Schall & Rauch

Turgenev erneut, weil es so schön war:

Als ich in den Jahren 2010 und 2011 für eines in Moskau wohnte, fiel mir auf, wie jeder Russe mit dem ich dort ins Gespräch kam, meinen Wohnort Baden-Baden kannte.

Nun ist Baden-Baden, gerade in meinen Augen, zwar besonders schön, aber doch an Größe, Einfluss und Bedeutung nicht mit vielen größeren Städten Deutschlands zu vergleichen. Verschwindend klein ist es, mit Luxus, der immer noch bescheiden punktet und den Stadtpuls mit viel Herz schlägt – ihn durchaus auch über die Landesgrenzen hinaus trägt.

Die Popularität dieser badischen Kleinstadt ist allerdings unter anderem – neben Thermen und Casino nämlich – vor allem Schriftstellern wie Turgenev und auch Dostojevski zu verdanken.
Turgenev lebte dort für einige Jahre.
Sein Roman „Rauch“ ist Schullektüre, so wie die deutschen Teenager Goethe und Kafka vertieft lesen, locker überfliegen, genervt wiederkäuen, innig lieben oder sich mit einem geistigen Kraftakt hindurch quälen müssen.

In „Rauch“ geht es mal wieder um die unerfüllte Liebe, der sich die alten russischen Schreiber so gerne wie gekonnt hingeben und sie liebe- wie schmerzvoll verkünstelt, wie auf rosarote Wolken schreibend, auf ganz gewöhnliches Papier bringen. Damit Stunden versüßend, – wie mit Kirschmarmelade gesüßter schwarzer russischer Tee.

„Laß doch dieses abscheuliche Baden-Baden und reise mit uns ab, befrei dich von dieser Verzauberung, vor allem aber: Hab Mitleid, hab Erbarmen.“
(Ivan Turgenev; „Rauch“ (1867))

Plätze, die, wenn wir sie kennen, hier lesend mit Leichtigkeit erkennen.
Personenbeschreibungen, die immer detailverliebt und oft humorvoll gewitzt daherkommen, bei ihm: Turgenev.
Die große Liebe über Stände: rasch, atemlos, wollend, – die die kleinere, vermeintlich gewöhnliche zerstört .. Welche jedoch still und stolz überdauert, hält, am Ende dann doch Bestand hat und sich erfüllend findet, fügt.

Ein Buch voll Sympathie und Antipathie für Menschen, und einer Liebe für einen besonderen Ort.
Wie Canetti meint, dass wir bei Menschen immer nur über ein paar wenige reden, sprechen, sinnieren vielleicht, so geht es mir selbst mit Städten:

An 20 oder 21 verschiedenen Plätzen, im In- und Ausland gewohnt, und spreche doch fast immer nur von einem: Baden-Baden.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Meer aus Fahrrädern vor der Universitätsbibliothek Freiburg)

Werthers Echter

Verrückt muss man sein, für die Liebe seines Lebens sterben zu wollen, nicht?

Was das soll das überhaupt sein: Die Liebe des Lebens, die Mann (Frau auch) niemals gelebt hat und sich da einfach irgendwas zusammen phantasiert – idealisiert?
Womöglich können wir den anderen nicht wirklich riechen, wie er das mit der Zahnpastatube handhabt macht uns kirre und im Alltag ist er auch in so manchem mehr Tier als Mensch.

Je emotional reifer wir werden, desto klarer wird uns womöglich werden, dass es zwar immer weniger Menschen gibt, die wirklich mit dem Herzen und im Alltag zu uns passen, aber es DIE eine Liebe auch nicht sein muss, weil es die nicht, dafür genügend andere gibt. Das, weil EIN Mensch in der Regel doch genügt. Und dafür gibt es mehr als genug.

Goethe sah das anders: In seinem von schmerzlichem Herzeleid getragenen Roman „Werthers Leiden“, in dem er seine ganz eigene, in Selbstmitleid versunkene Sehnsucht nach einer Unerreichbaren zum Besten gab.

„Ich suchte Lottens Augen! Ach sie gingen von einem zum andern! Aber auf mich! mich! mich! der ganz allein auf sie resigniret da stand, da fielen sie nicht!“
(Die Leiden des jungen Werthers“ Johann Wolfgang von Goethe (1787))

Strebsame Erwartungshaltung und Verzicht scheint eben doch nicht der größte Genuss zu sein, so Mann (Frau) nicht damit umgehen kann.

Ich liebe dieses Buch. Mal wieder eins. Herrlich und herzlich versunken in Liebe mit viel Sehnen – ganz ohne fruchtende Leidenschaft. Stupide unerfüllt, sich selbstquälend, da am Unmöglichen festhaltend, bis zum Unausweichlichen.
Wie gut, dass Goethe, anders als im Buch keinen Selbstmord begangen hat und seine Nachwelt noch mit dem ein oder anderen Kassenschlager inspirieren konnte.

