You go girl!

„Wenn ich er wäre, hätte ich mich längst nicht mehr angerufen. Ich hätte seine Nummer niemals ins Adressbuch übertragen und Funkstille einkehren lassen.
Und es wäre mir an seiner Stelle völlig egal, ob ich ihn für überheblich, abgehoben oder sonst etwas halte, denn auf einen Freund wie mich, der sich nie meldet, aber beleidigt ist, wenn man ihn nicht regelmäßig anruft, könnte ich gerne verzichten. Wenn ich er wäre.
Aber er ruft mich an. Immer wieder. Immer freundlich und offen. Er ist mir ein Rätsel.“
(„Goethe ruft an“ von John von Düffel)

Vor über 15 Jahren damit beginnend: Ich denke, dass ich selten ein anderes Buch so oft gelesen habe, wie John von Düffels „Ego“, in dem es um einen narzisstischen Menschen geht, der sich nur um sich selbst, seinen fast perfekten Körper, seine eigenen egoistischen Bedürfnisse und das Verurteilen, Bewerten und Benutzen anderer dreht.

Ich mochte schon damals von Düffels Humor als Autor sehr gerne und hatte viel Freude daran und Bewunderung dafür, wie er enorm wortgewandt, witzig-bissige Sätze aufs Papier zaubern kann und damit einen ganz besonderen und klugen Humor kreiert.
Auch wenn man sich ein Interview von oder eine Talkrunde mit ihm ansieht: Ihm springen schelmisch Schalk und pure Freude aus dem Augen, dem verschmitzten Lächeln. Ein wunderbar lebensbejahender leichter Autor, wie ich finde. Und ich lese und liebe seine Bücher.

Inzwischen haben ich mit großem Genuss auch seinen Roman „Goethe ruft an“ gelesen.
Eine faszinierende Komödie mit durchweg viel satirisch gewitzter Schreibe, herrlich leicht – wunderbar amüsant.

Es geht nicht um Goethe in diesem Buch, sondern eine Art Freundschaft, die Jagd und das Haben von beruflichem Erfolg, und die damit verbundene große Kluft – was den gesellschaftlichen und sozialen Status angeht – zwischen den beiden Protagonisten.
Es geht darum, was es bedeuten kann echte Größe und Charakter zu besitzen, oder eben nicht.

Hinterlässt nicht jeder Mensch, so wir ihn hinter uns lassen, oder er uns, eine Lücke, die sich nie mehr wirklich schließen läßt, deshalb, weil wir alle anders sind und keiner und nichts diesen einen in seiner Gesamtheit ersetzen kann?

Warum soll diese Lücke überhaupt geschlossen werden?

Macht diese Lücke nicht Sinn, weil sie Platz macht für einen reiferen wie guten Blick, für viel Neues und jemanden Neuen, und dennoch den Raum läßt, für die gelebten Erinnerungen mit Betreffendem, die uns niemand jemals nehmen kann?

Sind Lücken deshalb nicht auch immer – trotz manchmal aller Melancholie vielleicht – wunderbar und eine Bereicherung, nach dem Schmerz?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, mit dem Mut zur Lücke.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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