Liebe leben

Der Satz: „Man kann im Leben nichts verpassen“ stammte vom Schriftsteller Suter, als er in einem Interview 2010, nach dem Rezept für (s)eine glückliche Ehe gefragt wurde.
Er nannte hierzu: Liebe, neugierig sein, und die Einsicht, im Leben nichts verpassen zu können.

Nicht verpasst haben sich auch Goethe und Schiller.

Der große Johann Wolfgang von Goethe und der jüngere, aufsteigende Friedrich Schiller:
„Sturm und Drang“ beim einen abgeschlossen, inzwischen von diesem gar verschmäht, und der andere mitten in dieser Rebellion drin, überzeugt und erfolgreich damit werdend:
Auf dieser Basis sahen sie sich erstmals und lernten sich Jahre später so auch kennen.

„Ankitzelnde“ Rivalität und daraus resultierende Inspiration für schöpferische Eigentümlichkeiten, und Nähe und Distanz, und sich doch nie verloren zu haben, sind vielleicht die grob zusammen gefassten Eckpfeiler dieser Männerfreundschaft.

Rüdiger Safranski hat sich in die Lebensgeschichten beider eingegraben und sein Buch „Goethe und Schiller; Geschichte einer Freundschaft“ darüber geschrieben, in dem einem bewusst werden kann, welche große Faszination die Verbindung dieser beiden Genies in sich trug und heute noch trägt.

„Schiller lebt sich in Weimar ein. „Mein Leben geht jetzt einen höchst ruhigen, aber dabei sehr tätigen Gang“, schreibt er am 19. Dezember 1787. „Ich habe weniger Zeit, als gute Freunde, und dieses Verhältnis hat ungemein viel Reiz.“
Er bleibt, und wie die anderen Weimaraner wartet er auf Goethes Rückkehr.“
(R. Safranski „Goethe und Schiller“ (2011))

Goethe wurde 82 Jahre alt, Schiller gerade einmal 45. Und Goethe sagte Monate nach dessen frühen Tod einmal:
„Ich kann, ich kann ihn nicht vergessen!“

Ist – war – das nicht schon Liebe?

Wie definiere ich selbst überhaupt die Liebe:
Geben, ohne zu verlangen und nehmen, ohne zu besitzen?

Und nehme ich schon länger womöglich deutlich mehr, als ich gebe und raube damit vielleicht die Balance der Beziehung, des anderen Glück und unsere Perspektive?

Wer hält das Uns zusammen:
Wer gönnt und pusht, wünscht, unterstützt, reißt Mauern nieder, kittet, heilt, hält, läßt frei – aus Liebe?
Wer plant qualitative Zweisamkeit und Spaß, und setzt das auch um? Unterstreicht Wörter mit Taten?
Wer hört dem anderen aktiv zu, ist stets unterstützend, für ihn da?
Respektiere ich Zeit, und damit Absprachen, Träume, Pläne und halte mich an mein Wort?
Interessiere ich mich in Tiefe für mein Gegenüber, meinen Partner?
Wer bringt Frühstück ans Bett und zaubert, egal zu welcher Uhrzeit, sonst was Leckeres?
Wer tut viel und wartete dabei zu lange auf das Umsetzen seiner Herzenswünsche und Bedürfnisse .. vergebens .. verhungert auf Distanz, am langen Arm, oder wo auch immer ..
Ich, oder immer wieder nur der andere?

Und kann mich & uns dann noch Neugier retten: oder nur noch den anderen, der mit seiner über alle Berge ist, da er gemerkt hat, so wenig zu bekommen, dass er nicht noch mehr verpassen will?

Das „Rezept“ Martin Suters vielleicht zur Liebe, und der Wille, es heute besser zu machen als gestern – und morgen als heute ..

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan aktuell zwischen den Bergen: Am Lac Léman, im schönen Genève, Hier-werde-ich-auch-noch-irgendwann-wohnen, Genf.

 

Freie Liebe

FREI-Tag. FREI-Burg. FREI-Heit.

