Werthers Echter

Verrückt muss man sein, für die Liebe seines Lebens sterben zu wollen, nicht?

Was das soll das überhaupt sein: Die Liebe des Lebens, die Mann (Frau auch) niemals gelebt hat und sich da einfach irgendwas zusammen phantasiert – idealisiert?
Womöglich können wir den anderen nicht wirklich riechen, wie er das mit der Zahnpastatube handhabt macht uns kirre und im Alltag ist er auch in so manchem mehr Tier als Mensch.

Je emotional reifer wir werden, desto klarer wird uns womöglich werden, dass es zwar immer weniger Menschen gibt, die wirklich mit dem Herzen und im Alltag zu uns passen, aber es DIE eine Liebe auch nicht sein muss, weil es die nicht, dafür genügend andere gibt. Das, weil EIN Mensch in der Regel doch genügt. Und dafür gibt es mehr als genug.

Goethe sah das anders: In seinem von schmerzlichem Herzeleid getragenen Roman „Werthers Leiden“, in dem er seine ganz eigene, in Selbstmitleid versunkene Sehnsucht nach einer Unerreichbaren zum Besten gab.

„Ich suchte Lottens Augen! Ach sie gingen von einem zum andern! Aber auf mich! mich! mich! der ganz allein auf sie resigniret da stand, da fielen sie nicht!“
(Die Leiden des jungen Werthers“ Johann Wolfgang von Goethe (1787))

Strebsame Erwartungshaltung und Verzicht scheint eben doch nicht der größte Genuss zu sein, so Mann (Frau) nicht damit umgehen kann.

Ich liebe dieses Buch. Mal wieder eins. Herrlich und herzlich versunken in Liebe mit viel Sehnen – ganz ohne fruchtende Leidenschaft. Stupide unerfüllt, sich selbstquälend, da am Unmöglichen festhaltend, bis zum Unausweichlichen.
Wie gut, dass Goethe, anders als im Buch keinen Selbstmord begangen hat und seine Nachwelt noch mit dem ein oder anderen Kassenschlager inspirieren konnte.

Goethe, ja. Wenn ich mir so anhöre und anlese was man gemeinhin über sein Leben, sein Wirken, seine Persönlichkeit sagt, sind mir seine Werke bei Weitem lieber, als mir sein Charakter noch sympathisch werden könnte. Von Beerdigungsvermeidung über grenzenlosen Egoismus bis hin zu unfeiner Feigheit und labiler Schwäche ist da die Rede.
Nun gut, wer kannte ihn schon persönlich? Ist alles kalter Kaffee von gestern, angerührt mit einer Prise munterer Mutmaßung und wissenschaftlichem „Möchtegern-Ich-seh-ihn-aber-so“.

Werthers Leiden hingegen Schwarz auf Weiß und wie in Beton der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft gemeißelt, bestechen und bestehen mit wahrhaftem Wehen eines vor Verlangen verrückt Gewordenen.

Diese Art dieser Verrücktheit darf uns, buchtechnisch ausgenommen, aber einmal ganz gut und gern gegen den Strich gehen.
Ich lobe mir da die gesünderen Verrücktheiten wie sie Alice im Wunderland oder Peter Pan erleben und sich erlauben. Selbst ein Sir Richard Branson gibt optimistisch an, dass er von Peter Pan sein ganzes Leben und Wirken inspirieren ließ. Nonchalant und verspielt, der Richard Rich.

Und ja: Verrückt, anders, einen kleinen Knall zu haben finde ich ebenfalls wunderbar und bisweilen erfrischend charmant. Ob das allerdings die besten Menschen sind, lassen wir freilich einmal dahingestellt. Auf jeden Fall aber, haben sie jede Menge Leben, Lachen und Spaß!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Auslage im Buchladen unweit des Martinstor in Freiburg/Breisgau. Gesehen. Für interessant befunden. Nichts gekauft.)

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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