(Be) an Original ..

„How much can a copy be worth?“

https://www.theartnewspaper.com/2023/01/23/does-paris-salvator-mundi-have-something-up-his-sleeve

No one is you – and that is your power ..

Wie viel ist eine Kopie also wert?

Im Fall des Gemäldes Salvador Mundi ein Vierhundertfünfzigstel lediglich vom Original ..

Der Wert der Kunst bemisst sich – materiell – allein daran, was irgendjemand bereit ist für irgendetwas zu bezahlen. Chapeau!

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What the Fakt?

Der Fakt ist, dass Koons‘ provokante und umstrittene Serie Made in Heaven ein Riesenerfolg in den 90er-Jahren war.

Jeff Koons – Wolfman (Close-up) – 1991

1.) Jeff Koons, Tom Wesselmann und die Pop Art

Jeff Koons und Tom Wesselmann sind amerikanische Künstler, die der Kunstrichtung Pop Art zugeordnet werden können. Während Wesselmann jedoch innerhalb dieser Kunstrichtung in den 1960er und 1970er-Jahre agierte, steht Koons für Neo-Pop Art / Neo-Pop, da er circa 30 Jahre später tätig wurde. Mit dieser Arbeit soll auf Frauenakte in ihrem jeweiligen Œuvre eingegangen, und hierbei Parallelen und Unterschiede herausgearbeitet werden.

2.) Wesselmann als ein Begründer der Pop Art in Amerika

Tom Wesselmann wurde 1931 in Cincinnati/Ohio geboren. Er wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Hauptvertretern der amerikanischen Pop-Art gezählt. Sein Werk teilt sich in die beiden Hauptserien Still Life und Great American Nude auf, welche beide in den 1960er-Jahren ihren Ursprung haben. Auch die Serie Drop-out, eine wie bei Great American Nude ebenfalls sexualisierten Sujets – entstand in der Folge ab 1965.

Wesselmanns Bildsprache ist angelehnt an die damalige Werbung und von einer Klarheit der Formen und intensiver Farbigkeit geprägt. Wiederholt widmete sich Wesselmann erotischen Frauenfiguren, die als das Leitbild seines Lebenswerkes betrachtet werden können. Hierbei zeigte er sich teils inspiriert von der Salonkunst im 19. Jahrhundert und bildet in seinen Aktdarstellungen Parallelen zu Manets Werken ab.

Wesselmann malte seine Frauenfiguren zumeist ohne individuelle Gesichter. Er lässt die Augen vielfach vermissen und betont stattdessen Münder und primäre Geschlechtsorgane der Frau. Wie kein anderer Repräsentant der Kunstrichtung der Pop Art hat er den Frauenakt auf diese Art und Weise in den Vordergrund gestellt.

Tom Wesselmann – Great American Nude No. 51 – 1963

3.) Jeff Koons und Neo-Pop

Koons ist ein amerikanischer Künstler, der im Januar 1955 in York/Pennsylvania geboren wurde. Vom Kunstkritiker Peter Schjeldahl wurde er im Jahr 1988 als der „wohl ultimative Künstler“ der aktuellen Zeit bezeichnet. Er gilt seit dem Jahr 2019 als der am teuersten noch lebende Künstler der Welt. So wurde im genannten Jahr eine seiner Skulpturen auf einer Auktion des Auktionshauses Christie’s für über 90 Mio. US-Dollar versteigert.
Bei Koons lassen sich die für die Pop Art typischen Merkmale, wie die Betonung von Waren, Werbung und Konsum, nur vordergründig eine Rolle spielend finden. Im tatsächlichen Blickpunkt steht hingegen die „Reinheit der Idee“ und die damit verbundene stetige Suche nach – und Präsentation von – Neuheit. Seinen Durchbruch schaffte Koons im Jahr 1988 mit der Serie Banality. In dieser Banality- Serie spezialisierte sich Jeff Koons auf Massenprodukte, die ausschließlich der Dekoration oder Unterhaltung dienten. Die Werke bildeten Objekte höchster ästhetischer Erfahrung ab, welche sich auf der Ebene kitschiger Postkarten wiederfanden.