„Die Liebe ist das Kind der Freiheit.“
(Aus Frankreich)

Als ich dieses Zitat googelte, war ich der festen Überzeugung, dass es vom irischen Schriftsteller Oscar Wilde stammen muss. Freilich getäuscht! „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wieder kommen,“ ist von ihm.

Aber zu Wilde passt „das Kind der Freiheit“, aus dem heraus er die Liebe zelebriert, dennoch sehr gut: hat er doch freigeistig und ausschweifend besonders gelebt & geliebt. Wenn auch nicht ganz so frei, was seine Abhängigkeit in der Liebe zu seinem jungen Lover anging.

Um die Selbstliebe geht’s in seinem wohl erfolgreichsten Roman: „Das Bildnis des Dorian Gray“, in welchem er reich & schön und die Dekadenz der englischen Oberschicht zum Thema macht.

„“Liebe Gladys!“ rief Lord Henry. „Wie kannst du das sagen? Die Gefühle leben von der Wiederholung, und die Wiederholung verwandelt einen Trieb in eine Kunst. Überdies, jedesmal, wenn man liebt, ist es das erste Mal, dass man je geliebt hat. Die Verschiedenheit des Gegenstandes ändert die Einzigartigkeit der Leidenschaft nicht.““
(Oscar Wilde; Das Bildnis des Dorian Gray)

Verfallende Sinnlichkeit, eine hohe Anspruchshaltung und der Wunsch für immer begehrenswert und jung bleiben zu können, sind die Sehnsüchte mit denen Wild hier spielt, sowie die charakterlichen Veränderungen derartige Verlangen mit sich bringen können.

Die gewählte Freiheit sich selbst zu initiieren. Recht?
Die Freiheit sich zwischen Körper und Seele zu entscheiden. Wahl oder Qual?
Die Freiheit mit Oberflächlichkeiten dauerhaft vermeintlich glücklich sein zu können. Die Zeit anhalten können ..

Freiheit gibt es wundervoll gesünder!
Freiheit im Herzen ist nicht egoistisch, sondern für die Liebe gar essentiell. Genauso, wie Kommunikation übrigens: No communication – nämlich – no love.
Und das sehen bestimmt auch die Franzosen so.

Für einen richtig guten Kuss braucht es vielleicht nur zwei Hände. Für eine glücklich gelebte Liebe sehr viel mehr.

Und heute ist übrigens erst Donnerstag.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan auf dem Lorettoberg in Freiburg, mit liebendem Blick auf diese wunderschöne Stadt.

I can see you

Fangen wir einmal mit etwas Selbstverständlichem an: Dem Blickkontakt.

Wird dieser nicht ganz gehörig überbewertet, wenn wir einmal bedenken, dass es die nettesten und intelligentesten Menschen auf Erden gibt, die nicht immer Lust darauf haben,
und auf der anderen Seite beispielsweise die gewieften Topmanager stehen, die ihn permanent als Waffe, da Türöffner nutzen, um ihre – in gezuckerte Zungen gehüllten – Lügen in die Welt zu reden?

Bla bla bla, das beste Stück Laber-Rhabarber-Baiser mit doppelt Sahnehaube dazu alstublieft, und auf die Tarner, Täuscher und Erklärbären der Führungsetagen?

Möglicherweise haben wir sie bereits auf Herz und Nieren kennengelernt: ein paar überdeutlich entsprechende Vertreter dieser Lager.

Suter hat offensichtlich.

„Nicht nur ein Leitfaden für den gestressten Geschäftsmann, sondern für alle, die unter ihm zu leiden haben: Sekretärin, Untergebene, Ehefrau, Kinder …
Man wird den Chef oder den Partner nach der Lektüre mit anderen Augen sehen.“
(Martin Suter; „Cheers – Feiern mit der Business Class“)

Suter wieder und einmal mehr, der herzerfrischend, dribbelnd und bissig passend und so folglich treffend, über die gewinnende Businesswelt schreibt. So, als wenn ganz oben manchmal ganz unten sei. Menschlich mindestens.

„When the truth dies very bad things happen.“
Und hat das noch was mit Goethes Power zu tun?

