Feine Liebe

Wir alle haben sie: Unsere erste wundervolle Liebe. Ob mit emotionalem Happy End, rationalem Vernunfts-Ende, Herzschmerz mit schachtelweisem Pralinen-Konsum, nachdem schließlich alles in einer Tragödie endete: Egal, sie war und musste gelebt werden! Ein scheues und gewitzt neugieriges Tasten in eine unbekannte Welt der Seele und Körper.

Ivan Turgenev hat darüber ein ganz hübsches Buch geschrieben. Mehr als 150 Jahre alt inzwischen und herrlich sehnend, wehmütig, mit Herzensschwere und natürlich ohne Happy End, wie es die Russen – mindestens die alten bekannten Schriftsteller – in ihrer gelebten Melancholie eben liebten, taten, gern umschrieben.
Schwelgen im Schmerz. Und mein Vanille-Eis schmilzt in der Sonne, tropft auf’s 60er-Jahre Dress.

Meine erste Liebe ist schon so einige Jahre her, und dennoch: manchmal denke ich noch an sie. Und immer gern, wie wirklich jeder den ich kenne. So unschuldig, vorsichtig, neu und entfesselt frei nämlich, wie „manch jeder“ sich wünschte heute noch einmal an eine Sache herangehen zu können.
Ich kann sagen, dass ich mir das Unbeschwerte erhalte, solange alles entweder schwarz oder weiß ist und ich nur bei schwammigen Grauzonen anfange zu schwimmen, mich schnell und deutlich beginne unwohl zu fühlen und mich eher früher – selten später ziere, winde, zurückziehe, da die Leichtigkeit geht und fehlt. Die, mit der alles steht und fällt eben.

So wie uns manch einer versucht diese Leichtigkeit mit Absicht zu nehmen.
So das Zitat Turgenevs und von Leichtigkeit schreibt er in „Erste Liebe“ auch besonders fein:

„Ich war ein Verliebter. Ich sagte, dass seit jenem Tage meine Leidenschaft angehoben habe; ich könnte indes hinzufügen, dass mit dem gleichen Tage auch mein Leiden begonnen hatte.“
(„Erste Liebe“ von Ivan Turgenev (1860))

Vladimir, süße 16, verliebt sich in die fünf Jahre ältere Nachbarin Prinzessin Zasjekina, die er, von unbekannten Gefühlen übermannt, naiv, unerfahren und sanft zu umwerben versucht.
Für Zasjekina aber ist und bleibt er damit und wer er ist ein Kind.
Sie läßt sich etwas schmeicheln, spielt mit ihm, formt ihn sich und hält ihn zum Narren wie sie ihn braucht, bis sie seiner schnell überdrüssig wird und ihr Interesse Vladimirs Vater und später einem reichen Monsieur gilt, mit dem das ganze Drama auf die Spitze getrieben ein unschönes Ende findet.

Die erste Liebe mag viele Jahre her sein, doch sicher sind wir alle sehr viel selbstbewusster, bewusster und sicherer im Umgang mit ihr im Allgemeinen geworden. Auch darin, auf die Meinung eines anderen nicht mehr Wert zu legen, wenn es sich dabei lediglich um einen Narren handelt, der unserem Glück, unserem Leben, unseren Plänen und unserer Liebe schlicht im Weg steht.

Das wünsch ich uns allen: Liebe zu leben, wie beim allerersten Mal!
Und Dummköpfe auszubremsen oder einfach unbeachtet im Dunkeln lachen zu lassen und für uns dort zu belassen.
Und Turgenev tat das sicherlich genauso.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Turgenevs Kurzprosa lesend – im Gras vor dem Theater in Freiburg im Breisgau)

Heaven

Max Frisch, Schweizer und ist einer meiner Schriftsteller-Lieblinge, hatte einmal in einem Interview, welche er übrigens nicht mochte und welche für ihn immer als eine Art Spielerei aufgezogen werden sollten, gesagt, dass das Leben schwer auszuhalten sei ohne sich auszudrücken.

Dies mag der Grund vieler Schreiber sein.

Wer sich schreibend besser ausdrückt, kann vielleicht heimlich schwer atmen wenn er im Leben unsanft bedrängt und von seinen Gefühlen überlagert wird, und nicht weiß, wie sich dann bestens verständlich zu machen.
Schreiben als Weg der Kommunikation und zu verstehen vielleicht. Wir schreiben Liebesbriefe, Gedichte, Blogs, Kolumnen, manche Bücher. Und so wie Hemingway sagte: “Write until you surprise yourself.”
Fakt: Der Himmel reißt nicht selten auf, wenn andere sich die Mühe machen, zwischen den Zeilen lesen zu wollen.

Was mich und viele andere auch und schon immer antreibt ist Schönheit.
Ich mag Menschen die innen, tief drinnen, unfassbar schön, weil gut zu und für mich sind, und denen ich mich genau aus diesem Grund öffnen möchte.
Für jeden – auch mich – sind doch genau diese die Menschen, bei denen wir uns wohlfühlen, denen gegenüber wir zugewandt sind, offen bleiben, unsere Hand reichend vertrauen, an deren Seite wir leicht gehen, hüpfen, springen, lachen, uns entfesseln, Mauern einreißen lassen, genießen.

Imagine there’s no heaven: Solche Menschen aber sind der Himmel voll Sterne für uns und nicht selten ein Leben lang unser Universum, um die sich bitte alles drehen darf und soll.