Diesen Erfolg übertrumpfte er nur wenige Jahre später mit der Ausstellung Made in Heaven, die teils massive Empörung auslöste. Hierbei zeigte er sich gemeinsam mit seiner damaligen Frau, der ehemaligen Porno-Darstellerin Cicciolina (Ilona Staller), bei sexuellen Handlungen in den unterschiedlichsten Posen. Er präsentierte seine Werke mittels verschiedenster künstlerischer Materialien. Jahre später zerstörte er Teile dieser Serie.

Jeff Koons – Jeff in the Position of Adam – 1990

4.) Weibliche Akte als Motive in der Pop Art

Für Wesselmann als auch Koons zieht sich das Leitbild der Frauenakte bzw. der sexualisierenden Präsentation der Kunst, wie ein roter Faden durch deren Lebenswerke. Wesselmann bettet diese Art von Sujet so in seine Kunst ein, indem er eine plakative Bildsprache mit kräftigen Farben und dominanten Linien nutzt. Dies ist typisch für die Pop Art. Es findet sich zudem vielfach die Kombination einer größeren Anzahl auffallender Musterungen der Stoffe in seinen Bildern, die scharf voneinander abgegrenzt werden. Dies erinnert ebenfalls unweigerlich an die Collagen und Kunst der Pop-Art-Künstler dieser Zeit.

Auch andere Künstler, wie beispielsweise Eduardo Paolozzi, Mel Ramos und Pauline Boty griffen sporadisch auf das Sujet der nackten oder leicht bekleideten Frauenbilder zu, jedoch keiner im Umfang wie Wesselmann. Das Frauenbild, das mittels der dargestellten Frauenfiguren in den 60er-Jahren präsentiert wurde, ist in der heutigen Zeit selbst innerhalb der Kunst undenkbar geworden. So wurden Frauen als verführende Protagonistinnen wie in der Bewerbung von Lebensmitteln richtiggehend aufgetischt, um im Betrachter Verlangen zu wecken. Im Gegensatz zu Ramos stellte Wesselmann seine Frauenakte zwar nicht nackt in aufgerissenen Schokoladenpapier-Verpackungen dar, doch sind seine abgebildeten Frauen, oder die jeweiligen Ausschnitte der Frauenabbildungen, in nicht minder einladender Weise dargestellt: Der Effekt kann dadurch eintreten, da die Frauen allein, passiv, nackt, zumeist ohne individuelle Gesichter, und dabei auf die besondere Betonung ihrer weiblichen Geschlechtsmerkmale reduziert werden.

Während Koons um 1990 die Serie Made in Heaven derart arrangierte, dass die weibliche Protagonistin den Betrachter direkt anblickte und auch im Liebesspiel mit Koons selbst der dominierende Part sein konnte, war Wesselmanns Herangehensweise eine andere: Im direkten Vergleich mit Koons sind die dargestellten Frauenakte Wesselmanns mehr als zu Objekten degradierte Körper anzusehen.

5.) Wesselmanns „Great American Nude“

Die Great-American-Nude-Serie Wesselmanns ist vielfach als eine benannt worden, welche ein problematisches Frauenbild abbilde. Durch ihre Passivität bediene die Frau nämlich lediglich den männlich voyeuristischen Blick. Die dargestellten Frauenakte der Serie sind dabei durchnummeriert, was den Charakter von Objekten zusätzlich verstärkt.

Tom Wesselmann – Great American Nude No. 92 – 1967

Great American Nude entstand ab dem Jahr 1961, als Wesselmann begann, Poster, Kataloge, Produktbroschüren zu sammeln. Seine Vorstellung von einer patriotisch rot-weiß-blau geprägten Kunst hatte ihn inspiriert. Die Ausschnitte aus den gesammelten Materialien nutzte Wesselmann in der Folge dafür, diese um die nackten Frauenkörper zu drapieren. Die Frauenfiguren zeigte er in für die damalige Zeit typischen amerikanischen Wohnzimmern, Badezimmern, sonstigen Wohnräumen. Diese wiesen vielfach amerikanische Attribute wie Flaggen, weiße Sterne, Streifen, die Farben weiß, rot und blau, Ausblicke nach draußen, und sogar Bilder mit Präsidenten an der Wand auf. Laut eigener Aussage des Künstlers ging es ihm vorrangig auch nicht ausschließlich darum, eine nackte Frau abzubilden, sondern darum, diese Innenräume künstlerisch auf eine Art und Weise darzustellen, wie es zuvor noch keiner getan hatte. Wesselmann beendete das Projekt um die Great American Nude im Jahr 1973 mit der Nummer 100.

