Can‘t buy me love

Damien Hirst *1965 in Bristol/UK – Can‘t buy me love – 2007. Estimate: 120 000 – 180 000 USD. Lot sold: 529 200 USD.

Die ganze intensive Sotheby‘s-Spring-Sale-Woche ist vorüber. Knapp 700 Werke in 5 Werktagen, in 6 Auktionen.

https://www.sothebys.com/en/articles/a-billion-dollar-week-by-the-numbers?locale=en

Und nun bin ich – gemeinsam mit Hunderten SC Freiburg Fans im ICE – auf dem Weg nach Frankfurt, wo sich unsere Wege dann trennen werden, für eine Exkursion mit der Universität in der Schirn. Wo dann wieder wenige Werke in ganz vielen Minuten intensiv gesehen & besprochen werden.

The Icing on the Cake

Ernteszene gestern. Heute Kuchen.

Zum Trecker vor Heuschober (Lewandowski Edmund – Red Barns – 1942) gestern, passt ganz wunderbar diese leckere Crown Tart, die gerade auf der Contemporary Day Auction versteigert wird.

Moderne & Contemporary Art mit US-amerikanischen, landwirtschaftlich ursprünglichen Kunstsujets. Kunst, nach Thema!

Wayne Thiebaud *1920 in Meza/Arizona – Crown Tart – 2005. Estimate: 1 200 000 – 1 500 000 US$

Ich wünsche mir, da wir alle ganz viel Icing on the Cake benötigen und verdienen und ’s mir gefällt.

Mister Frauen-malen-nicht-so-gut

Hat er einmal gesagt, der Herr Georg Baselitz *1938.

Und sein Dresdner Frauen – Besuch aus Prag (1990) hat heute alle Erwartungen übertroffen:

estimate: 3 000 000 – 4 000 000 USD. Lot Sold: 11 240 000 USD. (Foto: Sotheby’s)

Weiterhin also Auktionsfieber, Auktionswoche.

Happy People

Zum Glück sind wir alle verschieden. Bereichernd, jeder auf seine ganz eigene wundervolle Art.

Sicherheit & Normalität können wir zum Motor für unser Leben genauso machen, wie das vollkommene Gegenteil davon. Oder auch alles zusammen. Repetetiv.

Die Kunstbranche ist nicht sicher und normal. Sie ist bestechend außergewöhnlich. Bunt! Was für ein großer Reiz! Lockende und haltende Spannung!

Der Kunstmarkt, Kunsthandel, Galerien, Sales, absolut antizyklisch zu allem anderen. Und da fern von wissenschaftlichen Formeln und Berechenbarkeit, oft genug nicht nachzuvollziehen für Außenstehende.

Mein Ausgleich zur so wunderbar pulsierenden, sich freudig überschlagenden Kunstwelt, mit all ihren faszinierend exzentrischen und diversen, freien Charakteren darin – ob man nun von oder mit ihnen lernt, über sie liest, ihnen zuhört, mit ihnen spricht etc. – soll wohl auch zukünftig immer die Zurückgezogenheit und pure Natur sein. Ohne Waldzubaden.

Ich liebe! Zum drüber nachdenken, träumen und abkühlen bei 30 Grad in – und das ganz ohne – Baden: https://www.youtube.com/watch?v=fbhPIK-oBvA

31-Grad-Celcius-Hot

Some things never change. Im Jahr 1993 wie heute:

Herausragende, und zum auf der Zunge zergehen lassende 18 823 400 USD für Ed Ruscha – Cold Beer Beautiful Girls – 1993. (Foto: Sotheby’s)

Ed Ruscha *1937 in Omaha/Nebraska ist Maler, Grafiker, Fotograf und Fotokünstler. Von Kindheit an wird von seiner Mutter seine künstlerische Neigung gefördert. Ein späteres Studium an der heutigen California Institute of the Arts in Los Angeles folgt.

Seine Arbeiten in den 60er-Jahren sind geprägt von Dadaismus (Auf die Schnelle: Anti-Kunst Bewegung, absurd & satirisch), Surrealismus (Noch schneller: Ausdruck des Unterbewussten) und Abstraktem Expressionismus (Nicht figurativ).

Er bringt sich künstlerisch in die Symbolik der Filmindustrie Hollywoods ein, und als ein weiteres Sujet Ruschas Arbeit gilt seine Hommage an den „American Way of Life on the Road“.

