J’adore la police allemande

Moi les hommes, je les déteste.

Pauline Harmange

Eine Liebeserklärung für „meine“ Jungs und Männer bei der deutschen Bundespolizei.

Liebe Jungs und Männer, 

die ich euch dort für knapp 20 Jahre begleitet habe: Ich danke euch so sehr für diese Zeit! Ihr wart großartig, ganz fantastisch, die besten Kollegen, die besten Freunde, eine echte Bereicherung und meine auserwählte Familie.

Wie toll das alles mit euch ist, habe ich schon damals gewusst und geschätzt. Ich liebte es jeden einzelnen Tag euch zu sehen und mit euch zusammenzuarbeiten. Umso mehr fehlt ihr mir heute – ich denke ein wenig wehmütig, vor allem aber voller Freude und Dankbarkeit zurück – doch dazu später.

Wovon ich überzeugt bin ist, dass man in keinem anderen Beruf Männer so gut kennenlernen konnte wie bei der Polizei. Vor 15, 20 Jahren vermutlich noch sehr viel besser, als dies heute noch der Fall sein mag. Gerade die Bundespolizei war damals noch eine absolute Männerdomäne und ich war (1995) der 2. oder 3. Jahrgang, bei dem erstmals Frauen eingestellt worden waren: 10% und weniger, in einem bereits bestehenden knapp 30 000 Polizisten-Pool voll „Jungs“. Permanent umgeben von Jungs und Männer zwischen 17 und 45 bis 50 Jahre alt.

Wie oft war ich mit euch, als ich zwischen 18 und 24 Jahre alt war, wochenlang auf Einsätzen gewesen. Meine Ausbildung hatte ich beim Bundesgrenzschutz begonnen, als ich gerade einmal 16 1/2 Jahre alt war. Ihr habt euch schützend vor mich gestellt, wenn das Gegenüber mich, selbst in Einsatzprotektoren & Helm, als die Kleinste und Schwächste ausgemacht hatte. Wir haben zusammen gestanden, füreinander eingestanden, haben gekämpft, waren müde, wir waren erschöpft. Und immer wenn es ruhiger zuging, haben wir in den Polizeibussen Gespräche geführt. Ich habe euch aufwachsen gesehen, so wie ihr mich aufwachsen sehen habt. Nah, und nahezu 24 Stunden am Tag um euch herum, und ihr um mich. Gegenseitig haben wir uns viele Jahre lang – und das täglich – zugehört und uns Tipps gegeben. Liebeskummer und Affären waren genauso Themen wie Politik und Sport. Ich wiederhole mich sehr gern: Ich habe euch und diese ganze Zeit mit euch von meinem ganzen Herzen geliebt und gelebt!

Hundertfach waren wir zusammen joggen, halb so oft vielleicht zusammen im Kraftraum. Wir saßen abends in den Kasernen, in den Ecken der langen Flure zusammen und haben stundenlang gequatscht. Wir haben Musik gehört, gelacht, uns geneckt, getanzt, hatten eine unbeschwerte, geile Zeit, und so oft ein Bier zusammen getrunken. Ich erinnere mich auch an die Brote mit daumendick Griebenschmalz darauf im Unterführerkeller; was ich nun heute nicht mehr essen würde. Und trotzdem waren wir fast alle voll austrainiert und fast jeder von euch hatte einen Waschbrettbauch. Ihr wart sexy, super und unfassbar attraktiv! „Müsli-Zug“ wurde unserer genannt, weil er durch und durch von Sportlern dominiert war. Täglich hattet ihr hart und fair trainiert. Tolle Jungs!

Für unsere Polizeipartys hatten wir eine eigene Disco in der Kaserne: Eine private Zone, eine – und unsere ganz alleinige – eigene Welt. Auch verbrachten wir zahlreiche Polizei-Hüttenabende in den bayrischen Bergen, nachdem wir dort hoch gejoggt oder gewandert waren. Im Sommer – wie im Winter. Wir waren Skifahren: Alpin, Nordisch: Klassik und Skating; Boot fahren im Sommer sowieso. Natur & Sport stets verbindend. Wir haben beruflich und privat so viel zusammen unternommen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und weil wir genau das auch so gerne wollten. Ihr wart spannend und das pure wilde Leben!

