Blue moon

Wenn das Leben ungerecht zu dir ist, dich stresst, es zwickt oder zu langweilen versucht, schnappst du dir Hund und Auto und fährst raus ins Blaue. Ins Nachtblaue, um genau zu sein. Sternenklar am liebsten – nicht sternhagelvoll.

Dein rosafarbenes Strickjäckchen angezogen – die Handbremse von deinem hellblauen Bentley gelöst. Er ist 30, luxusklassig und bestechend wunderschön. Klassisch-elegant, wie du es magst.

Auf orangefarbenem Leder, auf dem Beifahrersitz neben dir thront voller Anmut „Randy Andy“, dein silberfarbener Windhund. Sie ist eine Dame und ganz Diva, dabei zerbrechlich zierlich, klein und fein. Randy Andy trägt ein schmales Samthalsband mit tiefblauen Saphiren. – Mehr wert als der ganze lieb verehrte Edel-Köter. Die vornehme spitze Nase reckt sie arrogant in die Höh. Du musst grinsen. Göttlich!

Ihre schlanken langen Schlappohren schlackern wie freudig erwartend im kaum vernehmbaren Fahrtwind, als du, die Fenster zur Hälfte geöffnet, die heisse Fahrt im noblen Wagen aufnimmst. Euer letzter Ausflug ist Wochen her.

Luxuriös, mondän und gebremst zurückgehalten grummelt dein bestes Stück tief und majestätisch durch die schlafenden Straßen der Stadt. Langsam. Achtsam. Du kannst ihn kaum halten. Ihr wollt raus. Euch austoben. Und die rund 400 PS zucken an jeder roten Ampel nervös unter euren Hintern. Pure Vorfreude. Und Randy Andy juchzt und jault vor Freude spontan auf, als ihr die letzten Häuser der Stadt hinter euch lasst. Autobahn, linke Spur: hier seid ihr!

Du schliesst die Fenster und gibst Gas. Supersonic-Status. Über euch das marineblaue Firmament. Blue moon – blue mood. Und der Geruch von edlem Leder und frisch gebadetem Hundemädchen erfüllt deine Nase. Sie riecht nach Rosen. Schwülstig, tiefrot und satt. Der irre Sound des sportiven Engländers reißt dich aus deinen Gedanken und begeistert deine verwöhnten Ohren. Ihr brettert durch die Nacht. Die Straßen gehören zu euch. Einmal Flensburg – Konstanz? Einmal Passau und zurück? 

Dir ist warm. Und das Dauerlächeln verschwindet nicht von deinem wachen Gesicht. Der Hund im Trance.

Zwei Stunden später döst die zarte Schönheit auf deinem rosé Strickjäckchen, welches sich mit dem satten Orange des Leders streitwillig beißt. „Gebt Ruhe ihr beiden! Laßt die Kleine schlafen!“ Du hast den starken Motor gedrosselt und fährst den erlesenen Briten vorsichtig durch die letzten Kilometer. Sieht euch wer? Ihr seid anonym! Gekonnt parkst du ihn ein – bis zur nächsten Nacht – in Wochen – Monaten – und nimmst dein leise schnarchendes Mädchen sanft auf den Arm.

Zauberhafte Nacht! Vergessen ist der Ärger. Wer braucht den schon, wenn er einen solch geschmeidigen Engländer hat? Randy Andy nickt im Schlaf.

Text & Foto: PetissaPan

Small talk

Je schneller und intensiver du innerhalb der Gesellschaft gelebt hast, desto endgültiger kommst du irgendwann einmal an einen Punkt, an dem dich dortige zwischenmenschliche Oberflächlichkeiten, Gespräche, und auf Körper reduzierte Schön- und Nettheit und Lust(igkeit), nicht mehr berühren, entführen oder einlullen können. (PP)

Text & Foto: PetissaPan; Noch mehr als die Vogue, mag ich die Elle.

