Klatsch geklatscht

Was wissen wir schon über einen Menschen?
Über sein Leben.
Sehen wir nicht immer genau das in jemandem, was wir in ihm sehen möchten?
In jedem einzelnen.

Ob gerne mit ihm bekannt, euphorisch in ihn verliebt, entzaubert, im richtigen Moment erwischt, oder wegen irgendetwas enttäuscht, gekränkt, getroffen, – was durchaus oft viel mehr mit uns und unserem Leben selbst zu tun haben kann – und meist auch wird – als mit unserem Gegenüber.

„Ich darf nicht leugnen, dass ich auch immer zwei Existenzen geführt habe, eine, die der Wahrheit am nächsten kommt und die als Wirklichkeit zu bezeichnen ich tatsächlich ein Recht habe, und eine gespielte, beide zusammen haben mit der Zeit eine mich am Leben haltende Existenz ergeben.“
(Thomas Bernhard in „Der Keller“)

Thomas Bernhard ist der Schriftsteller, dessen Persönlichkeit mich am meisten fasziniert.
Seine Bücher und die Art zu schreiben empfinde ich als sehr speziell. Ich mag jedes Buch, bewundere, und fragte mich nach den ersten Seiten bereits, was da wohl für eine außergewöhnliche Persönlichkeit dahinter stecken mochte.

„Thomas Bernhard ist für den, der einmal mit ihm in Berührung gekommen ist, ganz und gar unausweichlich.“
(Auf: „Verstörung“)

In „Was reden die Leute. 58 Begegnungen mit Thomas Bernhard“, kommen sie zu Wort: Die die Bernhard zu Lebzeiten gekannt hatten, beziehungsweise gekannt haben wollen.

Denn, was macht beste Freundschaft tatsächlich aus, und dass ich mich jemandem ungeschönt und ganz so zeige wie ich bin:
Dass ich mir absolut sicher sein kann, dass die Menschen in meinem engsten Kreis die sind, die nichts nach Außen tragen, Geheimnisse behalten können, wollen und das werden?
Die, weil sie absolut loyal sind, gerade deswegen meine engsten Freunde sind.

„Hat Ihnen das noch niemand erzählt? Er war unter allen Schriftstellern, die ich kannte, der mit Abstand beste, ja ein rasanter Autofahrer. Einerseits spielte er ja immer so auf Landadel, aber er war absolut auch ein Dandy, und wenn er so im offenen Sportwagen durch die Gegend in Ohlsdorf brauste, das machte schon gewaltigen Eindruck. Da hätte wahrscheinlich niemand gedacht, dass das ein Schriftsteller ist, sondern eher vielleicht doch ein Rennfahrer.“
(Aus: „Was reden die Leute“)

Arroganz oder Selbstschutz?
Und warum sollte ein Schriftsteller nicht auch Dandy und Rennfahrer sein wollen und können?
Haben nur Katzen sieben Leben und wir sollen uns für eines entscheiden und starr darin verharren, uns dem gesellschaftlichen Druck fügen ohnehin?

Was ist spannend und lebenswert?
Und wie sehr wollen wir glücklich sein und in welchem Maß?

„Man konnte nicht neben ihm verblöden oder einsam werden, man musste ununterbrochen am Leben teilnehmen und experimentieren. Obwohl ich die Frau und Mühle verloren habe … , war es trotzdem ein innerer Gewinn durch die Erlebnisse und Beobachtungen mit ihm.“
(Aus: „Was reden die Leute“)

Womanizer noch dazu?
Und, ist es vielleicht doch so, dass wir manchmal durchaus so neugierig und beobachtend sein wollen, uns andere Menschen und deren Verhalten so lange anzusehen und auszureizen, bis wir genug gesehen haben, unser finales Resümee ziehen und dann – so alle Zweifel ausgeräumt, bis in die Haarspitzen überzeugt – gehen?

„Er saß dann manierlich in den Biedermeiermöbeln, trank seinen Tee, blickte mit seinen witzigen, listigen Augen und rollte sie, seine Nase leicht gerötet. Damals wusste ich nicht, dass er so schwere Zeiten hinter sich hatte. Niemand dachte an seine auskurierte Krankheit – die Tuberkulose – und an seine Therapien. Vieles hat man erst später, nach seinem Tod, über ihn erfahren.“
(Aus: „Was reden die Leute“)

Ein spannendes und gut gelebtes Leben ist dann eines, in dem ich mir nicht zu viele Gedanken um die Meinung anderer über mich mache, im Ausgleich gebend und nehmend bin, und mein Leben so lebe, wie ich es genau haben will, und nicht als Dauer-Show-Einlage für andere, oder wie ich in deren Augen zu sein habe?

Ich weiß nicht, ob Bernhard dieses Leben gelebt hat. Bin mir aber sicher, dass er die Klugheit dazu besessen hatte zu wählen was und wer er – für sich und für andere – sein wollte.

Wenn Glück als so zerbrechlich gilt:
Wie stabil ist dann „perfekt unperfekt“?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan mit ihrer Keramikschale aus Yasz im Iran, und Mirabellen vom badischen Kaiserstuhl, der östlich vom Rhein, gegenüber dem französischen Elsass liegt.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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