Allerschönster Schein aber auch *

Gemälde werden kopiert. Künstler werden kopiert. Gemälde berühmter Künstler werden kopiert oder neu interpretiert. Dies stets mit dem Ziel der Täuschung zwecks Ruhm und größter finanzieller Bereicherung. Auch ganz öffentlich kopiert ein guter Meister einen anderen – wie einst schon Turner Lorrain – und stellt sich so in einen direkten Vergleich. Um Letztere jedoch soll es hier nicht gehen: Dies ist legal, moralisch & strafrechtlich einwandfrei und ein erfrischender Wettstreit – oder auch pure Freude und Verehrung – auf Augenhöhe.

Neue(re) Gemälde werden also so gemalt, dass sie wie alte aussehen, und dabei häufig mit der Unterschrift desjenigen bedacht, der das Original malte. Urkundenfälschung.

Gute gewollte Gemälde wurden und werden von Unbekanntem gemalt und von bekannten Künstlern unterschrieben, obwohl dieser keinen Pinselstrich davon selbst gemalt hat. Spielkinder.

In Galerien, Privathaushalten, Museen und anderswo hängen, stehen und liegen Gemälde, die als Originale gelten oder gelten sollen, und die noch keiner überführen konnte oder wollte. Und so weiter.

Kunst ist eine Fiktion! Eine wunderbare Blase, in der die Grenzen zwischen real und surreal oft fließend sind. Und ein solches Kunststück ist immer genau so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu bezahlen. Dabei ist die Kunst unweigerlich an die großen begehrten Namen geknüpft, von denen jeder ein Stück abhaben will: Ein Original! Und ein Kunstwerk hingegen, welches von Experten als Fälschung entlarvt wird, sinkt von jetzt auf gleich erfahrungsgemäß zu einem winzigen Bruchteil seines vorangegangenen Wertes hinab, verliert, wird vergessen, verhöhnt.

Und ich muss über Kunstfälschung schreiben, weil mich dieses Thema sehr fasziniert und weil an der Universität darüber kaum geredet wird. Als extrovertierter & umtriebig aktiver Mensch rede ich nunmal gern. Und am liebsten über das was ich will, was immer mich umtreibt, antreibt und begeistert:

In einem Artikel von 2004 über den Mord an Eric Hebborn 1996 habe ich gelesen, dass es kein Motiv gäbe. ??? Ich denke, neben all den Mord- und Totschlag-Motiven wie Rache, Kränkung, Mordlust, Vertuschung und Habgier, auch die Kunstfälschung: Nämlich Kunst erfolgreich gefälscht zu haben und damit Experten (und die ganze Welt) „an der Nase herumgeführt zu haben“ ein klares, logisches und plausibles Motiv darstellt. Und genau dieses: „Kunstexperten an der Nase herumführen können“ ist etwas, das mir ebenfalls immer wieder auffällt und vielfach von entlarvten Fälschern genannt wird. Immer und immer wieder. Triumphierend bisweilen. Oft. Meist. Sei es Hebborn. Sei es Beltracchi.

Ich sehe dies etwas anders: Mittendrin im Studium; beziehungsweise ist das Ende nicht mehr weit: Dass gefälschte Kunst zu erkennen nicht an den Universitäten gelernt wird, und so jemand der Kunsthistoriker ist, kein Fuchs im Erkennen eines gefälschten oder verfälschten Bildes sein muss. Kunstexperte ist er dennoch. Er weiß bestens, was Bilder „erzählen“, repräsentieren und wie sie das tun; fühlt sich ein, versteht, und kann jedes einzelne Gemälde Epochen und Künstlern zuordnen. Naturwissenschaftlich aber fehlt ihm das, was ihm ein Praktikum, die mehrjährige Tätigkeit, in Galerien und im Kunsthandel zu vermitteln vermag. Bitte!

Immer wieder auch wird von Kunstfälschern unterstellt, dass alle Experten nur „geldgeil“ seien. Abgesehen davon, dass dies nicht meine Sprache ist, kann ich – aktuell im 5. Semester – das so überhaupt nicht unterschreiben. Gerade an den Universitäten findet man diese Art Experten eben nicht. Und gibt es diese überhaupt: vorgeblich Kunstinteressierte, Kunstberufler, welchen die Kunst an sich völlig egal wäre? An der Uni jedenfalls habe ich besonders kunstliebende wie kunstkennende Professoren und Doktoren kennengelernt und als Vorbilder, denen das Thema Geld auf dem Kunstmarkt ein eher weniger schönes, wenig interessantes Thema scheint, und die stattdessen ganz in ihrer Forschung aufgehen. Die haben ihren Blicke ganz auf die Lehre, die Bilder und auf die Geschichte dahinter. Merci!

Ich jedenfalls bin der vollkommenen und vorwärtsgewandten Überzeugung, dass die Liebe zur Kunst und der Handel mit selbiger ganz wunderbar Hand-in-Hand gehen kann und einen diplomatischen Königsweg darstellen sollten, so der Kunsthistoriker den Weg des Kunsthändlers & -beraters beschreiten mag. So do I. Hoffnungsvoll.

Und der ausgesprochene, gern genannte Triumph der Fälscher über die Experten hingegen, hat meiner Meinung nach mit Kränkung zu tun. Der Kränkung, dass der Maler als Künstler nicht erfolgreich geworden ist, nicht anerkannt wurde und unterging, in diesem großen Feld der kontemporären Künstler. Was zugegebenermaßen auch zurechtgerückt, ein wenig schmusend angepasst werden dürfte: Für die Alten Meister werden nämlich enorme Summen gezückt, während erfolglose Künstler gerade so leben können. Aber wie überall bestimmt die Nachfrage nun einmal den Preis. Ein Augenmerk gilt es – meiner unbeirrbaren Meinung nach – dabei aber künftig mehr darauf zu legen, dass wir, die über eine gewisse Macht in der Kunstwelt verfügen, mehr unbekannte, kontemporäre Künstler in Umlauf bringen, unter die großen Altbekannten, die Größen, mischen, das Auge der Gesellschaft für die Kombination von alt und neu wecken, begeistern … Das wäre wunderschön!