Vielleicht mögen wir nicht einmal nur Menschen, sondern auch Dinge die wirklich schön sind. Ästhetik, ein Auge für Schönheiten, und ein Gefühl, eine Schwäche für Besonderes.
Vielleicht haben wir als Kind in irgendwelchen Katalogen geblättert und, ohne auf den Preis zu schauen, auf jeder Katalogseite ein Kleidungsstück oder ein technisches Gerät herausgesucht. Das, welches uns jeweils am besten gefiel. Als Spiel und als Zeitvertreib. Und vielleicht war es immer das teuerste Stück.
Wir entwickeln unsere Vorliebe für Stil und Schönes immer weiter. So, wie auch ein jeder von uns seine ganz private Vorstellung von „Himmelhochjauzend“ und seinen himmlischen Träumen und Visionen hat.

Imagine there’s no heaven ..
Woran sollten wir glauben, wenn wir unseren Blick für das Gute verloren haben? Unseren Blick für das, was uns bedeutet, wofür wir stehen? Woran sollten wir glauben, wenn wir wahre Schönheit, Liebe, Qualität, Werte und Genuss nicht mehr erkennen?

“Der Himmel” – unser ganz privater – unsere ganz intime Vorstellung davon – kann so vieles für uns sein. Und der siebte Himmel ist immer wieder einer der liebsten, weil schönsten: Er ist rosarot, hängt voller Geigen und fühlt sich, mit marzipanfarbenen zuckerwattesüßen Wolken, so weich und wohlig an, dass wir uns besinnungslos und hingebungsvoll in diese fluffige Weiche fallen lassen wollen und können.
Vorübergehend “nur”?
Für immer?
Stürmisch, Strohfeuer, sanft, bedächtig, Seele, Körper, stille Abschiede, entgleiten, spätere Freundschaft, Points-of-no-return.

Wir können jedem der Menschen, vor allem aber jeder unserer Lieben, die wir auf unserem bisherigen Lebensweg erfahren durften danken.
Welche, die uns den Himmel auf Erden beschert haben ..
Welche, die uns unsanft von Wolke 7 oder “nur Wolke 4” unsanft abstürzen ließen. Imagine there’s no heaven .. Und keine samtig-sahnigen cremeweiße Wolken, sondern nur böses Erwachen, indem wir unsanft auf dem harten Boden aufschlagen.

Glauben an Liebe und Schönheit und das Gute sollte uns niemand nehmen.
Und so soll es für jeden sein und weitergehen.

Imagine there’s no heaven ..
Um festzstellen, dass es sehr wohl einen gibt!
In den unterschiedlichsten Ausführungen, die jeder ganz allein für sich definieren mag und soll.
Das kann Schönheit, Liebe, Freiheit sein.
Heaven!

Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

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Text: PetissaPan

Foto: PetissaPan

Märchenstunde

“Voglio vivere una favola”, ist die anonyme Inschrift einer Basilika in Florenz.
“Ich will ein Märchen erleben”: Auf italienisch nicht nur ein schöner Gedanke, sondern auch so sehr viel mehr klangvoller, als es die deutsche Sprache je her gäbe.

Ein Märchen erleben – wollen wir das nicht irgendwie alle? Wenn auch ein jeder seine ganz eigene Art hat dies zu kommunizieren, sich zu denken und heimlich oder offen darin zu schwelgen.

Eines meiner Lieblingsbücher ist “Sich verlieren” von Annie Ernaux, und genau dieses Buch beginnt mit diesem verträumten Zitat.
Ich weiß noch, dass ich es anhand dem interessanten Titel, vor 16 Jahren, in einem Buchladen gegriffen hatte und nur die vier Wörter las, die mich sofort begeistert und berührt haben. Manchmal geht es so schnell und wir sind entflammt. Deshalb, weil es, zumindest anfangs, perfekt passt. Das mag im realen Leben und in der Liebe genauso sein, wie bei Geschichten anderer, die wir verschlingen, weil sie uns und etwas in uns bewegen.

Entflammt, dafür brennen, gebrannt, und so bleibt es für mich mit diesem Buch. Ein Dutzend mal gelesen. Verträumt, sehnend und romantisch läuft bei mir eben immer. So war ich mit 20, so bin ich heute, und so werde ich mit 60 und mit 80 sein. So es so sein soll, dass ich dann noch bin.
Wer Romantik mag, wird sie nie aufgeben und geht auf, bei einer solch schmerzvoll verzehrenden, wie lustvollen Schreibe, deren Autorin sich in der Sehnsucht und Begierde einer wahren Begebenheit suhlt.

Annie Ernaux schreibt autobiografisch, so auch hier, und umso interessanter empfinde ich “Sich verlieren”. Sie beschreibt ihre einseitig mental gefühlte Liebe zu einem verheirateten russischen Diplomaten in Paris, der sich beide physisch hungrig hingaben.
Tagebuch-Stil, nah, und sehr bald durchblicken lassend, dass dies kein Märchen mit Happy End wird.

Dramatische Lieben schreiben mit die besten Geschichten.
Ein Weg ist es, so spannend zu leben, dass man Bücher darüber schreiben kann, – was zweifellos ein anstrengendes und kunterbuntes Leben ist und mit jedem Lebensjahr noch ein klein wenig anstrengender wird. Manchmal habe ich darauf keine Lust mehr und gehe trotzdem immer weiter, weil ich es eben doch so will.
Der andere Weg ist solche Bücher zu lesen und selbst in gesunder Mitte und auf ruhiger See zu schippern. Letzteres wollte ich nie, bis zuletzt vielleicht. Und doch kommt es so oft anders als man denkt, und hofft, und es sich ausgemalt hat.