Einmal erstellt er einen Bildband in schwarz-weiß Fotografie, der beinahe gänzlich entpersonalisierte Autotankstellen zeigt. Sein drittes Bildmotiv ist die kalifornische Architektur. Später kommt eine Serie über das Reisen und Fahren hinzu.

Charakteristisch ist (s)ein stets nüchterner Blick.

Ruscha experimentiert mit den unterschiedlichsten Materialien (Wein, Blut, Obst- und Gemüsesäfte, Kaviar, Schokoladensyrup etc.) und dem Einfügen von Wörtern und ganzen Sätzen als ein Markenzeichen. Er gehört zu den erfolgreichsten (Post-)Pop-Art-Künstlern der US-West-Coast seiner Generation.

Cold Beer. Beautiful Girls.

18 Millionen dafür?

Das kann ich doch auch!

Bitte, einmal sehr gerne hier lang: https://freidok.uni-freiburg.de/data/9178 (Kunstverdacht. von Prof. Angeli Janhsen (Was ist (gute) Kunst etc.))

Quelle für die Biografie Ruschas: AKL Online https://www-degruyter-com.ezproxy-unifr-2.redi-bw.de/database/AKL/entry/_00604291/html

Aufstrebend

Beständig ist figurative Kunst erfolgreich. Und Frauen und schwarze Künstlerinnen greifen richtiggehend nach den Sternen. Ein wahrgewordener Traum!

Letzte Nacht bei und mit Sotheby’s:

Anna Weyant, die erst 27-jährige Künstlerin, die es versteht präzise wie in der Frühen Neuzeit zu malen, und 2022 nicht nur allein von Gagosian Gallery repräsentiert wird, sondern den Megadealer Larry Gagosian offensichtlich selbst zu daten scheint:

Falling Woman, estimated 150 000 – 200 000 US$; versteigert für 1 623 000 US$. Artist Record!

Anna Weyant – Falling Woman – 2020. (Foto: Sotheby’s)
Anna Weyant (Foto: artnews.com)

Und Simone Leigh, Gewinnerin der diesjährigen Biennale in Venedig, deren Skulpturen vom Hüttenbau in Afrika genauso inspiriert sein können, wie die groß geformten Köpfe ihrer schwarzen Frauen Parallelen zu Wassermelonen ziehen sollen, welche in den USA noch immer ein Symbol für Rassismus gegen Schwarze sind. (Nach Beendigung der Sklaverei begannen viele Schwarze damit Wassermelonen anzubauen. Es wurde damals rassistisch gegen die fleißigen und endlich freien Arbeiter gespottet, dass die Schwarzen nicht vom Süßen und Nichtstun lassen könnten.)

Ihre Büste Birmingham erreichte anstatt der geschätzt erwarteten 150 000 – 200 000 US$ sagenhafte Zweimillioneneinhundertsiebenundsechzigtausendfünfhundert US$. Auch dies Künstlerrekord für Leigh auf einer Auktion.

Simone Leigh – Birmingham – 2012. (Foto: Sotheby’s)
Simone Leigh (Foto: news.artnet.com)

Um nur & diese zwei Ladies zu nennen.

Vom Feinsten

Victor Horta wordt geboren in Gent op 6 januari 1861. […] Op veertienjarige leeftijd gaat de jongeman, die zich niet thuis voelt in het klassieke onderwijs, studeren aan de Academie voor Schone Kunsten.

Aus: Horta. De belangrijkste Huizen in Brussel. Von François Aubry.
Victor Horta.

Alles neu macht der Mai. Und alles ganz anders auch wollte die Epoche des Jugendstil um 1900.

Den vorangegangen Historismus und alles damit Verbundene, da darin munter Eingebundene – also wirklich alles in (Bau)Kunst je Dagewesene – sollte mit dem Jugendstil, dem Art Nouveau, Geschichte sein. Und sich von der im 19. Jahrhundert neu dazugekommenen Massenproduktion, sollte ebenfalls ganz entschieden abgerückt werden. Handwerk, wie es Arts & Crafts aus England kommend propagierte, war auch hier der Weg. Arts & Crafts tatsächlich eine Inspiration:

Fließende Linien, eine Naturnähe, florale, aber auch geometrische Motivik. Dazu, neue Materialien mit denen gearbeitet wurde.

Der Jugendstil blühte in Design, Einrichtungsgegenständen, Druckgrafiken (Alphonse Mucha), Malerei (Gustav Klimt) und Architektur auf.