White Crystal

Der Flur war riesig. Er war breit, lang und hatte bestimmt zehn Meter hohe Decken. Darin das sanft gedämpfte Licht und das besonders geschmackvolle Mobilar. Das Charakteristische aber waren die langen, bis zum Boden reichenden weißen Vorhänge aus Leinen. Diese schwangen, in dem so angenehm klimatisierten Gang, langsam elegant hin und her.

So wie sich zeitgleich Draußen, bei über 35 Grad plus, gut gebräunte Körper träge in stolzer Sonne drehten.

Dazu, trotz der weit geöffneten Türen, die unverwechselbar parfümierte Raumluft nach geeister Minze. Dieser so besondere Flur, war zu ihrem schönsten Urlaubserlebnis hier geworden. Diesen Gang entlang zu gehen. Wie oft sie das getan hatte. Allein. In staunender genießerischer Ruhe. Sie und der imposante Hotelflur, der so gut duftete.

Während sich am Pool gedrängte Menschen im grellen Sonnenlicht, in Salz und Schweiß, und dem Geruch nach teurer Sonnencreme, daneben und laut gebärdeten.

Sie wünschte, sie hätte genau diesen Hotelflur, diese Ruhe in Noblesse, und genau dieses Gefühl, dort entlang schreiten zu können, für immer konservieren können.

I’m very down to earth, just not this earth.


Karl Lagerfeld

Text & Foto: PetissaPan

Delano Miami Beach

Hot Dog

Schrecklich anders, und all die vielen Motten um grelles Licht. Bespaßt und fasziniert, Optimismus versprüht. Bestaunt, wie ein fremdes Tier in einem Käfig. Sonnenschein, der du Regen und Frühlingstemperaturen liebst.

Nur, für deinen Kern hat sich keiner je interessiert.

Verwirrung dafür, ob tausender Facetten. Du herrlich schönes Kaleidoskop. Macht den Mund zu, alstublieft! Befremdet, anhand einer Vielseitigkeit, die stets unberechenbar blieb und bleibt.

Vorbei was war. Weil zarte Gegenwart, beflügelnde Vergangenheit stets küsst, verlässt und ruhen läßt.

Flüger Flamingo am Flügel, mit Stift und Pinsel bewaffnet heut‘. Und mach‘ den Jagdschein, du lecker Ding!

Lieb‘ deine Ex-Kollegen, bis auf den einen, der deine Karriere auf dem Gewissen hat. Hasse deine Ex-Freunde, bis auf den einen ganz Besonderen.

Wähl CDU/CSU, gehör‘ nicht dazu. Entdecke, dass Frauen meist sehr viel besser küssen, als es Männer tun, sei widerspenstig, denke selbst, handle aktiv, vergesse, doch verzeihe nicht.

Rotzlöffel!

Gut so!

Kind im Herzen. Polizist im Kopf.

Glamour ist was du wie machst!

Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.

Marc Twain

Text & Foto: PetissaPan

PolizeiLiebe. Hier 1999.

Rose emotif

Weicher Fall in offene gebende Arme. Hand und Herz. Frei verbunden mit ihnen, wie durch beinahe unsichtbare Pastellbänder in den hübschesten Farben des Frühlings, Sommers, Herbstes. Glöckchenklare Winter, in der sie eine warme Sonne, wie aus einer anderen Welt, für dich strahlen. 

Aber sonst nur höflich distanziert. 

Sanfte Gesten, scheuer Blick, und zu anfangs ebenfalls, diese zaghaft filigranen Schritte. Tastend. Gespielt forsch vielleicht auch. Nicht ausbalanciert. Toll gepatscht! Im Inneren jedoch elfengleich im Feenreich, da so verwundbar und weltfremd. Und wer das nicht erkennt, mag sie bereits dann schon wieder unwiderruflich verloren haben. 

Ein Künstler sollte reif für die beste Gesellschaft sein, um sie meiden zu können.

John Ruskin

Text & Foto: PetissaPan

Einmal ist keinmal

„Und dort unterm Neonlicht küsste er sie ein erstes Mal. Sie hatte etwas VanilleEis an ihrer Oberlippe gehabt, das er mit seinem Daumen vorsichtig wegwischte. Dabei sah er ihr tief in die Augen, und sie in die seinen. Versinkend, im dunklen Blau. Sein Kuss schmeckte kühl und soft.“

Zehn Küsse werden leichter vergessen, als ein Kuss. (Jean Paul)

Text & Foto: PetissaPan; Aus meiner Novelle in 2015.

