Nackte Tatsachen

„All we’ve ever wanted.
Is to look good naked.
Hope that someone can take it.“

Das ist von keinem Schriftsteller, Philosophen, oder ähnlichem. Stattdessen von einem Sänger & Texter. Immerhin. Auch einer der manchmal schreibt und schon geschrieben hat.

Robbie Williams hat’s gesungen. Als ich gerade an einem Text sass. Und es passt so toll zu diesem Foto, (m)einer leckeren Bowl, und kurbelt dabei den phantasievollen Humor ins frech Grenzenlose an.
Wunderbar!

Warum nur immer Tiefsinn – auch wenn wir ihn lieben und seltener an der Oberfläche schwimmen wollen?

Warum nicht einfach alles was wir sein und leben wollen?

Und wenn’s denn tatsächlich nur der Tiefsinn sein soll: why not?

Healthy food, healty spirit?

„All we’ve ever wanted.
Is to look good naked.
Hope that someone can take it.“

Nackte Tatsachen gibt’s sicher auch in den Büchern „Fifty Shades of grey“. Nie gelesen, den Film nie gesehen.

Sich ganz authentisch dafür zu interessieren, was uns antreibt.

Wenn wir nämlich genau definieren können, was uns begeistert, interessiert und bereichert, wird das Leben herrlich federleicht und einfach.

Wie viel Zeit sparst du dabei, weil du die deine respektierst und selbiges von anderen verlangst?

Wie frei kannst du sein?

Dankbar sein für das was ist, ohne aufhören mehr zu tun und mehr zu wollen.
Dankbar sein für das was war, ohne aufzuhören in der Gegenwart und für die Zukunft zu leben.
Dankbar sein für schöne Kleinigkeiten.
Dann klappt’s vermutlich auch mit den etwas größenwahnsinnigeren Spinnereien, und dem damit verbundenen großartigen Glücksmoment.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, die genau weiß, was sie glücklich macht (und was nicht). Diese Açaí-Bowl zum Beispiel.

Hüpfende Agilität

Werde ich in meinem nächsten Leben bitte als Schweizerin im französischen Teil geboren? In Neuchâtel, wo Dürrenmatt bis zuletzt lebte, vielleicht?
Geht’s und ging’s besser? Für manchen wohl kaum.

Sicherlich eine ganz wunderbare Vorstellung. Nicht nur, weil ich die französischen Schriftsteller gerne lese und das zu gerne in Originalsprache täte. Dazu aber reicht mein Französisch sicherlich noch ganz lange nicht.

Die Franzosen eben ..
Immer ein wenig filigraner, mit charmant sämig zuckrig – dabei gekonnt luftig – verführender Süße.
Fein und fallend hingebungsvoll, wie der Genuss ein, zweier, überreifer Aprikosen an einem schwülen Sommerabend:
Das Leben lebend, unsere Gedanken darüber auf der Zunge sowieso, und den Kopf im Nacken, während man allein, zu zweit, auf warmem Holz sitzt und sehnsuchtsvoll das Abendrot, dann den kühlen Sternenhimmel betrachtet – als Pausen dazwischen, während wir lesen.

Nonchalanter!
Und Ernaux und de Vigan schreiben doch sicherlich mit tiefrotem Cremestift auf unangestrengt perfekt geschürzten Lippen, mit Weichspüler im Glas und einer Fluppe zwischen den perfekt gefrenchnailten Fingern.
Sie schreiben wohl magnifique. Beide.
Wenn sehr wohl auch grundverschieden.

Zuletzt las ich Delphine de Vigan „No & ich“:
Keine Erotik, keine amour fou und auch keine ménage à trois, quatre, cinq.

Ein zart geschriebenes Buch mit den so typischen Schnörkeln, welche wir als Frankophile lieben werden. Und damit so wenig geradlinig zur deutschsprachigen Weltliteratur, mit der man dieses Buch nun aber auch wirklich nicht vergleichen darf.

