love ’n leave

Uns trennen und Menschen loslassen wollen, bedeutet nie, dass wir nicht auch verzeihen können. Nur, dass wir ein Leben ohne den jeweils anderen, als schöner und besser für uns selbst betrachten und die gemeinsame Zeit Erinnerung bleiben soll und auch, in all ihrer vergangenen Schönheit, bleiben darf.
Nicht?

Wie viel lassen wir andere in in unser Wasserglas regnen:
bis halb voll, bis ganz voll, oder agieren wir erst, wenn schließlich der berühmte, allseits bekannte wie gerne,zumindest von der Gegenseite, verdrängte letzte Tropfen gefallen ist, welcher es zum Überlaufen brachte?

Sind das denn Tränen, und gehen wir dann irgendwann einmal ganz und für immer?

Und wie geben wir uns so, solange es munter ins große Glas hinein plätschert: bescheiden, duldend, hoffend? Auch prüfend beobachtend: Erst sanft nachsichtig, dann forscher, kritisierend vielleicht, und werden schließlich zunehmend immer ruhiger und ruhiger und gleichgültiger, je mehr sich das Glas dem Finalen Tropfen entgegen füllt?

Verfügst du über die Konsequenz oder das straffe Wertesystem eines point-of-no-return? Und welche Ausnahmen dürfen hierbei unsere Regeln bestätigen?

Mathematik ist leider keines meiner Steckenpferde und folglich auch nie Leidenschaft geworden. Allerdings, dass „Minus ein falscher Freund“, Platz und Zeit für einen richtigen machen kann und wird, das kann auch ich logisch berechnen und glasklar so seh’n.

Menschen machen Fehler oder versäumen, und einige Fehler und Versäumnisse davon bleiben zu folgenschwer.

„Ich spürte an der Schläfe, an meinen Haaren, kaltes Eisen. Sie fragen mich ob ich die feste Hoffnung hatte das zu überstehen. Ich werde Ihnen antworten, als stände ich vor Gott: „Ich hatte keinerlei Hoffnung. Sah höchstens eine Chance von eins zu einhundert.
Wofür ich bereit war den Tod hinzunehmen? Ich frage Sie: Was war mir das Leben nach dem Revolver, den das von mir vergötterte Wesen erhoben hatte, wert?““
(Fjodor Dostojewsky; Die Sanfte (1876))

Die sensible Herzensgute, die sich zur Hochzeit mit einem stolzen – nicht nur an Gefühlen geizigen – Tyrannen überreden ließ, und ihrer entzweienden Gegensätzlichkeit jeden Tag dessen bewusster und so zunehmend todunglücklich wurde.

Was wäre gewesen, hätte sie nach dem Tropfen, der die Beziehung zu einer nicht mehr lebenswerten definiert hatte, hätte gehen können?

Jede Trennung von einem geliebten oder gemochten Menschen, ist nämlich immer auch ein frischer Neuanfang für uns – und den anderen.

Wann kommt ein Bereuen zu spät und wann passt es einfach nicht?

Gestern?
Heute?
Morgen?

Jeder Mensch hinterläßt Spuren in unserem Leben und in uns – völlig egal, was er für uns getan und nicht getan hat. Sowieso in der Art wie er war, ist, und uns inspirierte.
Können wir es nicht einfach genau so sehen, auch wenn das Herz oft genug hinterher hängt?

Morgen.
Heute.
Gestern.

Eine ungleich schwerere Bürde, als nur den Verlust der Weg-Trennung hat Dostojewskys Protagonist in „Die Sanfte“ zu verschmerzen, und sich vor allem selbst zu verzeihen: Sie hat schließlich nicht ihm, sondern sich selbst das Leben genommen.

Längst nicht Dostojewskys bestes Buch wie ich finde.
Vielleicht, und wenn man die alte Sprache wie ich so gerne mag, etwas für die trüben nachdenklichen Herbsttage, welche nach diesem Super-Sommer langsam kommen dürf(t)en.

Vieles, Verschiedenstes, intensiv innig lieben, als gäb’s kein Morgen. Und oft und konsequent gehen und loslassen, wenn es etwas und jemand nicht für uns war. Deshalb, weil es eben ein Morgen gibt:

Möglicherweise der Schlüssel zum Glück!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, die Regen und Wasser – statt im Wasserglas – inmitten grüner Natur liebt. Hier am Lac Lèman in Genève.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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