D R E A M S

Es gibt das Zitat, dass glücklich ist, wer mehr Träume hat, als die Realität zerstören kann. Ich glaube – und leb(t)e es, dass wir unsere realisierbaren Träume behalten sollten. Nicht daran richtig festzuhalten; aber sie zu behalten. Im Hinterkopf. Immer dann, wenn sie sich in der Gegenwart und näheren Zukunft nicht erfüllen lassen. 

Als ich Baden-Baden erstmals sah, war ich 18 Jahre jung. Ich befand mich allein auf einer privaten Durchreise vom Saarland nach Bayern, wo ich damals wohnte, und machte hier nur für eine knappe Stunde Halt. Ich wußte – fühlte – sofort, dass das „meine Stadt“ ist, dass ich hier leben will und setzte es auf meine Liste. Zu dieser Zeit war dies umzusetzen völlig unmöglich: Ich hatte meine Ausbildung bei der Bundespolizei, die damals noch Bundesgrenzschutz hieß, noch nicht einmal ganz abgeschlossen und es gab bei Baden-Baden auch noch lange keine Dienststelle für Bundespolizist*inn*en. 

Zwar gab es unweit von hier die Dienststellen für den Bahnhof in Karlsruhe und die Dienststelle in Offenburg, aber das waren für mich keine Optionen: Ein starrer Schichtrhytmus mit Nachtdienst; und ich möchte nachts gern schlafen. Da wollte ich nicht hin. Nicht einmal für Baden-Baden. Ich war überzeugt davon, dass sich andere Wege finden würden, dass ich diese gehen könne und beschloss zu warten: Mit diesem Traum im Hinterkopf. 

Im Vorderkopf und Vordergrund habe ich mich nach meiner Ausbildung zwischen 1995 —1998, die ich in Coburg, Deggendorf und Rosenheim absolvierte, voll ins Berufsleben gestürzt und meine Zeit im Einsatzzug in vollen Zügen genossen, und gekämpft. Ich habe es jedenfalls geliebt ständig woanders eingesetzt zu werden und oft wochenlang in ganz Deutschland unterwegs gewesen zu sein. Wir waren an jedem verwunschenen Zipfel im Norden, Süden, Osten, Westen, und Deutschland ist wunderschön! So wie Baden-Baden eben auch; die Stadt, die ich weiterhin blass, süß erinnernd im Hinterkopf behielt.

Noch aber – nach 2, 4, 6 Jahren – hatte sich noch immer keine Tür geöffnet, keine Dienststelle war aus dem Boden gestampft worden. Stattdessen wurde mir weiterhin auf diversen fremden Dienststellen; zwei dazu fallen mir spontan ein: Zwiesel im Bayrischen Wald und Basel Badischer Bahnhof – von deutlich älteren Kollegen gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis ich rauchen und Kaffee trinken würde, wann immer ich hustend kurz Wärme in fremden verrauchten Aufenthaltsräumen tankte, bevor ich mich mit meinen direkten Kollegen wieder lieber raus in die klirrende Kälte stellte. Wir waren ein Müslizug. Sportaffin. Rauchen und Kaffeetrinken waren wohl keine Träume und Visionen für mich – und so tue ich beides bis heute nicht. 

Mindset: gilt für Dinge die man nicht (sein) will genauso, wie für Träume. Sag ich jetzt mal ganz besserwisserisch mit meiner Erfahrung …

Mein Lieblingsfoto von mir als Polizistin.

In dieser Zeit während meiner Homebase Rosenheim und im dortigen Einsatzzug zwischen 1998—2003 reifte ein weiterer beruflicher Traum in mir heran: Ich wollte für das Auswärtige Amt als Polizistin auf den deutschen Botschaften im Ausland arbeiten. Erst eimal machte ich mich aber 2003 daran, zurück nach Baden (da Heimat) zu wollen und habe mir dafür einen Tauschpartner gesucht, der nach Rosenheim wollte. Wir fanden uns über die „Tauschbörse“ der Bundespolizei im Internet, telefonierten, tauschten unsere Dienstposten, und lernten uns 8 Jahre später einmal zufällig in Moskau kennen. André! Er hatte seinen Posten in Freiburg für mich geräumt – damit hatte ich diesen Traum erfolgreich fokussiert und zum Ziel geträumt gehabt. Und damit ging ich zugleich bewusst-unbewusst einen wichtigen Schritt bezüglich meinen späteren Posten bei Baden-Baden.  

Neben Baden-Baden und dem Ausland gab es in all den Jahren natürlich noch eine große Anzahl weiterer kleinerer und größerer Träume im Privaten, die ich schneller leben konnte, oder die zügiger platzten. Dafür ist das Leben doch da: Es aktiv zu leben, zu träumen, hinzufallen, aufzustehen … Komfortzonen verlassen, wachsen, entdecken, kommen, gehen, lachen, weinen, lieben, hassen und für viel viel Spaß. Wir haben das Leben umsonst geschenkt bekommen. Wir können daraus alles machen, oder eben nichts.

