Grün & Hope

Eine Portion Motivation zur reflektierten Selbstlosigkeit – dieses Mal vor dem Wochenende. Meine neue-alte Stadt tut mir heute schon gut, und Gutmenschentum sagt man dieser Stadt ohnehin seit Jahren, Jahrzehnten nach: Auch ökologisch, naturliebend sportlich, charmant herzlich, bescheiden bodenständig, ein Stück heile Welt vielleicht. Und sehr grün. Schön, so wie jede andere Stadt der Welt eben auch ihre ganz eigenen Vorzüge hat.
Und nein, keine Angst, das wird kein dauerhafter Städte-Blog: Ich bin aktuell einfach nur frisch verliebt.

“Somehow the grass is much greener” … – Aus den Lyrics der Pet-Shop-Boys-Single “Miracles” …
Grünes Grass, die rosarote Brille: Ein optimistischer Blick auf die Welt ist schon toll! Davon kann ich heute besonders gut ein Lied singen, weil mein Himmel in den vergangenen Jahren bestimmt nicht voller Geigen hing und mein Rasen war sowieso gänzlich hinüber.

Diese Woche war ich im Kino. Ein französischer Film (“Une Vie“ – zu meinem Glück mit deutschem Untertitel), aus dem Jahr 2016, der mit den Worten endete:

“Das Leben ist nie so gut oder schlecht wie du es siehst!”

Alles entspringt diesbezüglich nur unseren eigenen, völlig haltlosen, subjektiven Wahrnehmungen. Und wie hätten wir unser Lieblings-Gras überhaupt denn gern: vielleicht Flaschengrün, Blattgrün, Moosgrün, Lindgrün, Granny-Smith-Apfel-Grün oder doch lieber animalisches Grasfrosch-Grün?

Das schönste Grün welches ich je mit eigenen Augen gesehen habe, waren die saftigen Wiesen in Neuseeland. Jahre her. Und trotzdem war das längst noch nicht mein schönster Urlaub. Das Gras und wie wir das jeweilige empfinden, sollte also nicht maßgeblich daran beteiligt sein, mit welchem Blick wir auf unsere Leben blicken.

Unsere Hochs und Tiefs und unsere Dürren und Üppigkeit werden maßgeblich beeinflusst von äußeren Umständen, Ereignissen, Schicksalsschlägen, Glück, Zufall und dem Interagieren mit anderen. Manchmal sind wir, im übertrageneren Sinne natürlich, der Hund der den Baum anpinkelt, und ein anderes Mal sind wir selbst dieser Baum.

Wir gewinnen und verlieren. Wobei wir als Optimisten sagen werden, dass wir Erfahrungen gesammelt haben und es deswegen kein Verlieren war. Manche Erfahrungen sind nur so schmerzhaft, dass es schwer fällt sie nur als solche anzusehen.

Mein Gras begann – in meiner subjektiven Wahrnehmung – im Sommer 2013 zertrampelt zu werden, ab Herbst dann richtiggehend zerstampft, und ich stand ohnmächtig daneben.
Gelb-grün wurde es, brach ab, ungesund, wenig dicht. Im Frühjahr 2014, als es begann erneut liebevoll gegossen zu werden, erholte sich meine strapazierte Fast-schon-nur-Unkraut-Wiese, bildete sich weich und flaumig neu … bis dann im Spätherbst desselben Jahres der ganze Rasen in Flammen stand und über ganz 2015 lichterloh brannte.

Seit 2016 fing Gras dann an ganz neu zu wachsen. Ich habe gegossen und gepflegt. Heute ist es wieder richtig grün.
Und auch wenn es sicher Gräser, Rasen, Gärten gibt, denen ich nacheifere, weil ich sie als noch grüner ansehe … So gibt es aber auch Gras, das gerade verdurstet, verätzt, gezupft, gerupft oder abgefackelt wird, und um welches es so viel schlechter bestellt ist, als um meins.

