I was a Rich Man’s plaything

Ich liebe Baden-Baden. Aber Liebe war noch nie genug.

The sky is the limit!

Wenn Liebe nämlich erstens das Kind der Freiheit ist, muss man die Dinge die man liebt niemals besitzen. Und zweitens stellt die viel größere Erfüllung, die Verbindung der jeweiligen Liebe mit großer Leidenschaft dar.

In Sekunden entscheiden wir, wen wir körperlich begehrenswert finden; was sich selbst nach Jahren, lebenslang oft genug, nicht ändern wird: Weder in die eine noch in die andere Richtung. Und nach Wochen oder Monaten zeigt sich, wen wir von seinen Werten her (zusätzlich) besonders mögen. Es passt oder passt nicht (mehr): Mit Menschen, wie mit Orten. Und drittens braucht Baden-Baden, als Stadt mit wunderbar historischem Erbe, – die einst einmal der Nabel Europas war, meiner Meinung nach die Verbindung dessen, mit dem Duft der großen Welt.

Kunststädte. Und, sieht hier irgendwer Baden-Baden?

Für mich bedeutet es nach monatelangem Fühlen, dass ich Baden-Baden über die Kunst auch mit dem Neuen verbinden will. Aktiv. Frech. Amazonenhaft vielleicht. Frischen Wind in eine Stadt bringen, die – nach meinem Geschmack – in so vielen Punkten an ihrer großartig gelebten Tradition und Spießigkeit festhalten darf, sollte, muss! Ich liebe das. Muss es aber tatsächlich nicht haben – um jeden Preis.

Denn wenn mir dies nicht gelingen sollte: Die Weltkugel steht mir offen. Wer nichts waget, der, die, das, darf nichts hoffen! Dies sagte Schiller und so denke ich. Ich glaube (noch?) nicht an Komfortzonen und Work-Life-Balance, sondern daran, eine Tätigkeit zu leben, die uns mehr Energie gibt, als dass sie uns nimmt. Und an stetiges Wachstum.

„It’s a Man’s world“ und Leben ist Kunst & Liebe, und Kunst ist Liebe, leben & Passion.

6 bezaubernde Kunststädte also, in denen man seinen, ich alternativ meinen Berufs-Traum leben will und werde. Ich denke gerne progressiv, amerikanisch auch, und dass ich noch 60 Jahre Karriere machen will und werde, während andere schon mit 40, 50 vom Ruhestand und kürzer treten reden.

Adrenalin bitte, Aktion sowieso, Bewegung, und liebend gern das Arbeiten in Männerdomänen. 20 Jahre gelebt und endlich wieder ellbogenerprobt, offen und heiß darauf. Mein Studium ist in 8, 9 Monaten auch Geschichte… Weswegen es – unterm Strich – innerhalb der Kunst der Kunsthandel werden muss. Baden-Baden in einer Kunst-Liaison mit Übersee schwebt mir (langfristig) vor.

Manche lieben Spiritualität oder Coaching oder suchen Balance. Manche und ich lieben Arbeit, Freiheit und wollen was bewegen. Balance genug! So nämlich naives Äußeres „nur“ Kunst und Selbstinszenierung ist, und authentisches super-höflich sein und herzlich offenes Agieren gegenüber wirklich(!) jedermann(!), schlicht einem reinweißen Wertesystem geschuldet: Sucht Alpha womöglich Alpha. Big Business.

„The art market had never been for the timid.“ (Larry Gagosian) Foto: Gewerkschaftszeitung der Polizei.

Pop Art. Und tout est pop! Video hierzu: Referat als Story bei Instagram: mlle_ceejay „popart“.

Mein Titel: von 1947 (Eduardo Paolozzi) / Meine Fotos: von dieser & letzter Woche

Allerschönster Schein aber auch *

Gemälde werden kopiert. Künstler werden kopiert. Gemälde berühmter Künstler werden kopiert oder neu interpretiert. Dies stets mit dem Ziel der Täuschung zwecks Ruhm und größter finanzieller Bereicherung. Auch ganz öffentlich kopiert ein guter Meister einen anderen – wie einst schon Turner Lorrain – und stellt sich so in einen direkten Vergleich. Um Letztere jedoch soll es hier nicht gehen: Dies ist legal, moralisch & strafrechtlich einwandfrei und ein erfrischender Wettstreit – oder auch pure Freude und Verehrung – auf Augenhöhe.

Neue(re) Gemälde werden also so gemalt, dass sie wie alte aussehen, und dabei häufig mit der Unterschrift desjenigen bedacht, der das Original malte. Urkundenfälschung.

Gute gewollte Gemälde wurden und werden von Unbekanntem gemalt und von bekannten Künstlern unterschrieben, obwohl dieser keinen Pinselstrich davon selbst gemalt hat. Spielkinder.

In Galerien, Privathaushalten, Museen und anderswo hängen, stehen und liegen Gemälde, die als Originale gelten oder gelten sollen, und die noch keiner überführen konnte oder wollte. Und so weiter.

Kunst ist eine Fiktion! Eine wunderbare Blase, in der die Grenzen zwischen real und surreal oft fließend sind. Und ein solches Kunststück ist immer genau so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu bezahlen. Dabei ist die Kunst unweigerlich an die großen begehrten Namen geknüpft, von denen jeder ein Stück abhaben will: Ein Original! Und ein Kunstwerk hingegen, welches von Experten als Fälschung entlarvt wird, sinkt von jetzt auf gleich erfahrungsgemäß zu einem winzigen Bruchteil seines vorangegangenen Wertes hinab, verliert, wird vergessen, verhöhnt.

Und ich muss über Kunstfälschung schreiben, weil mich dieses Thema sehr fasziniert und weil an der Universität darüber kaum geredet wird. Als extrovertierter & umtriebig aktiver Mensch rede ich nunmal gern. Und am liebsten über das was ich will, was immer mich umtreibt, antreibt und begeistert:

In einem Artikel von 2004 über den Mord an Eric Hebborn 1996 habe ich gelesen, dass es kein Motiv gäbe. ??? Ich denke, neben all den Mord- und Totschlag-Motiven wie Rache, Kränkung, Mordlust, Vertuschung und Habgier, auch die Kunstfälschung: Nämlich Kunst erfolgreich gefälscht zu haben und damit Experten (und die ganze Welt) „an der Nase herumgeführt zu haben“ ein klares, logisches und plausibles Motiv darstellt. Und genau dieses: „Kunstexperten an der Nase herumführen können“ ist etwas, das mir ebenfalls immer wieder auffällt und vielfach von entlarvten Fälschern genannt wird. Immer und immer wieder. Triumphierend bisweilen. Oft. Meist. Sei es Hebborn. Sei es Beltracchi.

