love ’n leave

Uns trennen und Menschen loslassen wollen, bedeutet nie, dass wir nicht auch verzeihen können. Nur, dass wir ein Leben ohne den jeweils anderen, als schöner und besser für uns selbst betrachten und die gemeinsame Zeit Erinnerung bleiben soll und auch, in all ihrer vergangenen Schönheit, bleiben darf.
Nicht?

Wie viel lassen wir andere in in unser Wasserglas regnen:
bis halb voll, bis ganz voll, oder agieren wir erst, wenn schließlich der berühmte, allseits bekannte wie gerne,zumindest von der Gegenseite, verdrängte letzte Tropfen gefallen ist, welcher es zum Überlaufen brachte?

Sind das denn Tränen, und gehen wir dann irgendwann einmal ganz und für immer?

Und wie geben wir uns so, solange es munter ins große Glas hinein plätschert: bescheiden, duldend, hoffend? Auch prüfend beobachtend: Erst sanft nachsichtig, dann forscher, kritisierend vielleicht, und werden schließlich zunehmend immer ruhiger und ruhiger und gleichgültiger, je mehr sich das Glas dem Finalen Tropfen entgegen füllt?

Verfügst du über die Konsequenz oder das straffe Wertesystem eines point-of-no-return? Und welche Ausnahmen dürfen hierbei unsere Regeln bestätigen?

Mathematik ist leider keines meiner Steckenpferde und folglich auch nie Leidenschaft geworden. Allerdings, dass „Minus ein falscher Freund“, Platz und Zeit für einen richtigen machen kann und wird, das kann auch ich logisch berechnen und glasklar so seh’n.

Menschen machen Fehler oder versäumen, und einige Fehler und Versäumnisse davon bleiben zu folgenschwer.

„Ich spürte an der Schläfe, an meinen Haaren, kaltes Eisen. Sie fragen mich ob ich die feste Hoffnung hatte das zu überstehen. Ich werde Ihnen antworten, als stände ich vor Gott: „Ich hatte keinerlei Hoffnung. Sah höchstens eine Chance von eins zu einhundert.
Wofür ich bereit war den Tod hinzunehmen? Ich frage Sie: Was war mir das Leben nach dem Revolver, den das von mir vergötterte Wesen erhoben hatte, wert?““
(Fjodor Dostojewsky; Die Sanfte (1876))

Die sensible Herzensgute, die sich zur Hochzeit mit einem stolzen – nicht nur an Gefühlen geizigen – Tyrannen überreden ließ, und ihrer entzweienden Gegensätzlichkeit jeden Tag dessen bewusster und so zunehmend todunglücklich wurde.

Was wäre gewesen, hätte sie nach dem Tropfen, der die Beziehung zu einer nicht mehr lebenswerten definiert hatte, hätte gehen können?

Jede Trennung von einem geliebten oder gemochten Menschen, ist nämlich immer auch ein frischer Neuanfang für uns – und den anderen.

Wann kommt ein Bereuen zu spät und wann passt es einfach nicht?

Gestern?
Heute?
Morgen?

Jeder Mensch hinterläßt Spuren in unserem Leben und in uns – völlig egal, was er für uns getan und nicht getan hat. Sowieso in der Art wie er war, ist, und uns inspirierte.
Können wir es nicht einfach genau so sehen, auch wenn das Herz oft genug hinterher hängt?

Morgen.
Heute.
Gestern.

Eine ungleich schwerere Bürde, als nur den Verlust der Weg-Trennung hat Dostojewskys Protagonist in „Die Sanfte“ zu verschmerzen, und sich vor allem selbst zu verzeihen: Sie hat schließlich nicht ihm, sondern sich selbst das Leben genommen.

Längst nicht Dostojewskys bestes Buch wie ich finde.
Vielleicht, und wenn man die alte Sprache wie ich so gerne mag, etwas für die trüben nachdenklichen Herbsttage, welche nach diesem Super-Sommer langsam kommen dürf(t)en.