Trägt Frechheit tatsächlich auch dann Genius & Magic in sich, so wir sie gezielt dazu nutzen, anderen zu schaden?

Und wenn doch die Augen auch die Spiegel der guten Seelen sind, wieso überhaupt gewähren die jedermann tiefe Einblicke hinein?

Wie viele Herzen schlagen in meiner Brust: nur zwei wie bei Faust?

Und wenn ich eines ganz bestimmt nicht erfüllen möchte, ist das nicht der Status der Selbstverständlichkeit?

Hübsche gelebt geliebte Philosophie am Morgen ..

Vielleicht müssen wir manche Dinge einfach großzügig nicht leben, um sie zu verstehen.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, hoffentlich gehörig genug bold.

Von Rosa und Pink

Was passiert, wenn wir das Herz eines Menschen mit einer Lüge gewinnen?

Würde ich zugreifen, wenn sich mir die Möglichkeit böte, durch einen glücklichen Umstand, in eine Rolle schlüpfen zu können, die (m)ein großes Ziel zu erreichen, wie ein Kinderspiel verwirklichen kann?

Was siegt: Meine Dreistigkeit für den gefakten Erfolg .. das damit verbundene schnelle, nicht zu Ende gedachte kurze Vergnügen .. die Angst, dass irgendwann alles herauskommen – ich entlarvt werden könnte – und letztendlich alles viel schwerer noch wird als zuvor .. meine Authentizität, mein echter Stolz?

Martin Suter – schweizer Schriftsteller – schreibt uns einmal mehr zum niederknien: In seiner Novelle „Lila, Lila“ nämlich, über eine Liebe, die hier durch Täuschung nur erreicht wird:

David will Marie.
Marie will einen Schriftsteller.
David findet Zettel mit Notizen, ganze Seiten voll, ein ganzes Buch, welches er, nach kurzer Überlegung nur, zu seinem eigenen macht.
Marie damit beeindruckt.
Marie bekommt.
Marie verliert.

„David hatte den Schlüssel an der Wohnungstür steckenlassen, damit sie klingeln musste. Für den Fall, dass er eingeschlafen war, er wollte sie zur Rede stellen.
Marie sah glücklich aus. Sie begrüßte ihn mit einem schwesterlichen Kuß und ging nicht auf seine Fragen ein. „Komm David, das bringt nichts. Ich muss in ein paar Stunden wieder aufstehen und du bist besoffen.““
(Martin Suter; Lila, Lila (2004))

Suter tieft Beschreibungen seiner Personen mit ordentlich Detailverliebtheit und einer guten Portion Ironie. Er schreibt eingängig, süffig – läßt uns sein Werk so leicht lesen oder auch tiefer – und regt dann, entscheiden wir uns für letzteres, zum nachdenken an.

Vielleicht wollen wir dem Protagonisten im Mittelfeld gerne Tipps zurufen, ihm zur Seite stehen, in sein Leben, Schicksal, positiv verändernd eingreifen.
Vielleicht aber sollten wir in unser Leben verändernd eingreifen.

Wer nämlich glaubt, dass, wie der Volksmund sagt, Lila der letzte Versuch sei, der mag genau so selig werden, wie jemand, der der Meinung ist, dass man sein Leben nicht in jedem Alter noch komplett ändern und alles je Dagewesene großzügig, oder auch gänzlich, über den Haufen schmeißen kann.

Man kann.
Mann.
Frau auch.

Wie oft sind wir es selbst, die uns im Weg stehen? Ein paar wenige andere werfen vielleicht noch großzügig kleinere Kiesel auf den Weg .. aber die meisten sehen Brüche viel interessierter und interessanter, als wir womöglich selbst.

Das Ende des Buches bleibt offen. So wie auch wir am Ende unseres Lebens erst wissen können, welche Entscheidungen wirklich gut, welche nicht ganz so toll waren.

Hoffentlich getreu dem Motto: „Klug war’s nicht, aber geil.“

Oder, charmanter: I did it my way!

Viel Spaß dabei!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Annaplatz; Freiburg im Breisgau)

Frisch, fröhlich, frei!