5.1) Andere Serien Wesselmanns zur Nacktheit in der Pop Art

In den frühen 70er-Jahren wählte Wesselmann den noch detaillierteren Blick auf den weiblichen Körper. Dazu entwarf er Werke, die wie gezoomt ausschließlich Brüste, Füße oder Münder im Großformat abbildeten. Es war die Serie Seascape Dropout.

5.2) „Great American Nude“ No. 51 und 92

Great American Nude No. 51 zeigt einen Frauenkörper, der der Länge nach im Bildvordergrund drapiert dargestellt ist. Bezüglich der körperlichen Merkmale ist Wesselmann nicht ins Detail gegangen. Die Frau ist aufgrund der gemalten Körperkontur identifizierbar, auf welcher der Künstler nur einen lachenden Mund als Collage und gemalte Brustwarzen und die Schambehaarung abbildet. Die so abgebildeten weiblichen Details werden plakativ hervorgehoben. Diese Frauenfigur ohne Augen und Nase hat blondes Haar, hinter dem sie die Arme verschränkt hält. Dies stellt zusammen mit dem Lächeln und dem nackten Körper eine einladende Geste für den Betrachter dar. Der Hintergrund nimmt einen ähnlich großen Anteil des Gesamtbildes ein wie der Frauenakt im Vordergrund. Aufgrund diesem Bildhintergrund erschließt sich dem Betrachter die vertikale Dreiteiligkeit, in die Wesselmann das gesamte Bild in gezogenen Linien eingeteilt hat. So sind im linken Hintergrund Elemente der amerikanischen Flagge dargestellt, während sich in der Mitte ein Stillleben von Früchten und einem Strauß bunter Blumen in einer Vase präsentiert. Den rechten Hintergrund dominiert die Collage einer verschneiten Landschaft, die Nadelbäume, Hügel und einen See abbildet. Sie soll den Blick aus einem Fenster im Raum suggerieren.

Die Darstellung eines Fensters in seinen Bildern ist typisch für Wesselmann. Diese öffnen sich stets auf romantische Ausblicke von Meeres-, Gebirgs- oder Wiesenlandschaften und stellen idealisierte Landstriche dar, die eine bestimmte Atmosphäre erzeugen sollen. Zugleich führen sie den Blick des Betrachters aus dem Raum nach draußen. Auch die Darstellung flankierender Stillleben – neben seinen zumeist gesichtslosen Frauenfiguren – ist häufig aufzufinden. Die Blüten sind hierbei weit geöffnet dargestellt: Manchmal sind sie einfarbig und einer Art, manchmal bunt und Blumen unterschiedlichster Arten; wenn Letzteres zutrifft, stellt dies eine Parallele zu Koons Blumenbuketts seiner Made-in-Heaven-Serie dar.

Wesselmann kombiniert Blumen in direkter Nähe mit Obst. Er wiederholt hierbei häufig Orangen, Zitronen und Äpfel, wie sie auch bei der Great American Nude No. 51 vorzufinden sind. Was die Form der Orangen angeht, beschrieb es Wesselmann so, dass deren formale Vorzüge so überzeugend seien, dass er sie immer wieder in seine Bilder einbinden wollte.

Diese Orangen finden sich auch bei der Great American Nude No. 92. Es sind drei dieser Früchte, die, zusammen mit einem Strauß mit orangefarbigen Blüten, auf einem runden schwarzen Tisch stehen. Sich nach rechts ausdehnend vor diesem Tisch liegt auf einer Decke mit Leopardenfell-Muster die Frau. Bis auf einen anthrazitfarbigen halterlosen Strumpf am linken Bein ist sie nackt, hält die Beine gespreizt, das linke Bein dabei im 90 Grad Winkel angehoben, und die Arme über den Kopf gestreckt. Auch bei ihr sind es die Schambehaarung, die Brustwarzen und der geöffnete Mund, die vom Künstler besonders betont dargestellt sind. Die Figur verfügt erneut weder über Augen und Nase, dafür über blonde Haare, wie sie Wesselmanns Frau Claire hat. Eine weitere Auffälligkeit ist das Bikinimuster auf der Haut, das sich im helleren Farbton vom Rest der Hautfarbe unterscheidet. Der Hintergrund besteht aus vier etwa gleich großen Farbfeldern in Blautönen und Orange.