„Die anderen trödeln herum, sind neugierig. Inzwischen sehe ich auf meine Füße, meine Schnürsenkel sind offen, wie gewöhnlich. Wie kommt es, dass ich mit meinem IQ von 160 zu blöd bin, mir die Schuhe zuzubinden? … Meine Mutter verläßt die Wohnung seit Jahren nicht mehr, und mein Vater weint heimlich im Badezimmer. Das hätte ich ihm sagen sollen.“
(No & ich; Delphine de Vigan)

Es geht um Schicksale, daraus erwachende wie ans Herz wachsende Freundschaft zweier Mädchen, um Mut, eine Chance und das Anpacken in der Gesellschaft, weil wir die Welt, zumindest im Kleinen, etwas verbessern wollen weil wir das können.

Wenn reden doch Silber ist und schweigen Gold, warum ist dann tun Gold und denken Silber?

Ist es nicht so, dass jemand von Herzen gerne so und genau das wäre was er denkt und spricht, tatsächlich aber nur das Spiegelbild von dem was er tatsächlich tut ist?

Das Leben in Träumen vertrödeln?

Und was machen wir eigentlich mit der Wissenschaft über die sich bekannter Philosoph Heidegger einmal derart äußerte: „Die Wissenschaft denkt nicht.“

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Foto: PetissaPan
Text: PetissaPan, die sich mit süßen Aprikosen im Schoß wie Süßkinds „Mirabellenmädchen“ fühlt.

Klein große Welt

Meine bislang ungewöhnlichsten Reisen hatte ich wohl im Iran.

Das Leben in Teheran selbst gefiel mir nur mäßig. Ich wohnte zwar in meinem eigenen hübschen kleinen Bungalow, in einem großen bunten Garten, auf dem Residenzgelände des deutschen Botschafters in Teherans schönerem Norden: Die Botschaft selbst – meine damalige Arbeitsstätte – allerdings liegt mitten in der Stadt.

Teheran zog mir Energie, in ihrer farblosen Gräue, mit der schlechten Luft, den Dauerstaus, in denen ich täglich, für nur wenige Kilometer zur Arbeit, insgesamt sehr oft länger als drei Stunden unterwegs war, und dem kaum vorhandenen Freizeitwert, wenn man ein freies westliches Leben gewohnt ist.

Das Inspirierende in meinem knappen Jahr dort, waren meine iranischen Bekanntschaften und dass das Elburs-Gebirge, welches sozusagen „vor meiner Haustüre lag“ und wohin ich im Winter fast an jedem Wochenende zum Skifahren flüchten konnte.
Dort oben war es sauber, fröhlich, leicht. Man stand vielleicht über den Dingen – konnte prima abschalten und sich tatsächlich frei fühlen.

Im Frühling, Sommer und Herbst war ich oft und gern auf Reisen im Land unterwegs.

Ich reiste, aufgrund der großen Distanzen mit dem Flugzeug, obwohl die Deutsche Botschaft zum damaligen Zeitpunkt davon abgeraten hatte .. Auch mit dem Auto (Im Iran fahren Frauen ganz selbstverständlich.) .. Zu zweit, zu dritt, zusammen mit Botschaftsangehörigen verschiedener Nationen, mehrmals auch alleine und einmalig mit einer iranischen Reisegruppe im Bus.

Geschlafen habe ich in Hotels, auf dem nackten Fußboden oder auf alten Feldbetten in notdürftigen ländlichen Unterkünften, und im Schlafsack auf dem Dach alter Karawansereien in den Wüsten.

Der Iran ist wirklich schön! Und die Menschen sind durchweg gastfreundlich und sehr höflich interessiert. Auch alleine reisend habe ich mich immer wohl und respektiert gefühlt.
Außerhalb Teherans hatte ich zudem deutlich das Gefühl, dass man sehr viel freier sein konnte: In fast jeder Stadt die ich besuchte und auf dem Land noch etwas mehr.

So treffen sich die jüngeren Iraner an den Wochenenden gerne in den Wüsten des Landes, wo sie ihre Geländewägen auf den Sanddünen cruisen lassen und dazu laute Musik hören, dazwischen ihre Lager aufschlagen, picknicken, grillen, lachen, tanzen, etwas Spaß haben.
Undenkbar sonst woanders in diesem Land.