Turgenev sagte einst einmal, dass es für einen Künstler nicht ratsam sei zu heiraten: Eine schlechte Ehe könne zwar etwas zur Entwicklung dessen Talents beitragen, eine gute Ehe sei jedoch fehl am Platz.
Ich denke, dass man das nicht pauschalisieren kann, merke jedoch an mir sehr wohl und deutlich, dass ich völlig verschieden schreibe, je nachdem wie es mir geht und welche Gefühle mich gerade umtreiben. Ich schreibe tiefer und mutiger, wenn ich Schmerz fühle. Und aus diesem Grund immer an mindestens zwei völlig verschiedenen Themen, Werken.
So wie jemand an manchen Tagen lieber tanzt, malt, lacht oder schweigt.
Wir sind so oft viel produktiver, wenn wir unten sind: Das ist wohl der Lebenshunger.
Wir werden gemütlich und bequem, wenn wir oben sind: Das ist vielleicht dekadente Übersättigung, nur die Erschöpfung, vielleicht aber auch die Dankbarkeit es geschafft zu haben.
Die Frage ist: was wollen wir und in welchem Maß und wann?

Vielleicht begegnen wir manchen Menschen schlicht zum falschen Zeitpunkt. Vielleicht hat manches einfach nur eine kurzfristige Bereicherung sollen sein. Vielleicht braucht manches Zeit.
You can’t always get what you want, und ist es manchmal besser nichts zu haben, als das nicht märchenhaft Passende?
Sind vielleicht ohnehin all unsere Träume und Luftschlösser nur Erinnerungen? Und vielleicht muss man an Märchen glauben, um überhaupt eines leben zu können.
Märchen leben? Ja, ich will! Aber, Hand auf’s Herz: wer will das nicht?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Run free

.. You can do whatever you really love to do,
no matter what it is.“

Ich habe mir gerade ein Fahrrad gekauft. Annonciert hatte ich in einem kostenlosen Stadtblatt, dass ich ein „altmodisches Citybike“ suchen würde. Und nun habe ich es.
Es ist alt für ein Fahrrad: 59 Jahre – aus dem Jahr 1959. Es ist ein Ein-Gang-Rad, gut erhalten zwar, aber es knarzt und ächzt, wenn ich auf leichten Anstiegen, in einer hügeligen Stadt, sanft, doch mit Nachdruck und Kraft, in die Pedale trete. Die Bremse greift schlecht, es hat ein paar Rostsprenkel hier und da, und es ist schlicht das wundervollste Bike, welches ich je gefahren habe. Besonders und lieb, treu.

Ich mag alt. Heute. Denn alte Dinge erzählen Geschichten. Neu ist mir inzwischen meist zu viel Wegwerf-Mentalität .. Doch das möge bitte ein jeder halten wie er es gerne mag. Ich habe auch Jahre gebraucht, bevor ich seit ein paar Jahren so denke.

Vor einigen Jahren fuhr ich aktiv Rennrad und hatte eine eigens für mich royalblaue Rennmaschine – später eine in Pink .. Jeweils mit tiefem Rennlenker und den schmalsten unbequemsten Sättel, welche bestimmt 30cm höher eingestellt waren, kamen sie schnittig, modern und super-sportiv daher. Rennradfahren war „ganz toll“ für meinen Rücken, geschmissen hat es mich natürlich auch und Oberschenkel hatte ich wie eine niederländische Eisschnellläuferin .. Na gut, so bildete ich mir das zumindest damals ein.

Und nun bin ich schlicht so glücklich, mit schlicht so einem einfachen alten Liebhaberstück, welches, als geschätzter und liebevoll restaurierter Oldtimer, gerade einmal einen dreistelligen Betrag gekostet hat. Es lässt mich aufrecht sitzen, die frische Schwarzwaldluft einatmen und mich wie in einer anderen Zeit angekommen fühlen. Surreal ein wenig .. Frisch & frech. Und ganz klar: irgendwann soll es ein alter knarzender Bentley, geliebt, gehegt, gepflegt, und mit Charakter für mich sein.

Wieso sollten wir nicht mit Gewohnheiten brechen, uns neu aufstellen und in Bereiche reinschnuppern, die wir noch nie kennengelernten?
Wieso nicht tun, was uns am Herzen liegt?
Es gibt keine Gründe dafür!

Und ansonsten liebe ich den turbulenten Service: Mit 16 Jahren gleich in ein Berufsleben gestartet, nie hübsch studiert und nebenbei gejobbt. So schön, mit Herzblut zu wirbeln, dauerzulächelnd und sich mit den Gästen zu freuen.
„My call is to serve“, Gelegenheitsjobs, Klamotten vom Second-Hand, einen zweirädrigen Oldtimer ..
Mein aktueller Freund könnte Chirurg sein und mein Ex vielleicht Manager. Sie könnten das dreifache bis zehnfache verdienen wie ich, und doch würde, täte, möchte und werde ich an meinem alten Drahtesel und Gelegenheitsjobs festhalten. Einfach, weil es mein Leben ist und es meine Entscheidungen sind. Und wer damit ein Problem hat, wer wir sind und für was wir stehen, der passt wohl leider nicht zu uns.