Ach Max (Frisch), wie gerne hätte ich dich gekannt!
Einen Abend, oder auch Nachmittag „nur“, Ovomaltine mit dir getrunken und gedankenverloren Emmentaler Käse auf Holzspießen vernascht, während ich dir andächtig gelauscht und wir zusammen verboten laut gelacht hätten.

Auch deine Zigarren, und deswegen im nebligen Qualm sitzend, hätte ich dir verziehen. Der Richtige kann eben nichts falsch machen, und ich glaube du warst ein richtig cooler Hund und nett dazu.

Schade Schweizer Schokolade!

Und so träume ich heute von einem platonischen Rendezvous mit Sir Richard Branson. Einfach so. Um schauen zu können, was dran ist am Bub (In wenigen Tagen 68 Jahre jung): Am ewigen, sich selbst so ernannten Kindskopf, am, von Peter Pan inspirierten, Optimisten.

Wann habt ihr zuletzt Peter Pan gelesen?
Überhaupt schon einmal?
Kindliche Freuden, Ideen, Hirngespinste: Schönste Alltagsflucht und bereicherndes Kindliches Ich.

Auf die Liebe und die Lust einer Frau gegenüber geht Frisch in seinem Roman „Homo Faber“ ein. Faber ist ein menschenscheuer Technikrat, der sich auf einer Reise in eine junge Frau verliebt. Bis dahin nichts Ungewöhnliches soweit .. Unglücklicherweise aber entpuppt sich das schöne Objekt seiner Begierde, zu spät und erst nach etlichen gemeinsam durchlebten Tagen, findenden Gesprächen, leichtem Lachen, grundendem Tiefsinn und harmlosen wie tragenden Nächten, als die eigene Tochter.

„Ich hielt sie am Arm, die junge Person, die meine Tochter hätte sein können.“
(Max Frisch; Homo Faber)

Tja, und so kam’s dann, dass diese sich tatsächlich als die solche herausstellte.

Immerhin findet in all der Tragik die zerrissene Kleinfamilie noch ein letztes Mal zusammen, söhnt sich aus, zergeht.

Zum auf der Zunge zergehen lassen, empfehle ich übrigens eher ein Stück Schweizer Schoki als dieses Buch, da Frisch gewohnt in Prosa über die Papierseiten galoppiert. Wenig ausschmückend. Technokratisch.

Dass wir einen Menschen als Menschen oder ihn als Mann oder Frau lieben können war und ist soweit klar. Stets unsicher darüber allerdings, was nun tatsächlich mehr von Wert und Bedeutung ist.
Vielleicht ist die Hauptsache einfach die, offen für Wunder zu sein: menschlicher und liebender Art?

Frisch, fröhlich, frei: ohne fromm.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan in Freiburg-Wiehre, Ecke Kirch- / Konradstrasse, unterwegs.

Liebe ist Liebe

„You can’t ask why about love.“
(Anna Karenina)

Ein Klassiker der einen im Bett erschlagen kann, wenn man mit ihm in den Händen beim Lesen wegnickt: So dick ist dieser Wälzer – so gewaltig nämlich, wie diese große Liebesgeschichte.
Im Bett erschlagen zu werden, als auch Anna Karenina: beides mit tragischem Ausgang.

Ich gestehe Tolstois Anna Karenina nicht zu Ende gelesen zu haben.
Mehr noch: Immer mal wieder ein paar Seiten vertieft gelesen, dann beherzt und mit schwungvollem Elan ein paar weitere überblättert.

Ich hatte die Verfilmung zum Buch von 1877/1878 bereits gesehen und fand und finde diese sehr berührend, da inspirierend, und schlicht sehr schön! Und so klassisch ich sonst auch gerne sein mag und vielleicht bin, so spreche ich hier von der Neuverfilmung mit Knightley, Law und Taylor-Johnson.

Aaron Taylor-Johnson ist dieser unverschämt attraktive junge Hollywood Beau, der mit der schönen wie erfolgreichen Sam Taylor-Johnson zusammen ist, welche alterstechnisch geschlagene 23 Lenze mehr als er zählt. Jahrelang bereits verbandelt – gemeinsame Kids – schön und echt schön anzusehen die beiden.