Ich liebe Gegensätze, sah sie im Iran jedoch mit anderen Augen.
Mit der iranischen Gruppe im Reisebus, unter der ich die einzige Ausländerin war, erlebte ich, wie die Menschen im Bus, sobald wir Teheran hinter uns gelassen hatten, eine ganz andere Seite zeigen konnten: Die Musik drehten sie auf, die Vorhänge zogen sie zu, die Frauen zogen ihre Kopftücher aus und es wurde im schmalen Gang des Busses fröhlich getanzt, gelacht, ausgelassen gefeiert.

Regelmäßig kam man an Checkpoints der nationalen Polizei. Davor drehte der Busfahrer jeweils die Musik leise und gab das über Lautsprecher bekannt. Wir Frauen zogen unsere Kopftücher an, alle die Vorhänge auf, wir hörten auf zu singen, zu lachen, setzten uns ruhig auf unseren Platz im Bus und ließen einen Polizisten einen kontrollierenden Gang durch diesen gehen.
Als wir weiterfuhren und außer Sicht- und Hörweite waren, lebte erneut die Freiheit in diesem Bus auf, über die dieses Land leider noch immer nicht verfügt.

Reisen kann uns glücklich, nachdenklich und wehmütig machen.
Es öffnet uns die Augen, wir erfahren nie Erlebtes, Unbekanntes und interagieren mit wundervollen und interessanten Menschen – am besten anderer Kulturen.
Auf jeden Fall aber ist Reisen immer dahingehend eine große Bereicherung, dass wir die Komfortzone zwar verlassen, aber uns selbst damit näher kommen, als in dieser.

Was das Reisen angeht, klettert aktuell ein hübsches Buch die deutschen Bestsellerlisten empor: „Vom Schweden, der die Welt einfing und in seinem Rucksack nach Hause brachte.“ Es ist vom Autor Per J. Andersson und hat sehr gute Rezensionen erhalten. Selbst habe ich bislang nur etwas intensiver querlesend hineingeschnuppert und kann noch nicht viel dazu sagen.
Vielleicht lese ich darin auf meiner nächsten Reise mehr.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan in der Altstadt Genève, aktuell dabei, sich in die Schweiz zu verlieben.

Liebe leben

Der Satz: „Man kann im Leben nichts verpassen“ stammte vom Schriftsteller Suter, als er in einem Interview 2010, nach dem Rezept für (s)eine glückliche Ehe gefragt wurde.
Er nannte hierzu: Liebe, neugierig sein, und die Einsicht, im Leben nichts verpassen zu können.

Nicht verpasst haben sich auch Goethe und Schiller.

Der große Johann Wolfgang von Goethe und der jüngere, aufsteigende Friedrich Schiller:
„Sturm und Drang“ beim einen abgeschlossen, inzwischen von diesem gar verschmäht, und der andere mitten in dieser Rebellion drin, überzeugt und erfolgreich damit werdend:
Auf dieser Basis sahen sie sich erstmals und lernten sich Jahre später so auch kennen.

„Ankitzelnde“ Rivalität und daraus resultierende Inspiration für schöpferische Eigentümlichkeiten, und Nähe und Distanz, und sich doch nie verloren zu haben, sind vielleicht die grob zusammen gefassten Eckpfeiler dieser Männerfreundschaft.

Rüdiger Safranski hat sich in die Lebensgeschichten beider eingegraben und sein Buch „Goethe und Schiller; Geschichte einer Freundschaft“ darüber geschrieben, in dem einem bewusst werden kann, welche große Faszination die Verbindung dieser beiden Genies in sich trug und heute noch trägt.

„Schiller lebt sich in Weimar ein. „Mein Leben geht jetzt einen höchst ruhigen, aber dabei sehr tätigen Gang“, schreibt er am 19. Dezember 1787. „Ich habe weniger Zeit, als gute Freunde, und dieses Verhältnis hat ungemein viel Reiz.“
Er bleibt, und wie die anderen Weimaraner wartet er auf Goethes Rückkehr.“
(R. Safranski „Goethe und Schiller“ (2011))

Goethe wurde 82 Jahre alt, Schiller gerade einmal 45. Und Goethe sagte Monate nach dessen frühen Tod einmal:
„Ich kann, ich kann ihn nicht vergessen!“

Ist – war – das nicht schon Liebe?