Wir sind eben nur authentisch, wenn wir tun was wir wollen und uns nicht 1.) für irgendwen verbiegen und 2.) für irgendetwas oder für den der wir sind schämen.
Und – viel wichtiger noch: wir sind nur dann glücklich und werden nur dann bleiben.

Ich wünsche euch viel Energie für eure Ziele einzustehen und nicht verteidigen zu müssen, wer ihr seid, was ihr liebt und für euren Weg.
Einfach machen. Gerne verrückt. Gerne kritisiert. Gerne belächelt.

Umarme dein Chaos
Verfolge das Ziel exquisite Erinnerung zu machen
Sei anders
Besonders
Sei du
Sei ein Rebell
Run free
Bevor die Zeit dazu vergangen ist.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Grün & Hope

Eine Portion Motivation zur reflektierten Selbstlosigkeit – dieses Mal vor dem Wochenende. Meine neue-alte Stadt tut mir heute schon gut, und Gutmenschentum sagt man dieser Stadt ohnehin seit Jahren, Jahrzehnten nach: Auch ökologisch, naturliebend sportlich, charmant herzlich, bescheiden bodenständig, ein Stück heile Welt vielleicht. Und sehr grün. Schön, so wie jede andere Stadt der Welt eben auch ihre ganz eigenen Vorzüge hat.
Und nein, keine Angst, das wird kein dauerhafter Städte-Blog: Ich bin aktuell einfach nur frisch verliebt.

“Somehow the grass is much greener” … – Aus den Lyrics der Pet-Shop-Boys-Single “Miracles” …
Grünes Grass, die rosarote Brille: Ein optimistischer Blick auf die Welt ist schon toll! Davon kann ich heute besonders gut ein Lied singen, weil mein Himmel in den vergangenen Jahren bestimmt nicht voller Geigen hing und mein Rasen war sowieso gänzlich hinüber.

Diese Woche war ich im Kino. Ein französischer Film (“Une Vie“ – zu meinem Glück mit deutschem Untertitel), aus dem Jahr 2016, der mit den Worten endete:

“Das Leben ist nie so gut oder schlecht wie du es siehst!”

Alles entspringt diesbezüglich nur unseren eigenen, völlig haltlosen, subjektiven Wahrnehmungen. Und wie hätten wir unser Lieblings-Gras überhaupt denn gern: vielleicht Flaschengrün, Blattgrün, Moosgrün, Lindgrün, Granny-Smith-Apfel-Grün oder doch lieber animalisches Grasfrosch-Grün?

Das schönste Grün welches ich je mit eigenen Augen gesehen habe, waren die saftigen Wiesen in Neuseeland. Jahre her. Und trotzdem war das längst noch nicht mein schönster Urlaub. Das Gras und wie wir das jeweilige empfinden, sollte also nicht maßgeblich daran beteiligt sein, mit welchem Blick wir auf unsere Leben blicken.

Unsere Hochs und Tiefs und unsere Dürren und Üppigkeit werden maßgeblich beeinflusst von äußeren Umständen, Ereignissen, Schicksalsschlägen, Glück, Zufall und dem Interagieren mit anderen. Manchmal sind wir, im übertrageneren Sinne natürlich, der Hund der den Baum anpinkelt, und ein anderes Mal sind wir selbst dieser Baum.

Wir gewinnen und verlieren. Wobei wir als Optimisten sagen werden, dass wir Erfahrungen gesammelt haben und es deswegen kein Verlieren war. Manche Erfahrungen sind nur so schmerzhaft, dass es schwer fällt sie nur als solche anzusehen.

Mein Gras begann – in meiner subjektiven Wahrnehmung – im Sommer 2013 zertrampelt zu werden, ab Herbst dann richtiggehend zerstampft, und ich stand ohnmächtig daneben.
Gelb-grün wurde es, brach ab, ungesund, wenig dicht. Im Frühjahr 2014, als es begann erneut liebevoll gegossen zu werden, erholte sich meine strapazierte Fast-schon-nur-Unkraut-Wiese, bildete sich weich und flaumig neu … bis dann im Spätherbst desselben Jahres der ganze Rasen in Flammen stand und über ganz 2015 lichterloh brannte.

Seit 2016 fing Gras dann an ganz neu zu wachsen. Ich habe gegossen und gepflegt. Heute ist es wieder richtig grün.
Und auch wenn es sicher Gräser, Rasen, Gärten gibt, denen ich nacheifere, weil ich sie als noch grüner ansehe … So gibt es aber auch Gras, das gerade verdurstet, verätzt, gezupft, gerupft oder abgefackelt wird, und um welches es so viel schlechter bestellt ist, als um meins.

Vielleicht könnten wir uns glücklich schätzen, wenn unser Gras durchschnittlich grün ist, uns damit motiviert nach oben orientieren und nach unten eine helfende Hand reichen? So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Tun uns was Gutes und anderen gleich mit.
Das Leben ist ohnehin eine Achterbahn, und wenn wir einmal unten sind, freuen wir uns auch darüber, wenn es wieder hoch geht. Mit Hilfe: Gießen der anderen. Also ich habe mich gefreut!

Und heute halte ich selbst wieder einen Blumenstrauß meiner Wiese in meiner Hand und gebe davon ab.
Weil wir das nur fähig zu tun sind, wenn wir selbst genug haben: An Gras, Blumen, Friede, Liebe.