Vielleicht könnten wir uns glücklich schätzen, wenn unser Gras durchschnittlich grün ist, uns damit motiviert nach oben orientieren und nach unten eine helfende Hand reichen? So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Tun uns was Gutes und anderen gleich mit.
Das Leben ist ohnehin eine Achterbahn, und wenn wir einmal unten sind, freuen wir uns auch darüber, wenn es wieder hoch geht. Mit Hilfe: Gießen der anderen. Also ich habe mich gefreut!

Und heute halte ich selbst wieder einen Blumenstrauß meiner Wiese in meiner Hand und gebe davon ab.
Weil wir das nur fähig zu tun sind, wenn wir selbst genug haben: An Gras, Blumen, Friede, Liebe.

Nach jedem Tief, so unglaubwürdig und weit entfernt sich das auch manchmal anhören mag, geht es wieder nach oben.
Nicht selten steil. Auch dass das Comeback sehr häufig stärker sei, als der Setback. Ich bin aktuell immerhin einigermaßen ausgeglichen – im Vergleich zu meiner Situation früher.
Gras findet den Weg durch die steinigsten Schichten.

Und wie lautet eine andere Liedzeile im Songtext von “Miracles”:
“Roses bloom more to adore you too.” Und ich liebe Rosen. Am liebsten in Weiß.
Es geht eben nicht immer um Gras, und schon gar nicht um das in Nachbars Garten, sollte dieses nicht dazu dienen sich positiv inspirieren zu lassen und anzupacken!

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Text: PetissaPan; Juni 2018
Foto: PetissaPan; Juni 2018

Soulmate

Vielleicht ist es mit Städten und Herzensplätzen ja so wie mit der Liebe: Der Film „Indecent Proposal“ beginnt mit den Worten:

Someone once said, if you want something very badly, set it free. If it comes back to you, it’s yours forever. If it doesn’t, it was never yours to begin with.

Freiburg, oder sagen wir besser: Freiburg & Baden-Baden liebte ich als Städte von Herzen. Immer wenn ich weg aus Baden war, habe ich schmerzlich vermisst was ich hier einst gefunden und geliebt hatte: Das Gefühl eine Heimat zu haben, Verbundenheit mit der Mentalität der Menschen, Schönheit die mein Motor ist.
Und nirgendwo anders auf der Welt lebte ich zweimal. Die meisten Städte in die ich für mehrere Monate oder ein Jahr eintauchte, habe ich überhaupt nie mehr wieder gesehen.

Freiburg habe ich vor 12 Jahren hinter mir gelassen. Für ein paar Jahre hatte ich hier gelebt, gearbeitet und meine, bis heute, beste Freundin kennengelernt. Beide sind wir dann weiter gezogen.
Seitdem war ich nur noch ein- oder zweimal in dieser Stadt, habe weitere 11 Umzüge hinter mich gebracht, viel gesehen, bin gewachsen und gefallen, hab‘ die Knie mir aufgerissen, das Ego entblößt, das Herz verschlossen – und so vieles hat nicht gepasst, gekratzt: Ich habe vermisst und gehasst.

Ich habe mich schließlich und immer wieder aufgerappelt, hunderte Male mir den Staub vom Kleid gewischt, und klarer gesehen. Nun bin ich wieder hier und es ist noch schöner als ich es je in Erinnerung hatte.

Wie viel uns eine Stadt oder auch ein Mensch bedeuten, erkennen wir eben manchmal erst dann, wenn wir viele Vergleiche gesammelt haben, mit anderen Plätzen und anderen Menschen die uns nicht so tief berührt und erfüllt haben.
Ich musste leben und alles was ich getan habe, ganz auf meine eigene Art tun: Exzessiv, gegensätzlich, vielseitig und mit einem Freiheitsdrang und einer Neugier auf so vieles, die ihresgleichen suchen.

