Märchenstunde

“Voglio vivere una favola”, ist die anonyme Inschrift einer Basilika in Florenz.
“Ich will ein Märchen erleben”: Auf italienisch nicht nur ein schöner Gedanke, sondern auch so sehr viel mehr klangvoller, als es die deutsche Sprache je her gäbe.

Ein Märchen erleben – wollen wir das nicht irgendwie alle? Wenn auch ein jeder seine ganz eigene Art hat dies zu kommunizieren, sich zu denken und heimlich oder offen darin zu schwelgen.

Eines meiner Lieblingsbücher ist “Sich verlieren” von Annie Ernaux, und genau dieses Buch beginnt mit diesem verträumten Zitat.
Ich weiß noch, dass ich es anhand dem interessanten Titel, vor 16 Jahren, in einem Buchladen gegriffen hatte und nur die vier Wörter las, die mich sofort begeistert und berührt haben. Manchmal geht es so schnell und wir sind entflammt. Deshalb, weil es, zumindest anfangs, perfekt passt. Das mag im realen Leben und in der Liebe genauso sein, wie bei Geschichten anderer, die wir verschlingen, weil sie uns und etwas in uns bewegen.

Entflammt, dafür brennen, gebrannt, und so bleibt es für mich mit diesem Buch. Ein Dutzend mal gelesen. Verträumt, sehnend und romantisch läuft bei mir eben immer. So war ich mit 20, so bin ich heute, und so werde ich mit 60 und mit 80 sein. So es so sein soll, dass ich dann noch bin.
Wer Romantik mag, wird sie nie aufgeben und geht auf, bei einer solch schmerzvoll verzehrenden, wie lustvollen Schreibe, deren Autorin sich in der Sehnsucht und Begierde einer wahren Begebenheit suhlt.

Annie Ernaux schreibt autobiografisch, so auch hier, und umso interessanter empfinde ich “Sich verlieren”. Sie beschreibt ihre einseitig mental gefühlte Liebe zu einem verheirateten russischen Diplomaten in Paris, der sich beide physisch hungrig hingaben.
Tagebuch-Stil, nah, und sehr bald durchblicken lassend, dass dies kein Märchen mit Happy End wird.

Dramatische Lieben schreiben mit die besten Geschichten.
Ein Weg ist es, so spannend zu leben, dass man Bücher darüber schreiben kann, – was zweifellos ein anstrengendes und kunterbuntes Leben ist und mit jedem Lebensjahr noch ein klein wenig anstrengender wird. Manchmal habe ich darauf keine Lust mehr und gehe trotzdem immer weiter, weil ich es eben doch so will.
Der andere Weg ist solche Bücher zu lesen und selbst in gesunder Mitte und auf ruhiger See zu schippern. Letzteres wollte ich nie, bis zuletzt vielleicht. Und doch kommt es so oft anders als man denkt, und hofft, und es sich ausgemalt hat.

Turgenev sagte einst einmal, dass es für einen Künstler nicht ratsam sei zu heiraten: Eine schlechte Ehe könne zwar etwas zur Entwicklung dessen Talents beitragen, eine gute Ehe sei jedoch fehl am Platz.
Ich denke, dass man das nicht pauschalisieren kann, merke jedoch an mir sehr wohl und deutlich, dass ich völlig verschieden schreibe, je nachdem wie es mir geht und welche Gefühle mich gerade umtreiben. Ich schreibe tiefer und mutiger, wenn ich Schmerz fühle. Und aus diesem Grund immer an mindestens zwei völlig verschiedenen Themen, Werken.
So wie jemand an manchen Tagen lieber tanzt, malt, lacht oder schweigt.
Wir sind so oft viel produktiver, wenn wir unten sind: Das ist wohl der Lebenshunger.
Wir werden gemütlich und bequem, wenn wir oben sind: Das ist vielleicht dekadente Übersättigung, nur die Erschöpfung, vielleicht aber auch die Dankbarkeit es geschafft zu haben.
Die Frage ist: was wollen wir und in welchem Maß und wann?