Hugh Jackmans Frau Deborra-Lee ist 13 Jahre älter als er, Michelle Hunzikers Mann Tomaso ist 7 Jahre jünger als sie. Und nicht zuletzt: Macrons Frau Brigitte: 25 Jahre älter als der Herr Président. Deliziös!

Tja, you can’t ask why about love.

Umgekehrte Beispiele, in denen der Mann deutlich älter als seine Liebe ist, gibt es noch erheblich mehr. Danach kräht schon lange weder Hahn noch Henne.
Und dann hätten wir da bunte kulterenübergreifende Lieben, vermischende statusübergreifende Lieben .. Lieben, die zur oder auch aus einer Ehe führen ..
Unschuldige Lieben .. leidenschaftliche .. Welche, die sofort entflammen, oder sich Jahre danach wartend verzehrend ..
Tausendmal berührt, tausendmal nichts passiert, oder Funkanschlag bei einer allerersten zufälligen Berührung.

Wenn wir aber immer schon eine Liebhaberin oder ein Liebhaber der gelebten großen Gegensätze waren, so hat dies irgendwann den Vorteil, dass selbst das Normalste, das Gewöhnlichste, das Ursprünglichste und Natürlichste, sich irgendwann anfühlt wie das faszinierend Ungewöhnliche, das wundervoll Individuelle, das erfrischend Abwegige, das nie Gekannte, nie Gelebte.
Und das kann dann quietschvergnügt genau so gesehen und gefühlt werden. Alles! Links und rechts der Spur und mittendrin und in der Norm.

„Zu lieben ist ein Segen. Geliebt zu werden Glück.“
(Leo Tolstoi)

Liebe ist Liebe, ist Liebe, ist Liebe ..
& you can’t ask why about love!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPans Füße in Sommersandalen, an einem Outdoor-Lesetag während literarischer Vergnügtheit, entspannt gespannt in Sonne getaucht.

Pro Passung

„Die Menschen sind nie zufrieden. Haben sie wenig, wollen sie viel. Haben sie viel, wollen sie noch mehr. Haben sie das schließlich auch bekommen, wollen sie mit wenig glücklich sein, aber aufgeben wollen sie dafür auch nichts.“

Dies ist eine der wenigen mit Lebenserfahrung getränkten Textstelle aus Paulo Coelhos Buch: Der Sieger bleibt allein.

Ein untypisches Buch für diesen Autor, der ansonsten mit viel mehr Tiefe, einfühlsamer Nähe, Weichheit und Wärme und bei anzunehmenden Schicksalen verstehend punktet. Hier fährt er eine distanziert erzählende sachlich kühlere Linie:
Eine Kriminalgeschichte nämlich, in der ein kalt gewordener Mensch seine innere Leere mit Morden an der fröhlichen Upper-Class zu füllen versucht.

Coelho schreibt von üppigem Luxus. Und Rousseau beruft sich in seinem Zitat darauf, sich gekonnt vortrefflich in Einfachheit zu verbinden, so zu berühren: Frei interpretiert vom mir hier und ich werde es in einen noch anderen Kontext setzen:

Ich bin viele Jahre lang geritten. Englisch. Nicht Western.

Die Kunst bei diesen zwei völlig konträren Reitstilen liegt darin, zu verstehen, dass ein rein western-ausgebildetes Pferd keinen treuen Verfechter der englischen Reitkunst glücklich machen kann und umgekehrt.

Der EnglischReiter nämlich treibt mit seinem Schenkel aktiv und unablässig jeden einzelnen Schritt aus seinem, eigens dafür, ausgebildeten Sportpferd – dem, ich nenne es hier so: „Englischpferd“.

Der WesternReiter hingegen gibt seine Aufforderung in einer einmaligen Hilfestellung an sein Westernpferd, der dieses dann so lange nachkommt, bis der Reiter eine neue, andere, Aufforderung gibt.