Ein erster „Versuch“ eines Mindest-Buches/Büchlein aus 2019. Aber ich werde wohl immer besser. Alte Werke vernichte ich, wie die großen Schriftsteller aber (noch) nicht.

Mindset: gilt für die die aktiv leben und die die sich leben lassen gleichermaßen. Die Wahl hast immer du selbst.

Auf Baden-Baden also musste ich knapp 10 Jahre warten. Über diesen 3-jährigen Umweg in Freiburg, wo ich bei der Grenzfahndung an den Grenzübergängen und der auf Autobahn arbeitete, konnte ich schließlich ab 2006 am Baden Airpark einen Posten ergattern, der tatsächlich ganz neu erschaffen worden war. Ein Traum! Er war völlig perfekt: Keine Nachtschichten, kein Schwerpunkt auf bahnpolizeiliches Arbeiten gesetzt … und stattdessen am schönen sauberen Kleinflughafen, gutgelaunte Geschäftsmänner, wunderbare Kollegen, und mit diesen regelmäßig zwischen den Passkontrollen Streife fahrend auf einem Gebiet von 100Km x 50Km. Das Behalten seit 1997 von diesem Traum hatte sich gelohnt.

Für das Auswahlverfahren für das Auswärtige Amt in Berlin bewarb und bestand ich dann im Jahr 2008 und war ab dann draußen: Ein Jahr Ausland, ein Jahr Baden Airpark. Ortswechsel! Für den unruhigen Menschentypus wie mich genau das was ich brauchte, brauche, und worin ich gut sein konnte und kann. Ich weiß heute, dass ich nicht glücklich sein kann, wenn ich nicht immer wieder und regelmäßig Distanz zu dem Ort gewinnen kann, der meine aktuelle Homebase ausmacht.

Im Berchtesgadener Land 1996. Rotgefärbt.

Ich hatte also für meinen Traum, in Baden-Baden leben und arbeiten zu können knapp 10 Jahre „gewartet“. Dafür, für das Auswärtige Amt als Polizistin ins Ausland gehen zu können ebenfalls 8, 9 Jahre. Jeweils eine doch ordentliche Zeit. Doch von „warten“ möchte ich nicht schreiben, da ich eben nicht passiv abgewartet habe, bis sich meine Träume doch endlich erfüllen mögen.

Ich glaube daran, dass wenn wir im Moment unerfüllbare Träume in uns tragen, wir nicht abends mit dem Gedanken daran einschlafen und morgens mit dem Gedanken daran aufwachen sollten, wie schade es ist, dass sie sich nicht erfüllen lassen oder wann dies endlich der Fall sein kann.

Ich glaube daran, realistisch abzuschätzen, ob und wann die Erfüllung dieser Träume überhaupt der Fall werden kann, diese Träume im Blick zu behalten und bis dahin ein so aktives und buntes, spannendes Leben zu leben, wie nur möglich. Wir sollten uns an allem anderen erfreuen, neue Fähigkeiten erarbeiten, lernen, leben, sprudeln … anstatt uns damit aufzureiben, warum das ein oder andere nicht oder nicht früher in unserem Sinne funktioniert. 

Ich hatte einmal einen Kollegen, der Jahre gejammert hatte, dass er doch endlich befördert werden müsse. Und als es endlich so weit war, dachten alle Kollegen und ich, dass er sich masslos darüber freuen würde. Hat er nicht. Wir haben uns mehr für ihn gefreut als er sich selbst. 

Leb’ dein Leben im Jetzt. Und dann freust du dich auch auf alles was noch kommt. Fokussiert, sehr oft genau darüber, wovon du träumst.

Düsseldorf am Rhein.

Es gibt das Zitat, dass Träume ohne Aktion nur Visionen seien. Ich habe die Erfahrung gemacht und halte deswegen daran fest, dass sich Dinge 1.) durch unser Mindest fügen, und 2.) wir allein durch das Behalten von Träumen, die sich im Moment nicht umsetzen lassen, bereits ganz unbewusst an dieser Sache dranbleiben und aktiv verfolgen, genau dafür aktiv tun.

Warten ist wichtig, weil das Leben uns öfter prüft. Und für besonders Ungeduldige und Hyperaktive so wie mich, ist es der perfekte Weg, das Warten in den Hinterkopf zu schieben und im Vordergrund fröhlich frei – auch mal gefrustet bockig – anderem nachzugehen. Warten darf sich für mich niemals wie Warten anfühlen, sonst verliere ich vollkommen die Lust und erreiche sicherlich irgendwann den Point of no Return. Zum Glück sind wir alle anders. Und jeder finde seinen ganz individuellen Weg.