Goethe, ja. Wenn ich mir so anhöre und anlese was man gemeinhin über sein Leben, sein Wirken, seine Persönlichkeit sagt, sind mir seine Werke bei Weitem lieber, als mir sein Charakter noch sympathisch werden könnte. Von Beerdigungsvermeidung über grenzenlosen Egoismus bis hin zu unfeiner Feigheit und labiler Schwäche ist da die Rede.
Nun gut, wer kannte ihn schon persönlich? Ist alles kalter Kaffee von gestern, angerührt mit einer Prise munterer Mutmaßung und wissenschaftlichem „Möchtegern-Ich-seh-ihn-aber-so“.

Werthers Leiden hingegen Schwarz auf Weiß und wie in Beton der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft gemeißelt, bestechen und bestehen mit wahrhaftem Wehen eines vor Verlangen verrückt Gewordenen.

Diese Art dieser Verrücktheit darf uns, buchtechnisch ausgenommen, aber einmal ganz gut und gern gegen den Strich gehen.
Ich lobe mir da die gesünderen Verrücktheiten wie sie Alice im Wunderland oder Peter Pan erleben und sich erlauben. Selbst ein Sir Richard Branson gibt optimistisch an, dass er von Peter Pan sein ganzes Leben und Wirken inspirieren ließ. Nonchalant und verspielt, der Richard Rich.

Und ja: Verrückt, anders, einen kleinen Knall zu haben finde ich ebenfalls wunderbar und bisweilen erfrischend charmant. Ob das allerdings die besten Menschen sind, lassen wir freilich einmal dahingestellt. Auf jeden Fall aber, haben sie jede Menge Leben, Lachen und Spaß!

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Auslage im Buchladen unweit des Martinstor in Freiburg/Breisgau. Gesehen. Für interessant befunden. Nichts gekauft.)

Feine Liebe

Wir alle haben sie: Unsere erste wundervolle Liebe. Ob mit emotionalem Happy End, rationalem Vernunfts-Ende, Herzschmerz mit schachtelweisem Pralinen-Konsum, nachdem schließlich alles in einer Tragödie endete: Egal, sie war und musste gelebt werden! Ein scheues und gewitzt neugieriges Tasten in eine unbekannte Welt der Seele und Körper.

Ivan Turgenev hat darüber ein ganz hübsches Buch geschrieben. Mehr als 150 Jahre alt inzwischen und herrlich sehnend, wehmütig, mit Herzensschwere und natürlich ohne Happy End, wie es die Russen – mindestens die alten bekannten Schriftsteller – in ihrer gelebten Melancholie eben liebten, taten, gern umschrieben.
Schwelgen im Schmerz. Und mein Vanille-Eis schmilzt in der Sonne, tropft auf’s 60er-Jahre Dress.

Meine erste Liebe ist schon so einige Jahre her, und dennoch: manchmal denke ich noch an sie. Und immer gern, wie wirklich jeder den ich kenne. So unschuldig, vorsichtig, neu und entfesselt frei nämlich, wie „manch jeder“ sich wünschte heute noch einmal an eine Sache herangehen zu können.
Ich kann sagen, dass ich mir das Unbeschwerte erhalte, solange alles entweder schwarz oder weiß ist und ich nur bei schwammigen Grauzonen anfange zu schwimmen, mich schnell und deutlich beginne unwohl zu fühlen und mich eher früher – selten später ziere, winde, zurückziehe, da die Leichtigkeit geht und fehlt. Die, mit der alles steht und fällt eben.

So wie uns manch einer versucht diese Leichtigkeit mit Absicht zu nehmen.
So das Zitat Turgenevs und von Leichtigkeit schreibt er in „Erste Liebe“ auch besonders fein:

„Ich war ein Verliebter. Ich sagte, dass seit jenem Tage meine Leidenschaft angehoben habe; ich könnte indes hinzufügen, dass mit dem gleichen Tage auch mein Leiden begonnen hatte.“
(„Erste Liebe“ von Ivan Turgenev (1860))

Vladimir, süße 16, verliebt sich in die fünf Jahre ältere Nachbarin Prinzessin Zasjekina, die er, von unbekannten Gefühlen übermannt, naiv, unerfahren und sanft zu umwerben versucht.
Für Zasjekina aber ist und bleibt er damit und wer er ist ein Kind.
Sie läßt sich etwas schmeicheln, spielt mit ihm, formt ihn sich und hält ihn zum Narren wie sie ihn braucht, bis sie seiner schnell überdrüssig wird und ihr Interesse Vladimirs Vater und später einem reichen Monsieur gilt, mit dem das ganze Drama auf die Spitze getrieben ein unschönes Ende findet.

Die erste Liebe mag viele Jahre her sein, doch sicher sind wir alle sehr viel selbstbewusster, bewusster und sicherer im Umgang mit ihr im Allgemeinen geworden. Auch darin, auf die Meinung eines anderen nicht mehr Wert zu legen, wenn es sich dabei lediglich um einen Narren handelt, der unserem Glück, unserem Leben, unseren Plänen und unserer Liebe schlicht im Weg steht.

Das wünsch ich uns allen: Liebe zu leben, wie beim allerersten Mal!
Und Dummköpfe auszubremsen oder einfach unbeachtet im Dunkeln lachen zu lassen und für uns dort zu belassen.
Und Turgenev tat das sicherlich genauso.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Turgenevs Kurzprosa lesend – im Gras vor dem Theater in Freiburg im Breisgau)

Plüsch & Kristall

Der bitterböse Bernhard hat mir einmal mehr und gut und gern den Tag versüßt: Die österreichischen Geißlein und der große einsame Wolf!