Nur wenn wir ganz wir selbst sind, unseren Hunger auf alles was wir kennenlernen wollen stillen, aufsaugen, eintauchen, lieben, geliebt werden und leiden, werden wir irgendwann eine Stabilität in uns selbst finden, die uns wissen läßt, wer wir sind, was wir wollen und was uns glücklich macht.

Wie sehr mir Baden, die Mentalität der Menschen und die Verbundenheit die ich mit ihnen fühlen kann, am Herzen liegen, konnte ich nur so deutlich erkennen, weil ich an so vielen anderen Plätzen weniger glücklich gelebt habe.
Die Menschen die uns wirklich tief berühren können, sehen wir deshalb klar, weil uns andere nicht erreicht haben.


Es ist wie in der Kunst, der Malerei, dem Zeichnen, in der Musik: Wir sehen und erleben intensiver durch die dort gegebenen starken Kontraste. So strahlt Weiß auf Schwarz, Schwarz stabilisiert kunterbuntes Allerlei und Melancholie, Sanft- und Verspieltheit heben sich von strukturierter Dynamik und Härte ab.

Ich habe viel lieber tiefe Erfahrungen auf so lange Zeit, wie sie mir gut tun, als dass etwas das nur halbgar vor sich hinplätschert.
Vielleicht bleibe ich hier. Vielleicht gehe ich ein zweites Mal weg. Vielleicht komme ich dann ein drittes Mal wieder.
Wer weiß schon was in Wochen, Monaten, Jahren sein kann?
Ob Plätze oder Menschen: Manche Wege kreuzen sich erneut, andere verlieren mehr und mehr, und schließlich für immer an Bedeutung.
Nach Jahren innerhalb einer festen Struktur möchte ich heute mehr Nonchalance und die Dinge mehr auf mich zukommen lassen können, Ideen und Träume leben, mich selbst sein, mir nichts mehr beweisen müssen, mich wohlfühlen, sanftes Commitment und spielerische Leichtigkeit, mich fallen lassen können und genießen.Und das alles mit einem offenem Herzen, welches Raum läßt: auch für Unvorstellbares, Undenkbares, Neues und Altes, das vielleicht neu erwacht – ein Feuer der Zufriedenheit entfacht, und Ankommen ist zugleich.
So wie Freiburg.

(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

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(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

Everybody’s changing

Was kann ich heute sagen, nach allem was schon gesagt und geschrieben worden ist:
Narzissmus interessiert mich heute nicht mehr? Ein Narzisst berührt mich heute nicht mehr?
Nach allem was war und wie es kam, fühle – nicht weiß – ich heute, dass Dinge gleichgültig und wir gütig werden, wenn wir verstanden haben.

Daher: gelöscht. Everybody’s changing.

Es stimmt. Der Schlüssel bei Narzissmus war Selbstliebe: meiner. Und nicht nur das allein: auch Distanz.

Ich möchte und werde kaum – vielleicht auch nie mehr wieder – über Narzissmus schreiben und darüber nachdenken, weil die Antwort darauf so einfach wird, jetzt da ich es für mich ändern konnte. Und so wird es jeder und jedem gehen, sobald wir erkennen, lösen, löschen.

Ich wollte immer kämpfen, mich auflehnen … Diese große Sehnsucht nach Gerechtigkeit! – Wie ich sie bereits mein ganzes Leben lang suchte, forderte, und schon als Kind mutig dafür einstand und mich so selbst zur Zielscheibe für andere machte.
Vielleicht bin ich inzwischen weiser geworden, vielleicht habe ich es einfach satt immer Kämpferin gewesen zu sein und weiter bleiben zu müssen weil ich es mal wollte. Ich will es heute nämlich nicht mehr.
– Nicht für Dinge, die sich ohnehin nicht ändern.
– Nicht gegen Widerstände, Gegebenheiten und Personen, wo es verlorener Aufwand wäre.