Auf Einsätzen haben wir in riesigen Turnhallen nebeneinander geschlafen; genauso wie in Zelten, vereinsamten Kasernen, im Bus. Deutschlandweit. Ihr habt zu laut geschnarcht und seid mir auf den Keks gegangen. Dann habt ihr mich im Einsatzfahrzeug meine Musik hören lassen, euch so mit mir versöhnt. Und hungrig wie die Wölfe haben wir uns später gemeinsam auf das Essen der Einsatzküche gestürzt, welches aus riesigen Alutöpfen auf Teller geklatscht wurde, und wofür wir nicht selten gefühlt ewig anstehen mussten, nach einem langen Tag in der Kälte draußen. In unseren Einsatzpaketen für tagsüber wurden untereinander munter Astronautenkekse gegen Landjäger getauscht. Auch habt ihr zuerst gelacht gehabt und mir dann eine wärmere Mütze gereicht, als mich der Ruf der Trillerpfeife einmal überraschte, als ich noch unter der Dusche mit einshamponierten Haaren gestanden hatte, und wir im Winter schnell raus mussten: Einsatz! Wasser aus – Uniform an – der Schaum blieb im Haar; aber mit mehreren Mützen trocknete es dann zumindest schnell. Zusammenhalt! Ich danke euch! 

Wir waren füreinander da, als gute Kollegen – unterstützend und echt – und daraus wurde vielfach Freundschaft. Später einmalig auch einmal Liebe. Wir haben uns alle regelmäßig gezofft, gestritten, und doch am selben Strang gezogen. Ihr habt stets respektiert, unterstützt und wart da. Stark. Freundlich. Gemeinschaftlich. Wie Brüder. Die besten der Welt!

Auch politisch seid ihr für mich genau das was ich mag und lebe: Mitte! Vielmals merci! Ihr wart nicht zu hart und schon gar nicht zu sensibel; männlich-menschlich und damit vielleicht genau das was Frauen bei einem Mann suchen und finden wollen: Ich wollte! Ihr wurdet die besten Männer, echte Männer und so besonders dazu! Wenn Frau zu euch ins Auto stieg um mit euch Streife zu fahren, und war es auch das erste Mal, das hundertste Mal: da gab es nicht die zögerlichen Berührungsversuche mit schwitzigen Händen auf meinen Armen, oder gar die ganze Hand auf meinem Oberschenkel. Habt tausend Dank, ihr respektvollen Männer der deutschen Polizei! Politisch korrekt und ganz nah am Leben – ohne distanzlos zu sein.

Ich liebte es auch, dass ihr niemals arrogant und eingebildet wart! Eine aufregende Zeit und der Beweis dafür, dass wertvolle Männer-Frauen-Freundschaften eben doch funktionieren können. Und wenn es dann doch einmal mehr sein sollte – war dies so leichtgängig, wunderbar vertraut, so aufregend besonders schön! Und keiner von euch hing am Handy, auf Instagram oder sonst wo. Lang her die Zeit vor geschönten und uralten Profilbildern. Ihr wart echt! Wir haben geredet – richtig geredet. Und was haben wir zusammen gelacht – richtig gelacht. Uns platonisch geliebt und auch richtig bekriegt. Eingeschnappt oder gekränkt wart ihr nie. Zum Glück, Männer!

Die Einsatzbelastung für uns war jahrelang extrem hoch gewesen: Wie oft fuhren wir vom Süden Bayerns bis ganz hoch nach Berlin oder in den Osten; wie oft und immer wieder an den Castor-Strecken entlang; nach München wegen der Fußballspiele sowieso … Nicht ein einziges Mal hatte ich irgendeine Situation erlebt, in der auch nur einer von euch sich menschenfeindlich oder unfair gezeigt hätte. Und das bei hunderten Kollegen aus den verschiedensten Kasernen. Ihr wart toll! Ihr habt inspiriert! Ihr konntet austeilen und einstecken. Wir haben uns aneinander gerieben und sind gereift. Und ich denke so gern an euch und diese Jahre zurück. Ich bin mit euch erwachsen geworden. Was für eine Erfahrung! Was für ein Geschenk! Ein riesiges Glück!

Als ich euch verlassen habe, war es einfach Zeit dafür geworden: Noch immer lebte ich – mit knapp Mitte 20 – in einer Kaserne in einem Vier-Bett-Zimmer. Ihr wart die ersten die ich morgens, und die letzten die ich abends sah – beim gemeinsamen Zähneputzen im Waschsaal. Und ständig zwei, drei, bis zu sieben Wochen am Stück auf Einsätzen und dazu abrufbar. Es wurde Zeit für Privatsphäre, Neues und damit den Einzeldienst. Ich verließ nach sechs unbezahlbar wunderschönen Jahren Oberbayern, damit euch, und kam zurück nach Baden.

