Reise reise

„Die ersten Sterne waren in den Fenstern zu ahnen, und die Haushälterin zündete drei große schwere Leuchter an, die das Schattenbild der Tafelrunde wie den wunderbaren Blütenkelch einer phantastischen Blume an die Wände malten. .. „Wie im Märchen“, staunte Traps“

Und wer hier so märchenhaft fabelhaft Wörter aufs Papier zaubert, mehr noch aus seinem Ärmel schütteln konnte, ist Friedrich Dürrenmatt.
Besonders verschmitzt, verführerisch verspielt, gerne und deutlich sinnlicher als so manch anderer, und herausragend originell immer in seinem Stil, – wie ich ihn wahrnehme.
Zitiert aus seinem Buch „Die Panne. Eine noch mögliche Geschichte,“ aus dem Jahr 1956:

Ein Mann mittleren Alters, Traps, bleibt mit seinem Auto in der Ferne liegen und findet ein Nachtquartier bei einem sehr alten Fremden, der seine ziemlich gleich alten Freunde dazu eingeladen hat, Gericht zu spielen.
Das, weil sie allesamt früher der Judikativen und Legislativen angehörten. Und dem Gast wird folglich die Rolle des Angeklagten zuteil.
Ihm wird nun, an diesem einen Abend, während einem opulenten, gefühlten 10-Gänge-Menü, ein Prozess gemacht: in aller üppig dekadenten Pracht, einer sich annähernden und befreundenden Schmuserei die zu einem Rausch wird, und bis der Vorhang fällt.

Wann verschwimmt die Realität mit dem Fiktiven: erst nach dem 5. Glas Château Pavie 1921?

Wie sicher können wir stehen, wenn andere an unserer Persönlichkeit und Wahrheit rütteln, sie kneifen, greifen?

Ist Dürrenmatts „Panne“ womöglich bildschöner und unterhaltsamer gleich sowieso, als Kafkas „Prozeß“?

Auch auf die Gefahr hin, dass wir bei einer unserer Reisen einmal mit dem Wagen liegen bleiben und uns eine solche Runde aufnimmt, wie in Traps Fall:
Was ist die Alternative dazu: Zuhause bleiben?

„Die Welt ist (doch) ein Buch. Wer nie reist sieht nur eine Seite davon.“
– Auch so ein fröhlich motivierendes Zitat, welches wir uns zu Herzen nehmen können, wenn wir denn gerne wollen, um die Beine in die Hand zu nehmen und das nächste Ticket ins Wunderland zu buchen, weil Genève, Gansbaai und Ganzwoanders uns rufen.

„Die Weltkugel liegt vor ihm offen.“ (Friedrich von Schiller)

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan; Yasmina in der Maranjab Wüste im Iran, wo ich in den Jahren 2012/2013 lebte und reiste, da arbeitete.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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