Ich sehe dies etwas anders: Mittendrin im Studium; beziehungsweise ist das Ende nicht mehr weit: Dass gefälschte Kunst zu erkennen nicht an den Universitäten gelernt wird, und so jemand der Kunsthistoriker ist, kein Fuchs im Erkennen eines gefälschten oder verfälschten Bildes sein muss. Kunstexperte ist er dennoch. Er weiß bestens, was Bilder „erzählen“, repräsentieren und wie sie das tun; fühlt sich ein, versteht, und kann jedes einzelne Gemälde Epochen und Künstlern zuordnen. Naturwissenschaftlich aber fehlt ihm das, was ihm ein Praktikum, die mehrjährige Tätigkeit, in Galerien und im Kunsthandel zu vermitteln vermag. Bitte!

Immer wieder auch wird von Kunstfälschern unterstellt, dass alle Experten nur „geldgeil“ seien. Abgesehen davon, dass dies nicht meine Sprache ist, kann ich – aktuell im 5. Semester – das so überhaupt nicht unterschreiben. Gerade an den Universitäten findet man diese Art Experten eben nicht. Und gibt es diese überhaupt: vorgeblich Kunstinteressierte, Kunstberufler, welchen die Kunst an sich völlig egal wäre? An der Uni jedenfalls habe ich besonders kunstliebende wie kunstkennende Professoren und Doktoren kennengelernt und als Vorbilder, denen das Thema Geld auf dem Kunstmarkt ein eher weniger schönes, wenig interessantes Thema scheint, und die stattdessen ganz in ihrer Forschung aufgehen. Die haben ihren Blicke ganz auf die Lehre, die Bilder und auf die Geschichte dahinter. Merci!

Ich jedenfalls bin der vollkommenen und vorwärtsgewandten Überzeugung, dass die Liebe zur Kunst und der Handel mit selbiger ganz wunderbar Hand-in-Hand gehen kann und einen diplomatischen Königsweg darstellen sollten, so der Kunsthistoriker den Weg des Kunsthändlers & -beraters beschreiten mag. So do I. Hoffnungsvoll.

Und der ausgesprochene, gern genannte Triumph der Fälscher über die Experten hingegen, hat meiner Meinung nach mit Kränkung zu tun. Der Kränkung, dass der Maler als Künstler nicht erfolgreich geworden ist, nicht anerkannt wurde und unterging, in diesem großen Feld der kontemporären Künstler. Was zugegebenermaßen auch zurechtgerückt, ein wenig schmusend angepasst werden dürfte: Für die Alten Meister werden nämlich enorme Summen gezückt, während erfolglose Künstler gerade so leben können. Aber wie überall bestimmt die Nachfrage nun einmal den Preis. Ein Augenmerk gilt es – meiner unbeirrbaren Meinung nach – dabei aber künftig mehr darauf zu legen, dass wir, die über eine gewisse Macht in der Kunstwelt verfügen, mehr unbekannte, kontemporäre Künstler in Umlauf bringen, unter die großen Altbekannten, die Größen, mischen, das Auge der Gesellschaft für die Kombination von alt und neu wecken, begeistern … Das wäre wunderschön!

Faszinierend jedenfalls, dass so manchem Meisterfälscher eine große öffentlichkeitswirksame Karriere winkt und die Sympathie der Gesellschaft sowieso sicher ist, weil „uns“ das Böse irgendwo bewundernd packt. („Sensationslust“, was auch so gar nicht mein Gusto ist.) „Es geht ja schließlich nur um Kunstbetrug. Immerhin doch sind keine Menschen körperlich zu Schaden gekommen“. – Bis auf dass Hebborn in Rom der Schädel mit einem stumpfen Gegenstand eingeschlagen wurde und er drei Tage später im Krankenhaus verstarb. 1996. Und Beltracchi saß nur einen Bruchteil seiner Strafe ab und weilt im Abend-Unterhaltungs-Programm des TV genauso, wie als Speaker in schweizer Fachhochschulen und bei Unternehmerkongressen. Es sei ihm gegönnt. Tatsächlich! Er kann doch was, und in den Museen hängen angeblich noch etliche seiner Werke.

Der größte Traum eines Kunstexperten – und sei er dies in Museen, Galerien, an der Universität – bleibt es wohl dennoch, ein lange verschollenes echtes Werk zu entdecken; nicht ein echt geglaubtes zu revidieren. Das muss weh tun! wenn es zuvor (vielfach) abgesegnet wurde.

Im Mittelalter mindestens waren nachgemachte und nach belieben geklaute oder ergänzte literarische Werke – als auch Malerei – keine Schandtaten. Es gab noch kein Urheberrecht und auch nicht den Anspruch der Gesellschaft darauf. Was machen wir nur heute damit? Was fange ich damit an? Sehe ich doch diese ganze Kunstfälschungsdebatte auch mit den Augen der Bundespolizistin, die zwei Jahrzehnte lang auf das Erkennen gefälschter Ausweispapiere konditioniert war, und deren „täglich Brot“ Ausweispapiere aus der ganzen Welt sein konnten und die täglich welche in Händen gehalten hatte. Oft genug Falsche & Fake.

Ich würde sagen, dass das Erkennen von Fälschungen innerhalb der Kunstwelt, und seien dies Abmalungen oder Urkundenfälschungen, viel schwieriger zu erkennen ist als gefälschte Pässe und ID-Karten. Und das sage ich nicht, weil ich im Erkennen von Fälschungen diverser Ausweispapiere eben besonders intensiv & langjährig geschult bin. Passpapiere aber haben so viele Sicherheitsmerkmale und erfüllen einen einheitlichen nationalen Standart – teilweise einen internationalen Standart – so dass die prüfenden Spezialisten, hier Bundespolizisten, geschult sind feinste Unterschiede sensibel, irgendwo unterbewusst, wahrnehmen zu können: Störgefühl, noch bevor sie benennen können was genau das Problem mit diesem einen Ausweis ist. Einzig die Tatsache der sehr knapp bemessenen Zeit erschwert erheblich im Hinblick zur Muße der Kunstwelt: Ohne gut begründete Anhaltspunkte, einen starken Anfangsverdacht, muss die Polizei Betreffenden mit seinem Identitätsdokument nämlich zeitnah ziehen lassen.

Doch gibt es auch im Passwesen erhebliche Unterschiede was Fälschungsmerkmale angeht. Welche, die Fälschungen stark vereinfachen oder erschweren, und auf der Gegenseite ein Erkennen einfach oder sehr schwierig machen. Je älter das Ausstellungsdatum eines Pass ist, desto weniger fortschrittlich sind die Sicherheitsmerkmale; umso leichter ist es diese nachzumachen.