Vieles, Verschiedenstes, intensiv innig lieben, als gäb’s kein Morgen. Und oft und konsequent gehen und loslassen, wenn es etwas und jemand nicht für uns war. Deshalb, weil es eben ein Morgen gibt:

Möglicherweise der Schlüssel zum Glück!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, die Regen und Wasser – statt im Wasserglas – inmitten grüner Natur liebt. Hier am Lac Lèman in Genève.

Bommeln, nicht bummeln!

Klassische Musik in fröhlich hüpfend russisch komponierter Weise und Tradition. Heimatliebe. Der Schwarzwälder Bollenhut: glutrot, als Zeichen der ledigen Modernen.
Das blütenweiße hochgeschlossene Spitzenblüschen und die rauchige Kippe zwischen den rot getünchten sündigen Lippen.
Frech, unangepasst und nicht auf den Mund gefallen dann doch und sowieso.

Wie passt das alles bitte, und was überhaupt zusammen?

„Wieso haben die schrecklichsten Frauen die tollsten Männer“, oder wie genau lautet der Titel dieses Buches, welches ich nicht kenne?

Gehört zu einer wirklich erfüllenden Liebe nicht nur zart rosarot gekitschte Lust und seifig sauber geschrubbte Leidenschaft, sondern immer auch ein ganz klein wenig guter Schmerz?

Können wir lieben und hassen, mit großer Freude kommen und mit noch größerer Enttäuschung gehen – binnen weniger Tage und Wochen?

Warum wollen wir besitzen was uns schräg fasziniert, nicht zu uns passt, auch wenn es uns zerbrechen könnte, oder mindestens die Bodenhaftung verlieren läßt?

Und welchen Reiz hat das Ungewöhnliche – manchmal das bißchen Böse gar – und wann wollen wir uns wieder zurück in die Normalität retten und wünschen uns Einfachheit, ein Stück frischen Brotes mit reiner goldgelber Butter und einer feinen Prise Salz?

Zum Buch:
Gewaltige Sprache, im Sinne von beeindruckend schön. So empfinde ich.
Entrückte Sprache und fesselnd. Melancholisch tief berührend und zu meinen Tränen gerührt, ob dem Schmerz, den dieses ungleiche Paar in seinem Erstlingswerk erleben muss: „Was zu dir gehört“, von Garth Greenwell.

Greenwell schreibt von gekauftem Sex, und gefundener, geschenkter Liebe unter zwei Männern.

Die beiden, verschieden, mit finanziell und national völlig unterschiedlichem Background:
Ein Amerikaner, der es nicht erreicht in Bulgarien Fuß zu fassen und anzukommen.
Ein charismatischer Einwohner der Stadt Sofia, mit düsterem Blick und Wesen.

„Du willst der große Amerikaner sein, warf R. mir schließlich vor, du glaubst, dass du sein Leben in Ordnung bringen kannst, du ihn retten willst. Und vielleicht war es nicht ganz falsch; auf jeden Fall war da eine Fürsorglichkeit in mir, die ich gegenüber niemandem so empfand wie gegenüber Mitko, ich ertrug es nicht, dass er trotz seiner gelegentlichen Brutalität letztlich so hilflos war – in einer Welt, die sich nicht um ihn scherte.“
(Garth Greenwell; „Was zu dir gehört“)

Wann habe ich schon einmal oder zweimal mehr gegeben als bekommen, an und von wem, den ich vermeintlich liebte, womöglich jedoch nur irgendwie abhängig von ihm – der Zeit mit ihm – war?
Und wie groß war mein Schmerz daraus zu lernen?

Wenn sich wahre Liebe verdoppelt, sobald wir sie teilen, so ist auch geteiltes Leid, immer nur halbes Leid. Das mag vielleicht der Trost an dieser Geschichte, und eine große Freude – nach dieser Erkenntnis – in unserem Leben sein.

Und sonst?

Warum das Leben nicht nach eigenem Gusto salzen und pfeffern?
Über den Tellerrand hinaus treten,
über den Tellerrand hinaus lesen,
sich über den Tellerrand hinaus bilden, und Gegensätze leben – in welchem Maß auch immer wir das für uns neugierig erfahren möchten ..
Erfrischt womöglich ungemein: Nicht nur im Sommer.