6.) Jeff Koons „Made in Heaven“

Im Gegensatz zu Wesselmann, lässt Koons Subjektivität und Interpretationsspielraum vermissen. Er erschafft mit Made in Heaven ein Œuvre, welches den Faktor des Zufalls gänzlich auszuschließen vermag. So transportiert er die gebotene Aktion mittels einer Perfektion, die die Makellosigkeit jeder einzelnen Oberfläche des Werkes betrifft und den Glanz einer Luxus-Ära einfängt. Das Gewöhnliche und massenhaft Produzierte übertrifft er und schließt es zugleich aus. Vermittelt wird dadurch ein Konsum, der im Besonderen verlockend erscheint. Diese verlockende Verführung und das Gefühl des „Haben-Wollens“ für den Betrachter sind es, die hier den Bezug zur Pop Art in den 60ern deutlich machen.

Im Jahr 1989 bei der Biennale von Venedig wurde im „Aperto“ Koons Made in Heaven erstmals gezeigt. Der Künstler erlangte damit internationale Aufmerksamkeit. Made in Heaven stellte in dieser Version eine realitätsgetreu große Skulptur dar, deren beide Protagonisten Jeff Koons selbst und seine damalige Partnerin Cicciolina (Ilona Staller) waren. Den Hintergrund der Skulptur bildeten großformatige Fotos – desselben Sujets – die auf Leinwand übertragen wurden. Nach der Heirat des Paares im Jahr 1991 entwarf Koons aus unterschiedlichsten Materialien eine Hard-Core-Version des 1989 vorangegangenen Werkes.

So sehr die Ausstellung auch provozierte, waren von kunstkritischer Sicht auch Resümees wie dieses veröffentlicht worden: „Nirgendwo sind Puritanismus, Sexualität und Pornografie derart gegensätzlich erfahrbar, wurde der Pornografie solch ein Glamour verliehen.“ Auch dass es erst Hard-Core-Fotos der beiden gab nachdem sie bereits verheiratet waren, trug dazu bei, dass es (in den USA) kaum Proteste bezüglich Pornografie gab.

Koons präsentierte im Bild Ilona on the top eine Szenerie, die Sexualität in einer von Kitsch geprägten Umgebung zeigt. Wobei Kitsch ab da nicht mehr verurteilt werden kann, „[…] wo er bewusst zur Kunst mutiert“.

Jeff Koons – Ilona on the top – 1990

Über eine – gegenüber dem Boden – erhöhte Fläche ist ein rosafarbiges Seiden- oder Satin-Tuch gelegt. Auf diesem zeigt Koons dem Betrachter seinen entkleideten Körper im Seitenprofil. Die Beine hat er ausgestreckt. Er stützt sich auf dem linken Ellbogen ab, sodass sich sein Oberkörper in einer Halbschräge befindet. Der Kopf ist dem Betrachter zugewandt, und er blickt diesen an. Cicciolina kniet auf allen vieren über Koons. Sie trägt zartrosafarbige Spitze in Form von halterlosen Strümpfen und einen weißen Body, der geöffnet und ihr von einer Schulter gerutscht ist. Auf dem Kopf trägt sie einen breiten Kranz aus weißen und pinken Blüten, der als frühlingshaft-jungfräulicher Haarschmuck beschrieben werden kann. Cicciolina sieht ebenfalls den Betrachter an.
Dieser Fotodruck ist im Bildvordergrund mit mehreren großen Schmetterlingen bedruckt und befindet sich vor einem roten Wandausschnitt, welcher von aufgemalten blauen Vorhängen flankiert ist. Wahllos erscheinende weiße Pinselstriche auf der Wand vermitteln einen Eindruck von fliegenden Federn.

Das beschriebene Bild ist eines der Bilder, die, bei aller Kunst, nicht auch zusätzlich als pornografisch gedeutet werden können. Ilona ist es, die hier das Geschehen dominiert. Keines ihrer (oder Koons) Geschlechtsmerkmale ist in diesem Bild jedoch derart entblößt präsentiert, wie es die Titel anderer Werke dieser Ausstellung verraten: „Hand on Breast“, „Blow Job – Ice“, „Ilona’s Asshole“ oder „Dirty – Ejaculation“. Dazu kommt, dass im beschriebenen Bild nicht, wie in mehreren anderen Bildern, der Sexualakt als solcher vollzogen wird. Hervorzuheben ist bezüglich den Werken, die die Penetration in den Blickpunkt des Betrachters rückt, auch die gesamte „Kama Sutra-Serie“, die in geblasenem Glas kreiert wurde.