Wie definiere ich selbst überhaupt die Liebe:
Geben, ohne zu verlangen und nehmen, ohne zu besitzen?

Und nehme ich schon länger womöglich deutlich mehr, als ich gebe und raube damit vielleicht die Balance der Beziehung, des anderen Glück und unsere Perspektive?

Wer hält das Uns zusammen:
Wer gönnt und pusht, wünscht, unterstützt, reißt Mauern nieder, kittet, heilt, hält, läßt frei – aus Liebe?
Wer plant qualitative Zweisamkeit und Spaß, und setzt das auch um? Unterstreicht Wörter mit Taten?
Wer hört dem anderen aktiv zu, ist stets unterstützend, für ihn da?
Respektiere ich Zeit, und damit Absprachen, Träume, Pläne und halte mich an mein Wort?
Interessiere ich mich in Tiefe für mein Gegenüber, meinen Partner?
Wer bringt Frühstück ans Bett und zaubert, egal zu welcher Uhrzeit, sonst was Leckeres?
Wer tut viel und wartete dabei zu lange auf das Umsetzen seiner Herzenswünsche und Bedürfnisse .. vergebens .. verhungert auf Distanz, am langen Arm, oder wo auch immer ..
Ich, oder immer wieder nur der andere?

Und kann mich & uns dann noch Neugier retten: oder nur noch den anderen, der mit seiner über alle Berge ist, da er gemerkt hat, so wenig zu bekommen, dass er nicht noch mehr verpassen will?

Das „Rezept“ Martin Suters vielleicht zur Liebe, und der Wille, es heute besser zu machen als gestern – und morgen als heute ..

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan aktuell zwischen den Bergen: Am Lac Léman, im schönen Genève, Hier-werde-ich-auch-noch-irgendwann-wohnen, Genf.

 

Freie Liebe

FREI-Tag. FREI-Burg. FREI-Heit.

„Die Liebe ist das Kind der Freiheit.“
(Aus Frankreich)

Als ich dieses Zitat googelte, war ich der festen Überzeugung, dass es vom irischen Schriftsteller Oscar Wilde stammen muss. Freilich getäuscht! „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wieder kommen,“ ist von ihm.

Aber zu Wilde passt „das Kind der Freiheit“, aus dem heraus er die Liebe zelebriert, dennoch sehr gut: hat er doch freigeistig und ausschweifend besonders gelebt & geliebt. Wenn auch nicht ganz so frei, was seine Abhängigkeit in der Liebe zu seinem jungen Lover anging.

Um die Selbstliebe geht’s in seinem wohl erfolgreichsten Roman: „Das Bildnis des Dorian Gray“, in welchem er reich & schön und die Dekadenz der englischen Oberschicht zum Thema macht.

„“Liebe Gladys!“ rief Lord Henry. „Wie kannst du das sagen? Die Gefühle leben von der Wiederholung, und die Wiederholung verwandelt einen Trieb in eine Kunst. Überdies, jedesmal, wenn man liebt, ist es das erste Mal, dass man je geliebt hat. Die Verschiedenheit des Gegenstandes ändert die Einzigartigkeit der Leidenschaft nicht.““
(Oscar Wilde; Das Bildnis des Dorian Gray)

Verfallende Sinnlichkeit, eine hohe Anspruchshaltung und der Wunsch für immer begehrenswert und jung bleiben zu können, sind die Sehnsüchte mit denen Wild hier spielt, sowie die charakterlichen Veränderungen derartige Verlangen mit sich bringen können.

Die gewählte Freiheit sich selbst zu initiieren. Recht?
Die Freiheit sich zwischen Körper und Seele zu entscheiden. Wahl oder Qual?
Die Freiheit mit Oberflächlichkeiten dauerhaft vermeintlich glücklich sein zu können. Die Zeit anhalten können ..