Was bin ich vor Jahren an den alten griechischen ID-Karten verzweifelt, oder an den alten türkischen Pässen. Wie diese heute sind und wieviele der alten noch im Umlauf; dies entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe losgelassen. Ich tauche in die Kunstwelt: Mit all ihren echten Größen, Fakes und wunderbaren vielen Millionen Dollar. Auch hier gibt es Wasserzeichen, das richtige und das falsche Papier, Durchleuchtung und Mittel aufzufinden, so man will. Und so man es nicht mit der perfekten Fälschung zu tun hat: Denn die war, ist, bleibt echt.

Nächste Woche geht die Uni wieder los. Mein zweitletztes Semester.

Ich belege folgende Seminare: 

  • Kernbereiche musealer Arbeit und ihre digitale Erweiterung.
  • Pop Art – Triumph des Banalen.
  • Wie „erzählen“ Bilder in Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit.
  • Mobilität in der Kunst(geschichte) der Frühen Neuzeit.
  • Avantgarde und Kitsch : Russische Kunst der Jahrhundertwende im europäischen Kontext.
  • Kolloquium Ringvorlesung – Reisen Künstler
  • Französisch : 2 x 1,5 Stunden pro Woche. (Conversation B1)

Z U E R I C H

Beim Bundesgrenzschutz hatte ich 16-jährig unterschrieben, dass ich mich überall & jederzeit deutschlandweit einsetzen und irgendwohin ins Nirgendwo; an entlegenste, pulsierendste Orte abordnen und versetzen lasse.

Das habe ich stets getan. Gelebt. Und verzeichne gerade deswegen rund 20 Umzüge. Ich lieb(t)e diese Art zu leben. Und würde ich erneut entscheiden, würde ich heute vielleicht einige Jahre früher von der Bundespolizei zum diplomatischen Dienst für das deutsche Auswärtige Amt überwechseln: 3 Jahre da, 3 Jahre dort. Politik, fremde Kulturen, neue Menschen, Weltoffenheit, und das eigene Leben weit über den Rand hinausführen.

Als Deutschland „zu klein wurde“, hatte ich das Ausland im Blick. Und Brüssel, Moskau und Teheran waren Entscheidungen die ich genau so selbst wollte.

Wenn ich an einem Ort ankam, – und wusste ich, es sei für nur 3, 6, 9 Monate (innerhalb Deutschland) oder ein ganzes Jahr (Ausland); so sagte ich mir stets:

„Clissa/Crissa mach‘ das Beste daraus! Lebe aktiv was immer du in diesen Monaten alles entdecken kannst … Tauche vollkommen ein! Vergeude niemals deine Zeit! Sieh die ganze Schönheit, sehe alles als großartiges vorübergehendes Geschenk an und liebe und lache jeden Moment.“

Wenn die Zeit des Abschieds anstand; und diese tun mir immer weh, sagte ich mir, dass ich nun den Fokus auf das Negative legen will und werde, und ihn mir damit erleichtere: Die wunderschönen Parks waren mir dann zu überfüllt, die Märkte die ewig selben, der Schnee zu gelb, der Sommer zu heiß, die Luft zu schlecht, die Städte und Shops hatte ich satt, und selbst die deutschen Pferde ritt, und die deutschen Golfplätze bespielte ich lieber.

Es ist Mindset. Kopfsache. Dinge loszulassen, und den Schmerz dabei so klein wie möglich zu halten; für mich als Mensch, der so intensiv fühlt …

Wenn das Loslassen nach einer Zeit dann leichter fällt, der Schmerz nachgelassen hat, bade ich von Zeit zu Zeit in den schönen Erinnerungen, lasse das Negative ganz verblassen, und sehne mich manches Mal – an manche Orte – so sehr zurück, dass ich wieder kommen mag.

Ich liebe mein Leben in Baden-Baden sehr. Und ich tat das jedes einzelne Mal, das immer wieder von Auslandsaufenthalten und anderen Wegzügen durchzogen und gekreuzt war. Und ich sehe und sauge und liebe die ganze Schönheit hier besonders intensiv. Heute mit dem Wissen, dass ich eher nicht bleiben werde. Und heute schon mit dem Wissen im Hinterkopf, dass ich gute – und so einige – Gründe dafür habe, in einem Jahr nicht mehr hier sein zu wollen. Diese Gründe sammle ich – und lasse sie dann frei durch meine Gedanken, meinen Verstand und mein Herz tanzen, einige Wochen bevor ich damit anfange meine Koffer zu packen, die Wohnung räumen zu lassen.

Be the person you want to meet.

Ein Zitat, das mich begleitet, seit ich 2013 meine Fitnesstrainerausbildung absolvierte. Es war ein Leitmotiv für die Bildungsakademie SAFS & BETA. Und auch wenn ich niemals als Fitnesstrainerin gearbeitet habe, will und werde: Es ist zu meinem Leitmotiv geworden.

Und niemand ist jemandem Rechenschaft darüber schuldig, warum er ist, wie er ist .. warum er will, was er will .. warum er tut, was er tut; solange er anderen damit nicht schadet.

Warum er mag, was er mag … Warum ihn inspiriert, was & wer ihn inspiriert … Warum ihn antreibt, was ihn antreibt … Warum er sich lossagt, distanziert, von was und wem auch immer er sich lossagen und distanzieren mag.

Warum er lernt, was er lernt. Warum er lässt, was er unterlässt.

Warum er hasst, was er hasst … Warum er liebt, was & wen er liebt. Warum er lebt, wie er lebt.

Und warum er kommt. Warum er geht.

Die Schönheit in allem sehen. Loslassen. Wiederkommen. (Hotel Regina / Louvre Paris.)

Wo ich jeweils überall für mindestens 10 Monate lebte – der Reihenfolge nach: Mariazell/Württemberg & Königsfeld im Schwarzwald/Baden (als Kind), Coburg/Oberfranken (1 Jahr), Rosenheim/Oberbayern (6 Jahre, mit ständigen Unterbrechungen wie: deutschlandweiten wochenlangen Einsätzen und monatelangen Abordnung. Manchmal war ich mehrere Monate lang keinen einzigen Tag in Rosenheim, obwohl das meine damalige Homebase war; wo ich in der Kaserne wohnte), Freiburg/Breisgau (1 Jahr), Achern/Baden (2 Jahre) , Seebach/Achertal (10 Monate), Baden-Baden (1 Jahr), Söllingen/Baden (1 Jahr), Baden-Baden (1 Jahr), Brüssel/Belgien (1 Jahr), Baden-Baden (10 Monate), Moskau/Russische Föderation (1 Jahr), Baden-Baden (1 1/2 Jahre), Teheran/Iran (10 Monate), Baden-Baden (2 Jahre), Düsseldorf/NRW (2,5 Jahre), Freiburg (2 Jahre), Baden-Baden (1 Jahr)

Wo ich für circa ein halbes Jahr und etwas weniger lang lebte: Deggendorf/Niederbayern (7 Monate), Lörrach/Schweizer Grenze (9 Monate), Frankfurt/Main (6 Monate), Konstanz/Schweizer Grenze (6 Monate), in der Uckermark/Brandenburg (4 Monate).

