Einzelgängerinnen

Die 3 G’s treffen bei mir, wenn es um meinen Singlestatus geht, voll ins Schwarze: Glücklich. Gekonnt. Gewünscht. Nicht jeder ist schnüffelnd suchend, hoffend offen für die Liebe und eine Beziehung und hat trotzdem, oder gerade deswegen ein ganz tolles buntes Leben. Vor allem mag ich mich nicht immer wieder rechtfertigen müssen, warum das so ist.

Hat Peter Pan eigentlich eine Freundin? Nein, hat er nicht. Gut, er hat Wendy, aber Wendy ist seine mütterliche Ratgeberin. Und ja, väterliche Ratgeber finde ich auch ganz toll. Ich höre mir äußerst gern Erfahrungswerte deutlich Älterer an.

Ich mag und bewundere Gelassenheit, Geduld, Abgeklärtheit, Weisheit, Reife und Klugheit. Im Alltag freue ich mich über Mentoren, männliche Kollegen, platonische Freunde. Aber darüber hinaus? Kann ich sehr gut auch darauf verzichten. 

Der ewige Monolog

Meiner besten Freundin bin ich dankbar dafür, dass wir seit märchenhaften dreizehn Jahren fast immer andere Gesprächsthemen finden, als die Suche nach dem perfekten Mann, Heiraten oder Hausfrauendasein

Mit anderen Mädels war das schon oft anders: „Wäre der nichts für dich?”, „Du brauchst doch mal wieder einen Freund!”, „Willst du keinen Mann?”, „Jetzt bist du schon wieder X Jahre Single.”, „Der YZ meiner XY könnte dir gefallen.”, „Du hast viel zu hohe Ansprüche.”, „Willst du dich nicht verlieben?”, „Datest du etwa gerade nicht mal?” … 
Nein und danke. Und können wir bitte über etwas anderes reden: Job, Perspektiven, Politik, Kultur, Mode, Kunst, Sport und Freizeitplanung – alles ohne Mann.

In Job und beim Sport laufe ich liebend gerne zu kameradschaftlicher Höchstform auf, aber für mein Privatleben sind meine Vorstellungen etwas andere. Und auch damit bin ich nicht allein: So viele Frauen sind gerne, überzeugte, eingefleischte, situationsbedingte, liebeskummergeplagte, beziehungsängstliche, karriereorientierte oder freiheitsliebende Singles. Eine Beziehung mit einem Mann oder einer Frau wird auf später verschoben oder überhaupt nicht anvisiert 

„Willst du dich nicht verlieben?”

Als wäre die Liebe ein Wunschkonzert, ein Schokoladen-Tante-Emma-Laden, eine Eisdiele, in der wir uns die leckerste Sorte aussuchen und vernaschen .. Ein Milch-und-Honig-Schlaraffenland. Manche Frauen sind einfach gern und gut darin Single zu sein und heiß geliebt frei.

Ich habe nichts gegen die Liebe 

Ja natürlich, ich war durchaus schon sehr verliebt und werde es bestimmt auch noch mal wieder sein. Vielleicht auch nur noch ein einziges wunderbares Mal. Aber ich warte nicht darauf, zersuche und zerrede es nicht.

Ich bin eigentlich in allen Lebensbereichen gleich: Klamotten, Ausgehen, Urlaube und Liebe. Schon immer leiste ich mir quantitativ wenig. Dafür aber stets Dinge, bei denen mein Herz dann jeweils begeistert Purzelbäume schlägt. Aus der Rolle. Eine dekadente Minimalistin vielleicht.

Mit viel Liebe sowie großer Sorgfalt, Loyalität und Wertschätzung behandle ich jedes einzelne Stück, das ich besitze, und was nicht viel ist. Selten finden sich in meine Schrank mehr als drei Jeans und zehn Paar Schuhe. Und ich habe schon öfter Jahre gänzlich ohne Urlaub verbracht und ohne Mann.
Das bin ich und so zu leben macht mich sehr glücklich. Und darauf will ich eben auch in einer Beziehung nicht verzichten. 

Die Sache mit den Ansprüchen 

Sich Ansprüche leisten zu können klingt immer etwas arrogant, aber es bringt meine Perspektive in dieser Sache eben genau auf den Punkt.

Nicht brauchen müssen, sondern wollen können.“

Und ich glaube die Perspektive vieler anderer Frauen auch: Mit Mitte 20 realisiert, dass Karriere, berufliche Vielseitigkeit und Selbstverwirklichung wichtiger sind, als jemand der einen bremst oder dessen Rücken es freizuhalten gilt. Ich verspüre für mich keinen Kinderwunsch, kann gut und gerne tagelang allein und ganz für mich sein, und finde das Leben ist aufregend, voll und spannend genug – so what?!

Jahrelang keine einzige berufliche Herausforderung, inklusive Ortswechseln in In- und Ausland, ausgelassen. In der Freizeit über die Jahre das ganze ABC geturnt. Menschen kommen und gehen sehen. Denn was mich antreibt sind leben, lernen, die Welt als Abenteuer und das Erleben an sich. Den Mensch, Plätze und Interessen in ihrer ganzen bunten Vielfalt zu entdecken. Gerne auch mit Mann, aber mindestens genau so gern bisher immer ohne.

Und wenn Frau alles will?

Was mich nicht antreibt und niemals antreiben wird, sind die Biologische Uhr, „flache Geschichten ohne emotionalen Tiefgang” oder Mainstream-Paar-Gedanken.