Jeff Koons – Kama Sutra – 1990

Im Gegensatz zu Wesselmanns gemalten und mit Collagen versehenen Bildern, bildet Koons seine als gedruckte Farbfotografien ab. Er tritt zusätzlich selbst als Protagonist in Erscheinung. Der Blick auf die Geschlechtsorgane beider Agierender ist bei Made in Heaven für den Betrachter oft frei und nicht wie bei Wesselmann durch die Schambehaarung der Frau verdeckt. Koons Protagonisten haben als abfotografiertes Paar natürlich auch ihre individuellen Gesichtsausdrücke. In einzelnen Bildern sehen sowohl Koons als auch Cicciolina den Betrachter direkt an.

6.1) Von Filmplakat, Gemälden, bis Skulpturen

Zur Ausstellung Made in Heaven kreierte Koons lebensgroße Skulpturen aus Marmor, Kunststoff, Holz und getöntem Glas. Auch eine Bourgeois-Büste gehörte zur Serie. Für diese Vielzahl an Materialien setzte er den gesamten Apparat ein und ließ Porzellanmanufaktur, Schnitzer, muranische Glasbläser und die Pornoindustrie gleichermaßen für sich arbeiten. Die Ausstellung bestand neben den zahlreichen großformatig gedruckten Fotografien, aus kleineren Glasskulpturen sowie lebensgroßen Skulpturen, wie die erste auch bereits im Jahr 1989 auf der Berlinale in Venedig gezeigt worden war; einem Filmplakat, aufwendig gestalteten Blumenbuketts und Plastiken von Cherubinen, Hunden und einer Katze.

Eine geplante anschließende Verfilmung des Sujets „Made in Heaven“ wie sie zu Beginn der 90er-Jahre von Koons geplant war: „Well the film isn’t made at this time. The film is going to be made,“ kam nicht zustande.

Die realistisch abgebildete Skulptur des Liebespaares um Koons und Cicciolina kann ikonografisch als Anspielung auf den Sündenfall gedeutet werden. Eine große Schlange, mit in die Skulptur integriert, befindet sich unter dem Paar. Auch war es Koons selbst der in Interviews betonte, dass er und Cicciolina das erste Menschenpaar darstellten: „Wir sind Adam und Eva […].“ Der Blumenkranz im Haar von Cicciolina, – möglicherweise gar angelehnt an einen Heiligenschein, die Schmetterlinge, rosa Decken, und Blumen, Rüschen, Schleifen und Spitzen in Pastellfarben, können als entschärfend für die als pornographisch zu interpretierenden einzelnen Bildthemen innerhalb der Ausstellung genauso gelten, wie die Hündchen und Blumenbuketts als Plastiken.

6.2) Koons Neuinterpretation von Pop Art

In Made in Heaven greift Koons zwar in seiner Gesamtkomposition die Botschaft auf, die die damalige Pop Art vermittelte, einzelne Elemente übernimmt er hierfür aber kaum. Das Verlangen, das beim Betrachter Koons Kunst ausgelöst wird, nämlich das Abgebildete haben zu wollen, liegt im Sujet und wird nicht mittels Produkten und Techniken erreicht, die sich in kräftigen Farben und scharfen Umrisslinien präsentieren. Eher schon ist in der Machart der Charakter einer Collage gegeben, wenn man die im Bildvordergrund aufgebrachten großen Schmetterlinge betrachtet.

Als eklektizistisch gewertet werden kann ebenfalls das Zusammenspiel der sexuellen Handlungen des aktiven Liebespaares, welche dieses in einem romantisch-kitschigen Umfeld tätigt und dabei von Attributen wie Schlange und Blumenkranz umgeben ist. Noch gegensätzlicher stellen sich andere – zur Ausstellung zugehörige – Werke dieses Œuvre dar: Die Hündchen-und Blumenbukett-Skulpturen; auch wenn Koons zu letzterem die Aussage tätigte: „In the large Vase of Flowers there are 140 flowers. They are very sexual and fertile, and at the same time they are 140 assholes“.