Freiheit gibt es wundervoll gesünder!
Freiheit im Herzen ist nicht egoistisch, sondern für die Liebe gar essentiell. Genauso, wie Kommunikation übrigens: No communication – nämlich – no love.
Und das sehen bestimmt auch die Franzosen so.

Für einen richtig guten Kuss braucht es vielleicht nur zwei Hände. Für eine glücklich gelebte Liebe sehr viel mehr.

Und heute ist übrigens erst Donnerstag.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan auf dem Lorettoberg in Freiburg, mit liebendem Blick auf diese wunderschöne Stadt.

I can see you

Fangen wir einmal mit etwas Selbstverständlichem an: Dem Blickkontakt.

Wird dieser nicht ganz gehörig überbewertet, wenn wir einmal bedenken, dass es die nettesten und intelligentesten Menschen auf Erden gibt, die nicht immer Lust darauf haben,
und auf der anderen Seite beispielsweise die gewieften Topmanager stehen, die ihn permanent als Waffe, da Türöffner nutzen, um ihre – in gezuckerte Zungen gehüllten – Lügen in die Welt zu reden?

Bla bla bla, das beste Stück Laber-Rhabarber-Baiser mit doppelt Sahnehaube dazu alstublieft, und auf die Tarner, Täuscher und Erklärbären der Führungsetagen?

Möglicherweise haben wir sie bereits auf Herz und Nieren kennengelernt: ein paar überdeutlich entsprechende Vertreter dieser Lager.

Suter hat offensichtlich.

„Nicht nur ein Leitfaden für den gestressten Geschäftsmann, sondern für alle, die unter ihm zu leiden haben: Sekretärin, Untergebene, Ehefrau, Kinder …
Man wird den Chef oder den Partner nach der Lektüre mit anderen Augen sehen.“
(Martin Suter; „Cheers – Feiern mit der Business Class“)

Suter wieder und einmal mehr, der herzerfrischend, dribbelnd und bissig passend und so folglich treffend, über die gewinnende Businesswelt schreibt. So, als wenn ganz oben manchmal ganz unten sei. Menschlich mindestens.

„When the truth dies very bad things happen.“
Und hat das noch was mit Goethes Power zu tun?

Trägt Frechheit tatsächlich auch dann Genius & Magic in sich, so wir sie gezielt dazu nutzen, anderen zu schaden?

Und wenn doch die Augen auch die Spiegel der guten Seelen sind, wieso überhaupt gewähren die jedermann tiefe Einblicke hinein?

Wie viele Herzen schlagen in meiner Brust: nur zwei wie bei Faust?

Und wenn ich eines ganz bestimmt nicht erfüllen möchte, ist das nicht der Status der Selbstverständlichkeit?

Hübsche gelebt geliebte Philosophie am Morgen ..

Vielleicht müssen wir manche Dinge einfach großzügig nicht leben, um sie zu verstehen.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, hoffentlich gehörig genug bold.

Von Rosa und Pink

Was passiert, wenn wir das Herz eines Menschen mit einer Lüge gewinnen?

Würde ich zugreifen, wenn sich mir die Möglichkeit böte, durch einen glücklichen Umstand, in eine Rolle schlüpfen zu können, die (m)ein großes Ziel zu erreichen, wie ein Kinderspiel verwirklichen kann?

Was siegt: Meine Dreistigkeit für den gefakten Erfolg .. das damit verbundene schnelle, nicht zu Ende gedachte kurze Vergnügen .. die Angst, dass irgendwann alles herauskommen – ich entlarvt werden könnte – und letztendlich alles viel schwerer noch wird als zuvor .. meine Authentizität, mein echter Stolz?

Martin Suter – schweizer Schriftsteller – schreibt uns einmal mehr zum niederknien: In seiner Novelle „Lila, Lila“ nämlich, über eine Liebe, die hier durch Täuschung nur erreicht wird:

David will Marie.
Marie will einen Schriftsteller.
David findet Zettel mit Notizen, ganze Seiten voll, ein ganzes Buch, welches er, nach kurzer Überlegung nur, zu seinem eigenen macht.
Marie damit beeindruckt.
Marie bekommt.
Marie verliert.