Vielleicht begegnen wir manchen Menschen schlicht zum falschen Zeitpunkt. Vielleicht hat manches einfach nur eine kurzfristige Bereicherung sollen sein. Vielleicht braucht manches Zeit.
You can’t always get what you want, und ist es manchmal besser nichts zu haben, als das nicht märchenhaft Passende?
Sind vielleicht ohnehin all unsere Träume und Luftschlösser nur Erinnerungen? Und vielleicht muss man an Märchen glauben, um überhaupt eines leben zu können.
Märchen leben? Ja, ich will! Aber, Hand auf’s Herz: wer will das nicht?

Basel am Rhein

Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Wildfang

Wie ein Diplomaten-Kind bin ich an regelmäßige Umzüge, Städtewechsel oder mindestens lange Abwesenheiten gewöhnt und brauche diese auch. In Düsseldorf bin ich mit zwei Jahren schon zu lange. Auch weil diese Stadt mein Herz und meine Bedürfnisse nicht zu berühren versteht. So, wie es Städte wie beispielsweise Baden-Baden und Paris ❤ mit spielerischer Leichtigkeit können. 
In einem Jahr bin ich hier weg. Zur schönen Erinnerung ❤ die ich dann mitnehmen werde, gehört auch der Blick von meinem Balkon in den attraktiven Hinterhofgarten an dem ich wohne. Merci dafür! ❤
Glück bedeutet eben auch, in Negativem stets etwas Positives sehen zu können.

Oh Düsseldorf, die Zeit zog sich mit und in dir, wie zähes Kaugummi. Danke für deine Lehren! Du wirst mich vermutlich nicht wieder sehen.

Feine Liebe

Wir alle haben sie: Unsere erste wundervolle Liebe. Ob mit emotionalem Happy End, rationalem Vernunfts-Ende, Herzschmerz mit schachtelweisem Pralinen-Konsum, nachdem schließlich alles in einer Tragödie endete: Egal, sie war und musste gelebt werden! Ein scheues und gewitzt neugieriges Tasten in eine unbekannte Welt der Seele und Körper.

Ivan Turgenev hat darüber ein ganz hübsches Buch geschrieben. Mehr als 150 Jahre alt inzwischen und herrlich sehnend, wehmütig, mit Herzensschwere und natürlich ohne Happy End, wie es die Russen – mindestens die alten bekannten Schriftsteller – in ihrer gelebten Melancholie eben liebten, taten, gern umschrieben.
Schwelgen im Schmerz. Und mein Vanille-Eis schmilzt in der Sonne, tropft auf’s 60er-Jahre Dress.

Meine erste Liebe ist schon so einige Jahre her, und dennoch: manchmal denke ich noch an sie. Und immer gern, wie wirklich jeder den ich kenne. So unschuldig, vorsichtig, neu und entfesselt frei nämlich, wie „manch jeder“ sich wünschte heute noch einmal an eine Sache herangehen zu können.
Ich kann sagen, dass ich mir das Unbeschwerte erhalte, solange alles entweder schwarz oder weiß ist und ich nur bei schwammigen Grauzonen anfange zu schwimmen, mich schnell und deutlich beginne unwohl zu fühlen und mich eher früher – selten später ziere, winde, zurückziehe, da die Leichtigkeit geht und fehlt. Die, mit der alles steht und fällt eben.

So wie uns manch einer versucht diese Leichtigkeit mit Absicht zu nehmen.
So das Zitat Turgenevs und von Leichtigkeit schreibt er in „Erste Liebe“ auch besonders fein:

„Ich war ein Verliebter. Ich sagte, dass seit jenem Tage meine Leidenschaft angehoben habe; ich könnte indes hinzufügen, dass mit dem gleichen Tage auch mein Leiden begonnen hatte.“
(„Erste Liebe“ von Ivan Turgenev (1860))

Vladimir, süße 16, verliebt sich in die fünf Jahre ältere Nachbarin Prinzessin Zasjekina, die er, von unbekannten Gefühlen übermannt, naiv, unerfahren und sanft zu umwerben versucht.
Für Zasjekina aber ist und bleibt er damit und wer er ist ein Kind.
Sie läßt sich etwas schmeicheln, spielt mit ihm, formt ihn sich und hält ihn zum Narren wie sie ihn braucht, bis sie seiner schnell überdrüssig wird und ihr Interesse Vladimirs Vater und später einem reichen Monsieur gilt, mit dem das ganze Drama auf die Spitze getrieben ein unschönes Ende findet.