Lust

Mit großem Herzen, dem Sinn für verspielten Humor, der Gabe, jeden Menschen genau gleich sehen und behandeln zu können, gönnen zu können, unerschöpflicher Energie, und der dir angeborenen, und geförderten, Unbescheidenheit, sagst du dir genau folgendes: go and be selfish. (PP)

Text & Foto: PetissaPan

Galopp

Du kannst hundert Mal an feinen kleinen Blümchen schnuppern. Hundert Mal in einem lauwarmen Frühling, einem langen Sommer, voll Freude und Lebenslust. 

Du kannst barfuss verträumt über Wiesen schlendern. Dir Gänseblümchenkränzchen für dein Haar binden, von pinken Limousinen und dem Prinzen auf dem weißen Pferd träumen.

Du kannst süßen Milchreis und Heiße Schokolade lieben. Im Café um die Ecke genauso, wie im 5-Sterne-Hotel, wo andere besten Rotwein trinken und Tomahawk dazu essen.

Liedchen trällernd Pilze und Blaubeeren pflücken gehen.

Und du kannst ganz wunderbar darauf pfeifen, dass Rosa und Flechtfrisuren angeblich in die Kindheit gehören sollen, und Lila der letzte Versuch sei.

Tagträumen.

Dich in blumigsten Phantasien verlieren.

Und – umgehend – zu sahnigster Butter, weich, anlehnungsbedürftig und herzenswarm, in den Händen, in der Gegenwart, der Richtigen für dich werden.

Und engelsgleich lächeln kannst du erst! So, als könntest du kein Wässerchen trüben. Was du sehr wohl kannst. Nicht hingegen: ausgebremst werden.

Von wem.

Von was.

Wann und wo, auch immer.

In der grünen Vergangenheit, dem sonnigen Heute, dem optimistischen Morgen. Ausbremsen ist dein Deal-Breaker. Dein kratziger Rollkragenpullover. Dein gestohlener Sommer in Düsseldorf. Wie Spinat zwischen den Zähnen.

Etwas, das dich, augenblicklich und unsanft holprig, aus hundertjährigem wunderschön verträumten Dornröschenschlaf reißen wird. Purzelnde Walderdbeeren auf Asphalt.

An der Spindel gestochen, Liebster!

Du springst auf die hübschen kleinen Füße.

Und bist aus der Tür.

Ganz wach. So plötzlich. 

Weil wer dein Tempo nicht laufen kann, muss dich gehen, rennen, reisen, brennen, galoppieren lassen.

Wo keine Freiheit ist, wird jede Lust getötet. (Goethe 1749 – 1832)

In Paris sollte man leben & lieben lernen.

Text & Foto: PetissaPan

Lilablassblau

“ Die ersten Stunden und Treffen der beiden, waren wie von einer merkwürdigen Steifheit getragen gewesen, die ihr nicht einmal ansatzweise je so widerfahren worden war. Es war nicht von Anfang an so, dass sie einen guten Draht zueinander gehabt hätten, welcher das Gefühl vermitteln hätte können, wie zwei Zahnräder ineinanderzugreifen. Aber sie fanden dieselbe Frequenz, und hatten in der Folge unbefangene Wochen. „

Behind every exquisite thing that existed, there was something tragic.

(Oscar Wilde)

Text & Foto: PetissaPan; Aus meiner ersten Novelle in 2015.

Paris

Alpha

Dreamy. Cosy. In zartem Kleidchen, harten Schuh. Das bist du.

Selbst die Uhr läuft hübsch nach deiner Zeit.

Obsession für Freiheit.

Text & Foto: PetissaPan; Oder wie die DFB-Frauen es benennen würden: „Wir brauchen keine Eier. Wir haben Pferdeschwänze.“

Jardin des Tuileries