Und während Deutschland und auch Moskau diesen Stil eher geometrisch geprägt in Realität umzusetzen – sich auszudrücken – wussten, war in Frankreich und auch Belgien, mit Brüssel, eine verspielte, blumige und wesentlich buntere Interpretation davon vorherrschend.

Halle vor dem Vorlesungssaal 1010 im KG I der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Deutscher Jugendstil.
Meister der Jugendstil-Architektur in Moskau: Fjodor Schechtel.
Restaurant Julien. Paris.
Galerie Lafayette. Paris.

Und nun zu Victor Horta und seinem Hôtel Tassel; erbaut 1893-95.

Horta hat in Belgien studiert, ging dann nach Paris um dort im Bereich Dekorationskunst zu arbeiten, kam zurück nach Belgien, Brüssel, und baute für seinen Freund Emile Tassel ein Stadthaus, welches nachweislich das erste Gebäude darstellt, das ganz im Jugendstil errichtet ist. Außen wie innen.

Von Belgien aus also hat sich die Jugendstil-Bewegung in der Architektur dann über ganz Europa gezogen. Und sein Tassel ist ein Meisterwerk der Schönheit und Ästhetik, das seinesgleichen sucht.

Mitte! Hôtel Tassel

Ist die Steinfassade auch noch recht klassisch gehalten, damit sie sich gelungen in das Straßenbild in Ixelles/Elsene und an die Nachbarhäuser schmiegt, sind es schon die Fenster, die uns aufmerken lassen: Sehr bis extrem schmal für die gebotene Fensterhöhe.

Eine sanfte Auswölbung, die von Säulen geschmückt und betont wird, deren Basis so gar nichts mehr mit den antik-inspirierten zu tun hat. Wie Wurzeln, Blüten, Blumenzwiebeln, mutet hier stattdessen an, was sich über die eigentliche Basis nach unten hinaus wie wuchernd erstreckt.

Blaustichiges Glas, das von rankenähnlichem Muster durchzogen ist,

und von innen eine faszinierend schöne getönt-gemusterte Glas-Un-Durchsicht mit Art-Nouveau-Flair bietet.

Und innen wird es nun bunt!

Horta hat sich mit diesem Gebäude auch als Meister der Innenarchitektur einen großen Namen gemacht: So vielseitig nämlich auch Materialien und Farben kombiniert sind, so sehr ist alles stimmig, luxuriös gelungen und in perfekte Harmonie gesetzt.

Das Treppenhaus stellte einen elementaren Bestandteil der Architektur dar.

Immens viel natürliches Licht in die Innenräume zu zaubern gelang Victor Horta, indem er die Kombination aus (stützendem) Eisen und großen Flächen an Glas wählte. Inspirieren ließ er sich bezüglich dieser gelungenen lichtdurchfluteten Komposition von den königlichen Gewächshäusern im belgischen Laken.

Der Wintergarten.

Blütenkelche als Lampenschirme.

Wachsende Lianen, Ranken, an Wänden, Raumteilern und am Paravent.

Detailliebe, vom geschwungen Eisen des Treppengeländers ..

bis zu den Türgriffen: „die einem“, mein Dozent an der Universität hat es so schön gesagt: „fast in die Hand zu wachsen scheinen.“

Blätter, Bäume, Natur. Und die stimmungsvoll gewählten Farben dazu im Salon.

Aufwendigstes Decken- und Bodenmosaik.

Und der Bauherr im 19. Jahrhundert war ein großer Liebhaber japanischer Kunst, was Horta ebenfalls gelungen ins Interieur einfließen lassen konnte.

Für Victor Horta begann mit diesem Bau und dieser zauberhaften Innenarchitektur eine große Karriere in der belgischen Baukunst-Geschichte. Er stand für den dortigen Jugendstil. Mit Beginn des 1. Weltkrieges fand jedoch der Jugendstil und damit seine Karriere ein jähes Ende; und auch nach dem Krieg konnte der große Architekt nicht mehr annähernd an seine einst immensen Erfolge anknüpfen.

Das Hôtel Tassel wurde nach dem Tod Emile Tassels im 20. Jahrhundert verkauft und von einem nachfolgenden Besitzer zu einem Apartmenthaus umgebaut. Ein großer Verehrer der Baukunst Victor Hortas kaufte das Haus dann im Jahr 1967 und brachte es in den 80er-Jahren – weitgehend und so gut wie möglich – in seinen ursprünglichen Zustand zurück.