Die erste Liebe mag viele Jahre her sein, doch sicher sind wir alle sehr viel selbstbewusster, bewusster und sicherer im Umgang mit ihr im Allgemeinen geworden. Auch darin, auf die Meinung eines anderen nicht mehr Wert zu legen, wenn es sich dabei lediglich um einen Narren handelt, der unserem Glück, unserem Leben, unseren Plänen und unserer Liebe schlicht im Weg steht.

Das wünsch ich uns allen: Liebe zu leben, wie beim allerersten Mal!
Und Dummköpfe auszubremsen oder einfach unbeachtet im Dunkeln lachen zu lassen und für uns dort zu belassen.
Und Turgenev tat das sicherlich genauso.

„Oft veranlasst das törichte Lachen eines Dummkopfes sogar gute Menschen, so manches nicht zu tun.“

London calling

Text: PetissaPan
Foto: PetissaPan

Heiße Reise

Der Iran ist als Reiseland noch immer nicht so bekannt, wie ich finde, dass es ihm angemessen und würdig wäre. In diesem großen Land verbergen sich so viele wunderbare Schätze und Menschen, was wir, medienbedingt leider oft ganz anders wahrnehmen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Reisen – auch alleine und als Frau – durch den Iran total schön und leicht sein kann. 

Den Iran habe ich kennen und lieben gelernt, als ich für ein knappes Jahr für die Deutsche Botschaft im Zentrum Teherans gearbeitet und im Norden der Stadt gewohnt habe. Ich erinnere mich immer wieder gerne zurück an Rosenwasser, Rosengärten, den Geschmack von Safran, frisch gepressten reinen Granatapfelsaft, Falafel und an viele warmherzige Menschen.

Ein Land voller Herzlichkeit

Wenn ich über die iranische Landeshauptstadt sagen würde, dass ich sie besonders mochte, wäre das zwar eine Lüge, aber ich habe mich in die Iraner*Innen als Menschen „verliebt”. Teheran selbst ist eine etwas anstrengende Stadt. Persien an sich dafür wunderschön, magisch und geradezu märchenhaft.

Die Iraner*Innen durfte ich durchweg als offen, herzlich gastfreundlich sehr gepflegt und interessiert kennenlernen. Frauen in farbenfrohen Hijabs, Tuniken und langen Gewändern, von tiefschwarz über grün und rot; Männer in silberglänzenden Anzügen. Dazu eine ganze Nation, die nach lecker blumigem Rosenwasser riecht.

Wie oft wurde ich auf den bunten Obst-, Gemüse- oder Kleidermärkten, die ich alleine besuchte, auf Englisch angesprochen, interessiert befragt und freundlich angeschaut. Beim Handeln und Feilschen haben mich spontan sehr oft gänzlich Fremde unterstützt. Das, obwohl jeder Händler von sich aus schon sehr entgegenkommend war. Fremde Frauen, von jung bis alt, luden mich zu einem gemeinsamen Glas Tee ein oder wollten gerne mit mir zu Mittag essen. Ich fühlte mich selten in einem Land derart willkommen, wie ich es im Iran tat. Und das jeden einzelnen Tag. Und by the way: Dort schmecken Mangos, Paprika, Gurken und so viel mehr so wie sie wohl tatsächlich schmecken sollten.