Faszinierend jedenfalls, dass so manchem Meisterfälscher eine große öffentlichkeitswirksame Karriere winkt und die Sympathie der Gesellschaft sowieso sicher ist, weil „uns“ das Böse irgendwo bewundernd packt. („Sensationslust“, was auch so gar nicht mein Gusto ist.) „Es geht ja schließlich nur um Kunstbetrug. Immerhin doch sind keine Menschen körperlich zu Schaden gekommen“. – Bis auf dass Hebborn in Rom der Schädel mit einem stumpfen Gegenstand eingeschlagen wurde und er drei Tage später im Krankenhaus verstarb. 1996. Und Beltracchi saß nur einen Bruchteil seiner Strafe ab und weilt im Abend-Unterhaltungs-Programm des TV genauso, wie als Speaker in schweizer Fachhochschulen und bei Unternehmerkongressen. Es sei ihm gegönnt. Tatsächlich! Er kann doch was, und in den Museen hängen angeblich noch etliche seiner Werke.

Der größte Traum eines Kunstexperten – und sei er dies in Museen, Galerien, an der Universität – bleibt es wohl dennoch, ein lange verschollenes echtes Werk zu entdecken; nicht ein echt geglaubtes zu revidieren. Das muss weh tun! wenn es zuvor (vielfach) abgesegnet wurde.

Im Mittelalter mindestens waren nachgemachte und nach belieben geklaute oder ergänzte literarische Werke – als auch Malerei – keine Schandtaten. Es gab noch kein Urheberrecht und auch nicht den Anspruch der Gesellschaft darauf. Was machen wir nur heute damit? Was fange ich damit an? Sehe ich doch diese ganze Kunstfälschungsdebatte auch mit den Augen der Bundespolizistin, die zwei Jahrzehnte lang auf das Erkennen gefälschter Ausweispapiere konditioniert war, und deren „täglich Brot“ Ausweispapiere aus der ganzen Welt sein konnten und die täglich welche in Händen gehalten hatte. Oft genug Falsche & Fake.

Ich würde sagen, dass das Erkennen von Fälschungen innerhalb der Kunstwelt, und seien dies Abmalungen oder Urkundenfälschungen, viel schwieriger zu erkennen ist als gefälschte Pässe und ID-Karten. Und das sage ich nicht, weil ich im Erkennen von Fälschungen diverser Ausweispapiere eben besonders intensiv & langjährig geschult bin. Passpapiere aber haben so viele Sicherheitsmerkmale und erfüllen einen einheitlichen nationalen Standart – teilweise einen internationalen Standart – so dass die prüfenden Spezialisten, hier Bundespolizisten, geschult sind feinste Unterschiede sensibel, irgendwo unterbewusst, wahrnehmen zu können: Störgefühl, noch bevor sie benennen können was genau das Problem mit diesem einen Ausweis ist. Einzig die Tatsache der sehr knapp bemessenen Zeit erschwert erheblich im Hinblick zur Muße der Kunstwelt: Ohne gut begründete Anhaltspunkte, einen starken Anfangsverdacht, muss die Polizei Betreffenden mit seinem Identitätsdokument nämlich zeitnah ziehen lassen.

Doch gibt es auch im Passwesen erhebliche Unterschiede was Fälschungsmerkmale angeht. Welche, die Fälschungen stark vereinfachen oder erschweren, und auf der Gegenseite ein Erkennen einfach oder sehr schwierig machen. Je älter das Ausstellungsdatum eines Pass ist, desto weniger fortschrittlich sind die Sicherheitsmerkmale; umso leichter ist es diese nachzumachen.

Was bin ich vor Jahren an den alten griechischen ID-Karten verzweifelt, oder an den alten türkischen Pässen. Wie diese heute sind und wieviele der alten noch im Umlauf; dies entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe losgelassen. Ich tauche in die Kunstwelt: Mit all ihren echten Größen, Fakes und wunderbaren vielen Millionen Dollar. Auch hier gibt es Wasserzeichen, das richtige und das falsche Papier, Durchleuchtung und Mittel aufzufinden, so man will. Und so man es nicht mit der perfekten Fälschung zu tun hat: Denn die war, ist, bleibt echt.

Nächste Woche geht die Uni wieder los. Mein zweitletztes Semester.

Ich belege folgende Seminare: 

  • Kernbereiche musealer Arbeit und ihre digitale Erweiterung.
  • Pop Art – Triumph des Banalen.
  • Wie „erzählen“ Bilder in Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit.
  • Mobilität in der Kunst(geschichte) der Frühen Neuzeit.
  • Avantgarde und Kitsch : Russische Kunst der Jahrhundertwende im europäischen Kontext.
  • Kolloquium Ringvorlesung – Reisen Künstler
  • Französisch : 2 x 1,5 Stunden pro Woche. (Conversation B1)

Veröffentlicht von

PetissaPan

PetissaPan studiert interessiert & neugierig das Leben, und schafft nebenher, leidenschaftlich und fleissig Kreativität, Text & Mode. Sie geht mit offenen Augen & Sinnen durch die Welt, und saugt Inspirierendes & Bereicherndes auf. PetissaPan ist und kreiert leicht, weich, romantisch, verspielt und wunderbar verträumt. Is your world little to mainstream? PetissaPan created an own.

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