Ein EnglischReiter würde ein Westernpferd vollkommen konfus machen, indem er permanent Befehle mit seinem hyperaktiven Schenkel gibt und das Pferd unablässig reizüberflutet.
Das Westernpferd möchte nämlich nur einmal „gebeten“ werden und mutiert danach zum stoischen Selbstläufer.

Das Englischpferd wiederum wird mit der einen Hilfe, die der WesternReiter an das Pferd gibt, genau den einen Schritt gehen dem diesem damit entlockt wurde und sich danach keinen Millimeter mehr vor oder zurück bewegen. Bei einer zweiten Hilfe folgt ein zweiter Schritt, bei einer dritten ein dritter.

Wer also viel gewohnt ist, weiß mit wenig nichts anzufangen? (Englischpferd unter WesternReiter)
Wer wenig Aktion bringt, wird Anspruchsvolles nicht bewegen können? (WesternReiter auf Englischpferd)
Wer wenig gewohnt ist, fühlt sich mit mehr schnell überfordert? (Westernpferd unter EnglischReiter)
Wer viel Aktion bringt, kann in gemütlichen Kreisen für Chaos sorgen? (EnglischReiter auf Westernpferd)

Wir sehen: Passung ist schon essentiell!
Ein Glücksfall jedoch ist, dass wir dazulernen und uns auf Lebewesen und Lebensumstände individuell einstellen können. Dann nämlich wird – wovon Rousseau auch sprach – alles einfach. Und das ist die Kunst: die durchaus frech, blankgezogen, grenzüberschreitend sein darf und sollte. Gelebte Grenzen und sowieso Geschmack sind bekanntlich persönliche Vorlieben. Und das Leben ist zum Glück(!) kein Pferde- oder Ponyhof.

Von wenig zu mehr ist aber auf jeden Fall immer einfacher als andersherum. Diese Erfahrung machte nicht nur Mörder Igor, der trotz Sieg – da Richter über Leben & Tod – am Ende allein bleibt.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPans Foto eines Fotodrucks eines bekannten Gemäldes im Lieblingsbuchladen am Platz.

Leben ist erleben

Willemsens Zitat ist eines das ich selbst gern gesagt hätte, da ich genau so über das Leben denke:

Vollpacken, erleben, erfühlen, erfahren, anstatt sich passiv berieseln, Chancen verstreichen, uns leben zu lassen.
Selbst in die Hand zu nehmen – sehen, entscheiden, für eine oder von einer Sache gehen!

Um möglichst viel von seinem Menschenleben gehabt zu haben, kann es – neben vielleicht Glück – dafür zwei Möglichkeiten geben:

Die eine dieser ist, dass wir uns auf ein zwei Spezialgebiete konzentrieren, in die wir sehr tief, strebsam und intensiv eintauchen und forschen, folgern, fokussieren.

Die andere die, dass wir uns von der breiten Vielfalt die das Leben zu bieten hat inspirieren lassen, eintauchen und aufsaugen wie ein Schwamm in Weltmeeren und Pfützen. Uns so breit gefächertes und vielseitiges Wissen aneignen und so wahrscheinlich Lebensfreude pur erfahren werden.

Wie sagte Oscar Wilde so keck: „I like men who have a future and women who have a past.“ Genussmensch! etwas selbstzerstörerisch und selbstverliebt vielleicht und einer mit dem ich zu gerne einen Abend lang einen Gin Tonic getrunken hätte.

Verdichten steht für mich für Intensität: Es ist große Neugier und energiegeladene Aktivität in einem.
Welche Art von Intensität wir aber für uns wählen wollen, ist unsere Wahl, typabhängig und auch – fairerweise – nicht für andere zu bewerten.

Gerade habe ich Robert Seethalers aktuelles Buch gelesen.
Er schreibt über Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können in dem wie sie gelebt haben und nun vom Jenseits aus reflektieren und ihr Leben rückblickend beleuchten:

Da ist der liebende Vater,
dort die treu ergebene Ehefrau, die vor ihrem Mann gehen musste …
Der Musterknabe, dem eine freche goldene Zukunft prophezeit wurde bis …
Und der Pfarrer, und der Gemüsehändler mit Migration-Hintergrund, die sich kannten.
Andere auch & andere auch: Zu Lebzeiten verbunden und noch mehr Leben im Buch.