Nur wie heißt es so gewußt:

„If you can’t face the wolf, don’t go to the forest“.

Tja, dass es im Wald und Dickicht gefährlich ist, lernen wir dank Rotkäppchen spätestens in der Vorschule und selbst ich, die im düsteren Schwarzwald aufgewachsen ist und heute am allerliebsten an dessen Rand wohnt, jogge selten dort allein und führe mir lieber die Bücher eines österreichischen Eigenbrötlers zu Gemüt, während ich mitten unter freundlichen Menschen sitze und mir Mühe gebe selbst einer davon zu sein.

Zugegeben, das Böse hat manchmal eine Faszination, der sich so mancher, zumindest lesend, nicht entziehen mag und mir geht es auch so. Lest Thriller, lest Krimis, ich las von Dienst wegen die Berichte der Verbrechen auf den BKA-Blättern und heute – und dies mit Begeisterung – Bernhard.
Vergnüglich und mit großer Eigenwilligkeit was seine Sprache und den Ausdruck angeht: Denn kratzen mich die offensichtlich gekonnt verschachtelten Sätze bei Kafkas Werken, streicheln mich die endlosen Atemzüge ohne Punkt eines Bernhard.

„Das Wahrscheinliche, das Unwahrscheinliche, ja das Unglaubliche, das Unglaublichste wird ihm (Dem Gerichtssaalberichterstatter), der damit, dass er über tatsächliche oder über nur angenommene, aber naturgemäß immer beschämende Verbrechen berichtet, sein Brot verdient, an jedem Tag im Gericht vorgeführt und er ist naturgemäß bald von überhaupt nichts mehr überrascht.“ (Auszug aus „Exempel“; Thomas Bernhard)

1.) Wir stumpfen klar ab, wenn wir nicht aktiv dagegen arbeiten, um weich bleiben zu können. Minus!
2.) Wir gewöhnen uns an Schachtelsätze, wenn wir offen sind. Plus!

Ich bin (noch) kein Wissenschaftler was die deutsche Sprache und Literatur angeht, sondern habe bislang einfach nur ganz großen Spaß daran und Biss dafür. Ich interpretiere hier frei, subjektiv wie eigentlich „manch jeder“ und beschäftige mich selbst in regelmäßig schlaflosen Nächten damit, weil Literatur was Wunderbares ist.
Und Wissenschaft? Sicher, nur noch bin ich nicht drin und zu viel Korsett und wissenschaftlicher Gedanke machen vielleicht den Freigeist ohnehin etwas kaputt, und so genieße ich gerade ein freches Zupfen an der langen Leine.

Eines samstagmittags – heute – sitze ich also im Sonntagskleid auf einer grünen Wiese, im grünen Freiburg, am Platz der alten Synagoge und verirre mich erneut in der Gedankenwelt eines ganz großen Prosaisten, während die Sonne den bleichen Teint küsst und rötet und der kunterbunte CSD seine Aufstellung direkt vor mir findet.
Tatsächlich bin ich amüsiert: Zugegebenermaßen in doppelter Dosis, da mich sowohl der Umzug belustigt, an dessen, gerne und gut halbnackten Teilnehmern, meine Blicke immer wieder fasziniert-irritiert festhängen, bevor ich zurück in Stille und eine andere Welt sinke: Die der Häme, der Hinterhältigkeit, der Schadenfreude, des Zynismus und der ungezügelten Boshaftigkeit nämlich. Und alles so gekonnt, dass es schlecht niemals sein kann. Offen und frei vielmehr.

Was ich, bei all dem Lesegenuss gerne auch sagen möchte, ist, dass ich gerade in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht habe, dass die Menschen die Räuber, einsame Wölfe und sonstige Täter und Attackierende sind, unsere Liebe am meisten brauchen. Kein Geheimnis, ich weiß: Wissen wir das doch fast alle. Gesund nur und aus der Distanz .. oder wir lassen sie einfach verdammt gute Bücher schreiben.

Alt und neu. Stille und Trubel. Gut und böse. Das sind halt Gegensätze die uns in Extremen bereichern können, wenn wir mögen.
Bernhard geht eigentlich immer. – Sage ich heute, die ihn, bis vor einem Jahr noch nicht einmal kannte. Und als besonderes Schmankerl empfehle ich heute seine Bücher als Hörbücher, wenn sie von Thomas Holtzmann gesprochen sind. Erste Sahne finde ich .. „Wiener Melange“, auch wenn er gern und gut in Gmunden daheim war.
Bernhard und „Der Stimmenimitator“.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan (Lektüre: Bernhard; Postkarte: Scarlett Johansson als Jan Vermeers Griet in „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“)

Heaven

Max Frisch, Schweizer und ist einer meiner Schriftsteller-Lieblinge, hatte einmal in einem Interview, welche er übrigens nicht mochte und welche für ihn immer als eine Art Spielerei aufgezogen werden sollten, gesagt, dass das Leben schwer auszuhalten sei ohne sich auszudrücken.

Dies mag der Grund vieler Schreiber sein.