Und seit 2016 habe ich die Schweiz im Hinterkopf.

Seit ich 16 1/2 Jahre alt war, habe ich nie mehr länger als maximal 2 1/2 Jahre ununterbrochen an ein und demselben Fleck gelebt. Es ist das, wie ich daran gewohnt bin, wie ich es liebe, wie es meiner Natur entspricht, und wie ich mich auch heute dafür entscheide: dass ich entweder (beruflich) viel unterwegs sein will, oder die Homebase nach wenigen Jahren jeweils wechseln möchte. Die Bundespolizei hat mich in der Art wie sie mich führte und wie ich sie & dieses Leben liebte, mehr geprägt als irgendein Mensch oder irgendeine Erfahrung, ein Ort, in meinem Leben.

Ich will dieses Leben. Genau so!

Feel.

Think. Do.

Dream. Do.

Believe.

Go for it.

So oft dir auch der „Goldene Käfig“ angeboten wird: Wenn du wie ich bist, wird er allein dich niemals glücklich machen. Leb‘ nach deinem eigenen Plan.

PS: Wer bei der deutschen Bundespolizei arbeitet, muss nicht zwangsläufig solch ein Leben haben. Es ist sogar eher untypisch. Es waren vor allem die Jahre um die Jahrtausendwende, dass diejenigen im Einsatzzug permanent unterwegs waren. Und es gibt einen weit größeren Anteil an Bundespolizisten, die nicht mehrere Jahre lang auf Einsätze gefahren sind, die nicht über Jahre ständig woandershin abgeordnet wurden, und die niemals im Ausland gearbeitet haben, und das alles auch noch miteinander kombinierten. Die meisten haben sich eher früher als später Dienststellen gesucht, auf denen sie bleiben konnten, und arbeiten dort dann für Jahrzehnte: In einem Team; an einem Fleck. Aber wer es so bunt treiben wollte wie ich, dem hat die Bundespolizei alle Türen dafür geöffnet.

D I E C R U X

Als Crux erkenne ich immer wieder, dass so viele wunderbar gutherzige Menschen wenig strebend, zu bescheiden, in sich zufrieden (Stillstand!) und nicht zielstrebig genug sind, ein richtig tolles Leben zu forcieren; und so mit ihren guten Werten dort oben eben nichts Gutes bewirken können. Stattdessen distanzieren sie sich von „Geld besitzen wollen“ und luxuriösen Dingen, und lassen das nötige Durchhaltevermögen und Biss vermissen.

Auf der anderen Seite stehen oft genug welche, die – in welchem Sinne auch immer – charakterlos agieren, sich ihren Weg nach oben nehmen, erlügen, erheucheln, und nicht eher aufgeben, bis sie erreicht haben, was sie für sich wollten, um auf andere herabblicken zu können, Macht mit einem kalten Herzen auszuführen, und gute Taten wenn dann nur ausführen, um gut dastehen zu können.

Ich finde es braucht viel mehr strebende, unbeugsame Menschen mit einem klasse Charakter, die genauso gut genießen wie geben können, ohne anderen zu schaden, und ohne sich auf ein bescheidenes Helfersyndrom berufen zu wollen. Und es braucht die Menschen, die über einen cleveren rationalen Verstand verfügen und gewillt sind an ihrem Herzen und dessen Weich- und Durchlässigkeit zu arbeiten.

In meiner Welt ist es ok viel zu wollen. Weil es nämlich erwiesen und bewiesen ist, dass, nur wenn einer viel hat, ein anderer nicht wenig oder nichts haben muss.

Ich mag diese Beispiele von: „Gebe jedem Menschen monatlich 2000€ für lau“. Denn nirgendwo zeigt sich besser, dass jeder Mensch ganz anders mit diesem Geld umgehen würde: Die einen investieren es in Bildung um mehr daraus machen zu können, materiell und persönlich zu wachsen – dies über eine trockene Anfangszeit hinaus, in der sie sich selbst wenig gönnen. Sie probieren sich aus, kämpfen sich zu mehr, bereichern damit letztendlich die Gesellschaft und dann sich auch selbst. Und die anderen geben die 2000€ frei für sich aus, entwickeln sich nicht weiter und leben „gut“ von der Hand-in-den-Mund, sind vorgeblich zufrieden, und wiegen sich jeden Monat in gemütlicher Sicherheit, da es ja erneut die 2000€ für sie geben wird.

Und beides ist doch absolut ok & wunderbar. Dennoch, aber, genau deswegen: befürworte ich 2000€ „für lau“ nicht.

Wir Menschen sind grundverschieden. Es gibt deswegen keine einleuchtenden Gründe dafür, dass jeder das Selbe haben sollte, wo er 1.) weder nach dem Selben strebt, 2.) weder das Selbe haben will, und 3.) noch das Selbe dafür bereit ist zu tun. Dafür gibt es umso bessere Gründe dafür, dass Menschen mit besonders menschenfreundlichen Charakterzügen nach ganz oben zielen und durchziehen, weil dort die Macht sitzt, weil dort bestimmt und mehr verändert werden kann. Sinnieren und nur reden verändert nichts bis wenig in der Welt.

Und ja, auch Geld verändert den Charakter nicht! Es legt ihn „nur“ frei. Geld ist toll! Wir können davon Unternehmen gründen und ausbauen. Unternehmen, die es anderen möglich machen günstiger an (lebenswichtige) Dinge zu gelangen, oder auch „nur“ ihren Lebensweg zu bereichern und beglücken. Wir können Geschichtsträchtiges fördert, hinein investieren und erhalten ; alte Villen beispielsweise: Diese sind Kulturgut, können Hotels, Museen oder natürlich auch Privatbesitz werden: Es wird sich um sie gekümmert. Sie werden weitere Generationen überstehen und verrotten nicht vor sich hin: weil alle bitte in gleichen Häusern leben sollen und das gleiche an Geld haben sollen und damit gefälligst zufrieden sein sollen …

Wir können Stiftungen unterstützen oder gründen. Und wir können damit das Leben leben, das uns selbst vorschwebt. Und daran ist überhaupt nichts Verwerfliches zu finden.