Persisches Brot: Eine leckere Versuchung 

Sehr gut erinnere ich mich auch heute noch an das frisch gebackene, fladenbrotähnliche, große, rechteckige Brot, das man dort in den, von mir so geliebten, cremigen iranischen Joghurt mit Schalotten und Salz tunkte. Monate lang konnte ich nicht genug davon bekommen und habe mich daran so sehr gewöhnt, dass ich es immer noch vermisse. „Barbari” heißt es. Und bevor ich morgens zur Botschaft gefahren bin, fuhr ich immer bei einem dieser speziellen Barbari-Bäckereien vorbei.

Barbari-Backstuben sind daran zu erkennen, dass sich dort frühmorgens bereits lange Schlangen von Menschen gebildet haben. Bei den Bäckern, die Barbari aus einer größeren Luke heraus, an die Menschen auf der Strasse reichen und verkaufen, gibt es nur diese eine Art von Brot: frisch und noch heiß, in offenen Öfen gebacken, die goldgelbe Kruste sanft knusprig und innen warm und weich. Wenig schmeckt derart ursprünglich, pur und dabei sagenhaft gut. Umgerechnet für einen Euro gab es diese leckeren Brote, nach denen ich heute noch verrückt bin.

Neugierig und respektvoll entdeckte ich Teheran

Beim Anstehen für das „goldene Brot” wurde ich stets neugierig betrachtet. Meine sehr helle Haut, hellgrünen Augen und meine europäischen Gesichtszüge fielen, in dieser Menge von iranischen Menschen, deutlich auf. Nie wurde ich aber schamlos angestarrt, in irgendeiner Art und Weise distanzlos angemacht oder abschätzig angesehen. Ich versuchte mich immer so unauffällig wie möglich zu verhalten und hielt Kopf und Blick stets etwas gesenkt. Wenn ich doch einmal aufsah und sich meine Augen mit denen eines iranischen Mannes trafen, senkten wir beide sofort Kopf und Blick. Oft waren die Männer dabei allerdings verlegener als ich selbst.

Allgemein verhielt ich mich in der Hauptstadt im täglichen Leben sehr devot. Das kann ich jeder Frau die Persien bereisen möchte auch so empfehlen. Für mich war das einerseits aus Respektselbstverständlich, andererseits empfand ich es auch als eine interessante Erfahrung, als eine Bereicherung – ein charmantes Schauspiel – sich so ganz anders als bei uns zu geben. Aber sicherlich ist das eine gesellschaftliche Ordnung, die man durchaus kritisch hinterfragen muss. 

Meine Körperformen waren, mehr als nur den Vorschriften entsprechend, verhüllt und außer auf Hände und Gesicht konnte Man(n) keinen Blick auf meine Haut erhaschen. Es war nur gelegentlich so, dass sich aufgrund des, im Iran locker um den Kopf geschwungenen Kopftuchs, eine blonde Strähne löste und mir ins Gesicht fiel. Gerade die jungen iranischen Frauen waren diesbezüglich aber sehr viel freizügiger und gaben bereitwillig und gerne einen Blick auf die, oft hell gefärbten Haare frei.

Etikette und Bekleidungsstil

Weniger streng als in Teheran selbst, erschien mir die Kleidungsetikette für Frauen auf dem Land und in den anderen Städten des Landes. Wobei es auch da Ausnahmen gibt: Mashhad und Qom als religiöse Hochburgen, sind ebenfalls für ihre Strenge hinsichtlich der Einhaltung der Kleiderregeln bekannt. Die außergewöhnliche Kultur und die geschichtlichen Überbleibsel und Traditionsquellen entschädigen aber tatsächlich dafür, dass man im Sommer auch bei 40 Grad gänzlich verhüllt sein muss. Und daran gewöhnt man sich auch wirklich schnell.

Was ich mir nicht nehmen ließ, war, dass ich gerne Gewänder und weite Tuniken in fröhlichen, freundlichen Farben trug. Oft war ich in meine Lieblingsfarben: Pinktöne von Himbeerrot bis Rosenrosé getaucht und das war, zumindest in Teheran selbst, etwas ungewöhnlich und auffällig. Zu Ramadan hielt ich mich aber daran, in dunklen gedeckten Farben auf die Straße zu gehen.