Wer sich schreibend besser ausdrückt, kann vielleicht heimlich schwer atmen wenn er im Leben unsanft bedrängt und von seinen Gefühlen überlagert wird, und nicht weiß, wie sich dann bestens verständlich zu machen.
Schreiben als Weg der Kommunikation und zu verstehen vielleicht. Wir schreiben Liebesbriefe, Gedichte, Blogs, Kolumnen, manche Bücher. Und so wie Hemingway sagte: “Write until you surprise yourself.”
Fakt: Der Himmel reißt nicht selten auf, wenn andere sich die Mühe machen, zwischen den Zeilen lesen zu wollen.

Was mich und viele andere auch und schon immer antreibt ist Schönheit.
Ich mag Menschen die innen, tief drinnen, unfassbar schön, weil gut zu und für mich sind, und denen ich mich genau aus diesem Grund öffnen möchte.
Für jeden – auch mich – sind doch genau diese die Menschen, bei denen wir uns wohlfühlen, denen gegenüber wir zugewandt sind, offen bleiben, unsere Hand reichend vertrauen, an deren Seite wir leicht gehen, hüpfen, springen, lachen, uns entfesseln, Mauern einreißen lassen, genießen.

Imagine there’s no heaven: Solche Menschen aber sind der Himmel voll Sterne für uns und nicht selten ein Leben lang unser Universum, um die sich bitte alles drehen darf und soll.

Vielleicht mögen wir nicht einmal nur Menschen, sondern auch Dinge die wirklich schön sind. Ästhetik, ein Auge für Schönheiten, und ein Gefühl, eine Schwäche für Besonderes.
Vielleicht haben wir als Kind in irgendwelchen Katalogen geblättert und, ohne auf den Preis zu schauen, auf jeder Katalogseite ein Kleidungsstück oder ein technisches Gerät herausgesucht. Das, welches uns jeweils am besten gefiel. Als Spiel und als Zeitvertreib. Und vielleicht war es immer das teuerste Stück.
Wir entwickeln unsere Vorliebe für Stil und Schönes immer weiter. So, wie auch ein jeder von uns seine ganz private Vorstellung von „Himmelhochjauzend“ und seinen himmlischen Träumen und Visionen hat.

Imagine there’s no heaven ..
Woran sollten wir glauben, wenn wir unseren Blick für das Gute verloren haben? Unseren Blick für das, was uns bedeutet, wofür wir stehen? Woran sollten wir glauben, wenn wir wahre Schönheit, Liebe, Qualität, Werte und Genuss nicht mehr erkennen?

“Der Himmel” – unser ganz privater – unsere ganz intime Vorstellung davon – kann so vieles für uns sein. Und der siebte Himmel ist immer wieder einer der liebsten, weil schönsten: Er ist rosarot, hängt voller Geigen und fühlt sich, mit marzipanfarbenen zuckerwattesüßen Wolken, so weich und wohlig an, dass wir uns besinnungslos und hingebungsvoll in diese fluffige Weiche fallen lassen wollen und können.
Vorübergehend “nur”?
Für immer?
Stürmisch, Strohfeuer, sanft, bedächtig, Seele, Körper, stille Abschiede, entgleiten, spätere Freundschaft, Points-of-no-return.

Wir können jedem der Menschen, vor allem aber jeder unserer Lieben, die wir auf unserem bisherigen Lebensweg erfahren durften danken.
Welche, die uns den Himmel auf Erden beschert haben ..
Welche, die uns unsanft von Wolke 7 oder “nur Wolke 4” unsanft abstürzen ließen. Imagine there’s no heaven .. Und keine samtig-sahnigen cremeweiße Wolken, sondern nur böses Erwachen, indem wir unsanft auf dem harten Boden aufschlagen.

Glauben an Liebe und Schönheit und das Gute sollte uns niemand nehmen.
Und so soll es für jeden sein und weitergehen.

Imagine there’s no heaven ..
Um festzstellen, dass es sehr wohl einen gibt!
In den unterschiedlichsten Ausführungen, die jeder ganz allein für sich definieren mag und soll.
Das kann Schönheit, Liebe, Freiheit sein.
Heaven!

Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

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Text: PetissaPan

Foto: PetissaPan

Märchenstunde

“Voglio vivere una favola”, ist die anonyme Inschrift einer Basilika in Florenz.
“Ich will ein Märchen erleben”: Auf italienisch nicht nur ein schöner Gedanke, sondern auch so sehr viel mehr klangvoller, als es die deutsche Sprache je her gäbe.

Ein Märchen erleben – wollen wir das nicht irgendwie alle? Wenn auch ein jeder seine ganz eigene Art hat dies zu kommunizieren, sich zu denken und heimlich oder offen darin zu schwelgen.

Eines meiner Lieblingsbücher ist “Sich verlieren” von Annie Ernaux, und genau dieses Buch beginnt mit diesem verträumten Zitat.
Ich weiß noch, dass ich es anhand dem interessanten Titel, vor 16 Jahren, in einem Buchladen gegriffen hatte und nur die vier Wörter las, die mich sofort begeistert und berührt haben. Manchmal geht es so schnell und wir sind entflammt. Deshalb, weil es, zumindest anfangs, perfekt passt. Das mag im realen Leben und in der Liebe genauso sein, wie bei Geschichten anderer, die wir verschlingen, weil sie uns und etwas in uns bewegen.