E N T H U S I A S M U S

Als ich mich 2008 bei der Bundespolizei fürs Auswärtige Amt beworben hatte und sowohl zuerst die Auswahlkommision der Bundespolizei, als, im Anschluß daran, auch die des Auswärtigen Amtes von mir überzeugen konnte, ging für mich ein großer Traum in Erfüllung: Da war ich. Am Ziel eines großen Traumes. Welt, ich komme!

Die Bundespolizei in Lübeck entschied damals, wen sie beim Auswärtigen Amt vorschlagen wollte. Ich kann mich bestens an die lange Zugfahrt erinnern, und an die Tatsache, dass ich nicht, wie von der Bundespolizei gefordert, den vollständigen „feinen Dienstanzug“ im Gepäck hatte.

Der feine Dienstanzug, damals noch in grün und gelb, musste zu wichtigen Ereignissen immer getragen werden. Unabhängig davon war es im Einladungsschreiben auch noch einmal explizit erwähnt gewesen. So war mir die Vorgabe bestens bekannt, und dennoch hatte ich es gewagt – bewusst entschieden, dass ich zwar die feine grüne Diensthose und das langärmelige gelbe Hemd mit grüner Krawatten tragen würde. Das grüne Jackett aber, habe ich Zuhause gelassen.

An dem Tag waren Bewerber aus ganz Deutschland in Lübeck anreist. Manche wurden von der Kommission, die aus Bundespolizisten und einem Psychologen bestand, aus undurchsichtig geheimnisvollen Gründen nicht für das Auswärtige Amt zugelassen. Andere wurden abgelehnt, da das äußere Erscheinungsbild nicht dem geforderten entsprochen hatte. Schuhputz, Lederpflege allgemein, ein ordentlicher Krawattenknoten, und eine sitzende und vollständige Uniform waren Gründe für „Yes you can“, oder „Fahre wieder nach Hause und versuche es vielleicht in einem Jahr noch einmal“.

Ein Kollege, der kurz vor mir dran war, wurde abgelehnt, weil er kein Jackett anhatte. Das war nunmal die Vorgabe gewesen. Und auch ich wurde eine gute halbe Stunde später auf mein fehlendes Jackett angesprochen. Das wusste ich; und erklärte ehrlich und nachvollziehbar warum ich es nicht angezogen hatte: Meinen feinen Dienstanzug habe ich nämlich erhalten, als ich genau 16 1/2 Jahre alt war. Auch wenn ich, mit meiner Bewerbung beim AA – damals 29-jährig nur 2 oder 3 Kilogramm mehr wog, wie die 13 Jahre davor: Er passte nicht mehr. Die Ärmellänge stimmte nicht. Er spannte über Kreuz und/oder Brust, und so hatte ich entschieden, einen souveräneren Eindruck ohne dieses Jacket machen zu können.

Da die Einladung zu dieser Bewerbungseignung sehr kurzfristig erfolgte und die Bekleidungskammern aufgrund der Umstellung auf eine blaue Uniform sowieso seit Monaten überfordert waren, war es mir nicht möglich gewesen, schnell eine Alternative zu bekommen.

Ich war mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Mit Jackett hätte ich ausgesehen wie ein grüner Schlumpf oder schlimmer … Und diese Sicherheit und Überzeugung strahlte ich aus. Vor allem dazu aber meine riesige Portion Enthusiasmus, in welcher ich vollkommen für die Auslandskarriere der Bundespolizei entbrannt war.

Ich erntet prüfende Blicke; auch strenge. Manche der 7 oder 8 Personen der Prüfungskommission sahen sich auch untereinander an, berieten sich … bis einer mich anstrahlt und ausrief: „Ich glaube ihr!“ Das Eis war gebrochen. Meine Zusage für das Durchwinken meiner Bewerbung zum Auswärtigen Amt wurde Sekunden später ausgesprochen und unterschrieben.

Done! Happy!

Enthusiasmus ist so viel! So viel wert! So wunderbar!

Die vergangenen Jahre habe ich durchaus darum kämpfen müssen, ihn behalten zu können. Aber er ist da. Weiterhin.

Ich war nun nicht perfekt – nicht einmal den Vorschriften entsprechend – angezogen gewesen, und habe damit die erste von drei Hürden für diese Auslandskarriere geschafft. Und genauso bin ich nun auch überhaupt keine klassische Schönheit; eher bin ich faszinierend, durch meinen ganz eigenen Look, eine gewisse Niedlichkeit von Gesicht, Blick, dem was ich trage, wie ich Dinge sage … meiner Andersartigkeit, und – völlig konträr dazu – einer starken Präsenz im Auftreten. Ich bin auch nicht super-intelligent, und musste viel dafür tun, heute da zu sein, wo ich bin, weil ich da hin wollte.

Für meinen ganz offensichtlichen Enthusiasmus, – meine kindliche Begeisterung, „diese meine Geheimwaffe“ ist aber eine Sache ganz besonders wichtig: Mich langfristig ausschließlich mit Menschen zu umgeben, die ich für ihre Werte mag, bewundere und liebe. Diesem Grundsatz bin ich nie untreu geworden.

Ich bin picky was Charaktere angeht. Das war Jahrzehnte lang immer, ist und bleibt mein Weg zum Erfolg; weil, wer glücklich ist, nämlich immer erfolgreich ist.

B E A U T Y catches the attention but character catches the heart.

C H A R A C T E R is how you treat those who can do nothing for you.

T R A I N people well enough so they can leave, treat them well enough so they don’t want to.

Die Regeln für dein eigenes Leben machst immer du selbst! Je mehr du du selbst bist, und je mehr du nach deinem eigenen Wertesystem agierst, desto erfolgreicher wirst du sein. Erfolgreich, glücklich, reich.

Die richtigen Menschen finden sich. Und du gehörst dort hin, wo man mit dir fühlt, agiert, fokussiert, tut.

D R E A M S

Es gibt das Zitat, dass glücklich ist, wer mehr Träume hat, als die Realität zerstören kann. Ich glaube – und leb(t)e es, dass wir unsere realisierbaren Träume behalten sollten. Nicht daran richtig festzuhalten; aber sie zu behalten. Im Hinterkopf. Immer dann, wenn sie sich in der Gegenwart und näheren Zukunft nicht erfüllen lassen. 

Als ich Baden-Baden erstmals sah, war ich 18 Jahre jung. Ich befand mich allein auf einer privaten Durchreise vom Saarland nach Bayern, wo ich damals wohnte, und machte hier nur für eine knappe Stunde Halt. Ich wußte – fühlte – sofort, dass das „meine Stadt“ ist, dass ich hier leben will und setzte es auf meine Liste. Zu dieser Zeit war dies umzusetzen völlig unmöglich: Ich hatte meine Ausbildung bei der Bundespolizei, die damals noch Bundesgrenzschutz hieß, noch nicht einmal ganz abgeschlossen und es gab bei Baden-Baden auch noch lange keine Dienststelle für Bundespolizist*inn*en. 