Bundesgrenzschutz-Führerschein

Seit 2019, dem Beginn meines Studiums, spreche ich nun bereits mit meinen wenigen Freunden darüber, dass ich Sibirien erleben will. Ein neues „Warten“. Ein neuer Traum. Und seit ich 2012/13 im Iran lebte, fühle ich mich zu der persisch/arabischen Kultur und den Menschen dort hingezogen. Besonders zu den Frauen und ihren Schicksalen: Frauen, die dort bis zur Vollendung ihres 40. Lebensjahres nicht frei reisen durften. Frauen, deren Körperteile dort, so sie bei einem Autounfall verletzt wurden, weniger Schmerzensgeld kosteten, als die Körperteile eines Mannes. 

SchulMädels in Schiras.

Das Abitur habe ich nachgeholt, weil ich keine 2016 keine Ahnung davon hatte, was ich nach der Polizei machen wollte. Zu groß war der Schock, und das 4 Jahre lang, dort die Auslands-Karriere verloren zu haben. Abwartend, was sich zwischenzeitlich fügen könnte, und aktiv in Feinkostläden und im Breidenbacher Hof in Düsseldorf arbeitend, bin ich von hier weggezogen gewesen und halt mal zur Schule gegangen.

Die Bundespolizei war ganz viele Jahre lang ein Traumberuf für mich gewesen; zuletzt aber vor allem noch aufgrund meiner Auslandsaufenthalte. Und inzwischen weiß ich, dass es genau das Richtige für mich gewesen ist, den Beruf aufzugeben, nachdem meine Auslandskarriere „gescheitert“ war. Am Baden Airpark gibt es inzwischen Nachtschichten, „mein“ alter Stamm ist größtenteils nicht mehr dort, und das Leben fließt sowieso – und damit gilt es mitzufließen. 

Unsere Träume aber, das weiß ich, haben wir selbst in der Hand. Und wenn es 10 Jahre dauert.

Abschluss mit meinen Mitschülern des Abendgymnasium in Düsseldorf.

Während meiner Zeit auf dem Abendgymnasium in Düsseldorf (Meine Fitnesstrainerlizenz hatte ich in der Verzweiflung, meine Auslandskarriere verloren zu haben, auch noch gemacht;) habe ich mich dann irgendwann für mein jetziges Studium entschieden. Kunstgeschichte hatte mich deswegen begeistern können, weil es so breit aufgestellt ist, wie kaum ein anderer Studiengang: Von der Antike bis zur Moderne; von Malerei, über Fotografie, Skulptur bis hin zur Architektur. Aber, da ich bereits Hornhaut auf dem Hintern habe, mag ich nicht mehr sitzen. Und was ich mit diesem Bachelor machen werde, weiß ich auch noch nicht.

Und bereits während meiner 2 1/2 Jahre in Düsseldorf habe ich über ein Leben in Genf in der Schweiz nachgedacht. Mich dann aber doch für Freiburg und die Nähe zu hier entschieden. Nun wohne ich seit gut einem Jahr wieder in Baden-Baden, studiere – trotz Hornhaut – gerade noch fertig, und habe nun eben Genf, mittlerweile auch Zürich im Hinterkopf. Ich weiß aber auch, dass ich ab nächstem Sommer erst einmal ganz andere Träume verfolgen will: Aktion. Bewegung. Am besten jeden einzelnen Tag woanders sein und kein einziges (wissenschaftliches) Buch lesen müssen.

Sibirien, auf das ich nun auch schon wieder seit drei Jahren „warte“, die persische/arabische Welt, die mich fasziniert und berührt, seit ich ein knappes Jahr lang so wundervolle und auch prägende Erfahrungen mit den Menschen dort gemacht hatte, und Frauenthemen in den Krisengebieten der Erde: Aktiv erlebend, fotografierend als Fotografin und journalistisch darüber schreibend. 

Was danach oder dabei in der Schweiz, in Deutschland oder wo auch sonst immer kommt, wird sich finden und dann werden sich die Türen dafür öffnen. So denke ich!

Paris Pont Neuf

Ich glaube an Enthusiasmus, aktiv zu verfolgen wofür man brennt, anzuecken, weil man sich selbst sein will und erreicht werden soll, dass Puls in die Gesellschaft kommt; und daran, dass wenn sich zu viele Widrigkeiten auftun, wir Umwege finden werden und vorübergehend einen anderen Traum aus dem Hut zaubern können. Oder 2 oder 3.

Ich zumindest bin niemand, der in einem goldenen Käfig leben wollte und will und habe im Iran in einem Raum auf dem blanken Boden mit 4 Iranerinnen und 3 Iranern geschlafen. Mich von meinen geliebten, gelebten Extremen wegzubringen ist so unmöglich, wie ein Zebra zum Springpferd auszubilden. Bei aller Liebe zur Persönlichkeitsentwicklung: Wenn jeder so lange an sich herumentwickelt, wie es aktuell En Vogue sein soll und sich gehört, sind wir irgendwann alle genau gleich. „Tolles Ziel“!

Ich bin, und sei du doch auch niemand, den man ausbremsen kann, jemand, der seinen Weg geht. Der Traum im Hinterkopf jedenfalls findet den Weg zum Ziel. Auch über ein Jahrzehnt. 

Gönneranlage Baden-Baden

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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