Das Leben ist nicht fair, es war es nie und wird es niemals sein. Wo mein Einsatz nichts bringt, möchte ich glücklich leben und Energie sparen. Lieber bin ich heute im Flow und im Optimismus, was die andere große Facette von mir stets ausmachte und inzwischen so sehr tut, wie selten zuvor. Nicht laut und naiv geprägt: Ganz authentisch, zuversichtlich und gelassen frei stattdessen.

Der Optimismus beim Narzissmus ist der schmerzvolle Weg über uns selbst. Der Kampf und ein Krampf wäre es einen Menschen ändern zu wollen, der es nicht anders kann.
Meine Beziehung zu einem hatte ihre Ursache.
Und ich wünsche jedem, dass er – jeder, dass sie – dies für sich selbst eines Tages erkennen kann, den positiven Weg danach geht und Dankbarkeit und Friede findet.
Denn nicht nur als Polizistin weiß ich, dass es ein Weg ist, der gerade nicht lohnt und den wir nicht selbst beeinflussen können: Die Gesetze hinken den Möglichkeiten der Täter eben oftmals hinterher.

Ich: aufgehört zu kämpfen. Mich aktuell erstmals vertrauend führen lassend. Neue Perspektiven und Annahme dessen was war und glucksend verliebt im schönen und ins schöne Jetzt.
Gewohnt denke ich weiter selbst und eigenständig und gerne mal quer, und heute anders als früher. Wir reifen. Wie wunderschön!

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(Foto & Text: Petissa Pan; Mai 2018)

Spice up

Interesse können wir an vielem haben: Interesse fängt bei mir beispielsweise damit an, dass ich gerne 1/2 leckeres Tiramisu, an einem großartigen Abend, in schönster Gesellschaft, nach einem tollen Abendessen genießen mag, und hört damit auf, dass ich jeden Tag Menschen treffe, für deren Leben ich mich interessiere und deswegen neugierig und aktiv in Kommunikation mit ihnen trete. Mit manchem wird es Passion und Herz. Mit anderem ein nicht selten äußerst bereicherndes, interessantes, doch nur einmaliges Gespräch.

„Nur“ Interesse habe ich auch daran, Dinge auf dem Weg zu tun, die mir dabei dienlich sein können mein Ziel, für welches ich tatsächliche Passion hege, zu erreichen: Das ist Schule größtenteils, und ein Studium auch zu einem kleineren Teil: Türöffner.

Für eine Sache zu brennen ist allerdings eine völlig andere Liga. Und wer dieses Gefühl je gelebt hat, gibt sich mit weniger äußerst ungern zufrieden. Aktiv etwas tun was man liebt und will und nebenher – dabei – zu lernen finde ich großartig! Völlig egal, ob eine Sache oder ein Mensch, ein Beruf oder eine Vision mein Herz oder meinen Geist entflammt: Erst dann bin ich richtig gut und auf vollen 100% oder mehr.

Interesse ist ein Motor.
Passion aber ist der Turbo.
Und Desinteresse? Desinteresse bedeutet für mich heute, dass ich Dinge dankend hinter mir lassen kann. Endlich! Loslassen zu können ist vielleicht – und war es für mich – die schwierigste lesson to be learned. So gemütlich und so vertrödelt, verträumt, unsinnig oft.
Wer sich nämlich mit dem für sich Falschen aufhält, verliert nicht nur das Kostbarste was wir als Menschen haben: nämlich unsere Zeit, sondern auch das Strahlen in seinen Augen. Dinge und Menschen, die uns eine Zeit unseres Lebens begleitet haben, waren es einst womöglich: Ob Lehrer im Privaten, Beziehungspartner, Aufrüttler, Inspiratoren, Mentoren, Kritiker … und irgendwann dann nicht mehr. Wir entwachsen so manchem.