„Fünfzig Jahre später hieltest du immer noch meine Hand. Es kam mir vor, als hättest du sie nie losgelassen, und das sagte ich dir auch. Du lachtest und meintest, das stimmt, hab ich auch nicht!“
(Robert Seethaler; „Das Feld“)

Ich habe mich ganz verliebt in diesen und verloren in diesem einfühlsamen und tief berührenden Schreibstil, dieses doch noch jungen österreichischen Autors, von dem ich hiermit mein erstes seiner Bücher las.
Wie und wo stehen wir eigentlich heute
Und was von dem was wir bisher getan oder nicht getan haben, bereuen wir? Was würden wir tatsächlich rückgängig machen, so wir es könnten?

Nur, und so sehe ich das Leben im Hinblick auf diese Frage: wir würden dann nie erfahren können wie unser Leben mit unseren bislang getroffenen Entscheidungen genau so weiter geht, wie es aktuell da steht. Und ist diese Aussicht nicht viel interessanter als die Zeit zurückdrehen zu können, nur um dann aktuell wo ganz anders zu stehen?

Und unser Morgen – auf jeden Fall – können wir ganz entscheidend selbst mit beeinflussen!

Hätte, könnte, sollte.
Hier bin ich Realist und rational.
Und das spannendste Leben ist doch immer unser eigenes!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan, sehr gerne gerade in Freiburg.

Auf mich!

Helden sind nett anzusehen – in Filmen. Beispielsweise und vielleicht. Denn ich bin nicht versiert darin, diese Art Filme beurteilen zu können und reime mir das gerade nur so zusammen, aus dem, was ich von anderen schwärmerisch hör(t)e.
Helden in der Wissenschaft, in Ausnahmezuständen, beim Sport, ach – überall!

Helden bereichern. Sie können Hoffnung, eine Art Anker, ein Ideal für uns sein.
Doch wie ist das mit Idealisierten und Idealisiertem? Hoch gehoben fällt nach Enttäuschung besonders tief! Und was aus wem anderen wird oder werden soll – völlig gewollt oder ungewollt von ihm selbst – das liegt nun einmal nicht in unserer Hand.

Wir sind nur der Steuermann unseres eigenen Lebens und unserer eigenen Entscheidungen, Wege, Visionen.

Brechts Buch „Leben des Galilei“, ist mir sein liebstes und wird hier frei von mir wie folgt kurzinterpretiert:

Ein gutherziger, wissbegierig eifriger, wie sehr kluger Wissenschaftler, Menschenfreund und Freund harmloser Genüsse und friedlicher Werte, verliert, im sanften, immer schwerer werdenden Kampf gegen eine ausbremsende Instanz, welche ihren goldenen Thron nicht räumen will und deshalb die Wahrheit verleugnet um – um es mit meinen Worten zu sagen – „ihre verwöhnten Nasen im Trog halten zu können.“
Trotz aller Tragik gewinnt er letztendlich doch. Nicht als Held, wie ihn viele gerne gesehen hätten, sondern einfach damit, dass er sein Wissen der Welt doch noch und gegen alle Widerstände zu vermitteln versteht.

*Andrea: „Unglücklich das Land, das keine Helden hat!“

Galilei: „Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“*
(Bertolt Brecht in „Leben des Galilei“)

Wozu brauchen wir Helden, wenn jeder einzelne von uns seinen ganz eigenen Beitrag in der Welt leisten kann?

Ohne Frage: Manche Menschen können uns eine großartige Bereicherung sein: Gute Mentoren sind ein so wunderbares wie seltenes Geschenk! Und jeder Mensch, den wir im Laufe unseres Lebens kennenlernen, inspiriert uns auf seine ganz eigene Art und Weise irgendwie und bewegt.

Aber Helden? Und brauchen?

Warum erfüllen wir uns nicht selbst die Träume, die uns bewegen, bekommen den Hintern hoch, oder – wahlweise – setzen uns darauf und arbeiten so? Dann brauchen wir unser Unglück nicht im Versagen derer zu suchen, auf die wir alles hielten und an die wir glauben wollten.