Nach jedem Tief, so unglaubwürdig und weit entfernt sich das auch manchmal anhören mag, geht es wieder nach oben.
Nicht selten steil. Auch dass das Comeback sehr häufig stärker sei, als der Setback. Ich bin aktuell immerhin einigermaßen ausgeglichen – im Vergleich zu meiner Situation früher.
Gras findet den Weg durch die steinigsten Schichten.

Und wie lautet eine andere Liedzeile im Songtext von “Miracles”:
“Roses bloom more to adore you too.” Und ich liebe Rosen. Am liebsten in Weiß.
Es geht eben nicht immer um Gras, und schon gar nicht um das in Nachbars Garten, sollte dieses nicht dazu dienen sich positiv inspirieren zu lassen und anzupacken!

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Text: PetissaPan; Juni 2018
Foto: PetissaPan; Juni 2018

Soulmate

Vielleicht ist es mit Städten und Herzensplätzen ja so wie mit der Liebe: Der Film „Indecent Proposal“ beginnt mit den Worten:

Someone once said, if you want something very badly, set it free. If it comes back to you, it’s yours forever. If it doesn’t, it was never yours to begin with.

Freiburg, oder sagen wir besser: Freiburg & Baden-Baden liebte ich als Städte von Herzen. Immer wenn ich weg aus Baden war, habe ich schmerzlich vermisst was ich hier einst gefunden und geliebt hatte: Das Gefühl eine Heimat zu haben, Verbundenheit mit der Mentalität der Menschen, Schönheit die mein Motor ist.
Und nirgendwo anders auf der Welt lebte ich zweimal. Die meisten Städte in die ich für mehrere Monate oder ein Jahr eintauchte, habe ich überhaupt nie mehr wieder gesehen.

Freiburg habe ich vor 12 Jahren hinter mir gelassen. Für ein paar Jahre hatte ich hier gelebt, gearbeitet und meine, bis heute, beste Freundin kennengelernt. Beide sind wir dann weiter gezogen.
Seitdem war ich nur noch ein- oder zweimal in dieser Stadt, habe weitere 11 Umzüge hinter mich gebracht, viel gesehen, bin gewachsen und gefallen, hab‘ die Knie mir aufgerissen, das Ego entblößt, das Herz verschlossen – und so vieles hat nicht gepasst, gekratzt: Ich habe vermisst und gehasst.

Ich habe mich schließlich und immer wieder aufgerappelt, hunderte Male mir den Staub vom Kleid gewischt, und klarer gesehen. Nun bin ich wieder hier und es ist noch schöner als ich es je in Erinnerung hatte.

Wie viel uns eine Stadt oder auch ein Mensch bedeuten, erkennen wir eben manchmal erst dann, wenn wir viele Vergleiche gesammelt haben, mit anderen Plätzen und anderen Menschen die uns nicht so tief berührt und erfüllt haben.
Ich musste leben und alles was ich getan habe, ganz auf meine eigene Art tun: Exzessiv, gegensätzlich, vielseitig und mit einem Freiheitsdrang und einer Neugier auf so vieles, die ihresgleichen suchen.

Nur wenn wir ganz wir selbst sind, unseren Hunger auf alles was wir kennenlernen wollen stillen, aufsaugen, eintauchen, lieben, geliebt werden und leiden, werden wir irgendwann eine Stabilität in uns selbst finden, die uns wissen läßt, wer wir sind, was wir wollen und was uns glücklich macht.

Wie sehr mir Baden, die Mentalität der Menschen und die Verbundenheit die ich mit ihnen fühlen kann, am Herzen liegen, konnte ich nur so deutlich erkennen, weil ich an so vielen anderen Plätzen weniger glücklich gelebt habe.
Die Menschen die uns wirklich tief berühren können, sehen wir deshalb klar, weil uns andere nicht erreicht haben.


Es ist wie in der Kunst, der Malerei, dem Zeichnen, in der Musik: Wir sehen und erleben intensiver durch die dort gegebenen starken Kontraste. So strahlt Weiß auf Schwarz, Schwarz stabilisiert kunterbuntes Allerlei und Melancholie, Sanft- und Verspieltheit heben sich von strukturierter Dynamik und Härte ab.

Ich habe viel lieber tiefe Erfahrungen auf so lange Zeit, wie sie mir gut tun, als dass etwas das nur halbgar vor sich hinplätschert.
Vielleicht bleibe ich hier. Vielleicht gehe ich ein zweites Mal weg. Vielleicht komme ich dann ein drittes Mal wieder.
Wer weiß schon was in Wochen, Monaten, Jahren sein kann?
Ob Plätze oder Menschen: Manche Wege kreuzen sich erneut, andere verlieren mehr und mehr, und schließlich für immer an Bedeutung.
Nach Jahren innerhalb einer festen Struktur möchte ich heute mehr Nonchalance und die Dinge mehr auf mich zukommen lassen können, Ideen und Träume leben, mich selbst sein, mir nichts mehr beweisen müssen, mich wohlfühlen, sanftes Commitment und spielerische Leichtigkeit, mich fallen lassen können und genießen.Und das alles mit einem offenem Herzen, welches Raum läßt: auch für Unvorstellbares, Undenkbares, Neues und Altes, das vielleicht neu erwacht – ein Feuer der Zufriedenheit entfacht, und Ankommen ist zugleich.
So wie Freiburg.