„David hatte den Schlüssel an der Wohnungstür steckenlassen, damit sie klingeln musste. Für den Fall, dass er eingeschlafen war, er wollte sie zur Rede stellen.
Marie sah glücklich aus. Sie begrüßte ihn mit einem schwesterlichen Kuß und ging nicht auf seine Fragen ein. „Komm David, das bringt nichts. Ich muss in ein paar Stunden wieder aufstehen und du bist besoffen.““
(Martin Suter; Lila, Lila (2004))

Suter tieft Beschreibungen seiner Personen mit ordentlich Detailverliebtheit und einer guten Portion Ironie. Er schreibt eingängig, süffig – läßt uns sein Werk so leicht lesen oder auch tiefer – und regt dann, entscheiden wir uns für letzteres, zum nachdenken an.

Vielleicht wollen wir dem Protagonisten im Mittelfeld gerne Tipps zurufen, ihm zur Seite stehen, in sein Leben, Schicksal, positiv verändernd eingreifen.
Vielleicht aber sollten wir in unser Leben verändernd eingreifen.

Wer nämlich glaubt, dass, wie der Volksmund sagt, Lila der letzte Versuch sei, der mag genau so selig werden, wie jemand, der der Meinung ist, dass man sein Leben nicht in jedem Alter noch komplett ändern und alles je Dagewesene großzügig, oder auch gänzlich, über den Haufen schmeißen kann.

Man kann.
Mann.
Frau auch.

Wie oft sind wir es selbst, die uns im Weg stehen? Ein paar wenige andere werfen vielleicht noch großzügig kleinere Kiesel auf den Weg .. aber die meisten sehen Brüche viel interessierter und interessanter, als wir womöglich selbst.

Das Ende des Buches bleibt offen. So wie auch wir am Ende unseres Lebens erst wissen können, welche Entscheidungen wirklich gut, welche nicht ganz so toll waren.

Hoffentlich getreu dem Motto: „Klug war’s nicht, aber geil.“

Oder, charmanter: I did it my way!

Viel Spaß dabei!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Annaplatz; Freiburg im Breisgau)

Frisch, fröhlich, frei!

Ach Max (Frisch), wie gerne hätte ich dich gekannt!
Einen Abend, oder auch Nachmittag „nur“, Ovomaltine mit dir getrunken und gedankenverloren Emmentaler Käse auf Holzspießen vernascht, während ich dir andächtig gelauscht und wir zusammen verboten laut gelacht hätten.

Auch deine Zigarren, und deswegen im nebligen Qualm sitzend, hätte ich dir verziehen. Der Richtige kann eben nichts falsch machen, und ich glaube du warst ein richtig cooler Hund und nett dazu.

Schade Schweizer Schokolade!

Und so träume ich heute von einem platonischen Rendezvous mit Sir Richard Branson. Einfach so. Um schauen zu können, was dran ist am Bub (In wenigen Tagen 68 Jahre jung): Am ewigen, sich selbst so ernannten Kindskopf, am, von Peter Pan inspirierten, Optimisten.

Wann habt ihr zuletzt Peter Pan gelesen?
Überhaupt schon einmal?
Kindliche Freuden, Ideen, Hirngespinste: Schönste Alltagsflucht und bereicherndes Kindliches Ich.

Auf die Liebe und die Lust einer Frau gegenüber geht Frisch in seinem Roman „Homo Faber“ ein. Faber ist ein menschenscheuer Technikrat, der sich auf einer Reise in eine junge Frau verliebt. Bis dahin nichts Ungewöhnliches soweit .. Unglücklicherweise aber entpuppt sich das schöne Objekt seiner Begierde, zu spät und erst nach etlichen gemeinsam durchlebten Tagen, findenden Gesprächen, leichtem Lachen, grundendem Tiefsinn und harmlosen wie tragenden Nächten, als die eigene Tochter.

„Ich hielt sie am Arm, die junge Person, die meine Tochter hätte sein können.“
(Max Frisch; Homo Faber)

Tja, und so kam’s dann, dass diese sich tatsächlich als die solche herausstellte.