In Teheran fahren das ganze Jahr über täglich Busse durch die Stadt, in der eine Art „Sittenpolizei” die Mädchen und Frauen einsammelt, die nicht ordnungsgemäß gekleidet sind. Herausgelöst werden die eingesammelten Damen dann dadurch, dass deren Väter oder Ehemänner einen Geldbetrag als Strafe bezahlen müssen. Das sind die Schattenseiten des Landes.

Allein unterwegs als Frau

In dem Jahr dort bin ich ein paar Mal, wenn ich mit der Bahn alleine auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause war, von einem Iraner angesprochen worden. Die Art des Ansprechens war immer die selbe: Ein einzelner, oft gutaussehender und gutgekleideter Mann ging ein Stück neben mit her und versuchte mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer zu reichen. Dabei redete er abwechselnd auf Farsi und Englisch höflich auf mich ein. Ein oder zwei sehr freundliche aber bestimmte „Merci!” (danke auf Farsi, der Sprache im Iran), reichten jeweils aus, damit er zurückblieb und ich alleine und ohne Telefonnummer weiter gehen konnte.

Alleine gereist bin ich auch. Sogar mit dem Flugzeug, obwohl die Deutsche Botschaft von Inlandsflügen aus Sicherheitsgründen vehement abgeraten hatte (Ich war 2013 im Iran). Inzwischen dürfte sich das verändert haben, da Sanktionen heute nicht mehr verhindern, dass Flugzeuge erforderliche Bauersatzteile erhalten können und das Fliegen im Iran sicher(er) ist.

Eine Zug- oder Autofahrt in diesem weitläufigen Land dauert einfach sehr lange und wer ohne Inlandsflüge reist, sieht kaum so viel wie er gerne sehen möchte. Ich habe umgerechnet 20 Euro pro Hin- und Rückflug bezahlt und mir damit jeweils zehn bis 20 Stunden auf dem Highway gespart.

Herzliche Gastfreundschaft, wohin man auch reist

Auf einer meiner Reisen haben mich zwei junge Mädchen, die ich zufällig in einem Park getroffen habe, spontan zu sich nach Hause eingeladen. Sie wollten mich gern ihren Eltern und mir ihr Zuhause zeigen. Ich bin gerne mit, habe tolles iranisches Essen serviert bekommen, konnte neugierige Fragen über Deutschland beantworten und habe auch selbst sehr viel über die iranische Kultur erfahren. Wie viele der jungen Iranerinnen studierten sie nicht im Iran, sondern in Indien.

Woran ich mich stets gehalten habe war die Regel, dass ich mich niemals bei Eintritt der Dämmerung noch alleine draußen aufgehalten habe. So habe ich es in Teheran gehalten und auf jeder meiner Reisen. Wenn ich auf Reisen war, bin ich vor Anbruch der Dämmerung zurück in mein Hotel gegangen und in Teheran war ich immer mit anderen zusammen unterwegs. Eine Frau gilt leider als „leichtes Mädchen”, wenn sie alleine unterwegs ist, sobald die Sonne untergegangen ist. 

Exotisch-Kurioses, Sport und Spiel

Rückblickend war das Ungewöhnlichste, das ich im Iran getan habe wohl das Skifahren, weil den Iran für gewöhnlich erstmal keiner mit Skifahren in Verbindung bringt. Ich wohnte dafür im Norden Teherans geradezu ideal, weil Teheran am Fuße des Elburs-Gebirges liegt und es so bis zum ersten Skilift nur wenige Kilometer sind. Auf der Piste war das Leben sehr viel freier als im Rest des Landes. Die Mädchen trugen figurbetonende Skioveralls in knalligen Neonfarben und freche Helme statt züchtiger Kopftücher. Auf den, nach draußen gerichteten Lautsprechern der Skihütten ertönte laute Techno- und Elektromusik, die auf allen Pisten zu hören war.