(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

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(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

Everybody’s changing

Was kann ich heute sagen, nach allem was schon gesagt und geschrieben worden ist:
Narzissmus interessiert mich heute nicht mehr? Ein Narzisst berührt mich heute nicht mehr?
Nach allem was war und wie es kam, fühle – nicht weiß – ich heute, dass Dinge gleichgültig und wir gütig werden, wenn wir verstanden haben.

Daher: gelöscht. Everybody’s changing.

Es stimmt. Der Schlüssel bei Narzissmus war Selbstliebe: meiner. Und nicht nur das allein: auch Distanz.

Ich möchte und werde kaum – vielleicht auch nie mehr wieder – über Narzissmus schreiben und darüber nachdenken, weil die Antwort darauf so einfach wird, jetzt da ich es für mich ändern konnte. Und so wird es jeder und jedem gehen, sobald wir erkennen, lösen, löschen.

Ich wollte immer kämpfen, mich auflehnen … Diese große Sehnsucht nach Gerechtigkeit! – Wie ich sie bereits mein ganzes Leben lang suchte, forderte, und schon als Kind mutig dafür einstand und mich so selbst zur Zielscheibe für andere machte.
Vielleicht bin ich inzwischen weiser geworden, vielleicht habe ich es einfach satt immer Kämpferin gewesen zu sein und weiter bleiben zu müssen weil ich es mal wollte. Ich will es heute nämlich nicht mehr.
– Nicht für Dinge, die sich ohnehin nicht ändern.
– Nicht gegen Widerstände, Gegebenheiten und Personen, wo es verlorener Aufwand wäre.

Das Leben ist nicht fair, es war es nie und wird es niemals sein. Wo mein Einsatz nichts bringt, möchte ich glücklich leben und Energie sparen. Lieber bin ich heute im Flow und im Optimismus, was die andere große Facette von mir stets ausmachte und inzwischen so sehr tut, wie selten zuvor. Nicht laut und naiv geprägt: Ganz authentisch, zuversichtlich und gelassen frei stattdessen.

Der Optimismus beim Narzissmus ist der schmerzvolle Weg über uns selbst. Der Kampf und ein Krampf wäre es einen Menschen ändern zu wollen, der es nicht anders kann.
Meine Beziehung zu einem hatte ihre Ursache.
Und ich wünsche jedem, dass er – jeder, dass sie – dies für sich selbst eines Tages erkennen kann, den positiven Weg danach geht und Dankbarkeit und Friede findet.
Denn nicht nur als Polizistin weiß ich, dass es ein Weg ist, der gerade nicht lohnt und den wir nicht selbst beeinflussen können: Die Gesetze hinken den Möglichkeiten der Täter eben oftmals hinterher.

Ich: aufgehört zu kämpfen. Mich aktuell erstmals vertrauend führen lassend. Neue Perspektiven und Annahme dessen was war und glucksend verliebt im schönen und ins schöne Jetzt.
Gewohnt denke ich weiter selbst und eigenständig und gerne mal quer, und heute anders als früher. Wir reifen. Wie wunderschön!

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(Foto & Text: Petissa Pan; Mai 2018)

Spice up

Interesse können wir an vielem haben: Interesse fängt bei mir beispielsweise damit an, dass ich gerne 1/2 leckeres Tiramisu, an einem großartigen Abend, in schönster Gesellschaft, nach einem tollen Abendessen genießen mag, und hört damit auf, dass ich jeden Tag Menschen treffe, für deren Leben ich mich interessiere und deswegen neugierig und aktiv in Kommunikation mit ihnen trete. Mit manchem wird es Passion und Herz. Mit anderem ein nicht selten äußerst bereicherndes, interessantes, doch nur einmaliges Gespräch.

„Nur“ Interesse habe ich auch daran, Dinge auf dem Weg zu tun, die mir dabei dienlich sein können mein Ziel, für welches ich tatsächliche Passion hege, zu erreichen: Das ist Schule größtenteils, und ein Studium auch zu einem kleineren Teil: Türöffner.

Für eine Sache zu brennen ist allerdings eine völlig andere Liga. Und wer dieses Gefühl je gelebt hat, gibt sich mit weniger äußerst ungern zufrieden. Aktiv etwas tun was man liebt und will und nebenher – dabei – zu lernen finde ich großartig! Völlig egal, ob eine Sache oder ein Mensch, ein Beruf oder eine Vision mein Herz oder meinen Geist entflammt: Erst dann bin ich richtig gut und auf vollen 100% oder mehr.

Interesse ist ein Motor.
Passion aber ist der Turbo.
Und Desinteresse? Desinteresse bedeutet für mich heute, dass ich Dinge dankend hinter mir lassen kann. Endlich! Loslassen zu können ist vielleicht – und war es für mich – die schwierigste lesson to be learned. So gemütlich und so vertrödelt, verträumt, unsinnig oft.
Wer sich nämlich mit dem für sich Falschen aufhält, verliert nicht nur das Kostbarste was wir als Menschen haben: nämlich unsere Zeit, sondern auch das Strahlen in seinen Augen. Dinge und Menschen, die uns eine Zeit unseres Lebens begleitet haben, waren es einst womöglich: Ob Lehrer im Privaten, Beziehungspartner, Aufrüttler, Inspiratoren, Mentoren, Kritiker … und irgendwann dann nicht mehr. Wir entwachsen so manchem.