7.) Wesselmanns und Koons: Parallelen und Unterschiede

Während Cicciolina in Jeff Koons Made in Heaven selbst „[…] in ihren ungewöhnlichsten Verrichtungen keimfrei, sauber wie eine Allegorie [wirkt]“, hat man bei Wesselmann Frauenfiguren stets den Eindruck, dass die Frau und ihr Körper zu Objekten degradiert werden. Koons unterbricht mit märchenhaft wirkenden Elementen die Realität „von der körperlichen Signalwirkung der [beiden] Stars“, während Wesselmann auf collagenhaft voneinander abgegrenzte dominante Muster und darauf drapierte passive und offensichtlich seelenlose Körper setzt, die sich dem Betrachter nackt – mit geöffneten Beinen und hinter den Kopf gelegten Armen – auf freizügigste Art anzubieten scheinen.

Henri Matisse, von dem sich Wesselmann künstlerisch lebenslang inspiriert zeigte, soll im Bezug auf seine Frauenakte einst zu Protokoll gegeben haben, dass er keine Frauen male, sondern Bilder. Und ganz ähnlich äußerte sich Wesselmann auf die von feministischer Seite herrührenden Vorwürfe, er sei ein Chauvinist und Sexist: „[…] for him it was all about his wife: „And my painting the nude, while I was just painting a nude, it was terrible important for me and it was my great excitement personally about her, about sex, about being a human, about being in New York City, about being an artist …““.

Koons, der zu seiner Muse ebenfalls seine Partnerin wählte, wollte genauso wie Wesselmann bewusst die Nacktheit – dabei aber vor allem die Angepasstheit – Cicciolinas herausstellen. Diese wirkt in allen Aufnahmen frei, genießend und hinnehmend. Eine Augenhöhe entsteht in den Bildern dadurch, dass Koons ihr zum einen hingebungsvoll neugierige Blicke schenkt und zum anderen, weil sich beide auf Augenhöhe befinden: „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Cicciolina einen Stil im Porno-Geschäft entwickelt hatte, der demjenigen von Koons am Kunst-Markt am Ende der achtziger Jahre weitgehend entsprach, ja mehr als das, ihn auf schwer meßbare Weise nachhaltig anregte“.

Der Betrachter wird bei Koons Kunst auch nicht ins Bild eingeladen, sondern dahingehend angeregt, das für sich selbst finden zu wollen. Koons betont zudem bei vordergründig nicht sexuell oder sexualisiert zu wertenden Kunstobjekten das verwendete Material, welches durch den verführerischen Glanz der Oberfläche besticht und wo eine Karotte als Symbol für Masturbation verstanden werden kann.

Wesselmann hat keine Plastiken oder Skulpturen aus geblasenem Glas seiner Great-American-Nude-Serie angefertigt, und auch keine anderen Plastiken, die seine Frauenakte oder anderes Sexualisiertes transportieren würden.

8.) Fazit

Während Wesselmann bei seinen Frauenfiguren der American-Nude-Serie auf grob umrissene Körperformen setzt und nur bei sexuell konnotierten Körpermerkmalen überdeutlich ins Detail geht, ist die Darstellung Koons ins Detail genau zelebriert und qualitativ aufwendig geschönt. Paradiesisch und märchenhaft mutet bei Koons auch das gesamte kreierte Ambiente um ihn und Cicciolina an, während Wesselmann patriotische Elemente wie die Farben rot, weiß, blau, Stars und Stripes wählt. Sein Frauenakt findet sich zwischen Stillleben oder Süßem, und inmitten Collagen von Landschaftsblicken aus dem Fenster, Bildern von amerikanischen Präsidenten oder dem Fernsehprogramm. Die Darbietungen seiner Akte sind in typische amerikanische Haushalte der 60er-Jahren eingebettet. Der Akt ist dabei stets allein, den Betrachter einladend. Merkwürdig anonym bleiben seine Frauenbilder aufgrund der fehlenden Gesichter.