Entflammt, dafür brennen, gebrannt, und so bleibt es für mich mit diesem Buch. Ein Dutzend mal gelesen. Verträumt, sehnend und romantisch läuft bei mir eben immer. So war ich mit 20, so bin ich heute, und so werde ich mit 60 und mit 80 sein. So es so sein soll, dass ich dann noch bin.
Wer Romantik mag, wird sie nie aufgeben und geht auf, bei einer solch schmerzvoll verzehrenden, wie lustvollen Schreibe, deren Autorin sich in der Sehnsucht und Begierde einer wahren Begebenheit suhlt.

Annie Ernaux schreibt autobiografisch, so auch hier, und umso interessanter empfinde ich “Sich verlieren”. Sie beschreibt ihre einseitig mental gefühlte Liebe zu einem verheirateten russischen Diplomaten in Paris, der sich beide physisch hungrig hingaben.
Tagebuch-Stil, nah, und sehr bald durchblicken lassend, dass dies kein Märchen mit Happy End wird.

Dramatische Lieben schreiben mit die besten Geschichten.
Ein Weg ist es, so spannend zu leben, dass man Bücher darüber schreiben kann, – was zweifellos ein anstrengendes und kunterbuntes Leben ist und mit jedem Lebensjahr noch ein klein wenig anstrengender wird. Manchmal habe ich darauf keine Lust mehr und gehe trotzdem immer weiter, weil ich es eben doch so will.
Der andere Weg ist solche Bücher zu lesen und selbst in gesunder Mitte und auf ruhiger See zu schippern. Letzteres wollte ich nie, bis zuletzt vielleicht. Und doch kommt es so oft anders als man denkt, und hofft, und es sich ausgemalt hat.

Turgenev sagte einst einmal, dass es für einen Künstler nicht ratsam sei zu heiraten: Eine schlechte Ehe könne zwar etwas zur Entwicklung dessen Talents beitragen, eine gute Ehe sei jedoch fehl am Platz.
Ich denke, dass man das nicht pauschalisieren kann, merke jedoch an mir sehr wohl und deutlich, dass ich völlig verschieden schreibe, je nachdem wie es mir geht und welche Gefühle mich gerade umtreiben. Ich schreibe tiefer und mutiger, wenn ich Schmerz fühle. Und aus diesem Grund immer an mindestens zwei völlig verschiedenen Themen, Werken.
So wie jemand an manchen Tagen lieber tanzt, malt, lacht oder schweigt.
Wir sind so oft viel produktiver, wenn wir unten sind: Das ist wohl der Lebenshunger.
Wir werden gemütlich und bequem, wenn wir oben sind: Das ist vielleicht dekadente Übersättigung, nur die Erschöpfung, vielleicht aber auch die Dankbarkeit es geschafft zu haben.
Die Frage ist: was wollen wir und in welchem Maß und wann?

Vielleicht begegnen wir manchen Menschen schlicht zum falschen Zeitpunkt. Vielleicht hat manches einfach nur eine kurzfristige Bereicherung sollen sein. Vielleicht braucht manches Zeit.
You can’t always get what you want, und ist es manchmal besser nichts zu haben, als das nicht märchenhaft Passende?
Sind vielleicht ohnehin all unsere Träume und Luftschlösser nur Erinnerungen? Und vielleicht muss man an Märchen glauben, um überhaupt eines leben zu können.
Märchen leben? Ja, ich will! Aber, Hand auf’s Herz: wer will das nicht?

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Run free

.. You can do whatever you really love to do,
no matter what it is.“

Ich habe mir gerade ein Fahrrad gekauft. Annonciert hatte ich in einem kostenlosen Stadtblatt, dass ich ein „altmodisches Citybike“ suchen würde. Und nun habe ich es.
Es ist alt für ein Fahrrad: 59 Jahre – aus dem Jahr 1959. Es ist ein Ein-Gang-Rad, gut erhalten zwar, aber es knarzt und ächzt, wenn ich auf leichten Anstiegen, in einer hügeligen Stadt, sanft, doch mit Nachdruck und Kraft, in die Pedale trete. Die Bremse greift schlecht, es hat ein paar Rostsprenkel hier und da, und es ist schlicht das wundervollste Bike, welches ich je gefahren habe. Besonders und lieb, treu.

Ich mag alt. Heute. Denn alte Dinge erzählen Geschichten. Neu ist mir inzwischen meist zu viel Wegwerf-Mentalität .. Doch das möge bitte ein jeder halten wie er es gerne mag. Ich habe auch Jahre gebraucht, bevor ich seit ein paar Jahren so denke.

Vor einigen Jahren fuhr ich aktiv Rennrad und hatte eine eigens für mich royalblaue Rennmaschine – später eine in Pink .. Jeweils mit tiefem Rennlenker und den schmalsten unbequemsten Sättel, welche bestimmt 30cm höher eingestellt waren, kamen sie schnittig, modern und super-sportiv daher. Rennradfahren war „ganz toll“ für meinen Rücken, geschmissen hat es mich natürlich auch und Oberschenkel hatte ich wie eine niederländische Eisschnellläuferin .. Na gut, so bildete ich mir das zumindest damals ein.

