Mädels

Sie war eines jener Mädchen gewesen, welches früher auf gefliesten Wegen, gerne nicht auf die Fugen getreten war. In roten Sandalen, an patschenden kleinen Füßen, im knappen 90-Grad-Winkel zur Gehrichtung, in die die Mutter sanft, mit Nachdruck jedoch, zog; das konnte, weil ihre kleine zappelnde Hand in derer ruhte.

Je unschuldiger ein Mädchen ist, desto weniger weiß sie von der Methode der Verführung. Bevor sie Zeit hat nachzudenken, zieht Begehren sie an, Neugier noch mehr und Gelegenheit macht den Rest.


(Giacomo Casanova)
Les nouveaux visages de l’Europe; l’Allemande U. v. d. L. va présider la Commission et la Francaise C. L. est proposée pour la BCE.

Text: PetissaPan et „Libération“; Foto: PetissaPan

Gestern

Als ich fotografierte, verstand ich etwas, das ich nicht vergessen werde.

Wie ich mir wünschte, all diese Schönheit, die lange schon vor uns bestand, anhalten zu können, zurückzudrehen.

Keine klassische Schönheit, sondern weicher, spielerisch, wie rein und frei. Als wollte man herumtollende Feen fangen.

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer vom Meere strahlt.


(Goethe)
Nizza

Text & Foto: PetissaPan

Niçoise


Ein süßer Morgen abgefrühstückt und gewährleistet. In Zucker und Sonne getaucht, lächelt die Beglückte und ist seelig ob himbeerroter Frucht- und „schokoladenbrownie“ Karamellsüße.

Über den Tag dann reifen wir heran. Streifen abends das fröhliche Blumendress ab, schlüpfen ins extravagante Schwarze und die niemals-mehr-Toten mit der roten Sohle, öffnen den Zopf, wuscheln die Haare, Lack auf Lippen und Nägel, und finden uns in einer wunderbar stilvollen Bar wieder. Französischen Look-a-likes.

Dort sitzen wir entspannt an der Bar und dippen leckere „Biscuits Roses de Reims“ in den Champagner, Rotwein, Kir Royal. Oder in den Martini, der sehnsuchtsvoll schmachtend vor uns steht.

Ein kulinarisches Wunder. Und Wunder gibt es bekanntlich immer wieder.“

Verklärte Claire.

Und wenn ein Tag so romantisch unschuldig begonnen hat, der Abend sich so spannend anlässt , – schwülstig, heiss. Dann ist es doch sowas von egal, ob zwischendurch auch mal was schief lief. Denn jetzt heißt es:

„Good evening Gorgeous. My name´s Bond. James, Guillaume, Whatever Bond.“

Was soll diese Obsession, sich ständig mit Menschen umgeben zu müssen? Alleinsein ist der größte Luxus.


(Karl Lagerfeld)

Text & Foto: PetissaPan

Belle Epoque

Gänzlich Unerwartetes ungeschönt gesprochen. Süße offene Geheimnisse, Verstecke. Hide and seek.

Verbindlichkeit in einer neuen Dimension, und Nähe. Schwammig wackelig aber, da distanziert verschlossen anderswo. Und immer wieder.

Überraschend. Unberechenbar.

Das Spiel mit dem Mythos – nie aufgeklärt – das einen Künstler so bewusst, gewollt, gekonnt umweht, wie die warme salzige Brise an einem heißen Juli-Abend, dich, mich, an der Côte d‘Azur. 

Nizza.

Charme Chagalls.

Muse und Matisse.

Du & ich.

Man muss zeitlebens so sehen können, wie man als Kind die Welt sah.


(Henri Matisse)
„Le Negresco“ Nizza. Luxus, in seiner vielleicht schönsten Zeit.

Text & Foto: PetissaPan

Hoch die Hände, WE

Ein Schwarm rosaroter Vögel zieht von links nach rechts vorbei. Good luck und Prost mit Kir Royal. Just, Stephane Pompougnacs lässiger Rhythmus, unterzeichnet vom dominanten Ferrari, der vor den Vanilla-Fronten der Belle-Epoque-Gebilde äußerst gern gesehen vorbei hüpft. Wenig Klasse und Understatement, sei es drum. Fuss vom Gas. Und verzappe dich nicht an der sensiblen Schaltung. Er bockt und stockt.

Achterbahn des Lebens.

Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.


(Theodor Fontane)
Baden-Baden; Die ganz-ganz große Liebe

Text & Foto: PetissaPan

Schriftstellerleben eben

Introvertiert scheu still oder schrill.

Offen oder distanziert höflich verschlossen.

Beobachterin und Akteur.

Was du tust ist schräg.

Nimmerland ruft zum Glück! Dich Träumerin, dich Kind, dich wilde Schlampe, – die du zu gern mit den Superreichen oder Spinnern verkehrst.

Nach Gusto.

Every hour of the day, every second of the night, I live another life.

Text & Foto: PetissaPan

Chamäleon

Und in den Neunzigern

damals

an jedem Wochenende, auf der Kuhweide

im dortigen Bunker, – quasi unter Kühen, – kecke Mädels und halbstarke Jungs

die Ohren voll von Bösen Onkeln, die Hände an der Flasche: frei diese zu drehen und zu nehmen.

Groß geträumt, beschlossen. Dann genossen.

She refused to be bored chiefly because she wasn’t boring.


(Zelda Fitzgerald)
Robin F. Williams (Malerin – Brooklyn/NY)

Text & Foto: PetissaPan

Wertekollision

Blumen gehören in die Natur und Gärten, nicht – quantitativ hoch und preislich spottbillig – in Töpfe oder Vasen. Tiere nicht in Zoos. Und wer gerne seine Kippen auf den Boden schmeißen möchte, datet mich kein weiteres Mal.

Easy isn’t it.

Schönheit ist wie ein Motor.


Hélène Grimaud
Freiburg Wiehre

Text & Foto: PetissaPan