Zwar gab es unweit von hier die Dienststellen für den Bahnhof in Karlsruhe und die Dienststelle in Offenburg, aber das waren für mich keine Optionen: Ein starrer Schichtrhytmus mit Nachtdienst; und ich möchte nachts gern schlafen. Da wollte ich nicht hin. Nicht einmal für Baden-Baden. Ich war überzeugt davon, dass sich andere Wege finden würden, dass ich diese gehen könne und beschloss zu warten: Mit diesem Traum im Hinterkopf. 

Im Vorderkopf und Vordergrund habe ich mich nach meiner Ausbildung zwischen 1995 —1998, die ich in Coburg, Deggendorf und Rosenheim absolvierte, voll ins Berufsleben gestürzt und meine Zeit im Einsatzzug in vollen Zügen genossen, und gekämpft. Ich habe es jedenfalls geliebt ständig woanders eingesetzt zu werden und oft wochenlang in ganz Deutschland unterwegs gewesen zu sein. Wir waren an jedem verwunschenen Zipfel im Norden, Süden, Osten, Westen, und Deutschland ist wunderschön! So wie Baden-Baden eben auch; die Stadt, die ich weiterhin blass, süß erinnernd im Hinterkopf behielt.

Noch aber – nach 2, 4, 6 Jahren – hatte sich noch immer keine Tür geöffnet, keine Dienststelle war aus dem Boden gestampft worden. Stattdessen wurde mir weiterhin auf diversen fremden Dienststellen; zwei dazu fallen mir spontan ein: Zwiesel im Bayrischen Wald und Basel Badischer Bahnhof – von deutlich älteren Kollegen gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis ich rauchen und Kaffee trinken würde, wann immer ich hustend kurz Wärme in fremden verrauchten Aufenthaltsräumen tankte, bevor ich mich mit meinen direkten Kollegen wieder lieber raus in die klirrende Kälte stellte. Wir waren ein Müslizug. Sportaffin. Rauchen und Kaffeetrinken waren wohl keine Träume und Visionen für mich – und so tue ich beides bis heute nicht. 

Mindset: gilt für Dinge die man nicht (sein) will genauso, wie für Träume. Sag ich jetzt mal ganz besserwisserisch mit meiner Erfahrung …

Mein Lieblingsfoto von mir als Polizistin.

In dieser Zeit während meiner Homebase Rosenheim und im dortigen Einsatzzug zwischen 1998—2003 reifte ein weiterer beruflicher Traum in mir heran: Ich wollte für das Auswärtige Amt als Polizistin auf den deutschen Botschaften im Ausland arbeiten. Erst eimal machte ich mich aber 2003 daran, zurück nach Baden (da Heimat) zu wollen und habe mir dafür einen Tauschpartner gesucht, der nach Rosenheim wollte. Wir fanden uns über die „Tauschbörse“ der Bundespolizei im Internet, telefonierten, tauschten unsere Dienstposten, und lernten uns 8 Jahre später einmal zufällig in Moskau kennen. André! Er hatte seinen Posten in Freiburg für mich geräumt – damit hatte ich diesen Traum erfolgreich fokussiert und zum Ziel geträumt gehabt. Und damit ging ich zugleich bewusst-unbewusst einen wichtigen Schritt bezüglich meinen späteren Posten bei Baden-Baden.  

Neben Baden-Baden und dem Ausland gab es in all den Jahren natürlich noch eine große Anzahl weiterer kleinerer und größerer Träume im Privaten, die ich schneller leben konnte, oder die zügiger platzten. Dafür ist das Leben doch da: Es aktiv zu leben, zu träumen, hinzufallen, aufzustehen … Komfortzonen verlassen, wachsen, entdecken, kommen, gehen, lachen, weinen, lieben, hassen und für viel viel Spaß. Wir haben das Leben umsonst geschenkt bekommen. Wir können daraus alles machen, oder eben nichts.

Ein erster „Versuch“ eines Mindest-Buches/Büchlein aus 2019. Aber ich werde wohl immer besser. Alte Werke vernichte ich, wie die großen Schriftsteller aber (noch) nicht.

Mindset: gilt für die die aktiv leben und die die sich leben lassen gleichermaßen. Die Wahl hast immer du selbst.

Auf Baden-Baden also musste ich knapp 10 Jahre warten. Über diesen 3-jährigen Umweg in Freiburg, wo ich bei der Grenzfahndung an den Grenzübergängen und der auf Autobahn arbeitete, konnte ich schließlich ab 2006 am Baden Airpark einen Posten ergattern, der tatsächlich ganz neu erschaffen worden war. Ein Traum! Er war völlig perfekt: Keine Nachtschichten, kein Schwerpunkt auf bahnpolizeiliches Arbeiten gesetzt … und stattdessen am schönen sauberen Kleinflughafen, gutgelaunte Geschäftsmänner, wunderbare Kollegen, und mit diesen regelmäßig zwischen den Passkontrollen Streife fahrend auf einem Gebiet von 100Km x 50Km. Das Behalten seit 1997 von diesem Traum hatte sich gelohnt.

Für das Auswahlverfahren für das Auswärtige Amt in Berlin bewarb und bestand ich dann im Jahr 2008 und war ab dann draußen: Ein Jahr Ausland, ein Jahr Baden Airpark. Ortswechsel! Für den unruhigen Menschentypus wie mich genau das was ich brauchte, brauche, und worin ich gut sein konnte und kann. Ich weiß heute, dass ich nicht glücklich sein kann, wenn ich nicht immer wieder und regelmäßig Distanz zu dem Ort gewinnen kann, der meine aktuelle Homebase ausmacht.

Im Berchtesgadener Land 1996. Rotgefärbt.

Ich hatte also für meinen Traum, in Baden-Baden leben und arbeiten zu können knapp 10 Jahre „gewartet“. Dafür, für das Auswärtige Amt als Polizistin ins Ausland gehen zu können ebenfalls 8, 9 Jahre. Jeweils eine doch ordentliche Zeit. Doch von „warten“ möchte ich nicht schreiben, da ich eben nicht passiv abgewartet habe, bis sich meine Träume doch endlich erfüllen mögen.

Ich glaube daran, dass wenn wir im Moment unerfüllbare Träume in uns tragen, wir nicht abends mit dem Gedanken daran einschlafen und morgens mit dem Gedanken daran aufwachen sollten, wie schade es ist, dass sie sich nicht erfüllen lassen oder wann dies endlich der Fall sein kann.

