Heimatliebe!

„Heimat“, aktuell heiß diskutiert:

Ob dieses, so wunderbar alte Wort, im Duden stehen bleiben darf, oder mindestens das Plural davon aufgenommen werden sollte.
Veraltet, überholt sei es außerdem.

– Wie schön! Denn hat nicht gerade Altes besonders viel Stil, tiefe Wurzeln und damit Sinn, in einer Zeit zunehmender Sinnlosigkeit?

„Heimaten“ also ..
Soll also auch hier, wie sonst im täglich rastlosen, profitgeilen, schnelllebigen, wegwerf-gesellschafts-dominierten Leben die Devise gelten, dass der Mensch sich nicht mäßigen kann und von allem viel, anstatt von tatsächlich Bedeutendem wenig haben möchte?

„Ah! petit prince, j’ai compris, peu à peu, ainsi, ta petite vie mélancolie. Tu n’avais eu longtemps pour distraction que la douceur des couchers de soleil“
(Le petit prince; de Saint-Exupéry)

Reicht nicht ausnahmsweise einmal EINE Heimat?
Oder können wir nicht sagen: „Meine 2. Heimat ist XY“, und müssen stattdessen gleich gegen den Schatz unserer Wörter rebellieren?

Wie schaut’s da aus, mit der Toleranz und dem Respekt?!

Es gibt ja durchaus die Städte, die man zusätzlich sehr mag, auch weil sie einem gut tun, sie uns fröhlich bereichern, und wir sie mit ganz großartigen Erlebnissen verbinden.
Und ganz klar gibt es diese wundervollen Flecken Erde, die das Potential zu absoluten Lieblingsplätzen haben und immer wieder haben werden.
Es gibt Orte, die es verstehen, ein wohlig aufregendes Gefühl in uns wachzukitzeln.
Und Lieblingsmenschen, die andere Städte und Länder, weil sie dort wohnen, für uns zugänglich, lohnend und herzenswarm gemacht haben.
Ich kann woanders eine neue Heimat finden.
Es gibt Sehnsuchtsorte, an die wir immer wieder zurückkehren wollen und werden, und uns angekommen, geborgen, aufgenommen fühlen, und fasziniert neugierig aufsaugen, was nur möglich ist, weil sie uns in der Ferne, zurück in der Heimat, dann fehlen werden: diese vertrauten Fremden.

Fremd ist Heimat jedoch nie & niemals.
Ein Gefühl wie die eigene Westentasche vielmehr.
Sie ist Schutz und Liebe.
Und pure subjektive Schönheit. Und das Gefühl „Hier-bin-ich-weil-ich-genau-hier-der-oder-die-sein-kann-die-ich-sonst-nirgendwo-bin“:
Verwurzelt – verliebt!
Heimatgebettet – geliebt!

So wie es auch die Plätze gibt, die man nicht mag, weil sich die Zeit in und mit ihnen wie zu lang gekautes, fade schmeckendes Kaugummi gezogen hat, und man sie mit allerlei Mist verbinden will und wird, sie als Erfahrung abtut und nicht mehr wieder sehen will.

„Le petit prince bâilla. Il regrettait son coucher de soleil manqué. Et puis il s’ennuyant déjà un peu.
(Le petit prince)

Aber „Heimaten“ statt Heimat?
Ist das nicht wie Ehefrauen statt Ehefrau?

Kann ich „Ex-Heimaten“ haben, so wie ich gemerkt habe, dass die Ex-Partner nicht zu mir passten?
Heißt hier vorwärts zu gehen, nicht nur, sich von Bewährtem loszusagen, Begriffe gewaltsam neu definieren zu wollen und sich dies passiv diktieren zu lassen, um in einer fragwürdigen Mode zu schwimmen und Entscheidungen zu treffen, die es später möglicherweise zu bereuen gilt?

Heimat.
Tradititon.
Kultur.
Tiefsinn.
Und mein süß sanft badischer Patriotismus. Dabei bin ich in Württemberg geboren.

Und natürlich bin ich stolz darauf und glücklich damit, die zu sein, und daher zu kommen, wo ich her komme, ohne mich von irgendjemandem in eine politische Richtung drücken zu lassen. Wo käme ich auch sonst hin?!
Denn wäre ich nicht genauso stolz darauf, wäre meine Heimat wo anders, oder hätte ich zwei davon?

Heimat ist eben auch Schicksal.
Glück oder Unglück, die zu neuem Glück wird.
Und wirklich nicht immer bleibt Heimat die Geburtsstadt, sondern wird die Herzensstadt vielleicht.

Es definiert jeder anders und verbarrikadiert sich dennoch und nur deswegen nicht, für neue Erfahrungen und Kontakte mit und in der ganzen Welt.

Warum sollte Heimatliebe und Offenheit nicht Hand in Hand gehen können?

Heimat ist viel mehr als nur ein Wort: Ein ganz starkes Gefühl. Und dem soll die Definition genommen werden?

Heimat ist ein Favorit und keine Wahllosigkeit!
Ein Herz, und auch davon haben wir nur eins.
Eine unbewusste Entscheidung und keine bewusste: für eine „herbstlochfüllende“ Schlagzeile an einem Freitagnachmittag.

„S’il te plaît … apprivoise-moi! dit-il.
– Je veut bien, répondit le petit prince, mais je n’ai pas beaucoup de temps. J’ai des amis découvrir et beaucoup de choses à connaître.“
(Le petit prince)

Heimat ist Heimat ist Heimat.

Nach 20 Umzügen kann ich das frei sagen, selbst wenn ich in vier, fünf Jahren vermutlich in der Schweiz wohnen werde.

Eine zweite mögliche Heimat dann vielleicht.
Und ich wünsche mir, dass der Begriff „Heimat,“ dann noch im deutschen Duden stehen wird.
Vielleicht nur könnte man die Definition dafür etwas abändern?
Vielleicht kann ein völlig neues Wort kreiert werden, von und für all‘ jene, denen „Heimat“ nicht reicht.

Gesetzte Ziele sind die Schritte vorwärts.
Der Weg ist das Ziel, so er nicht verhaarend oder im Rückwärtsgang stattfindet.
Ein Rückschritt stattdessen, sich von lange Bewährtem und gegenwärtig wie zukünftig Bestehendem unwiderruflich lösen zu wollen.

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Text: PetissaPan; die kein Germanistikstudium bräuchte, um zu vermuten, dass dieser „Fortschritt“ selbst Goethe widerstrebt hätte. Und die ihr Herz für Baden entscheiden ließ und liebt.
Foto: PetissaPan; Blick vom herbstlichen Lorettoberg in Freiburg zum Schauinsland.

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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