Seiltanz

Fünf sehr turbulente Jahre liegen hinter mir und ich möchte einen endgültigen Strich unter diese ziehen, indem ich in wenigen Wochen zurück in meine wunderschöne Heimat Baden ziehen werde.

Die vergangenen 2 1/2 Jahre habe ich in Düsseldorf gewohnt und bin hier nie angekommen. Düsseldorf war ein Versuch, auch meine große Flucht Erlebtem zu entkommen, mich zu sortieren, wieder zu finden und verarbeiten zu können – dann neu zu starten. Endgültig ist dabei nichts. Ich gehe Step-by-Step und nehme dabei mit, was immer ich gut finden will. Ich „liebe“ Richard Branson und lebe seine Spontanität und den Leitfaden „Make fun a priority!“

Trotz aller Enttäuschung die ich in mir trug: Ich habe erst gestern wieder zu einem Freund gesagt, dass ich 100% hinter der deutschen Polizei stehe, auch wenn ich nach allem was zuletzt war, nicht mehr wieder für sie arbeiten werde.
In meinen 20 Dienstjahren hatte ich niemals die Erfahrung gemacht, dass auch nur einer meiner tausenden Kollegen Status oder Macht missbraucht hätte. Wir waren eine tolle Gemeinschaft, tolle Menschen und ich habe meine besten Freunde dort gefunden und bis heute. Der Polizeiberuf war ein unglaublich bedeutender und glücklicher Teil meines Lebens, so wie ich Städte und Menschen früh fühlen kann, die „perfekt“ für mich sind.

Baden-Baden zum Beispiel: Mit 18 Jahren erstmals besucht und sofort gewusst, hier will und werde ich einmal wohnen. Und das habe ich, bevor vor fünf Jahren alles ins Wanken kam und nichts mehr so war wie zuvor.
Meine Liebe ist geblieben, für diese Stadt, und das wird sie ewig. So wie meine Abneigung gegenüber Düsseldorf vom ersten Tag an da war und nie vorüber ging und gehen kann.
Einem Freund sagte ich erst vor wenigen Tagen, dass ich überall wohnen könnte, nur niemals mehr wieder in Düsseldorf. Strich darunter, auch wenn meine letzten Wochen hier absolut fantastisch sind!

Und wenn Menschen keine Masken tragen würden, könnte ich – könnte jeder von uns – so viel schneller erkennen, wer zu uns, unserem Leben und zu unseren Werten passt. Und die, die uns nur benutzen und weh tun werden, weil sie eigene Wunden in sich tragen oder es nicht anders wollen: an denen könnten wir schnell vorüber gehen.

Es war eine riesige Enttäuschung für mich, erkennen zu müssen, dass nicht alle Menschen dasselbe Herz haben. Naiv gutgläubig war ich, und mit strotzendem Optimismus, dass ich die, bei denen dieses gute Herz verschüttet ist, bekehren könnte: Das war einmal und ist vorbei. Distanz und loslassen sind es heute für mich geworden.

Lange dachte ich auch, dass ich früher der bessere Mensch war und haderte mit mir und meinem neuen Ich .. Früher, vor dem was ich von 2013 an erlebt hatte ..
Aber so ist es nicht: Ich bin heute nur anders, weil wir eben nicht jeden bekehren können und nicht jeder Mensch zu uns und in unser Leben passt. Das erkannt zu haben war scheußlich, schmerzhaft, doch auch das ist vorbei.

Es ist mit Berufen wohl wie mit Menschen und Städten und allen Dingen die wir tun: Wenn wir den Point-of-no-return erreichen, ist es aus! Es bleibt nichts mehr an Wärme und Wollen – nur eine Erinnerung und die bewusste und zielstrebige Entscheidung für etwas Neues.
Meine Wunden habe ich lange genug geleckt, die Fehler erst bei anderen gesucht, dann bei mir selbst, vergeben, ja, vergessen werde ich diese Lektionen nie.

Weich und lieb konnte ich hier und heute nicht mehr werden, darum mein Strich darunter und Düsseldorf als die Stadt die ich in Zukunft weiterhin besuchen werde: für gemeinsame Zeit mit den Freunden, die ich hier fand.

Wir mögen nicht für jede einzelne große und grobe Wunde in unserem Leben verantwortlich sein, diese aber zu heilen, das ist unsere alleinige Aufgabe.
Für mich, um da wieder angekommen zu sein, wo ich vor fünf Jahren anfing zu fallen. Verändert aber frei.

(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

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PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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