Ich glaube daran, realistisch abzuschätzen, ob und wann die Erfüllung dieser Träume überhaupt der Fall werden kann, diese Träume im Blick zu behalten und bis dahin ein so aktives und buntes, spannendes Leben zu leben, wie nur möglich. Wir sollten uns an allem anderen erfreuen, neue Fähigkeiten erarbeiten, lernen, leben, sprudeln … anstatt uns damit aufzureiben, warum das ein oder andere nicht oder nicht früher in unserem Sinne funktioniert. 

Ich hatte einmal einen Kollegen, der Jahre gejammert hatte, dass er doch endlich befördert werden müsse. Und als es endlich so weit war, dachten alle Kollegen und ich, dass er sich masslos darüber freuen würde. Hat er nicht. Wir haben uns mehr für ihn gefreut als er sich selbst. 

Leb’ dein Leben im Jetzt. Und dann freust du dich auch auf alles was noch kommt. Fokussiert, sehr oft genau darüber, wovon du träumst.

Düsseldorf am Rhein.

Es gibt das Zitat, dass Träume ohne Aktion nur Visionen seien. Ich habe die Erfahrung gemacht und halte deswegen daran fest, dass sich Dinge 1.) durch unser Mindest fügen, und 2.) wir allein durch das Behalten von Träumen, die sich im Moment nicht umsetzen lassen, bereits ganz unbewusst an dieser Sache dranbleiben und aktiv verfolgen, genau dafür aktiv tun.

Warten ist wichtig, weil das Leben uns öfter prüft. Und für besonders Ungeduldige und Hyperaktive so wie mich, ist es der perfekte Weg, das Warten in den Hinterkopf zu schieben und im Vordergrund fröhlich frei – auch mal gefrustet bockig – anderem nachzugehen. Warten darf sich für mich niemals wie Warten anfühlen, sonst verliere ich vollkommen die Lust und erreiche sicherlich irgendwann den Point of no Return. Zum Glück sind wir alle anders. Und jeder finde seinen ganz individuellen Weg.

Bundesgrenzschutz-Führerschein

Seit 2019, dem Beginn meines Studiums, spreche ich nun bereits mit meinen wenigen Freunden darüber, dass ich Sibirien erleben will. Ein neues „Warten“. Ein neuer Traum. Und seit ich 2012/13 im Iran lebte, fühle ich mich zu der persisch/arabischen Kultur und den Menschen dort hingezogen. Besonders zu den Frauen und ihren Schicksalen: Frauen, die dort bis zur Vollendung ihres 40. Lebensjahres nicht frei reisen durften. Frauen, deren Körperteile dort, so sie bei einem Autounfall verletzt wurden, weniger Schmerzensgeld kosteten, als die Körperteile eines Mannes. 

SchulMädels in Schiras.

Das Abitur habe ich nachgeholt, weil ich keine 2016 keine Ahnung davon hatte, was ich nach der Polizei machen wollte. Zu groß war der Schock, und das 4 Jahre lang, dort die Auslands-Karriere verloren zu haben. Abwartend, was sich zwischenzeitlich fügen könnte, und aktiv in Feinkostläden und im Breidenbacher Hof in Düsseldorf arbeitend, bin ich von hier weggezogen gewesen und halt mal zur Schule gegangen.

Die Bundespolizei war ganz viele Jahre lang ein Traumberuf für mich gewesen; zuletzt aber vor allem noch aufgrund meiner Auslandsaufenthalte. Und inzwischen weiß ich, dass es genau das Richtige für mich gewesen ist, den Beruf aufzugeben, nachdem meine Auslandskarriere „gescheitert“ war. Am Baden Airpark gibt es inzwischen Nachtschichten, „mein“ alter Stamm ist größtenteils nicht mehr dort, und das Leben fließt sowieso – und damit gilt es mitzufließen. 

Unsere Träume aber, das weiß ich, haben wir selbst in der Hand. Und wenn es 10 Jahre dauert.

Abschluss mit meinen Mitschülern des Abendgymnasium in Düsseldorf.

Während meiner Zeit auf dem Abendgymnasium in Düsseldorf (Meine Fitnesstrainerlizenz hatte ich in der Verzweiflung, meine Auslandskarriere verloren zu haben, auch noch gemacht;) habe ich mich dann irgendwann für mein jetziges Studium entschieden. Kunstgeschichte hatte mich deswegen begeistern können, weil es so breit aufgestellt ist, wie kaum ein anderer Studiengang: Von der Antike bis zur Moderne; von Malerei, über Fotografie, Skulptur bis hin zur Architektur. Aber, da ich bereits Hornhaut auf dem Hintern habe, mag ich nicht mehr sitzen. Und was ich mit diesem Bachelor machen werde, weiß ich auch noch nicht.

Und bereits während meiner 2 1/2 Jahre in Düsseldorf habe ich über ein Leben in Genf in der Schweiz nachgedacht. Mich dann aber doch für Freiburg und die Nähe zu hier entschieden. Nun wohne ich seit gut einem Jahr wieder in Baden-Baden, studiere – trotz Hornhaut – gerade noch fertig, und habe nun eben Genf, mittlerweile auch Zürich im Hinterkopf. Ich weiß aber auch, dass ich ab nächstem Sommer erst einmal ganz andere Träume verfolgen will: Aktion. Bewegung. Am besten jeden einzelnen Tag woanders sein und kein einziges (wissenschaftliches) Buch lesen müssen.

Sibirien, auf das ich nun auch schon wieder seit drei Jahren „warte“, die persische/arabische Welt, die mich fasziniert und berührt, seit ich ein knappes Jahr lang so wundervolle und auch prägende Erfahrungen mit den Menschen dort gemacht hatte, und Frauenthemen in den Krisengebieten der Erde: Aktiv erlebend, fotografierend als Fotografin und journalistisch darüber schreibend. 

Was danach oder dabei in der Schweiz, in Deutschland oder wo auch sonst immer kommt, wird sich finden und dann werden sich die Türen dafür öffnen. So denke ich!

Paris Pont Neuf

Ich glaube an Enthusiasmus, aktiv zu verfolgen wofür man brennt, anzuecken, weil man sich selbst sein will und erreicht werden soll, dass Puls in die Gesellschaft kommt; und daran, dass wenn sich zu viele Widrigkeiten auftun, wir Umwege finden werden und vorübergehend einen anderen Traum aus dem Hut zaubern können. Oder 2 oder 3.