Und für’s Protokoll:

Ist wahre Liebe dann doch nicht fast immer federleicht und wohliger Genuss – beiderseits?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan – Foto vom Foto von Hanna Thienel / Baden-Baden (Model: nicht ich; Schlicht ein großer Fan dieser Klasse-Aufnahme und Idee dahinter!).
Und das Festspielhaus Baden-Baden: Deutschlands größtes Konzerthaus – ganz Europas zweitgrößtes, und seit vielen Jahren bereits ein heißbeliebter kultureller Sehnsuchtsort von mir.

Love or leave

„Der erste Eindruck von Judith: warum konnte ich ihn nicht mehr zurückrufen? Ich versuchte es: eine süße Zuneigung, die mich aufhob und federleicht machte. War das nicht das Maß, mit dem wir immer miteinander hätten umgehen müssen?
Ich hatte es vergessen, wir konnten einander nur noch mit verzerrten Gesichtern betrachten.“
(Peter Handke; „Der kurze Brief zum langen Abschied“)

Ein Buch, erstveröffentlicht 1972, in dem ein getrennter Österreicher in den USA weilt und in seinem Hotel einen Zettel mit nur wenigen – mysteriös drohenden – Worten seiner Frau erhält.
Beide hatten es nie geschafft sich ganz loszulassen und die Nachricht ist für ihn damit beruhigend und beunruhigend zugleich.
Er schwankt ambivalent, gänzlich ohne Stabilität, zwischen der Suche nach, und der Flucht vor ihr. Er reist im Land, reflektiert erstmals und versteht. Und er findet so, als er schließlich auf sie trifft, mit ihr zum längst überfälligen Frieden.

Wieso lieben wir nicht mutig, stolz und mit ganzem Herzen, und wenn wir das genau so nicht mehr tun, gehen: aufrecht, mutig, konsequent?

Warum auch verzetteln wir uns bei: „love it, leave it, or change it“, mit dem „change it“, wenn wir das – rational und ganz logisch gedacht – nur von uns selbst verlangen dürfen?

Warum verharren wir in Berufen, in Konstellationen, an Orten und in allen möglichen Beziehungen zu anderen Menschen, deren Liebe es nicht mehr gibt, nie gab, oder die ganze Situation uns gähnend langweilt und nur mehr nervt?

Irgendwo anders, oder mit jemandem anderen, könnte unser Herz Luftsprünge machen und Salti schlagen, das Glück Hand in Hand gehen, und sowieso alles ganz spielend leicht von dieser.

Trennen wir uns nicht viel(leicht) zu selten?
Was denkst du, wie viele Leben du hast?

Zuletzt glücklich getrennt habe ich mich von der für mich völlig falschen Stadt, und bin dahin zurückgezogen, wo ich stets glücklich war und heute wieder bin.
Die Stadt, die mich unglücklich, doch reifen ließ, mag jemandem – wegen mir auch jedem – anderen Glück bringen!

„Erzählt nun eure Geschichte!“ sagte John Ford.
Und Judith erzählte, wie wir hierher nach Amerika gekommen waren, wie sie mich verfolgt hatte, wie sie mich beraubt hatte und mich umbringen wollte, und wie wir nun endlich bereit waren, friedlich auseinanderzugehen.
Als sie mit unserer Geschichte fertig war, lachte John Ford still, übers ganz Gesicht. „Ach Gott!“ sagte er auf deutsch. Er wurde ernst und drehte sich zu Judith hin. „Und das ist alles wahr?“
(Peter Handke; „Der kurze Brief zum langen Abschied“)

Wenn wir Contenance bewahren und schöne Worte finden können: gut.
Doch vielleicht geht es darum auch überhaupt nicht. Vielmehr womöglich stattdessen darum, dass uns ehrliches Lieben zu verändern vermag.

Und die Gedanken sind sowieso frei.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan – in der märchenhaft schönen Gönneranlage im bezaubernden Baden-Baden – die der Meinung ist, dass lieblich reden alleine „leider“ (lieblich gesprochen) gar nichts wert ist, wenn nicht Wahrheit dahinter steckt und keine Taten folgen.

