Konsumkinder

Der Konsum der Romantik.

Oscar Wilde meinte ja einst, dass das Wesentliche an der Romantik das Ungewisse sei.
Aber läßt sich das Ungewisse denn käuflich spielerisch einfangen – konsumieren – und so an sich binden?
Oder wird durch Binden bloß festgezurrte Starre und zu viel Sicherheitsgedanke, Rationales, Realität daraus, und die Verzauberung und Magie vergeht: schmilzt dahin wie Sahneeis im diesjährigen Hitzesommer?

„Hat die Konsumsphäre die Liebesbeziehung eines Sinnes beraubt, der bislang durch die vorkapitalistische Kultur bewahrt worden war?“
(Aus „Der Konsum der Romantik“ von Eva Illouz)

Wo wärst du denn ohne den toll-teuren Ring an deinem Finger von gestern: Über alle Berge, in den Armen eines anderen, der dir diesen, gekauft, dann geschenkt hätte?

Wo wäre ich ohne all die Candlelightdinner in edlen Restaurants, welche es nicht für lau gibt, und Frau mit wunderbar und gelungen bewerten mag?

Wo wären wir also heute: ohne die gekauften Rosen, die schmeichelnden Geschenke, korkenknallenden Champagner, das Ferienhaus am Meer und all die anderen geklauten, mitunter kostspieligen Ideen und daran gekoppelten teuren Versprechen, um zu beeindrucken und das Uns zelebrieren zu können?

„Romantische Gefühle werden gemeinhin dann als besonders beschrieben, weil sie sich unmittelbar auf eine Person beziehen, die man vom Rest der Welt abtrennt.“
(Aus „Der Konsum der Romantik“ von Eva Illouz)

Verzaubert durch Alltagsflucht also: Der jägernde Gentleman, der gekonnt charmant das erwählte Stöckelwild groß ausführt, inmitten dem Trubel und Treiben anderer Menschen einen romantischen Rahmen von Zweisamkeit zu schaffen vermag, und es in einsamer Wildnis separiert und erlegt ..

Setzt erwählter Konsum einer rosaroten Blüte gar die Krone auf: wie Spiritus, der aus einem kleinen Flämmchen ein loderndes Fegefeuer entfacht?

“ … sie habe Würze und Abenteuer, es sei eine wundervolle Liebesbeziehung.“
(Aus „Der Konsum der Romantik“ von Eva Illouz)

Königsdisziplin vielleicht: die gekonnte Mischung aus Alltag und romantischem Sahnehäubchen, in einen erfrischenden Pool aus Luxus getaucht. Hin und wieder.

Und hat Konsum überhaupt immer mit Luxus zu tun?
Ist Luxus tatsächlich immer an finanzielle Mittel gebunden?

Oder was ist damit:

„Die Liebe ist nicht nur blind gegenüber Status und Reichtum, sie verwandelt letztlich sogar Armut in Reichtum, Hunger in Sättigung, Mangel in Überschuß.
Die Umkehrung der Identität ist das Liebesthema par excellence, Hässlichkeit wird in betörende Schönheit verwandelt, arme Schafhirten werden zu Königen, Frösche zu Prinzen.“
(Aus „Der Konsum der Romantik“ von Eva Illouz)

Is that so ???

Vielleicht baut Romantik ja die allerschönsten Luftschlösser, die für Stunden, Tage, Wochen wahr werden können.
Irgendwie.
Und immer wieder.

Dass hoffnungsvolle Romantiker keine Realisten sein können, scheint zumindest ein ebenso häufig gedachter und geäußerter Gedanke zu sein, wie die Annahme, dass jeder gute Tänzer ein guter Liebhaber sein müsse.

Und was uns durchaus auch auf wundersame Weise faszinieren kann: Wie die große und bekannte Soziologin Illouz, als geborene Araberin (Marokkanerin) heute in Israel lebt, dort Professorin an der Universität in Jerusalem ist und mit einem Israeli verheiratet ist.

Liebe verbindet.
Irgendwie.
Und immer wieder.

Romantik sei das Betäubungsmittel des Mannes für die Frau: Und?!

„Ich hoffe, dass ein besseres Verständnis der Verluste und Gewinne, welche die postmoderne Liebe mit sich gebracht hat, uns in die Lage versetzen kann, sowohl unsere romantische wie auch unsere soziale Bestimmung frei zu wählen und in den eigenen Händen zu behalten.“
(Schlusssatz aus „Der Konsum der Romantik“ von Eva Illouz)

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan: Romantisch. Immer mal wieder.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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