Koons kreierte das Paradies und sich mit Cicciolina mittendrin. Diese trägt Verführerisches mit bravem Touch. Auch Hündchen und Blumenbukett lockern die gebotene pornografische Kunst auf verspielte Art und Weise auf. Koons Muse in der Serie blieb immer dieselbe: Seine damalige Frau Cicciolina, während Wesselmann durchaus auf unterschiedliche Frauentypen zurückgriff.

Im Hinblick auf die Pop Art kann gesagt werden, dass die Darstellungen Wesselmanns sich in die Pop Art der 60er-Jahre einfügen. Dies tun sie deutlich freizügiger als die Werke seiner Kollegen dieser Bewegung. Koons hingegen interpretiert die Pop Art neu, erschafft den Neo-Pop und hebt die Pop Art der 60er- Jahre mit seiner Made-in-Heaven-Serie auf eine neue – und noch freizügigere – Ebene als Wesselmann. Die Anstößigkeit seiner Sujets entschärft Koons, indem er sie in einem kitschigen Ambiente präsentiert; und Menschen mit attraktiven, unaufgeregt-friedlichen Gesichtsausdrücken.
Insgesamt lassen sich bezüglich der Herangehensweise kaum Parallelen der zwei Künstler finden. Jedoch zielen sie beide gekonnt darauf ab, den Betrachter dahingehend anzuregen, das Gesehene haben zu wollen. Allein das angesprochene Publikum mag sich, anhand der gebotenen Herangehensweise dieses Ziel zu verfolgen, unterscheiden.


Tom Wesselmann starb im Dezember 2004 in New York.

Jeff Koons ist einer der/der erfolgreichste(n) zeitgenössische(n) Künstler. Er lebt und arbeitet in New York. Seine heutige Frau Justine hat er während seinem turbulenten Rosenkrieg & dem Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn mit Cicciolina kennengelernt.
In schnell: Justine war in den 90ern auf einem Urlaubs-Städtetrip in New York. Sie und Koons trafen zufällig in einer Bar aufeinander, begangen eine Affäre, er verschaffte ihr einen Job in seinem Atelier, sie blieb, es wurde Liebe, und das Paar ist inzwischen seit 2002 verheiratet und hat sechs gemeinsame Kinder.

https://www.wsj.com/articles/jeff-koons-is-thinking-about-nfts-and-reading-the-greeks-11643031052

Strike a Pose!

Quellen:

Ausstellungskatalog Guggenheim Museum. Jeff Koons. Easyfun-Ethereal. Hrsg. Lisa Dennison und Robert Rosenblum. Berlin: Guggenheim, 2000/01.

Jeff Koons. hrsg. Taschen, Angelika. Köln: Taschen, 1992.

WARD, Martina, Studie zur Matisse-Rezeption in Amerika. Hamburg: Lit Verlag, 1992.

WILMERDING, John, Tom Wesselmann. His Voice And Vision. New York: Rizzoli International Publications, 2008.

ZAUNSCHIRN, Thomas, Kunst als Sündenfall. Die Tabuverletzungen des Jeff Koons. Freiburg: Rombach, 1996.

Online:

Auktionshaus Christie’s [online] https://www.christies.com/features/New-York-Post-War-results-May-2019-9895-3.aspx [10.02.2022]

De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon. Jeff Koons [online] 

https://www.degruyter.com/database/akl/search?query=%28%28Jeff+Koons%29%29&startItem=0&keywordTypesAndValues=&matchAnyTerm=false [10.02.2022]

De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon. Tom Wesselmann [online] 

https://www.degruyter.com/database/akl/search?query=%28%28Tom+Wesselmann%29%29&startItem=0&keywordTypesAndValues=&matchAnyTerm=false [11.02.2022]

Galenson, David W. Who are the greatest living artists. The view from the auction market. [online] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=819804 [10.02.2022]

Museum moderner Kunst Stiftung Wien. Great American Nude No. 54. [online] https://www.mumok.at/de/great-american-nude-no-54 [10.02.2022]

Prange Regina. Tom Wesselmanns Great American Nude und die Tradition des weiblichen Aktbildes. Archiv Uni Heidelberg [online] http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/4067/1/Prange_Tom_Wesselmanns_Great_American_Nude_2000.pdf [10.02.2022]

Prange Regine. Über die Kunst von Jeff Koons. Taufe im Mainstream. arthistoricum.net [online] https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/5244/1/Prange_Taufe_im_Mainstream_2017.pdf [10.02.2022]