Die falschen Dinge loslassen, die richtigen Dinge in die Wege zu lenken. Bewusst entscheiden – für alles was uns leuchten und aktiv sein läßt. Und um die Dinge zu erreichen für die ich brenne, muss ich manchmal den unbefriedigenderen Weg über etwas gehen, für das ich nachhaltig kein tieferes Interesse hege. Das ist schwer und verlangt nicht selten besonders viel Durchhaltevermögen und zieht Energie.
Worauf ich daher im Heute achte ist, dass es nie lange Überhand nimmt, und ich es mit hübschem Beiwerk schmücke, das mich begeistert und durchhalten läßt.

Und manchmal kommt im Leben auch alles ganz plötzlich ganz anders.
Passion ist aktives Leben.
Alles andere ist (nur) Sein.

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(Text & Foto: Petissa Pan; (Japantag 2018 Düsseldorf)

Frisch

Max Frisch, der Schweizer Schriftsteller, ist mir aktuell der Zweitliebste!

Mit den deutschen Schriftstellern kann ich nach wie vor wenig bis nichts anfangen. Und dabei rede ich von der Vergangenheit, weil ich aktuelle Literatur und Mainstream-Bücher, zumindest bis jetzt, überhaupt nicht lese. Tausende Sachbücher, diverse Ratgeber oder schön illustrierte Kochbücher ansonsten.

Grass, Canetti, Koeppen und selbst Kafka – selbst Goethe – können mich (noch?) nicht so berühren, wie es Turgenev, Dostojevski, Tolstoi, selbst Hemingway und eben die Schweizer und ein Österreicher tun.

Ich liebe alte Werke und bin sowieso sehr altmodisch, weil ich unsere heutige Zeit sehr häufig als zu schnelllebig, laut und oberflächlich empfinde.
Früher war ich neugieriger auf alles und jeden – auch auf Trubel, Party und Lärm. Aber ich habe inzwischen alles gesehen und erlebt was ich gesehen und erlebt haben wollte: Supersonic – in Überschallgeschwindigkeit! Heute mag ich deshalb besonders Ruhe, Tiefsinn, Klassik und Stil und bin Jahre schon nicht mehr überall dabei.

Ich habe ein paar Jahre Golf gespielt. Und was viele, die das nicht ausprobiert haben, nicht wissen: Es muss einem dabei nicht zwangsläufig ums Dazugehören gehen. Ich beispielsweise habe am liebsten alleine gespielt. Frühmorgens oder spätabends, bevor der Platz geschlossen wurde. Ganz alleine habe ich meine Runden gedreht, mich nur auf Abschlag, Spiel, Natur konzentriert und mit dem herrlichen Blick auf meine Stadt begnügt. Das empfinde ich und so viele andere auch am Golfsport wunderschön und als die eigentliche Faszination! Das 18. Loch habe ich dabei auf meinem Heimatplatz gerne ausgelassen, da direkt vor der Club-Terrasse eingelocht werden muss, auf der abends stets reger Trubel und ein Teil der kleinstädtischen Upper-Class erlebte, genoß und sich freudig belustigte.

Nun darf man nicht denken, dass mir dies grundsätzlich missfiel. Überhaupt nicht. Denn gibt es schöneres als wenn Menschen Freude an einer Sache haben und gute glückliche Momente?
Der Champagner nach dem Spiel darf für mich für andere also liebend gerne hinzugehören. Auch mag ich Stil und Klasse und habe eine – doch eher sehr oberflächliche – Vorliebe für so manches, was eben nur ein Maß an Luxus mit sich bringen kann.

Jetzt aber bin ich vielleicht lieber ganz alleine, nachher vielleicht im interessierten Gespräch mit einem Wildfremden, später treffe ich vielleicht Freunde – einen Mentor – für Tiefgang .. Ich lieb(t)e 400 PS auf der Autobahn aufwärts und mach(t)e ein Ehrenamt für „von der Gesellschaft eher Ausgeschlossene“. Selbst gehöre ich wohl auch schon ein wenig dazu: Mein Leben lang schwer zu greifen, sprunghaft, 20x umziehend in der Welt, vor Glück übersprudelnd und doch nie zufrieden.