Die falschen Dinge loslassen, die richtigen Dinge in die Wege zu lenken. Bewusst entscheiden – für alles was uns leuchten und aktiv sein läßt. Und um die Dinge zu erreichen für die ich brenne, muss ich manchmal den unbefriedigenderen Weg über etwas gehen, für das ich nachhaltig kein tieferes Interesse hege. Das ist schwer und verlangt nicht selten besonders viel Durchhaltevermögen und zieht Energie.
Worauf ich daher im Heute achte ist, dass es nie lange Überhand nimmt, und ich es mit hübschem Beiwerk schmücke, das mich begeistert und durchhalten läßt.

Und manchmal kommt im Leben auch alles ganz plötzlich ganz anders.
Passion ist aktives Leben.
Alles andere ist (nur) Sein.

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(Text & Foto: Petissa Pan; (Japantag 2018 Düsseldorf)

Frisch

Max Frisch, der Schweizer Schriftsteller, ist mir aktuell der Zweitliebste!

Mit den deutschen Schriftstellern kann ich nach wie vor wenig bis nichts anfangen. Und dabei rede ich von der Vergangenheit, weil ich aktuelle Literatur und Mainstream-Bücher, zumindest bis jetzt, überhaupt nicht lese. Tausende Sachbücher, diverse Ratgeber oder schön illustrierte Kochbücher ansonsten.

Grass, Canetti, Koeppen und selbst Kafka – selbst Goethe – können mich (noch?) nicht so berühren, wie es Turgenev, Dostojevski, Tolstoi, selbst Hemingway und eben die Schweizer und ein Österreicher tun.

Ich liebe alte Werke und bin sowieso sehr altmodisch, weil ich unsere heutige Zeit sehr häufig als zu schnelllebig, laut und oberflächlich empfinde.
Früher war ich neugieriger auf alles und jeden – auch auf Trubel, Party und Lärm. Aber ich habe inzwischen alles gesehen und erlebt was ich gesehen und erlebt haben wollte: Supersonic – in Überschallgeschwindigkeit! Heute mag ich deshalb besonders Ruhe, Tiefsinn, Klassik und Stil und bin Jahre schon nicht mehr überall dabei.

Ich habe ein paar Jahre Golf gespielt. Und was viele, die das nicht ausprobiert haben, nicht wissen: Es muss einem dabei nicht zwangsläufig ums Dazugehören gehen. Ich beispielsweise habe am liebsten alleine gespielt. Frühmorgens oder spätabends, bevor der Platz geschlossen wurde. Ganz alleine habe ich meine Runden gedreht, mich nur auf Abschlag, Spiel, Natur konzentriert und mit dem herrlichen Blick auf meine Stadt begnügt. Das empfinde ich und so viele andere auch am Golfsport wunderschön und als die eigentliche Faszination! Das 18. Loch habe ich dabei auf meinem Heimatplatz gerne ausgelassen, da direkt vor der Club-Terrasse eingelocht werden muss, auf der abends stets reger Trubel und ein Teil der kleinstädtischen Upper-Class erlebte, genoß und sich freudig belustigte.

Nun darf man nicht denken, dass mir dies grundsätzlich missfiel. Überhaupt nicht. Denn gibt es schöneres als wenn Menschen Freude an einer Sache haben und gute glückliche Momente?
Der Champagner nach dem Spiel darf für mich für andere also liebend gerne hinzugehören. Auch mag ich Stil und Klasse und habe eine – doch eher sehr oberflächliche – Vorliebe für so manches, was eben nur ein Maß an Luxus mit sich bringen kann.

Jetzt aber bin ich vielleicht lieber ganz alleine, nachher vielleicht im interessierten Gespräch mit einem Wildfremden, später treffe ich vielleicht Freunde – einen Mentor – für Tiefgang .. Ich lieb(t)e 400 PS auf der Autobahn aufwärts und mach(t)e ein Ehrenamt für „von der Gesellschaft eher Ausgeschlossene“. Selbst gehöre ich wohl auch schon ein wenig dazu: Mein Leben lang schwer zu greifen, sprunghaft, 20x umziehend in der Welt, vor Glück übersprudelnd und doch nie zufrieden.

Irgendwann in meinen 20ern meinte ich einmal normal sein zu müssen und mich dazu zu zwingen und wollte dazu gehören.
Später habe ich dem Lauf der Dinge ihren freien Lauf gewährt und mich seitdem entblättert, erkannt und ein paar Jahre gänzlich abgewandt.
Heute ist es mir egal, ob ich dazu gehöre und mache dies auch davon abhängig welcher Stempel mir vom jeweiligen Individuum aufgedrückt wird. Ist es keiner, bin ich da und nah.

Ein guter Lehrer ist eben einer, der dir zwar zeigt worauf du schauen solltest, aber dir nicht sagt, was du dort zu sehen hast!

Nach meiner mehrjährigen Lebenskrise sehe ich Dinge sehr viel klarer und nicht mehr vernebelt wie früher. Manchmal ärgert mich das zwar, doch so ist es gekommen. Im Rahmen der Entfaltung. In mir drin war ich so schon mein ganzes Leben – wie ich heute weiß.

Von Max Frisch also das Zitat: „dass uns die Zeit nicht verändert, sondern „nur“ entfaltet“.
Aus der Raupe wird also der Schmetterling …

Max Frisch, der, wie Dürrenmatt und Bernhard ebenfalls, und zu meinem großen Glück, für deutschsprachige Literatur steht, hatte sich schreibend Identität und Individualität zu den zwei seiner zentralen Themen gemacht.
Es heißt, dass niemand Festlegung so sehr verabscheute wie er. Und dass seine Sehnsucht immer wieder ein anderer werden zu können, sein großes Thema war.
Frisch wollte mit seiner Literatur dem Menschen den Ausweg aus einer Rolle aufzeigen, die ihm die Gesellschaft aufzwingt.