Männer & Kids

Eins und eins, macht drei?

Und wenn’s gut werden soll, kann es entweder nur schnell, oder nur billig sein?
Wenn’s billig sein soll, kann es nur schnell oder nur gut sein?
Und wenn schnell, nur billig oder gut?

Sollten sich Stärke und Schabernack tatsächlich nicht ausschließen, wie Sagan es wünschte?

Und was macht den großen Reiz der Gegensätze aus?
Und warum lassen wir den einen los und reichen dem nächsten, Hände, Herz und mehr?
Warum lässt SIE den Reichen los und reicht dem „Loser“ die Hand?

Brian Moore hat es getan: Mit seiner Protagonistin Sheila, die er in seinem Roman „Die Frau des Arztes“, ihren Mann für einen Erfolgloseren verlassen läßt.

Das, gegen alle Widerstände und fiesen Tricks, mit der ihr Göttergatte, der erfolgreiche irische Doc Kevin, seiner holden wie mutigen Ehebrecherin den Weg nach Amerika verbarrikadieren mag, wohin sie mit dem jungen Studenten Tom gewollt entflammt, gekonnt gelangt.

„Im Bus knöpfte er seinen Regenmantel auf. Darunter trug er einen grünen Tweedanzug, ein gelbes Hemd und eine grüne Krawatte. Die Farben ließen sein Gesicht einfallen und grau erscheinen. Seine Frau suchte ihm gerne die Sachen, die er anzog, aus. Sie hatte keinen Geschmack. Er wusste es, aber er ließ sie gewähren. Er war friedlicher als sie.“
(Die Frau des Arztes; Brian Moore)

Seine Frau war tatsächlich eine Kämpferin.

Und „kein Geschmack“ und „ließ sie gewähren“, die hier zweifelsohne mit Unzufriedenheit, keinem Wohlfühlen und wenig Bewunderung einhergehen:
Wo sind Liebe, Lust und Leidenschaft?
Wäre hier Kommunikation – längst überfällig – irgendwann einmal noch in der Lage gewesen zu retten?

Wo ist sie nur hin, die Magie, die zwei Menschen zu anfangs immer frei aneinander zu fesseln vermag?

Brian Moore liest sich hier flüssig und ungewohnt freizügig.
Lesegenuss? Für mich Daumen hoch!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, mit einem Lieblingskind auf ihrem Arm an den Kurhaus-Arkaden in der Lieblingsstadt schlechthin: Baden-Baden. Im Kopf den Gedanken, dass Liebe keinen Status kennt, sehr wohl aber Charakter.

Traum & Schaum

Ist und bleibt Vorfreude manchmal nicht die größte Freude?

Ist die Phantasie nicht manchmal tatsächlich besser, als es die Realität war oder je sein könnte?

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt,“ – meinte Albert Einstein.

Und was, wenn in unserem Leben Dinge eintreten oder zu einem Punkt gelangen, an denen wir wissen, es wird wieder – oder erstmals überhaupt – Zeit für mehr Freude, für einen großen Schritt, für ein selbstbestimmtes Leben, einen anderen Weg, für uns?

„Sie habe im Interesse der Kanzlei gehandelt, verteidigt sich die Verräterin in heuchlerischer Zerknirschung, bevor sie hinzufügt: Es tut mir leid.
Sarah glaubt nicht eine Sekunde an ihr Bedauern. Sie hätte sich besser in Acht nehmen müssen. Inès ist raffiniert, sie denkt politisch, wie es so schön heißt, was eine elegante Umschreibung für skrupellos ist, was wiederum auf Menschen zutrifft, die stets die Macht im Blick haben, die sich nicht vor Schlägen unter die Gürtellinie scheuen.“
(„Der Zopf“. Laetitia Colombani)

Ein Buch über einen prägnanten Lebensabschnitt im Leben dreier Frauen: Smita aus Indien, Giulia aus Süditalien und Sarah aus Kanada.