Irgendwann in meinen 20ern meinte ich einmal normal sein zu müssen und mich dazu zu zwingen und wollte dazu gehören.
Später habe ich dem Lauf der Dinge ihren freien Lauf gewährt und mich seitdem entblättert, erkannt und ein paar Jahre gänzlich abgewandt.
Heute ist es mir egal, ob ich dazu gehöre und mache dies auch davon abhängig welcher Stempel mir vom jeweiligen Individuum aufgedrückt wird. Ist es keiner, bin ich da und nah.

Ein guter Lehrer ist eben einer, der dir zwar zeigt worauf du schauen solltest, aber dir nicht sagt, was du dort zu sehen hast!

Nach meiner mehrjährigen Lebenskrise sehe ich Dinge sehr viel klarer und nicht mehr vernebelt wie früher. Manchmal ärgert mich das zwar, doch so ist es gekommen. Im Rahmen der Entfaltung. In mir drin war ich so schon mein ganzes Leben – wie ich heute weiß.

Von Max Frisch also das Zitat: „dass uns die Zeit nicht verändert, sondern „nur“ entfaltet“.
Aus der Raupe wird also der Schmetterling …

Max Frisch, der, wie Dürrenmatt und Bernhard ebenfalls, und zu meinem großen Glück, für deutschsprachige Literatur steht, hatte sich schreibend Identität und Individualität zu den zwei seiner zentralen Themen gemacht.
Es heißt, dass niemand Festlegung so sehr verabscheute wie er. Und dass seine Sehnsucht immer wieder ein anderer werden zu können, sein großes Thema war.
Frisch wollte mit seiner Literatur dem Menschen den Ausweg aus einer Rolle aufzeigen, die ihm die Gesellschaft aufzwingt.

Schubladen adé! Und so liebe auch ich es, gegen die Versteinerung des einzelnen Menschen zu Lebzeiten anzuschreiben und wünsche mir und jedem einzelnen Persönlichkeiten, die authentisch und suchend sind, wie ich es lange nicht gewesen war und es mir nicht zugestanden hatte. Diese Freiheit ist eine der Besten und vielleicht die einzige Sache die zählt, da sich darauf alles andere aufbauen oder damit zusammenstürzen läßt.

Auf die Freiheit, Authentizität, glückliche Momente und daraus resultierende Möglichkeiten und Liebe: Die jeweils am schönsten sind, wenn wir sie mit wem teilen können, der mindestens versteht, uns lässt und fühlt – gar selbst ist wie wir!

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(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

Seiltanz

Fünf sehr turbulente Jahre liegen hinter mir und ich möchte einen endgültigen Strich unter diese ziehen, indem ich in wenigen Wochen zurück in meine wunderschöne Heimat Baden ziehen werde.

Die vergangenen 2 1/2 Jahre habe ich in Düsseldorf gewohnt und bin hier nie angekommen. Düsseldorf war ein Versuch, auch meine große Flucht Erlebtem zu entkommen, mich zu sortieren, wieder zu finden und verarbeiten zu können – dann neu zu starten. Endgültig ist dabei nichts. Ich gehe Step-by-Step und nehme dabei mit, was immer ich gut finden will. Ich „liebe“ Richard Branson und lebe seine Spontanität und den Leitfaden „Make fun a priority!“

Trotz aller Enttäuschung die ich in mir trug: Ich habe erst gestern wieder zu einem Freund gesagt, dass ich 100% hinter der deutschen Polizei stehe, auch wenn ich nach allem was zuletzt war, nicht mehr wieder für sie arbeiten werde.
In meinen 20 Dienstjahren hatte ich niemals die Erfahrung gemacht, dass auch nur einer meiner tausenden Kollegen Status oder Macht missbraucht hätte. Wir waren eine tolle Gemeinschaft, tolle Menschen und ich habe meine besten Freunde dort gefunden und bis heute. Der Polizeiberuf war ein unglaublich bedeutender und glücklicher Teil meines Lebens, so wie ich Städte und Menschen früh fühlen kann, die „perfekt“ für mich sind.