Wir können selbst Held im kleinen oder großen sein und locker-flockig leger sagen:
„My call is to serve!“ – Und nicht, dass andere das für uns leisten müssten.

Erwartungen und Enttäuschungen machen wir am besten mit uns selbst aus, weil wir weder in einen anderen Menschen hineinsehen können, noch das Recht haben, ihm unseren Stempel und unsere Wünsche aufdrücken zu dürfen!

Den Spruch mit dem „my call“ und „to serve“ habe ich übrigens von wem ganz Inspirierenden immer wieder gern gehört. Er klingt noch heute motivierend in meinen Ohren, wenn ich mich über andere echauffieren möchte und dabei selbst stillstehe.
Immer wieder gut!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan vor dem Theater in Freiburg)

Energiecocktail

Liebe hat so viel Kraft!
Ich erinnere mich daran, was mein erster Freund zu mir sagte, und vor allem was er für eine Energie für uns aufbrachte, nachdem ich unsere Beziehung in Frage gestellt und ihm das offen gegenüber kommuniziert hatte.

„Manchmal weiß man erst zu was man fähig ist und was man leisten kann und will, wenn es um alles oder nichts geht,“ sagte er.
Ich war damals sein Alles und das hatte er über längere Zeit versäumt gehabt mir zu zeigen.

Ob nun das Gegenteil von Liebe, Hass oder Gleichgültigkeit ist, sei einmal dahingestellt. Ratgeber und Expertenmeinungen gibt es ja unzählige dazu und zu all diesem „Schwarz-Weiß-Kontrast“ der „Hoch- und Tief-Gefühle“. Gefühle – von märchenhaft bildschön bis abgrundtief verwegen und verdorben.

In der Literatur hat, neben ebenfalls zahlreich vorhandenen Büchern zu Liebe und Rache, Dürrenmatt ein bewegend phantasievolles und herzhaft bittersüßes Drama geschrieben, welches als eines der besten Dramen ever gilt:
Der Besuch der alten Dame.

Eine Jugendliebe in der SIE liebt, ihr Herz gibt, eine Zukunft erträumt; ER nur nimmt und leichtfüßig unverbindlich, mit vermutlich zuckersüßen Gesten und Worten bleibt.
Jahrelang vergisst Claire dies und ihr daraus resultiertes Schicksal nicht. Ein gefallenes Mädchen das hasst und rächt in Gedanken, welche sie Jahrzehnte später erst, in einem ganz besonders delikaten Spiel, in die Realität umsetzt.

Es geht um zwei Menschenleben, die Fragilität der Wahrheit und Werte, geschlossene Augen und die Käuflichkeit der Gesellschaft. So sehe ich dieses Buch.

Und der verfassende Dramatiker sagte einst:
„Die Liebe ist ein Wunder, das immer wieder möglich,
das Böse eine Tatsache, die immer vorhanden ist.“
(Friedrich Dürrenmatt; Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler)

Der Besuch der alten Dame ist amüsant! Das auch aufgrund Dürrenmatts Können das Surreale mit dem Realen, und hier der Tragik, überraschend, humorvoll, frech und stets erfrischend originell verbinden zu können.

Gleichgültigkeit, Desinteresse und Halbherzigkeit sind wie ein Auto mit angezogener Handbremse zu fahren. Und dafür ist das Leben zu schade finde ich! Mit Liebe und Leidenschaft aber, so weiß ich, wachsen wir über uns hinaus.
Hass hingegen macht unfrei. Und Dürrenmatts wirklich geniales Stück ist ja „nur“ auf Papier.

Dürrenmatt war einer der wenigen Autoren, die nicht autobiografisch schreiben. Neben Max Frisch mag ich ihn als Menschen besonders gern. So weit man das eben über jemanden sagen kann, den man nie persönlich kannte.
Vielleicht habe ich einfach nur eine große Schwäche für die Schweizer …

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Wenn Frauen sich die langen Haare abschneiden hat das häufig mit Veränderung zu tun .. und manch‘ Männerauge bleibt nicht trocken.)