Drei Frauen deren Leben ganz verschieden verlaufen und durch völlig unterschiedliche Schicksale geprägt werden, die jedoch dennoch miteinander verwoben sind: So konträr – von ihrem Lebensstandart, ihrer Verantwortung, bis Karriere – und so räumlich weit voneinander entfernt sie auch sein mögen.

Was sie alle gemeinsam haben, ist eine beachtliche Portion Mut und Biss:
das Unmögliche, wie Gefährliche und Unabsehbare, aus einer Einbahnstrasse zu wagen ..
die enorme Kraft aus großer Trauer zu entwickeln, für sich und Tradition einzustehen ..
den Lebensmut Scheitern und Verrat zu überwinden und neu aufzustehen.

Den Grundgedanken dieses Buches finde ich ganz wunderbar. Auch hat es sich ganz oben in den deutschen Bestsellerlisten festgebissen. Darum auch wollte und habe ich es schnell gelesen:
Es liest sich einfach, eingängig, leicht.
Zu leicht vielleicht. Selbst finde ich nämlich die Umsetzung und Idee dieser Geschichte und die Schreibweise des Buches nur mittelmäßig gut, bis weniger gelungen.
Ein leicht gehaltener Roman zu berührenden Themen, und damit ein vorsichtiger Augenöffner nur, für den Flug oder Strand, ohne die schönsten Wochen des Jahres (unnötig) zu beschweren vielleicht.

Alles eine Frage des Geschmacks natürlich. Jedem Tierchen sein Pläsierchen – wie der Volksmund gerne sagt – und manchmal, oder für manchen auch immer, darf es gerne weniger literarische Tiefe, Verschnörkelungen, sprachgewaltiger Anspruch und Klassik sein.
Manchmal oder immer, für manchen auch gerne oder unbedingt mehr.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan – in Vorfreude.

Spasibo!

Was bleibt von einem tollen Menschen, einer tollen Zeit, wenn dieser Geschichte wird – diese vorüber ist?

Mag das Schicksal einer Verbindung gegenüber nicht gut gewillt gewesen sein .. Mag man sich zwischen Zweien haben entscheiden müssen .. Mögen wir rationale Gründe für ein „nein“ gefunden haben:
Hat es nicht immer seine Gründe, dass es manche Menschen nicht in unsere Zukunft schaffen?

Und warum wünschen wir zum Abschied schlicht und nüchtern „Alles Gute“ und nicht das Wundervollste und Beste?
Denn vielleicht – sogar vermutlich – war und hatte man das ja einst einmal für- und miteinander.

Fjodor Dostojewskis „Weiße Nächte“ (1848) ist vielleicht eine der schönsten literarischen Liebesgeschichten:
Melancholisch russisch.
Altmodisch und zart verspielt.
Sehnend, hoffend.
Und natürlich – und einmal mehr – ohne ein Happy End im eigentlichen Sinne.

Stunden zwischen gefühlter Leere und der Suche, sowie dem vermeintlichen Finden und endlichen Erfüllen seines geträumten Traumes von der Liebe:
Ein junger Russe beim erkennen der Einen, als er in St. Petersburg die weinende Nastenka sieht, ihr folgt, überzeugt und sie so wieder und wieder treffen darf.

Mit ihr auf einer Parkbank sitzend, die junge Frau besser kennenlernend und in sein dann liebendes Herz schließend ..
Jeden Tag zur selben Zeit, an dem selben Ort in der Öffentlichkeit: sich gegenseitig ihre Geschichten, ihr bisheriges Leben erzählend und dabei zarte Gefühle füreinander entwickelnd.

Bis der Grund Nastenkas anfänglicher Tränen zu ihrem Lachen wird, und ein Abschied damit unumgänglich.

Eine ganz wundervolle 170 Jahre alte hochromantische Kurzgeschichte über das Gefühl des sich ineinander Verliebens, der beginnenden Vertrautheit, des Pläne Träumens & Pläne Platzens, und das Loslassen.

C’est la vie und braucht denn jede (große) Liebe ein Happy End?

„Ist eine Stunde nichts für ein ganzes Menschenleben?“
(Weiße Nächte; Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

Nicht „Alles Gute“, sondern „das Beste“.