Im Sommer habe ich Golf geübt, nicht gespielt. Frauen durften nicht auf den 12-Loch-Platz im Herzen Teherans. So habe ich eine Golflehrerin bekommen und mit ihr auf der Driving Range Bälle abgeschlagen. Leider war ihr Englisch nicht besonders gut, – was außergewöhnlich für den Iran und die Perser ist. Außer „Nice shot” konnte sie mir wenig sagen und keine präzisen Angaben zu Technik und Fehlern manchen. Aber alleine das Gefühl im Iran Golf „zu spielen” war so besonders, dass ich immer wieder Stunden bei ihr gebucht habe. In Tunika und mit Kopftuch versteht sich von selbst.

Andere Sportarten, die ich in Deutschland ausübte waren im Iran unmöglich. Nur was das Joggen anging hatte Mitarbeiter der Botschaft Glück: Der Deutsche Botschafter hat eine Residenz mit riesigem Garten, um den eine gut vier Meter hohe Mauer gezogen war. Dort konnten wir in T-Shirt, Shorts und ohne Kopftuch unsere Runden drehen.

Süße Erinnerungen, an die ich gerne zurückdenke 

Meine liebste Süßspeise im Iran war frisch gepresster Karottensaft mit zwei Kugeln cremigem Safraneis, was es im Frühjahr und Sommer an fast jeder Straßenecke zu kaufen gibt und wovon ich innerhalb eines Jahres bestimmt an die 50 Portionen genossen habe. Gerade dieser Tage erinnere ich mich daran zurück, da nun hierzulande die Eissaison in vollem Gange ist.

Der Karottensaft als gesundes Getränk, und darin die Safran-Sahne-Sensation. Zugegebenermaßen befanden die Europäer, die ich dort kennengelernt und dazu befragt habe, diese Süßspeise als eher weniger schmackhaft. Meiner Meinung nach, sollte es jeder zumindest probieren und danach sein Urteil fällen. 

Ein durchweg positives Fazit

Insgesamt hatte ich ein ganz wunderbares Jahr im Iran mit fast ausschließlich positiven Eindrücken. Ich kann Frauen nur dazu raten, den Iran auch alleine und auf eigene Faust bereisen zu können. Einige meiner deutschen Bekannten meinen zwar, dass mein problemloses Reisen auch damit zu tun gehabt haben könnte, dass ich einen Diplomaten-Status bzw. Diplomaten-Pass besaß, aber ich meine, dass man mir das im täglichen Leben ja nicht ansehen konnte und ich auch dort stets respektvoll, niemals grenzüberschreitend und immer besonders freundlich behandelt wurde.

Text & Foto: Petissa Pan (Dieser Text erschien 2017 auf EditionF)

Miss Sunshine

Detailverliebte Schönmalerei weil ich einer der extremsten Menschen, von allen die ich kenne, bin – und gestern noch über den gesellschaftlichen Verfall wettere, heute nach Neverland fliege und morgen einfach was völlig anderes machen werde .. oder mal wieder wettere, oder fliege, träume.. 
Story of my life und jeden Tag ein bisschen anders bitte. 
We should all dream and encourage others to do so, too!

Foto: PetissaPan / Text: PetissaPan

Ich komme hier nicht an

Neuer Job, neue Stadt, neues Leben – das klingt erst einmal total aufregenden. Was aber, wenn wir uns bereits kurze Zeit nach unserer Ankunft nach dem Tag sehnen, an dem wir dieser Stadt wieder den Rücken kehren dürfen? So eine Zeit kann uns sicher reifen lassen und der Selbstfindung dienen: Wie gehen wir damit um, dass wir plötzlich ganz alleine sind? Wie gut können wir uns auf etwas einlassen, dass uns nicht glücklich macht? Und vor allem, welche positiven Aspekte können wir aus so einer Situation ziehen? 