Und nun bin ich schlicht so glücklich, mit schlicht so einem einfachen alten Liebhaberstück, welches, als geschätzter und liebevoll restaurierter Oldtimer, gerade einmal einen dreistelligen Betrag gekostet hat. Es lässt mich aufrecht sitzen, die frische Schwarzwaldluft einatmen und mich wie in einer anderen Zeit angekommen fühlen. Surreal ein wenig .. Frisch & frech. Und ganz klar: irgendwann soll es ein alter knarzender Bentley, geliebt, gehegt, gepflegt, und mit Charakter für mich sein.

Wieso sollten wir nicht mit Gewohnheiten brechen, uns neu aufstellen und in Bereiche reinschnuppern, die wir noch nie kennengelernten?
Wieso nicht tun, was uns am Herzen liegt?
Es gibt keine Gründe dafür!

Und ansonsten liebe ich den turbulenten Service: Mit 16 Jahren gleich in ein Berufsleben gestartet, nie hübsch studiert und nebenbei gejobbt. So schön, mit Herzblut zu wirbeln, dauerzulächelnd und sich mit den Gästen zu freuen.
„My call is to serve“, Gelegenheitsjobs, Klamotten vom Second-Hand, einen zweirädrigen Oldtimer ..
Mein aktueller Freund könnte Chirurg sein und mein Ex vielleicht Manager. Sie könnten das dreifache bis zehnfache verdienen wie ich, und doch würde, täte, möchte und werde ich an meinem alten Drahtesel und Gelegenheitsjobs festhalten. Einfach, weil es mein Leben ist und es meine Entscheidungen sind. Und wer damit ein Problem hat, wer wir sind und für was wir stehen, der passt wohl leider nicht zu uns.

Wir sind eben nur authentisch, wenn wir tun was wir wollen und uns nicht 1.) für irgendwen verbiegen und 2.) für irgendetwas oder für den der wir sind schämen.
Und – viel wichtiger noch: wir sind nur dann glücklich und werden nur dann bleiben.

Ich wünsche euch viel Energie für eure Ziele einzustehen und nicht verteidigen zu müssen, wer ihr seid, was ihr liebt und für euren Weg.
Einfach machen. Gerne verrückt. Gerne kritisiert. Gerne belächelt.

Umarme dein Chaos
Verfolge das Ziel exquisite Erinnerung zu machen
Sei anders
Besonders
Sei du
Sei ein Rebell
Run free
Bevor die Zeit dazu vergangen ist.

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Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Grün & Hope

Eine Portion Motivation zur reflektierten Selbstlosigkeit – dieses Mal vor dem Wochenende. Meine neue-alte Stadt tut mir heute schon gut, und Gutmenschentum sagt man dieser Stadt ohnehin seit Jahren, Jahrzehnten nach: Auch ökologisch, naturliebend sportlich, charmant herzlich, bescheiden bodenständig, ein Stück heile Welt vielleicht. Und sehr grün. Schön, so wie jede andere Stadt der Welt eben auch ihre ganz eigenen Vorzüge hat.
Und nein, keine Angst, das wird kein dauerhafter Städte-Blog: Ich bin aktuell einfach nur frisch verliebt.

“Somehow the grass is much greener” … – Aus den Lyrics der Pet-Shop-Boys-Single “Miracles” …
Grünes Grass, die rosarote Brille: Ein optimistischer Blick auf die Welt ist schon toll! Davon kann ich heute besonders gut ein Lied singen, weil mein Himmel in den vergangenen Jahren bestimmt nicht voller Geigen hing und mein Rasen war sowieso gänzlich hinüber.

Diese Woche war ich im Kino. Ein französischer Film (“Une Vie“ – zu meinem Glück mit deutschem Untertitel), aus dem Jahr 2016, der mit den Worten endete:

“Das Leben ist nie so gut oder schlecht wie du es siehst!”

Alles entspringt diesbezüglich nur unseren eigenen, völlig haltlosen, subjektiven Wahrnehmungen. Und wie hätten wir unser Lieblings-Gras überhaupt denn gern: vielleicht Flaschengrün, Blattgrün, Moosgrün, Lindgrün, Granny-Smith-Apfel-Grün oder doch lieber animalisches Grasfrosch-Grün?

Das schönste Grün welches ich je mit eigenen Augen gesehen habe, waren die saftigen Wiesen in Neuseeland. Jahre her. Und trotzdem war das längst noch nicht mein schönster Urlaub. Das Gras und wie wir das jeweilige empfinden, sollte also nicht maßgeblich daran beteiligt sein, mit welchem Blick wir auf unsere Leben blicken.

Unsere Hochs und Tiefs und unsere Dürren und Üppigkeit werden maßgeblich beeinflusst von äußeren Umständen, Ereignissen, Schicksalsschlägen, Glück, Zufall und dem Interagieren mit anderen. Manchmal sind wir, im übertrageneren Sinne natürlich, der Hund der den Baum anpinkelt, und ein anderes Mal sind wir selbst dieser Baum.

Wir gewinnen und verlieren. Wobei wir als Optimisten sagen werden, dass wir Erfahrungen gesammelt haben und es deswegen kein Verlieren war. Manche Erfahrungen sind nur so schmerzhaft, dass es schwer fällt sie nur als solche anzusehen.