Nicht „Glück“, sondern „Erfolg“.

Ein fabelhaft fantastisch übervoll kunterbuntes Leben für dich und von Herzen das Allerbeste!


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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, die die Weißen Nächte in St. Petersburg persönlich kennt, hier jedoch in Paris am Pont Neuf ist. Die außerdem meint zu wissen, wann es genug ist .. Immerhin aber auf das Leben vertraut.

Nackte Tatsachen

„All we’ve ever wanted.
Is to look good naked.
Hope that someone can take it.“

Das ist von keinem Schriftsteller, Philosophen, oder ähnlichem. Stattdessen von einem Sänger & Texter. Immerhin. Auch einer der manchmal schreibt und schon geschrieben hat.

Robbie Williams hat’s gesungen. Als ich gerade an einem Text sass. Und es passt so toll zu diesem Foto, (m)einer leckeren Bowl, und kurbelt dabei den phantasievollen Humor ins frech Grenzenlose an.
Wunderbar!

Warum nur immer Tiefsinn – auch wenn wir ihn lieben und seltener an der Oberfläche schwimmen wollen?

Warum nicht einfach alles was wir sein und leben wollen?

Und wenn’s denn tatsächlich nur der Tiefsinn sein soll: why not?

Healthy food, healty spirit?

„All we’ve ever wanted.
Is to look good naked.
Hope that someone can take it.“

Nackte Tatsachen gibt’s sicher auch in den Büchern „Fifty Shades of grey“. Nie gelesen, den Film nie gesehen.

Sich ganz authentisch dafür zu interessieren, was uns antreibt.

Wenn wir nämlich genau definieren können, was uns begeistert, interessiert und bereichert, wird das Leben herrlich federleicht und einfach.

Wie viel Zeit sparst du dabei, weil du die deine respektierst und selbiges von anderen verlangst?

Wie frei kannst du sein?

Dankbar sein für das was ist, ohne aufhören mehr zu tun und mehr zu wollen.
Dankbar sein für das was war, ohne aufzuhören in der Gegenwart und für die Zukunft zu leben.
Dankbar sein für schöne Kleinigkeiten.
Dann klappt’s vermutlich auch mit den etwas größenwahnsinnigeren Spinnereien, und dem damit verbundenen großartigen Glücksmoment.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, die genau weiß, was sie glücklich macht (und was nicht). Diese Açaí-Bowl zum Beispiel.

You go girl!

„Wenn ich er wäre, hätte ich mich längst nicht mehr angerufen. Ich hätte seine Nummer niemals ins Adressbuch übertragen und Funkstille einkehren lassen.
Und es wäre mir an seiner Stelle völlig egal, ob ich ihn für überheblich, abgehoben oder sonst etwas halte, denn auf einen Freund wie mich, der sich nie meldet, aber beleidigt ist, wenn man ihn nicht regelmäßig anruft, könnte ich gerne verzichten. Wenn ich er wäre.
Aber er ruft mich an. Immer wieder. Immer freundlich und offen. Er ist mir ein Rätsel.“
(„Goethe ruft an“ von John von Düffel)

Vor über 15 Jahren damit beginnend: Ich denke, dass ich selten ein anderes Buch so oft gelesen habe, wie John von Düffels „Ego“, in dem es um einen narzisstischen Menschen geht, der sich nur um sich selbst, seinen fast perfekten Körper, seine eigenen egoistischen Bedürfnisse und das Verurteilen, Bewerten und Benutzen anderer dreht.

Ich mochte schon damals von Düffels Humor als Autor sehr gerne und hatte viel Freude daran und Bewunderung dafür, wie er enorm wortgewandt, witzig-bissige Sätze aufs Papier zaubern kann und damit einen ganz besonderen und klugen Humor kreiert.
Auch wenn man sich ein Interview von oder eine Talkrunde mit ihm ansieht: Ihm springen schelmisch Schalk und pure Freude aus dem Augen, dem verschmitzten Lächeln. Ein wunderbar lebensbejahender leichter Autor, wie ich finde. Und ich lese und liebe seine Bücher.