Ich liebe Belgien sehr, seit ich 2009 für ein ganzes Jahr lang dort gelebt habe.

In Brüssel habe ich auf der NATO gearbeitet und in einer Schule im Zentrum vier Mal pro Woche – als einzige Weiße in meinem Kurs – Flämisch gelernt. In Zaventem habe ich gewohnt, in Sterrebeek erstmals mit Golfspielen begonnen, und in Eppegem bin ich in einem Reitstall geritten.

Brüssel mochte ich für seine Architektur und die Gärten besonders gern. Die belgische Schokolade ist für mich die Beste. Und in meinen Augen ist (war?) Gent noch schöner als Brügge.

Ich vermisse freudig die schöne Sprache, die Belgier, die besten „Frieten“ der Welt – mit und ohne „Mosselen“ – und Witloof met Hesp und belgisches Bier mit Kirsch- oder Aprikosensaft dazu. Schmunzeln kann ich über das gefühlt ewig lange Anstehen und Warten an den Supermarktkassen.

Ganz bald einmal muss ich wieder hin. Sehen, was sich verändert hat. Ihr auch!

Und für die Tage die ich das nächste Mal in Brüssel sein werde, werde ich das Hôtel Tassel besuchen. Und wünsche mir – und dir, und euch – dass es besichtigt werden kann. Dieser Jugendstil-Traum befindet sich nur anscheinend in Privatbesitz.

L I T E R A T U R & F O T O G R A F I E N (Ausnahme: Foto Empfangshalle Universitätsgebäude KG I Freiburg)

Aubrey, Françoise, Horta. De Belangrijkste Huizen in Brussel. Gent-Kortrijk, 2013.

Dernie, David, Victor Horta. The Architect of Art Nouveau. London, 2018.

Gombrich, Ernst H. Die Geschichte der Kunst. Stuttgart, 1982.

Hesse, Michael, Handbuch der neuzeitlichen Architektur. Darmstadt, 2012.

Johnston Roy, Parisian Architektur of the Belle Epoque. West Sussex, 2007.

Loyer, François und Delhaye Jean, Victor Horta. Hotel Tassel 1893—1895, Brüssel, 1988.

[online] Schechtel, Fjodor, Villa Rjabuschinskij https://bucks.repository.guildhe.ac.uk/id/eprint/9836/5/5%20Copy%20of%20Ph%20D%20Chapter%203%20Architectural%20Development%20Towns%20and%20cities%201910-23.pdf

Octopussy

It is Still Sotheby’s Spring Sale

Edmund D. Lewandowski *1914 in Wisconsin/USA – Red Barns (After the Harvest) – ca. 1942

Wer hat’s mir gekauft bitte?

Mein Favorit im ersten Teil der Modern Day Auction am 18. Mai: Lewandowskis Trecker vor Heuschober.

Gerade versteigert worden für 31 500 US $.

Und das gestrige Auktionshighlight war Picassos nackte, schlafende Frau: Die maritime Gestalt, in der er seine damalige, langjährige Gespielin präsentiert, soll eine bewundernde Hommage an ihre Schwimmkünste im Wasser gewesen sein. Pablo selbst war des Schwimmens nämlich nicht mächtig.

Voilà, Marie-Thérèse Walter:

Pablo Picasso *1881 in Málaga – Femme nue couchée – 67,5 Millionen US-Dollar in der Modern Evening Auction am 17.05.

Last Night

Good evening ladies and gentlemen, and a very warm welcome from Sotheby’s here in New York. My name is Oliver Barker and I will be your Auctioneer for this evening sale.

Oliver Barker. (May 17th, 1:11AM in Deutschland)

https://www.youtube.com/watch?v=TM-Jhb9wmIY

Die New York Times dazu danach:

https://www.nytimes.com/2022/05/16/arts/design/macklowe-collectors-sothebys-art-warhol-richter.html

Und der LiveChat neben der LiveÜbertragung her.

Frei(burg)


Spontan und gewachsen.
Ursprung und Innovation.

Überraschend und echt.

Kunst & Natur.

Freiheit ist (vielleicht) das Wichtigste/Einzige, was zählt.

Westernhagen

(Gerade eben in Freiburg. Am Platz der alten Synagoge. Blickrichtung zur Universitätsbibliothek.)