Die Liebe meines Lebens: Baden-Baden

Ich möchte mit meinem Beitrag gerne zu einer Diskussion anregen. Nicht jede Stadt berührt unser Herz. Wie also gehen wir damit am besten um, wenn wir aus rein vernünftigen Gründen erstmal an eine Stadt gebunden sind, die Tausende andere mögen, die sich aber niemals richtig für uns selbst anfühlt?

Ein Neuanfang? 

Beruflich bedingt bin ich bereits mehr als zehn Mal umgezogen – privat viel gereist – und weiß und fühle darum schnell und bestimmt, was ich brauche, um mich in einer Großstadt, einer Kleinstadt, in Deutschland oder auch im Ausland glücklich und verbunden mit einem Platz zu fühlen. Und diese Stadt hier, in der ich gerade lebe, hat das einfach nicht – zumindest nicht für mich.

Beinahe alles zwickt, es klemmt, ich seufze und trotzdem ziehe ich hier seit gefühlten zehn Jahren dauerlächelnd durch Straßen, Geschäfte, Büros. Diese Stadt und deren Menschen können schließlich nichts dafür, dass sie so grottenfalsch für mich sind. Obwohl ich zwei Hände voll wirklich liebgewonnener Menschen, schöne Erlebnisse und Dinge, die ich hier in den vergangenen eineinhalb Jahren kennenlernen durfte, mit dieser Stadt verbinde, fühlen sich diese 18 Monate wie Jahre an.

Lernen, was man will – und was nicht 

Trotzdem ist diese Erfahrung sehr wichtig: Ich kann hier beispielsweise immer sicherer definieren, was ich eben nicht will. Das ist wichtig für meine persönliche Entwicklung. Ich empfinde das tatsächlich als Geschenk, das meine ich ernst. Es gibt das schlaue Zitat:

 „I am thankful for all those difficult people in my life. They have shown me exactly who I do not want to be.”

Und so geht’s mir hier. In einer Stadt, die mir mehrmals täglich – und das überdeutlich – zeigt, dass sie es für mich eben so gar nicht ist und dass ich wo ganz anders hingehöre. Ich bin aus Baden und bekanntlich „von der Sonne verwöhnt” wie ein Werbeslogan über den dortigen Wein verkündet. Früher mochte ich Regen tatsächlich sehr gern. Für mich gab es beispielsweise nicht schöneres als bei Regen zu joggen und danach heiß zu duschen. Hier aber kann ich es nicht ertragen, Regen auch nur in der Wettervorhersage zu sehen, geschweige denn ihn auf meiner Haut zu fühlen und überhaupt zu riechen. Regen riecht ganz unterschiedlich in Baden, Paris und Buxtehude.

Kein Liebeslied 

Nein, das hier ist wahrlich keine Liebeserklärung für diese wirtschaftsträchtige Stadt im Rheinland. Die überlasse ich anderen. In der gefühlt richtigen Stadt zu wohnen, ist nämlich wie die Sache mit dem „richtigen” Partner: Der richtige Partner kann nichts falsch machen und der falsche nichts richtig. Manche mögen nunmal Erdbeereiscreme lieber als Schokolade, ziehen Pasta, Pommes vor oder trinken lieber Selters als Sekt. Es ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Wir sind verschieden und meine Meinung über diese Stadt ist aus diesem Grund völlig subjektiv und allein mein Empfinden. Für jemand anderen gibt es eine andere Stadt, ein Dorf, über das er vielleicht kaum Positives zu berichten hat. Für jemand anderen mag es auch völlig unverständlich sein, wie sehr ich ein, zwei Städte in Baden so liebe. Es geht hier allein um das Gefühl, in irgendeiner Stadt oder an einem x-beliebigen Ort sein zu „müssen”, an dem wir nicht gerne sind. 

Hier gehöre ich nicht hin

Das Gefühl am falschen Ort zu sein, kennen sicher einige von uns. Und dieses Gefühl läßt sich auch nicht von anderen ausreden, diese Stadt sich einem nicht schön reden. Am falschen Ort zu wohnen ist auch ein bißchen so, wie in einer schlechten Beziehung festzustecken: Wir kennen den anderen, wissen ganz genau, dass es nicht (mehr) passt, aber bleiben dennoch, aus eher nüchternen Gründen. Da hilft auch kein „Aber ihr passt doch so toll zusammen!” von Bekannten. Wir fühlen was sein soll und was nicht und früher oder später gehen wir.

