Kurtisane oder Kitesurfen

Für Ausgeschlafene und weil Zeit so unfassbar kostbar ist.

By the way:
Ist chronisches Zuspätkommen eigentlich eine genauso beachtenswert mögliche pathologische Auffälligkeit, wie es zwanghaftes Lügen darstellen können soll:
Oder ist es einfach nur eine unbelebt müde Verhaltensweise fehlenden Respekts?

Eine, mit der ich dem jeweils anderen bestechend einfallslos signalisieren kann, dass mir meine eigene Zeit ja so sehr viel wichtiger ist, als die seine.

Und als Gegenspieler, die rote Karte zückend, Platzverweis erteilend: verlier‘, galoppier‘, stolzier‘.
Verlorenes Biest und der chronisch zu spät kommende Schöne, oder doch vielleicht so:

Respektiere ich, dass jemand meine Zeit nicht respektiert? Abwartend.

Oder wie verbringe ich Zeit sonst so am liebsten?

Mit wechselnden SugarDaddys, schwer behangen und gebückt aus pompöser Kitschkutsche steigend, oder mit den knackig gutsituierten Jünglingen aus juwelengebettetem Elternhaus, klirrend goldene Eier legend?

„Wer Mädchen von Marguerites Schlag ein wenig kennt, weiß, dass sie einen Scherz am falschen Ort machen und mit Vergnügen Menschen hänseln, denen sie zum erstmal begegnen.
Das ist sicher eine Vergeltung für die Demütigungen, die sie so oft in ihrem täglichen Umgang in Kauf nehmen müssen.
Außerdem muss man, um mit ihnen auszukommen eine gewisse Erfahrung ihrer Lebensart haben, eine Erfahrung die mir abging.
(„Die Kameliendame“ (1848); Alexandres Dumas)

Süße bildschöne Kurtisane im Paris des 19. Jahrhunderts.
Schwülstiger Sündenpfuhl, weil erlaubt ist was gefällt, dies viel betrieben wird, und vornehm nur hinter vorgehalten sittsam bekleideter Hand getuschelt wird.

Frankreichs Schöne, mit deinen gern pulsierenden Ecken, Kurven und Stunden!

Dame von Welt, mit einer Schale wie aus Kruppstahl und einem Herzen aus flüssigem Gold.
Schlägt, schläft und trägt – samtig sanft emotional, wie knallhart kalkulierend rational.

Männer gingen ein und aus, im stets pompöser und strahlender werdenden Haus. Es gab dafür Bekanntheit, Reichtum, Anerkennung und Besitz im Überfluss.
Leicht und schön lebt sich’s so allemal: Mitleid gibt’s bekanntlich geschenkt – Neid gilt es sich zu verdienen!

Gespielte Lust, die Lüge im Blick oder die Augen gleich ganz geschlossen, und gezuckerte süßlich schmierende Wörter für den heißgeliebten Luxus: Bis das Herz eben einmal doch versehentlich darüber stolpert und die Welt Kopf stellt und verdreht.

Denn wen(n) sie, die Liebe, denn trifft, dann und den trifft sie perfekt direkt, und so bleibt bekanntlich kein Auge trocken und keines der Herzen ohne Kratzer.
Und Zeit ist kostbar.
Umsonst ist manchmal eben nur der Tod.
Manchmal später als erhofft.
Manchmal früher als geplant.

„Die Wohnung war voller Gaffer.
Sämtliche Berühmtheiten der Halbwelt hatten sich eingefunden und wurden genau gemustert von den paar großen Damen, die unter dem Vorwand der Versteigerung sich noch einmal das Recht nahmen, Frauen, denen sie anders hätten nie begegnen können und die sie wahrscheinlich insgeheim um ihr ungehemmtes Leben beneideten, aus der Nähe zu betrachten.“
(Die Kameliendame; A. Dumas)

Mein Leben.
Meine Entscheidungen.
Meine Zeit.

Dumas Kameliendame ist tatsächlich eines meiner Lieblingsbücher und dabei ja leider (trotz Garbo oder Firth) so erstaunlich schlecht verfilmt worden, wie ich meine.

„Sie schulden mir keinen Dank. Die tägliche Rückerinnerung an die einzig glückliche Zeit meines Lebens ist eine unendliche Wohltat für mich.“
(Die Kameliendame; A. Dumas)

Remember who you are and the game will change.


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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan; Kurtisane im Knusperhäusle oder lieber Kitesurfen bei Kap Verde?

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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