Inzwischen haben ich mit großem Genuss auch seinen Roman „Goethe ruft an“ gelesen.
Eine faszinierende Komödie mit durchweg viel satirisch gewitzter Schreibe, herrlich leicht – wunderbar amüsant.

Es geht nicht um Goethe in diesem Buch, sondern eine Art Freundschaft, die Jagd und das Haben von beruflichem Erfolg, und die damit verbundene große Kluft – was den gesellschaftlichen und sozialen Status angeht – zwischen den beiden Protagonisten.
Es geht darum, was es bedeuten kann echte Größe und Charakter zu besitzen, oder eben nicht.

Hinterlässt nicht jeder Mensch, so wir ihn hinter uns lassen, oder er uns, eine Lücke, die sich nie mehr wirklich schließen läßt, deshalb, weil wir alle anders sind und keiner und nichts diesen einen in seiner Gesamtheit ersetzen kann?

Warum soll diese Lücke überhaupt geschlossen werden?

Macht diese Lücke nicht Sinn, weil sie Platz macht für einen reiferen wie guten Blick, für viel Neues und jemanden Neuen, und dennoch den Raum läßt, für die gelebten Erinnerungen mit Betreffendem, die uns niemand jemals nehmen kann?

Sind Lücken deshalb nicht auch immer – trotz manchmal aller Melancholie vielleicht – wunderbar und eine Bereicherung, nach dem Schmerz?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, mit dem Mut zur Lücke.

Lauf Forrest!

Das Zitat über das „besser scheitern zu lernen,“ stammt vom irischen Schriftsteller Samuel Beckett.

So anders und konträr sein Leben, und das der Schriftsteller damals generell, zu denen heute. Die, die in unserer Zeit Notizen machend in sonnigen Parks und fröhlich belebten Cafés und schummrigen Hotelbars sitzen können ..
oder Zuhause friedlich schreibend, inmitten chaotischer Papierberge, tagelang die Wohnung nicht verlassend ..
und frei reisend, um sich inspirieren zu lassen.

Jo Baker, die britische Autorin, hat sich Beckett’s Lebensgeschichte angenommen und eine Biografie über ihn geschrieben, in der er nicht einmal namentlich genannt wird. Doch jeder weiß: es geht um ihn.

Darum, dass, als der zweite Weltkrieg ausbrach, Beckett von Irland nach Paris ging.
In Paris nämlich erhoffte er sich die Ruhe, die er in seiner Heimat nicht mehr finden konnte und sich für sein Leben und seine Schriftstellerei wünschte.

Er aber bleibt auch in Frankreich unfrei: bei einer neurotischen Mutter, die ihn selbst aus der Fremde stresst, und er lebt die Liebe zu Suzanne, einer Pianistin, die zunehmend an Leichtigkeit verliert, weil auch dort die Luft zum Atmen fehlt, nur Enge und Bedrängnis herrscht, erstickt.

Versuche, Umzüge .. Zuletzt war es die körperliche Betätigung die ihm gut tat, indem ihn diese sich selbst finden ließ.
Sie war Ventil und Lösung.
Auch wenn Martin Suter gegenwärtlich meint: „Leute, die schreiben, sollten keine Hanteln stemmen.“

Gehen oder bleiben, lieben und leiden?
Loslassen, fallen, dann sich selbst fangen.

„Zu dieser Tageszeit sind nicht allzu viele Menschen in der Métro. Auch gut, denn sie sind allesamt Polizeispitzel, die ihn anstarren. Nicht ohne Grund: Seine Tasche hat sich zur Größe eines Koffers aufgebläht, seine Beine sind zu lang für ihn geworden, und seine Ellbogen ragen wie Kleiderbügel heraus. Er ist eine Schnake, die einen Ziegelstein transportiert. Ein Flamingo, der einen Kleiderschrank schleppt. Wem würden da nicht die Augen aus dem Kopf fallen.“
(Jo Baker; „A country road, a tree“ (Ein Ire in Paris))

Ever failed?

Kann gutes Scheitern überhaupt als solches bezeichnet werden, oder ist es stets eine gewinnende Investition in unsere bald aufblühende Zukunft?