Kinder sind toll und ich verstehe jede Frau, die sich dafür entscheidet aus vollem Herzen und hinterfrage ihre Entscheidung niemals. Aber was meine Lebensvorstellung angeht, bremste eine Beziehung, ein Mann an meiner Seite mich einfach aus. „Wie lange bleibst du wann und wo?“, „Ich möchte eigentlich nicht, dass du noch mal ins Ausland gehst!”, „Ich finde deinen Beruf / deinen Sport zu gefährlich für eine Frau”, „Willst du mich heiraten?”. Die einzig logische Konsequenz? Tschüss Beziehung, hallo Single! Und, was ich von platonischen Freundinnen und Freunden erwarte ist, dass sie mein Lebensmodell auch nicht immer wieder aufs Neue belehrend bemutternd hinterfragen. Meine Beständigkeit in manchen Bereichen kann faszinierend sein.

Solange nicht die totale Gleichberechtigung stattfinden kann, sind es zudem tatsächlich die Frauen, die auf der Strecke bleiben, wenn sie sich für Familie und Kinder entscheiden, und in Hausarbeit und Kindererziehung nicht vollkommen erfüllt aufgehen. Das, auch wenn der Partner sich ebenfalls zeitintensiv einbringt.

Ich mag Männer sehr gerne, arbeitete mit großer Freude in einer völligen Männerdomäne und manchmal liebte ich einen Mann auch tatsächlich mal als Mann. 

Meine beste Freundin zum Beispiel hat jemanden gefunden, mit dem sie mittlerweile ein ganz großartiges kleines Kind hat. Allerdings war ihr Lebensplan auch ein anderer.

Einen Mann für die „Zeit meines Lebens”, nicht „für mein Leben”

Wer nicht liebt und nicht vergeben ist, könnte sich jeden Tag verlieben. Und das ist schön! Verliebt sein ist ein so kunterbuntes leichtes Gefühl: der Bauch voller Brausestäbchen, der Kopf steht Kopf und das Herz läuft über. Alles ist toll und flamingopink. Alles neu, unbekannt, reizvoll und seine Küsse schmecken nach Vanilleeis. Wunderbar!

Und daraus kann sich auch durchaus etwas entwickeln. So es passt, so lange es passt.

Aber ich will niemanden, der mich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit Überstunden, in der gemeinsamen Wohnung mit den Worten empfängt: „Wir müssen über unsere Beziehung reden”. Und das am Besten kurz vor Mitternacht.

Oder, wenn du dir schöne Abende im Kreis deiner Freundinnen oder Freunde machst und dein „Liebling”, immer wieder „zufälligerweise” in genau derselben Bar auftaucht. Darüber könnte ich Geschichten erzählen ..

Ich möchte einfach nur in tiefer Liebe und Vertrauen verbunden mit ihm sein. In perfekter Harmonie zwischen bereichernder Nähe und gönnender Distanz.

Tja, da spricht dann doch die große Romantikerin aus mir. Und der Freigeist, der hoch erhobenen Hauptes an der langen Leine spazieren geht, daran zupft, sich freimacht, und mit dem großen Ego und Dickkopf gerne Alleingang probt und Nerven testet. Und wenn eine Beziehung nicht perfekt passt, ist sie für mich eben eine ziemliche Katastrophe.

Ich will frei sein bis ..

Mein Leben leben, meine Träume verfolgen, arbeiten, lernen, erfahren, Karriere machen, Jobs annehmen, Jobs kündigen, träumen, künsteln, reisen, Sprachen lernen und Kühlschrank, Bad, Bett immer wieder für mich alleine haben.

So motiviert, zielstrebig, kompromissbereit und beständig ich also im Beruf und Alltag bin, in Beziehungen brauche ich Sonderbehandlung. Mein Ausflug nach Neverland kann lange dauern. Da bin ich nunmal gern. Allein. Für mich gibt es – und das ist mein voller Ernst – oft nichts Schöneres, als nach meinem Tag nach Hause zu kommen, die Wohnungstüre hinter mir zu schließen und keiner ist da, der auf mich wartet. Introvertiert eben. Ruhe und Alleinsein sind gleichzeitig Auftanken und pures Wohlfühlen.

Kinder haben Frauen wie ich als Patenkinder, als Kids von lieben Freundinnen, wir kümmern uns ehrenamtlich und vielleicht haben wir irgendwann einmal ein Pflegekind oder doch einen Partner mit Kindern aus seiner vorherigen Beziehung. Das Leben ist kein Ponyhof, aber die Möglichkeiten auf unterschiedlichste Art und Weise Glück zu finden und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, sind da.

Ich will nicht ausgebremst werden. Ich will keine Diskussionen führen müssen, keine halbherzigen Kompromisse schließen, kein anderes Leben leben. Ich bin gerne frei, passe ohnehin zu nur ganz wenigen und bedingt in die Gesellschaft, und deshalb: so lange bis es passt, ich einmal gar nicht anders kann.

Diesen Artikel habe ich in erster Linie für alle Frauen geschrieben, die so ähnlich fühlen, denken und leben und die sich hier in so vielem wiederfinden können.

In zweiter Linie ist dieser Artikel für die Freundinnen und Kolleginnen, die Frauen wie mich immer wieder versuchen zu bekehren, den eigenen Stempel aufdrücken wollen, weil sie sich in unsere Andersartigkeit nicht hinein denken wollen.

Nicht nur beim Single-Thema, ich finde Toleranz eine ganz bedeutende und wichtige Eigenschaft. Jeden Menschen einfach so zu nehmen, wie er ist und zu akzeptieren, wie er lebt, denkt und träumt. Das kann wunderbar inspirierend für beide Seiten sein – und damit die Basis für eine lange tiefe Freundschaft oder sogar eine Beziehung. 

Text und Foto: PetissaPan (Dieser Artikel erschien bei EditionF)

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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