Mein Gras begann – in meiner subjektiven Wahrnehmung – im Sommer 2013 zertrampelt zu werden, ab Herbst dann richtiggehend zerstampft, und ich stand ohnmächtig daneben.
Gelb-grün wurde es, brach ab, ungesund, wenig dicht. Im Frühjahr 2014, als es begann erneut liebevoll gegossen zu werden, erholte sich meine strapazierte Fast-schon-nur-Unkraut-Wiese, bildete sich weich und flaumig neu … bis dann im Spätherbst desselben Jahres der ganze Rasen in Flammen stand und über ganz 2015 lichterloh brannte.

Seit 2016 fing Gras dann an ganz neu zu wachsen. Ich habe gegossen und gepflegt. Heute ist es wieder richtig grün.
Und auch wenn es sicher Gräser, Rasen, Gärten gibt, denen ich nacheifere, weil ich sie als noch grüner ansehe … So gibt es aber auch Gras, das gerade verdurstet, verätzt, gezupft, gerupft oder abgefackelt wird, und um welches es so viel schlechter bestellt ist, als um meins.

Vielleicht könnten wir uns glücklich schätzen, wenn unser Gras durchschnittlich grün ist, uns damit motiviert nach oben orientieren und nach unten eine helfende Hand reichen? So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Tun uns was Gutes und anderen gleich mit.
Das Leben ist ohnehin eine Achterbahn, und wenn wir einmal unten sind, freuen wir uns auch darüber, wenn es wieder hoch geht. Mit Hilfe: Gießen der anderen. Also ich habe mich gefreut!

Und heute halte ich selbst wieder einen Blumenstrauß meiner Wiese in meiner Hand und gebe davon ab.
Weil wir das nur fähig zu tun sind, wenn wir selbst genug haben: An Gras, Blumen, Friede, Liebe.

Nach jedem Tief, so unglaubwürdig und weit entfernt sich das auch manchmal anhören mag, geht es wieder nach oben.
Nicht selten steil. Auch dass das Comeback sehr häufig stärker sei, als der Setback. Ich bin aktuell immerhin einigermaßen ausgeglichen – im Vergleich zu meiner Situation früher.
Gras findet den Weg durch die steinigsten Schichten.

Und wie lautet eine andere Liedzeile im Songtext von “Miracles”:
“Roses bloom more to adore you too.” Und ich liebe Rosen. Am liebsten in Weiß.
Es geht eben nicht immer um Gras, und schon gar nicht um das in Nachbars Garten, sollte dieses nicht dazu dienen sich positiv inspirieren zu lassen und anzupacken!

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Text: PetissaPan; Juni 2018
Foto: PetissaPan; Juni 2018

Soulmate

Vielleicht ist es mit Städten und Herzensplätzen ja so wie mit der Liebe: Der Film „Indecent Proposal“ beginnt mit den Worten:

Someone once said, if you want something very badly, set it free. If it comes back to you, it’s yours forever. If it doesn’t, it was never yours to begin with.

Freiburg, oder sagen wir besser: Freiburg & Baden-Baden liebte ich als Städte von Herzen. Immer wenn ich weg aus Baden war, habe ich schmerzlich vermisst was ich hier einst gefunden und geliebt hatte: Das Gefühl eine Heimat zu haben, Verbundenheit mit der Mentalität der Menschen, Schönheit die mein Motor ist.
Und nirgendwo anders auf der Welt lebte ich zweimal. Die meisten Städte in die ich für mehrere Monate oder ein Jahr eintauchte, habe ich überhaupt nie mehr wieder gesehen.

Freiburg habe ich vor 12 Jahren hinter mir gelassen. Für ein paar Jahre hatte ich hier gelebt, gearbeitet und meine, bis heute, beste Freundin kennengelernt. Beide sind wir dann weiter gezogen.
Seitdem war ich nur noch ein- oder zweimal in dieser Stadt, habe weitere 11 Umzüge hinter mich gebracht, viel gesehen, bin gewachsen und gefallen, hab‘ die Knie mir aufgerissen, das Ego entblößt, das Herz verschlossen – und so vieles hat nicht gepasst, gekratzt: Ich habe vermisst und gehasst.

Ich habe mich schließlich und immer wieder aufgerappelt, hunderte Male mir den Staub vom Kleid gewischt, und klarer gesehen. Nun bin ich wieder hier und es ist noch schöner als ich es je in Erinnerung hatte.

Wie viel uns eine Stadt oder auch ein Mensch bedeuten, erkennen wir eben manchmal erst dann, wenn wir viele Vergleiche gesammelt haben, mit anderen Plätzen und anderen Menschen die uns nicht so tief berührt und erfüllt haben.
Ich musste leben und alles was ich getan habe, ganz auf meine eigene Art tun: Exzessiv, gegensätzlich, vielseitig und mit einem Freiheitsdrang und einer Neugier auf so vieles, die ihresgleichen suchen.

Nur wenn wir ganz wir selbst sind, unseren Hunger auf alles was wir kennenlernen wollen stillen, aufsaugen, eintauchen, lieben, geliebt werden und leiden, werden wir irgendwann eine Stabilität in uns selbst finden, die uns wissen läßt, wer wir sind, was wir wollen und was uns glücklich macht.

