Entfaltende Individualität

Max Frisch, der Schweizer Schriftsteller, ist mir aktuell der Zweitliebste!

Mit den deutschen Schriftstellern kann ich nach wie vor wenig bis nichts anfangen. Und dabei rede ich von der Vergangenheit, weil ich aktuelle Literatur und Mainstream-Bücher, zumindest bis jetzt, überhaupt nicht lese. Tausende Sachbücher, diverse Ratgeber oder schön illustrierte Kochbücher ansonsten.

Grass, Canetti, Koeppen und selbst Kafka – selbst Goethe – können mich (noch?) nicht so berühren, wie es Turgenev, Dostojevski, Tolstoi, selbst Hemingway und eben die Schweizer und ein Österreicher tun.

Ich liebe alte Werke und bin sowieso sehr altmodisch, weil ich unsere heutige Zeit sehr häufig als zu schnelllebig, laut und oberflächlich empfinde.
Früher war ich neugieriger auf alles und jeden – auch auf Trubel, Party und Lärm. Aber ich habe inzwischen alles gesehen und erlebt was ich gesehen und erlebt haben wollte: Supersonic – in Überschallgeschwindigkeit! Heute mag ich deshalb besonders Ruhe, Tiefsinn, Klassik und Stil und bin Jahre schon nicht mehr überall dabei.

Ich habe ein paar Jahre Golf gespielt. Und was viele, die das nicht ausprobiert haben, nicht wissen: Es muss einem dabei nicht zwangsläufig ums Dazugehören gehen. Ich beispielsweise habe am liebsten alleine gespielt. Frühmorgens oder spätabends, bevor der Platz geschlossen wurde. Ganz alleine habe ich meine Runden gedreht, mich nur auf Abschlag, Spiel, Natur konzentriert und mit dem herrlichen Blick auf meine Stadt begnügt. Das empfinde ich und so viele andere auch am Golfsport wunderschön und als die eigentliche Faszination! Das 18. Loch habe ich dabei auf meinem Heimatplatz gerne ausgelassen, da direkt vor der Club-Terrasse eingelocht werden muss, auf der abends stets reger Trubel und ein Teil der kleinstädtischen Upper-Class erlebte, genoß und sich freudig belustigte.

Nun darf man nicht denken, dass mir dies grundsätzlich missfiel. Überhaupt nicht. Denn gibt es schöneres als wenn Menschen Freude an einer Sache haben und gute glückliche Momente?
Der Champagner nach dem Spiel darf für mich für andere also liebend gerne hinzugehören. Auch mag ich Stil und Klasse und habe eine – doch eher sehr oberflächliche – Vorliebe für so manches, was eben nur ein Maß an Luxus mit sich bringen kann.

Jetzt aber bin ich vielleicht lieber ganz alleine, nachher vielleicht im interessierten Gespräch mit einem Wildfremden, später treffe ich vielleicht Freunde – einen Mentor – für Tiefgang .. Ich lieb(t)e 400 PS auf der Autobahn aufwärts und mach(t)e ein Ehrenamt für „von der Gesellschaft eher Ausgeschlossene“. Selbst gehöre ich wohl auch schon ein wenig dazu: Mein Leben lang schwer zu greifen, sprunghaft, 20x umziehend in der Welt, vor Glück übersprudelnd und doch nie zufrieden.

Irgendwann in meinen 20ern meinte ich einmal normal sein zu müssen und mich dazu zu zwingen und wollte dazu gehören.
Später habe ich dem Lauf der Dinge ihren freien Lauf gewährt und mich seitdem entblättert, erkannt und ein paar Jahre gänzlich abgewandt.
Heute ist es mir egal, ob ich dazu gehöre und mache dies auch davon abhängig welcher Stempel mir vom jeweiligen Individuum aufgedrückt wird. Ist es keiner, bin ich da und nah.

Ein guter Lehrer ist eben einer, der dir zwar zeigt worauf du schauen solltest, aber dir nicht sagt, was du dort zu sehen hast!

Nach meiner mehrjährigen Lebenskrise sehe ich Dinge sehr viel klarer und nicht mehr vernebelt wie früher. Manchmal ärgert mich das zwar, doch so ist es gekommen. Im Rahmen der Entfaltung. In mir drin war ich so schon mein ganzes Leben – wie ich heute weiß.

Von Max Frisch also das Zitat: „dass uns die Zeit nicht verändert, sondern „nur“ entfaltet“.
Aus der Raupe wird also der Schmetterling …

Max Frisch, der, wie Dürrenmatt und Bernhard ebenfalls, und zu meinem großen Glück, für deutschsprachige Literatur steht, hatte sich schreibend Identität und Individualität zu den zwei seiner zentralen Themen gemacht.
Es heißt, dass niemand Festlegung so sehr verabscheute wie er. Und dass seine Sehnsucht immer wieder ein anderer werden zu können, sein großes Thema war.
Frisch wollte mit seiner Literatur dem Menschen den Ausweg aus einer Rolle aufzeigen, die ihm die Gesellschaft aufzwingt.

Schubladen adé! Und so liebe auch ich es, gegen die Versteinerung des einzelnen Menschen zu Lebzeiten anzuschreiben und wünsche mir und jedem einzelnen Persönlichkeiten, die authentisch und suchend sind, wie ich es lange nicht gewesen war und es mir nicht zugestanden hatte. Diese Freiheit ist eine der Besten und vielleicht die einzige Sache die zählt, da sich darauf alles andere aufbauen oder damit zusammenstürzen läßt.

Auf die Freiheit, Authentizität, glückliche Momente und daraus resultierende Möglichkeiten und Liebe: Die jeweils am schönsten sind, wenn wir sie mit wem teilen können, der mindestens versteht, uns lässt und fühlt – gar selbst ist wie wir!

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(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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