet die Feststellung über ein Mehr an Freiheitsbeanspruchung und Freisetzung der eigenen Bedürfnisse, ohne größere Rücksicht hinsichtlich der – nun veralteten – Ansprüche und immer mehr verstummenden Forderungen der breiten Masse – der Gesellschaft – und des sich generell Versagens, von Schubladendenken und Mainstream-Verhaltens.

Der Mensch macht sich immer mehr Entscheidungsspielraum zunutze – was für Frauen genauso, wie für die männlichen Vertreter unserer Art gilt – weil er es kann.

Aufgrund der Durchsetzung der bürgerlichen Rechte, des Feminismus, der Option der Freien Lohnarbeit und der Zunahme des allgemeinen Wohlstandes in unserer Gesellschaft, ist das einzelne wundervolle Individuum heute glücklicherweise in der Lage, sich von traditionellen Fesseln erfolgreich zu befreien und seine eigenen gewünschten Arten von Bindung, Nicht-Bindung, Sozialbeziehungen, Glaubens- und Wertesystemen zu wählen und zu leben.

Des Weiteren ist es heutzutage ein Leichtes, seine ursprüngliche Gesellschaftsschicht und Bildungsschicht zu verlassen, um “auf allen Hochzeiten tanzen zu können”, die uns belieben.

Die Individualisierungsthese trägt den Inbegriff von selbstverwirklichendem Freimachen und der puren Freiheit im Herzen, indem sich von konventionellen Regeln des ursprünglichen Gesellschaftssystems losgesagt wird.

Aus der Normbiographie wird eine Wahlbiographie, welche die gezielte und anvisierte “Wünsch-dir-was-Mentalität” der jeweiligen Einzelperson trägt.

Selbst für Familienplanung – und ja, mir ist durchaus bewusst, dass Männer so etwas nicht gerne hören – bedarf es nicht mehr des Mannes aus Fleisch und Blut. Das Wunschkind darf seine Wurzeln gerne in einer ausländischen Samenbank haben, oder ein Pflegekind von einem anderen Kontinent sein.
Partnerschaftliche Zweckbeziehungen gehören damit zunehmend der Vergangenheit für die moderne Frau an.

Allein die wahrhaftige Liebe läßt sich nicht ersetzen. 

Individualisierung nach der Individualisierungsthese stellt jedoch auch Forderungen, indem sie dem Einzelnen mehr Selbstständigkeit und Autonovität abverlangt: Er allein ist das Zentrum seiner eigenen Lebensplanung. – Dies nicht getragen von den Werten und Normen der vorherrschenden Gesellschaft. Kein Wunder also, dass sich so mancher doch lieber in das gemachte Bett kuschelt, sich so selbst verleugnet, aber so zumindest bequem dazugehören kann.

Individualität bedeutet Selbstverwirklichung mit all seinen Pros und Contras, was einen noch immer äußerst exzentrischen Lebenslauf zur Folge haben wird, jedoch ganz und überhaupt nicht egoistisch sein muss, da es so fantastisch vielseitige Möglichkeiten gibt, sich in einem Zusammenleben für andere Menschen einzubringen.

Dies kann mittels großzügigen Spendengeldern und Anpacken, wie einem Ehrenamt, geschehen. Damit allein auch, besteht der Zusammenhalt einer Gesellschaft nicht ausschließlich aus Normen und festgemeißelten Werten auf Bundespapier, sowie angeregtem Nachbarschaftsklatsch, sondern könnte so dem erforderlichen Wandel angepasst und einem modernen und glücklicheren Zeitgeist entsprechen.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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