Wie sehr mir Baden, die Mentalität der Menschen und die Verbundenheit die ich mit ihnen fühlen kann, am Herzen liegen, konnte ich nur so deutlich erkennen, weil ich an so vielen anderen Plätzen weniger glücklich gelebt habe.
Die Menschen die uns wirklich tief berühren können, sehen wir deshalb klar, weil uns andere nicht erreicht haben.


Es ist wie in der Kunst, der Malerei, dem Zeichnen, in der Musik: Wir sehen und erleben intensiver durch die dort gegebenen starken Kontraste. So strahlt Weiß auf Schwarz, Schwarz stabilisiert kunterbuntes Allerlei und Melancholie, Sanft- und Verspieltheit heben sich von strukturierter Dynamik und Härte ab.

Ich habe viel lieber tiefe Erfahrungen auf so lange Zeit, wie sie mir gut tun, als dass etwas das nur halbgar vor sich hinplätschert.
Vielleicht bleibe ich hier. Vielleicht gehe ich ein zweites Mal weg. Vielleicht komme ich dann ein drittes Mal wieder.
Wer weiß schon was in Wochen, Monaten, Jahren sein kann?
Ob Plätze oder Menschen: Manche Wege kreuzen sich erneut, andere verlieren mehr und mehr, und schließlich für immer an Bedeutung.
Nach Jahren innerhalb einer festen Struktur möchte ich heute mehr Nonchalance und die Dinge mehr auf mich zukommen lassen können, Ideen und Träume leben, mich selbst sein, mir nichts mehr beweisen müssen, mich wohlfühlen, sanftes Commitment und spielerische Leichtigkeit, mich fallen lassen können und genießen.Und das alles mit einem offenem Herzen, welches Raum läßt: auch für Unvorstellbares, Undenkbares, Neues und Altes, das vielleicht neu erwacht – ein Feuer der Zufriedenheit entfacht, und Ankommen ist zugleich.
So wie Freiburg.

(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

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(Text & Foto: Petissa Pan; Juni 2018; Freiburg im Breisgau)

Everybody’s changing

Was kann ich heute sagen, nach allem was schon gesagt und geschrieben worden ist:
Narzissmus interessiert mich heute nicht mehr? Ein Narzisst berührt mich heute nicht mehr?
Nach allem was war und wie es kam, fühle – nicht weiß – ich heute, dass Dinge gleichgültig und wir gütig werden, wenn wir verstanden haben.

Daher: gelöscht. Everybody’s changing.

Es stimmt. Der Schlüssel bei Narzissmus war Selbstliebe: meiner. Und nicht nur das allein: auch Distanz.

Ich möchte und werde kaum – vielleicht auch nie mehr wieder – über Narzissmus schreiben und darüber nachdenken, weil die Antwort darauf so einfach wird, jetzt da ich es für mich ändern konnte. Und so wird es jeder und jedem gehen, sobald wir erkennen, lösen, löschen.

Ich wollte immer kämpfen, mich auflehnen … Diese große Sehnsucht nach Gerechtigkeit! – Wie ich sie bereits mein ganzes Leben lang suchte, forderte, und schon als Kind mutig dafür einstand und mich so selbst zur Zielscheibe für andere machte.
Vielleicht bin ich inzwischen weiser geworden, vielleicht habe ich es einfach satt immer Kämpferin gewesen zu sein und weiter bleiben zu müssen weil ich es mal wollte. Ich will es heute nämlich nicht mehr.
– Nicht für Dinge, die sich ohnehin nicht ändern.
– Nicht gegen Widerstände, Gegebenheiten und Personen, wo es verlorener Aufwand wäre.

Das Leben ist nicht fair, es war es nie und wird es niemals sein. Wo mein Einsatz nichts bringt, möchte ich glücklich leben und Energie sparen. Lieber bin ich heute im Flow und im Optimismus, was die andere große Facette von mir stets ausmachte und inzwischen so sehr tut, wie selten zuvor. Nicht laut und naiv geprägt: Ganz authentisch, zuversichtlich und gelassen frei stattdessen.

Der Optimismus beim Narzissmus ist der schmerzvolle Weg über uns selbst. Der Kampf und ein Krampf wäre es einen Menschen ändern zu wollen, der es nicht anders kann.
Meine Beziehung zu einem hatte ihre Ursache.
Und ich wünsche jedem, dass er – jeder, dass sie – dies für sich selbst eines Tages erkennen kann, den positiven Weg danach geht und Dankbarkeit und Friede findet.
Denn nicht nur als Polizistin weiß ich, dass es ein Weg ist, der gerade nicht lohnt und den wir nicht selbst beeinflussen können: Die Gesetze hinken den Möglichkeiten der Täter eben oftmals hinterher.

Ich: aufgehört zu kämpfen. Mich aktuell erstmals vertrauend führen lassend. Neue Perspektiven und Annahme dessen was war und glucksend verliebt im schönen und ins schöne Jetzt.
Gewohnt denke ich weiter selbst und eigenständig und gerne mal quer, und heute anders als früher. Wir reifen. Wie wunderschön!

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(Foto & Text: Petissa Pan; Mai 2018)