Baden-Baden zum Beispiel: Mit 18 Jahren erstmals besucht und sofort gewusst, hier will und werde ich einmal wohnen. Und das habe ich, bevor vor fünf Jahren alles ins Wanken kam und nichts mehr so war wie zuvor.
Meine Liebe ist geblieben, für diese Stadt, und das wird sie ewig. So wie meine Abneigung gegenüber Düsseldorf vom ersten Tag an da war und nie vorüber ging und gehen kann.
Einem Freund sagte ich erst vor wenigen Tagen, dass ich überall wohnen könnte, nur niemals mehr wieder in Düsseldorf. Strich darunter, auch wenn meine letzten Wochen hier absolut fantastisch sind!

Und wenn Menschen keine Masken tragen würden, könnte ich – könnte jeder von uns – so viel schneller erkennen, wer zu uns, unserem Leben und zu unseren Werten passt. Und die, die uns nur benutzen und weh tun werden, weil sie eigene Wunden in sich tragen oder es nicht anders wollen: an denen könnten wir schnell vorüber gehen.

Es war eine riesige Enttäuschung für mich, erkennen zu müssen, dass nicht alle Menschen dasselbe Herz haben. Naiv gutgläubig war ich, und mit strotzendem Optimismus, dass ich die, bei denen dieses gute Herz verschüttet ist, bekehren könnte: Das war einmal und ist vorbei. Distanz und loslassen sind es heute für mich geworden.

Lange dachte ich auch, dass ich früher der bessere Mensch war und haderte mit mir und meinem neuen Ich .. Früher, vor dem was ich von 2013 an erlebt hatte ..
Aber so ist es nicht: Ich bin heute nur anders, weil wir eben nicht jeden bekehren können und nicht jeder Mensch zu uns und in unser Leben passt. Das erkannt zu haben war scheußlich, schmerzhaft, doch auch das ist vorbei.

Es ist mit Berufen wohl wie mit Menschen und Städten und allen Dingen die wir tun: Wenn wir den Point-of-no-return erreichen, ist es aus! Es bleibt nichts mehr an Wärme und Wollen – nur eine Erinnerung und die bewusste und zielstrebige Entscheidung für etwas Neues.
Meine Wunden habe ich lange genug geleckt, die Fehler erst bei anderen gesucht, dann bei mir selbst, vergeben, ja, vergessen werde ich diese Lektionen nie.

Weich und lieb konnte ich hier und heute nicht mehr werden, darum mein Strich darunter und Düsseldorf als die Stadt die ich in Zukunft weiterhin besuchen werde: für gemeinsame Zeit mit den Freunden, die ich hier fand.

Wir mögen nicht für jede einzelne große und grobe Wunde in unserem Leben verantwortlich sein, diese aber zu heilen, das ist unsere alleinige Aufgabe.
Für mich, um da wieder angekommen zu sein, wo ich vor fünf Jahren anfing zu fallen. Verändert aber frei.

(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)

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Zufriedenfreude

Niemals in meinem Leben – das wird die die mich kennen, nicht überraschen – war ich vollkommen zufrieden. Und so wird es bleiben.

„Zufriedenheit“ ist eines der Worte, der nur gut gemeinten Ratschläge, der Mainstream-Gedanken als gewünschte Glücksfloskel .. Zum Geburtstag und beim allgemeinen Sinnieren nach dem dritten Gin .. welches mir so oft gewünscht wurde und dabei zum einen Ohr hinein und zum anderen heraus ging und geht.