Immerhin findet in all der Tragik die zerrissene Kleinfamilie noch ein letztes Mal zusammen, söhnt sich aus, zergeht.

Zum auf der Zunge zergehen lassen, empfehle ich übrigens eher ein Stück Schweizer Schoki als dieses Buch, da Frisch gewohnt in Prosa über die Papierseiten galoppiert. Wenig ausschmückend. Technokratisch.

Dass wir einen Menschen als Menschen oder ihn als Mann oder Frau lieben können war und ist soweit klar. Stets unsicher darüber allerdings, was nun tatsächlich mehr von Wert und Bedeutung ist.
Vielleicht ist die Hauptsache einfach die, offen für Wunder zu sein: menschlicher und liebender Art?

Frisch, fröhlich, frei: ohne fromm.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan in Freiburg-Wiehre, Ecke Kirch- / Konradstrasse, unterwegs.

Liebe ist Liebe

„You can’t ask why about love.“
(Anna Karenina)

Ein Klassiker der einen im Bett erschlagen kann, wenn man mit ihm in den Händen beim Lesen wegnickt: So dick ist dieser Wälzer – so gewaltig nämlich, wie diese große Liebesgeschichte.
Im Bett erschlagen zu werden, als auch Anna Karenina: beides mit tragischem Ausgang.

Ich gestehe Tolstois Anna Karenina nicht zu Ende gelesen zu haben.
Mehr noch: Immer mal wieder ein paar Seiten vertieft gelesen, dann beherzt und mit schwungvollem Elan ein paar weitere überblättert.

Ich hatte die Verfilmung zum Buch von 1877/1878 bereits gesehen und fand und finde diese sehr berührend, da inspirierend, und schlicht sehr schön! Und so klassisch ich sonst auch gerne sein mag und vielleicht bin, so spreche ich hier von der Neuverfilmung mit Knightley, Law und Taylor-Johnson.

Aaron Taylor-Johnson ist dieser unverschämt attraktive junge Hollywood Beau, der mit der schönen wie erfolgreichen Sam Taylor-Johnson zusammen ist, welche alterstechnisch geschlagene 23 Lenze mehr als er zählt. Jahrelang bereits verbandelt – gemeinsame Kids – schön und echt schön anzusehen die beiden.

Hugh Jackmans Frau Deborra-Lee ist 13 Jahre älter als er, Michelle Hunzikers Mann Tomaso ist 7 Jahre jünger als sie. Und nicht zuletzt: Macrons Frau Brigitte: 25 Jahre älter als der Herr Président. Deliziös!

Tja, you can’t ask why about love.

Umgekehrte Beispiele, in denen der Mann deutlich älter als seine Liebe ist, gibt es noch erheblich mehr. Danach kräht schon lange weder Hahn noch Henne.
Und dann hätten wir da bunte kulterenübergreifende Lieben, vermischende statusübergreifende Lieben .. Lieben, die zur oder auch aus einer Ehe führen ..
Unschuldige Lieben .. leidenschaftliche .. Welche, die sofort entflammen, oder sich Jahre danach wartend verzehrend ..
Tausendmal berührt, tausendmal nichts passiert, oder Funkanschlag bei einer allerersten zufälligen Berührung.

Wenn wir aber immer schon eine Liebhaberin oder ein Liebhaber der gelebten großen Gegensätze waren, so hat dies irgendwann den Vorteil, dass selbst das Normalste, das Gewöhnlichste, das Ursprünglichste und Natürlichste, sich irgendwann anfühlt wie das faszinierend Ungewöhnliche, das wundervoll Individuelle, das erfrischend Abwegige, das nie Gekannte, nie Gelebte.
Und das kann dann quietschvergnügt genau so gesehen und gefühlt werden. Alles! Links und rechts der Spur und mittendrin und in der Norm.

„Zu lieben ist ein Segen. Geliebt zu werden Glück.“
(Leo Tolstoi)

Liebe ist Liebe, ist Liebe, ist Liebe ..
& you can’t ask why about love!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPans Füße in Sommersandalen, an einem Outdoor-Lesetag während literarischer Vergnügtheit, entspannt gespannt in Sonne getaucht.