Viele Stunden lang fuhr ich hier – mit jeweils nur einem von euch – Streife. Manchmal 4, 5, 6 Stunden am Stück, am Tag. Und immer wieder. Schon nach Monaten war klar, dass man sich besser kennt, länger und offener miteinander spricht, als mit der Partnerin Zuhause. Und auch hier fand ich keine Verschlechterung zur Zeit in Rosenheim. Es war zwar anders, doch tolle Kollegen so weit mein Auge reichte; manchmal – zugegebenermaßen – so weit es reichen wollte.

In meinen Auslandsjahren wurde es dann wieder mehr: Man wohnte erneut zusammen oder im Bungalow nebenan. Man arbeitete zusammen, stand unter großem Druck, war allein in einem fremden Land, 11 Monate im Iran ganz ohne Urlaub – deutlich Überstunden – und redete sich von der Seele, trieb gemeinsam Sport. Die Ehefrau reiste in Moskau für einen Besuch an – die russische Geliebte ging zuvor nach Hause; die Ehefrau reiste ab – die Geliebte kam zurück. Das war nie relevant. Man mischte sich als Kollegin da nicht ein: Es ging um’s Business; wir waren alle loyal und würden das bleiben. Ewig! Privatleben hatte hinter dem Job anzustehen – und ich hatte es geliebt einfach nur Kollegin sein zu können, zuhören zu können, nach Rat zu fragen, zu beobachten, Tipps zu geben, auch mal deutlich zu rügen und das alles ohne irgendwelche nervigen Hintergedanken. Man arbeitete zusammen, war Freund und Verbündeter. So simple. So unfassbar gut! Euren Stress hattet ihr teils mit euren Frauen Zuhause. Ihr wart bedient und nicht bedürftig. Perfekt unperfekt; und damit das schönste Perfekt, das es für mich gibt!

Trotz meinem ganzen toughen Wesen, Wissenshunger und Ehrgeiz im Erreichen meiner Ziele, bin ich ein Mensch, eine Frau, ein Mädchen auch im Herzen, der, die, das stets sehr sensibel war und so geblieben ist. Meine Vorliebe für große Schönheit, Wunderschönes, Sanftes, meine Art zu sprechen, perfekte Umgangsformen, zarte Kunst, Stilles und Ruhe: So musste es noch etwas ganz anderes für mich sein. Und seit vielen Jahren suchte ich – mal mehr oder weniger intensiv: Mentoren, Vorbilder, Sportpartner, Männer, von denen ich in einem anderen Leben lernen kann … Und wo fand ich diese? Letztendlich doch immer wieder „nur“ bei der Bundespolizei. Ich bin dies leid, und euch – meinen Ex-Kollegen – so unendlich dankbar dafür! Privat bin ich auch heute glücklich und möchte null Komma null private Kontaktaufnahmen auf Social Media – vom männlichen Geschlecht. (Für meinen Geschmack verwechseln manche Social Media offensichtlich zu sehr mit Singlebörsen und DatingApps.) Außer von euch und natürlich Business! Und erst vergangene Woche habe ich mit einem von euch telefoniert, die wir uns vor über 20 Jahren kennengelernt hatten und für Jahre Seite an Seite in Uniform standen. Abenteuer verbinden! Manchmal lebenslang.

Was für Shows ich in Kollegenkreisen abziehen konnte, wenn mir einmal langweilig war, wisst nur ihr, und das bleibt bei uns! Seit 5 Jahren Schule, Uni, Schreibtisch, Corona, und ich fühle mich wie ein Rennpferd, das heute und morgen nur mehr eines will: Raus aus der Box! Und ich träume statt vom Prinzen auf dem weißen Pferd, vom weißen Pferd in Form eines glücklich verheirateten Mannes, der seine privaten Pfoten, Hufe, Finger und persönlich sensible Gedanken gänzlich bei sich behält und mich stattdessen beruflich zu Höchstleistungen antreibt. Die Welt inspirieren! Ich kann einstecken und richtig was bewegen, verzichten und kämpfen. Galoppieren wir los!

Alles andere interessiert nicht. Je déteste. Und wer nerven mag, der sei gewarnt vom besten Freund (und Helfer) den ich jemals hatte: Meinen Ex-Kollegen der deutschen Bundespolizei: 

Habt Dank für alles! Ich liebte und ich liebe euch! 

Je suis mal en société, presque inadaptée.

Léa Seydoux

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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