Ist schlechtes Gewinnen nachhaltig gewinnen, oder holt uns irgendwann die Vergangenheit dazu ein und überholt, überrollt uns – wir verlieren uns?

Try again.

„Der Füller wandert übers Papier, Tinte färbt das Blatt blau. Worte nehmen Gestalt an. Das ist er: der Beginn.“

Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, nach frühmorgendlichem Joggen AN der schicken Dreisam, gefühlt verdient IN der kühlen Dreisam. Ohne Hanteln natürlich.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, nach frühmorgendlichem Joggen an der schicken Dreisam, gefühlt verdient in der kühlen Dreisam. Ohne Hanteln natürlich.

Hüpfende Agilität

Werde ich in meinem nächsten Leben bitte als Schweizerin im französischen Teil geboren? In Neuchâtel, wo Dürrenmatt bis zuletzt lebte, vielleicht?
Geht’s und ging’s besser? Für manchen wohl kaum.

Sicherlich eine ganz wunderbare Vorstellung. Nicht nur, weil ich die französischen Schriftsteller gerne lese und das zu gerne in Originalsprache täte. Dazu aber reicht mein Französisch sicherlich noch ganz lange nicht.

Die Franzosen eben ..
Immer ein wenig filigraner, mit charmant sämig zuckrig – dabei gekonnt luftig – verführender Süße.
Fein und fallend hingebungsvoll, wie der Genuss ein, zweier, überreifer Aprikosen an einem schwülen Sommerabend:
Das Leben lebend, unsere Gedanken darüber auf der Zunge sowieso, und den Kopf im Nacken, während man allein, zu zweit, auf warmem Holz sitzt und sehnsuchtsvoll das Abendrot, dann den kühlen Sternenhimmel betrachtet – als Pausen dazwischen, während wir lesen.

Nonchalanter!
Und Ernaux und de Vigan schreiben doch sicherlich mit tiefrotem Cremestift auf unangestrengt perfekt geschürzten Lippen, mit Weichspüler im Glas und einer Fluppe zwischen den perfekt gefrenchnailten Fingern.
Sie schreiben wohl magnifique. Beide.
Wenn sehr wohl auch grundverschieden.

Zuletzt las ich Delphine de Vigan „No & ich“:
Keine Erotik, keine amour fou und auch keine ménage à trois, quatre, cinq.

Ein zart geschriebenes Buch mit den so typischen Schnörkeln, welche wir als Frankophile lieben werden. Und damit so wenig geradlinig zur deutschsprachigen Weltliteratur, mit der man dieses Buch nun aber auch wirklich nicht vergleichen darf.

„Die anderen trödeln herum, sind neugierig. Inzwischen sehe ich auf meine Füße, meine Schnürsenkel sind offen, wie gewöhnlich. Wie kommt es, dass ich mit meinem IQ von 160 zu blöd bin, mir die Schuhe zuzubinden? … Meine Mutter verläßt die Wohnung seit Jahren nicht mehr, und mein Vater weint heimlich im Badezimmer. Das hätte ich ihm sagen sollen.“
(No & ich; Delphine de Vigan)

Es geht um Schicksale, daraus erwachende wie ans Herz wachsende Freundschaft zweier Mädchen, um Mut, eine Chance und das Anpacken in der Gesellschaft, weil wir die Welt, zumindest im Kleinen, etwas verbessern wollen weil wir das können.

Wenn reden doch Silber ist und schweigen Gold, warum ist dann tun Gold und denken Silber?

Ist es nicht so, dass jemand von Herzen gerne so und genau das wäre was er denkt und spricht, tatsächlich aber nur das Spiegelbild von dem was er tatsächlich tut ist?

Das Leben in Träumen vertrödeln?

Und was machen wir eigentlich mit der Wissenschaft über die sich bekannter Philosoph Heidegger einmal derart äußerte: „Die Wissenschaft denkt nicht.“

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Foto: PetissaPan
Text: PetissaPan, die sich mit süßen Aprikosen im Schoß wie Süßkinds „Mirabellenmädchen“ fühlt.