Schubladen adé! Und so liebe auch ich es, gegen die Versteinerung des einzelnen Menschen zu Lebzeiten anzuschreiben und wünsche mir und jedem einzelnen Persönlichkeiten, die authentisch und suchend sind, wie ich es lange nicht gewesen war und es mir nicht zugestanden hatte. Diese Freiheit ist eine der Besten und vielleicht die einzige Sache die zählt, da sich darauf alles andere aufbauen oder damit zusammenstürzen läßt.

Auf die Freiheit, Authentizität, glückliche Momente und daraus resultierende Möglichkeiten und Liebe: Die jeweils am schönsten sind, wenn wir sie mit wem teilen können, der mindestens versteht, uns lässt und fühlt – gar selbst ist wie wir!

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(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

Seiltanz

Fünf sehr turbulente Jahre liegen hinter mir und ich möchte einen endgültigen Strich unter diese ziehen, indem ich in wenigen Wochen zurück in meine wunderschöne Heimat Baden ziehen werde.

Die vergangenen 2 1/2 Jahre habe ich in Düsseldorf gewohnt und bin hier nie angekommen. Düsseldorf war ein Versuch, auch meine große Flucht Erlebtem zu entkommen, mich zu sortieren, wieder zu finden und verarbeiten zu können – dann neu zu starten. Endgültig ist dabei nichts. Ich gehe Step-by-Step und nehme dabei mit, was immer ich gut finden will. Ich „liebe“ Richard Branson und lebe seine Spontanität und den Leitfaden „Make fun a priority!“

Trotz aller Enttäuschung die ich in mir trug: Ich habe erst gestern wieder zu einem Freund gesagt, dass ich 100% hinter der deutschen Polizei stehe, auch wenn ich nach allem was zuletzt war, nicht mehr wieder für sie arbeiten werde.
In meinen 20 Dienstjahren hatte ich niemals die Erfahrung gemacht, dass auch nur einer meiner tausenden Kollegen Status oder Macht missbraucht hätte. Wir waren eine tolle Gemeinschaft, tolle Menschen und ich habe meine besten Freunde dort gefunden und bis heute. Der Polizeiberuf war ein unglaublich bedeutender und glücklicher Teil meines Lebens, so wie ich Städte und Menschen früh fühlen kann, die „perfekt“ für mich sind.

Baden-Baden zum Beispiel: Mit 18 Jahren erstmals besucht und sofort gewusst, hier will und werde ich einmal wohnen. Und das habe ich, bevor vor fünf Jahren alles ins Wanken kam und nichts mehr so war wie zuvor.
Meine Liebe ist geblieben, für diese Stadt, und das wird sie ewig. So wie meine Abneigung gegenüber Düsseldorf vom ersten Tag an da war und nie vorüber ging und gehen kann.
Einem Freund sagte ich erst vor wenigen Tagen, dass ich überall wohnen könnte, nur niemals mehr wieder in Düsseldorf. Strich darunter, auch wenn meine letzten Wochen hier absolut fantastisch sind!

Und wenn Menschen keine Masken tragen würden, könnte ich – könnte jeder von uns – so viel schneller erkennen, wer zu uns, unserem Leben und zu unseren Werten passt. Und die, die uns nur benutzen und weh tun werden, weil sie eigene Wunden in sich tragen oder es nicht anders wollen: an denen könnten wir schnell vorüber gehen.

Es war eine riesige Enttäuschung für mich, erkennen zu müssen, dass nicht alle Menschen dasselbe Herz haben. Naiv gutgläubig war ich, und mit strotzendem Optimismus, dass ich die, bei denen dieses gute Herz verschüttet ist, bekehren könnte: Das war einmal und ist vorbei. Distanz und loslassen sind es heute für mich geworden.

Lange dachte ich auch, dass ich früher der bessere Mensch war und haderte mit mir und meinem neuen Ich .. Früher, vor dem was ich von 2013 an erlebt hatte ..
Aber so ist es nicht: Ich bin heute nur anders, weil wir eben nicht jeden bekehren können und nicht jeder Mensch zu uns und in unser Leben passt. Das erkannt zu haben war scheußlich, schmerzhaft, doch auch das ist vorbei.

Es ist mit Berufen wohl wie mit Menschen und Städten und allen Dingen die wir tun: Wenn wir den Point-of-no-return erreichen, ist es aus! Es bleibt nichts mehr an Wärme und Wollen – nur eine Erinnerung und die bewusste und zielstrebige Entscheidung für etwas Neues.
Meine Wunden habe ich lange genug geleckt, die Fehler erst bei anderen gesucht, dann bei mir selbst, vergeben, ja, vergessen werde ich diese Lektionen nie.

Weich und lieb konnte ich hier und heute nicht mehr werden, darum mein Strich darunter und Düsseldorf als die Stadt die ich in Zukunft weiterhin besuchen werde: für gemeinsame Zeit mit den Freunden, die ich hier fand.

Wir mögen nicht für jede einzelne große und grobe Wunde in unserem Leben verantwortlich sein, diese aber zu heilen, das ist unsere alleinige Aufgabe.
Für mich, um da wieder angekommen zu sein, wo ich vor fünf Jahren anfing zu fallen. Verändert aber frei.

(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

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