Pro Passung

„Die Menschen sind nie zufrieden. Haben sie wenig, wollen sie viel. Haben sie viel, wollen sie noch mehr. Haben sie das schließlich auch bekommen, wollen sie mit wenig glücklich sein, aber aufgeben wollen sie dafür auch nichts.“

Dies ist eine der wenigen mit Lebenserfahrung getränkten Textstelle aus Paulo Coelhos Buch: Der Sieger bleibt allein.

Ein untypisches Buch für diesen Autor, der ansonsten mit viel mehr Tiefe, einfühlsamer Nähe, Weichheit und Wärme und bei anzunehmenden Schicksalen verstehend punktet. Hier fährt er eine distanziert erzählende sachlich kühlere Linie:
Eine Kriminalgeschichte nämlich, in der ein kalt gewordener Mensch seine innere Leere mit Morden an der fröhlichen Upper-Class zu füllen versucht.

Coelho schreibt von üppigem Luxus. Und Rousseau beruft sich in seinem Zitat darauf, sich gekonnt vortrefflich in Einfachheit zu verbinden, so zu berühren: Frei interpretiert vom mir hier und ich werde es in einen noch anderen Kontext setzen:

Ich bin viele Jahre lang geritten. Englisch. Nicht Western.

Die Kunst bei diesen zwei völlig konträren Reitstilen liegt darin, zu verstehen, dass ein rein western-ausgebildetes Pferd keinen treuen Verfechter der englischen Reitkunst glücklich machen kann und umgekehrt.

Der EnglischReiter nämlich treibt mit seinem Schenkel aktiv und unablässig jeden einzelnen Schritt aus seinem, eigens dafür, ausgebildeten Sportpferd – dem, ich nenne es hier so: „Englischpferd“.

Der WesternReiter hingegen gibt seine Aufforderung in einer einmaligen Hilfestellung an sein Westernpferd, der dieses dann so lange nachkommt, bis der Reiter eine neue, andere, Aufforderung gibt.

Ein EnglischReiter würde ein Westernpferd vollkommen konfus machen, indem er permanent Befehle mit seinem hyperaktiven Schenkel gibt und das Pferd unablässig reizüberflutet.
Das Westernpferd möchte nämlich nur einmal „gebeten“ werden und mutiert danach zum stoischen Selbstläufer.

Das Englischpferd wiederum wird mit der einen Hilfe, die der WesternReiter an das Pferd gibt, genau den einen Schritt gehen dem diesem damit entlockt wurde und sich danach keinen Millimeter mehr vor oder zurück bewegen. Bei einer zweiten Hilfe folgt ein zweiter Schritt, bei einer dritten ein dritter.

Wer also viel gewohnt ist, weiß mit wenig nichts anzufangen? (Englischpferd unter WesternReiter)
Wer wenig Aktion bringt, wird Anspruchsvolles nicht bewegen können? (WesternReiter auf Englischpferd)
Wer wenig gewohnt ist, fühlt sich mit mehr schnell überfordert? (Westernpferd unter EnglischReiter)
Wer viel Aktion bringt, kann in gemütlichen Kreisen für Chaos sorgen? (EnglischReiter auf Westernpferd)

Wir sehen: Passung ist schon essentiell!
Ein Glücksfall jedoch ist, dass wir dazulernen und uns auf Lebewesen und Lebensumstände individuell einstellen können. Dann nämlich wird – wovon Rousseau auch sprach – alles einfach. Und das ist die Kunst: die durchaus frech, blankgezogen, grenzüberschreitend sein darf und sollte. Gelebte Grenzen und sowieso Geschmack sind bekanntlich persönliche Vorlieben. Und das Leben ist zum Glück(!) kein Pferde- oder Ponyhof.

Von wenig zu mehr ist aber auf jeden Fall immer einfacher als andersherum. Diese Erfahrung machte nicht nur Mörder Igor, der trotz Sieg – da Richter über Leben & Tod – am Ende allein bleibt.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPans Foto eines Fotodrucks eines bekannten Gemäldes im Lieblingsbuchladen am Platz.