Oft genug wurde es mir belang-, zusammenhangs- und gedankenlos gewünscht .. Was ich ohnehin nicht verstehen kann, da ich Tiefe brauche wie die Luft zum Atmen, ein gutes Essen und dafür keinen Fast Food und Smalltalk vertrage.

Manchmal auch wurde es ausgesprochen, weil mich der jeweils andere als Getriebene erkannt und durchschaut hatte.
Was er dennoch nie verstand: Ich kann und werde niemals ankommen. Danke. Das ist eine Entscheidung und ein tief verankertes Gefühl in mir und so manchem anderen Menschen.

Großes Glück – ja klar! Und Tränen der Überwältigung, Begeisterung, Passung, Optimismus und Zuversicht, wie gute Laune, Albernheiten, minutenlang zu lachen, Trauer, Schmerz, fühlen.. Aber eine feste stabile Zufriedenheit? Nein! Die gibt es nicht in meiner Welt. Dazu trage ich eine zu große Sehnsucht in mir herum. Eine, die bisweilen schmerzt – mich jedoch ausmacht. Mit der ich gelernt habe zu leben und die ich niemals missen kann.

Auch trage ich zu viel Weltschmerz und selbst erlebten Schmerz mit mir: auf der einen Seite. Einer, der mich bewegt, wenn ich über all das Schlechte und die Ungerechtigkeiten, die viel zu oft herrschen, nachdenke.

Wie kann man vollends zufrieden sein, nur weil man selbst vielleicht das Glück hatte in das richtige Land, die richtige Familie, das passende Umfeld geboren worden zu sein?

Auf meiner anderen Seite: Pure Lebensfreude, Dankbarkeit für alles Gute, Zielstrebigkeit und naiv herumtollen wie ein Kind.

Der Weg – das Leben – ist mein Ziel, und nicht eine Destination, die wir uns erschaffen und dann die Beine hochlegen und uns ausruhen. À la: Juhu, geschafft!

Ich, und das sage ich ganz frei heraus, würde vor Langeweile sterben, depressiv werden, todunglücklich sein, – hätte ich keine ständig neuen Ziele mehr in meinem Leben. Kunterbunt und vogelfrei, mit einer, in mir mal sanft mal heftig brodelnd chronischen Unzufriedenheit und dem unendlichen Wunsch ewig zu bewegen.

Jeden einzelnen Morgen wachte und wache ich auf und will tun. Routine ist etwas, das ich nur mit den mir vertrautesten Menschen zelebriere und teilen mag. Ein Geschenk an Intimität und Beständigkeit. Das, um ein Band zu schaffen, bei allem Unsteten in meinem Leben.

Und Menschen, Städte, Plätze, Situationen, Erinnerungen, Filme, Umstände, die mein Herz nicht berührten oder es gar mit Füßen traten, geraten schnell in Vergessenheit und ich weiß keine Details mehr dieser Begegnungen. Das, weil mein Kopf springt – dorthin, wo mein Herz mich trägt und sich wohl, geborgen und wunderbar fühlt, und ich ohnehin eine Meisterin der Verklärung bin.

Liebe: ja, von Herzen.
Verbundenheit: wie schön und so besonders und selten.
Seele: so viel mehr als mein Körper.
Leidenschaft: klar.
Geben: eh.
Schenken: oft.
Fühlen: ganz unglaublich viel und tief.
Passion: yes!
Doch Zufriedenheit, ruhen und Stillstand: nein und niemals!

Und was ich liebend gerne tue? Ich verbringe Zeit mit Menschen, die ticken wie ich : Das sind nicht viele.
Und ich verbringe Zeit mit Menschen, die mir zumindest keine Zufriedenheit wünschen : Das sind ein paar mehr.

Und wer sich Zufriedenheit wünscht? Bitte, von Herzen für euch!

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(Text & Foto: Petissa Pan; Mai 2018)