Ich zumindest bin niemand, der in einem goldenen Käfig leben wollte und will und habe im Iran in einem Raum auf dem blanken Boden mit 4 Iranerinnen und 3 Iranern geschlafen. Mich von meinen geliebten, gelebten Extremen wegzubringen ist so unmöglich, wie ein Zebra zum Springpferd auszubilden. Bei aller Liebe zur Persönlichkeitsentwicklung: Wenn jeder so lange an sich herumentwickelt, wie es aktuell En Vogue sein soll und sich gehört, sind wir irgendwann alle genau gleich. „Tolles Ziel“!

Ich bin, und sei du doch auch niemand, den man ausbremsen kann, jemand, der seinen Weg geht. Der Traum im Hinterkopf jedenfalls findet den Weg zum Ziel. Auch über ein Jahrzehnt. 

Gönneranlage Baden-Baden

Look at „Krisengebiete“

Hengameh

Als ich 2012/13 für knapp 10 Monate im Iran lebte und arbeitete, bin ich in der freien Zeit im Winter Ski im Elburs-Gebirge gefahren; im Frühjahr, Sommer und Herbst gereist. Auch allein.

Obwohl die deutsche Botschaft (für die ich arbeitete) vor Inlandsflügen gewarnt hatte, wollte ich fliegen und bin geflogen: Schiras ist eine absolut sehenswerte Stadt im Süden und ich lebte im Norden (Teheran). Ohne Flug hätte eine Reise viele Tage gedauert; so lange hatte ich nie frei.

So fand ich mich als einzige Europäerin in einem kleineren Flugzeug voller iranischer & irakischer Männer, und hatte in Schiras eine schöne und intensive – auch angestrengte Zeit. Wie in diesem ganzen Jahr ins Iran.

Mariam & Noura, die Mädchen auf dem Foto, hatte ich zufällig in einem Park getroffen und sie haben mich zu sich nach Hause, zu ihren Familien, zum Essen eingeladen. Es gab Spaghetti und wir aßen, traditionell im Schneidersitz sitzend, auf dem Boden.

Persepolis (UNESCO Welterbe) habe ich von Schiras aus ebenfalls besucht.

Ich bin nicht lebensmüde. Überhaupt nicht. Doch glaube ich an Offenheit und daran, sich von Menschen & Kulturen ein eigenes Bild machen zu können, und dies auch zu müssen, so oft es geht. Medien traue ich spätestens seit der Zeit nicht mehr, seit ich mir vom Iran ein eigenes Bild machen konnte.

Maranjab Desert

Das Buch von Lynsey Addario war sehr inspirierend.

Eine bewundernswerte, wunderbar getriebene Frau mit Berufung. Ich habe es am Wochenende gehört und den Irak für 2022 auf meine Reiseliste gesetzt. Es gibt keine Touristenvisa für dort, aber es gibt Menschen, die Wege fanden; und genau das werde auch ich. Die Welt besteht nicht nur aus Schönheit und Luxus. – Diese aber ist/sind (m)eine wundervolle und essentielle Blase.

Es möge jeder finden was ihn antreibt. Es möge sich jeder ein eigenes Bild von den Menschen, dem einzelnen Menschen, Kulturen und Ländern machen. Und es finde jeder das gut, was er zu lieben gelernt hat, wofür sein Herz schlägt; ohne die Wünsche, Bedürfnisse und legalen Getriebenheiten anderer zu verurteilen.

PS: Bei der Polizei wurde ich auch mal „Prinzesschen“ genannt. Dabei aber stets von solchen, die nie in Krisengebieten waren.


C H O O S E

Sommer oder Winter.

Regen oder Sonne.

Familie oder Freunde.

Business oder Privatleben.

Schnell oder langsam.

Zufriedenheit oder Bewegung.

Schicksal oder Wille.

Feuer oder Wasser.

Links oder Rechts.

Allein oder gemeinsam

Stadt oder Land.

Haus oder Wohnung.

Teppich oder Parkett.

! oder ?

Schokolade oder Vanille.

Hund oder Katze.

Meer oder Berge.

Kunst oder Realität.

Offen oder geschlossen.

Süß oder sauer.

Heiß oder kalt.

Tag oder Nacht.

Gestern oder morgen.

Silber oder Gold.

Klasse oder Masse.

Alt oder neu.

New York oder Paris.

Zürich oder Genève.

Baden-Baden oder Baden-Baden.

Der jüngste – da letzte imposante – Prachtbau um 1900, am ehemaligen Millionenhügel der Stadt. Davor: Ein anderer Traum.

Glückwunsch Kleinstadt

Glückwunsch Kleinstadt! Du bist heute als neues UNESCO Weltkulturerbe bestimmt worden. Verdient. Du bist bezaubernd und reich und schön! Du bist historisches Gut und trägst ein unfassbar reiches Erbe.

Rosenneuheitengarten am Beutig

Ich bin dir Baden-Baden als Stadt, dafür dankbar, dass ich zwischen 2006-2015 wunderschöne Jahre mit dir hatte. Bezaubernd. Bereichernd. Top-gepflegt. Und ich bin dir dankbar dafür, dass ich seit einem Jahr, noch für ein weiteres mehr hier leben will und werde. Wir werden eine fabelhafte Zeit miteinander haben. Ich sauge dich und deine Schönheit, die man vielerorts findet, mit jedem Atemzug dankbar und glücklich ein.

Du hast die Wahl zum Weltkulturerbe mehr als verdient.

Ich freue mich besonders darauf, dass die Welt in Zukunft ein Auge auf dich haben wird. Ein wenig Charme hattest du in den vergangenen Jahren durchaus eingebüßt. Als jemand, der immer wieder jahrelang von dir weg war, kann ich dies vielleicht besser beurteilen, als jemand, der dich und deine Schönheit täglich vor Augen hatte und hat.

Ich wünsche mir, dass nun wieder mehr Augenmerk und Sorgfalt auf all deine Wege und Straßen gelegt wird. Ich wünsche mir ein achtvolleres Vorgehen auf deinen Wiesen. Ich wünsche mir, dass wir zu der unglaublichen Gepflegtheit zurückkehren können, die vor Jahren an der Tagesordnung ganz oben stand. Alte Werte – neu gelebt: Muße, Ruhe, Zelebrieren, Achtsamkeit, Schönheit. Und den 6. Kandelaber zurück vors Kurhaus.

Was ich weiß ist, dass wenn ich in einem Jahr hier wieder weg bin, du in guten Händen sein wirst und sich um dich gekümmert werden wird. Du hast nun einen ganz besonderen Titel. Ich liebe dich! Und gäbe 10 Jahre meines aktuellen Lebens für 2 Jahre im 19. Jahrhundert mit dir.
Für die Welt bist du nur eine Kleinstadt. Für mich warst, bist und bleibst du – ganz egal wo ich war, bin und sein werde: mit deiner Architektur, deinen Gärten, deiner Natur, deiner Geschichte – die Welt!