Immerhin spielen wir bei einem „am falschen Fleck sein und dennoch bleiben” nicht mit irgendwelchen Gefühlen. Dieser Stadt ist es nämlich völlig egal, ob ich da bin oder nicht. Es wird eines Tages ganz einfach ein Neuankömmling oder ein bereits Angekommener mit meiner süßen Wohnung hier bereichert und ich bin weg. Wer gerne nachvollziehen möchte, wie und für was mein Herz schlägt, macht eine Woche Urlaub in Baden-Baden oder er bucht ein Wochenende in einer romantischen Ecke in Paris.  

Ich mag meine Wohnung hier als mein gemütliches Zuhause. Und ich mag auch, dass ich die Stadt nicht mag und mich so voll und ganz auf mich, einige wenige Kontakte und vor allem meine Karriere und Zukunftsplanung konzentrieren kann. Um täglich glücklich von A nach B zu kommen, schwelge ich in meinen Erinnerungen an andere Städte, während ich über den Boden hier flaniere. Ja, genau, ich flaniere. Gerne in hohen Schuhen,  seltener in Ballerinas und niemals in Segelschuhen oder Sportschuhe, die so typisch für hier sind. Mein russisch- und tussig-inspiriertes Schuhwerk läuft also auf dem Asphalt einer sportiven westdeutschen Stadt und meine Gedanken hängen woanders. 

Über Paris sage ich, dass ich eine Fernbeziehung mit dieser Stadt führe. London als Stadt ist meine Affäre. Moskau ist im Winter wunderschön. Meine Freundin wohnt in Baden. Während ich also an all diese wundervollen Städte denke, sage ich mir, ganz erwachsen, dass ich hier reifen und das Gute mitnehmen kann.

Ich bin eigentlich schon gar nicht mehr richtig da 

Ein Problem gibt es aber: Ich lasse mich hier nicht mehr ein. Ich habe es eine längere Zeit versucht, aber dann verworfen. Mein zweiter Fuß – metaphorisch gesprochen – steht nicht mehr auf diesem Boden. Er steht mittlerweile wieder in meiner blumigen Vergangenheit, in Städten meiner Alltagsfluchten, oder auch bereits in meiner rosigen Zukunft, die ganz woanders sein wird.

Mein Lächeln ist trotzdem echt, denn es ist für die Menschen hier, die so gar nichts dafür können, dass ich mich wie ein Englishman in New York fühle. Ein Alien, der die falschen Schuhe trägt. Ein sonnenverwöhntes Geschöpf, das vom warmen Regen in die Traufe kam. Aber mein anderer Fuß, mein Herz, die fehlen eben leider und so quieke ich vergnügt, wenn ich an jedem einzelnen Abend weiß, dass wieder ein Tag weniger bleibt, den ich hier sein werde.

Wie gehen wir damit am besten um?

Denkt ihr eigentlich, dass wir uns mit einem Platz oder Menschen aussöhnen, wenn wir wissen, dass eine Situation bald der Vergangenheit angehört? Wie können wir uns eine Zeit an einem Ort noch gefühlt verkürzen, indem wir was genau sinnvoll damit anstellen? Ob ich je bereuen werde, diese Stadt in Monaten oder in einem Jahr verlassen zu haben?

Die Kündigungsfrist meiner Wohnung beträgt eine einzige Woche und das allein ist für mich ein Grund noch gut bleiben zu können. Allein das Wissen um die Freiheit, dass ich quasi von heute auf morgen gehen könnte, macht mich so zufrieden, dass ich noch nicht gegangen bin. Und vielleicht ist genau das  die Kunst? Danke Düsseldorf

Text und Foto: PetissaPan (Dieser Text erschien auch bei Edition F, wo ich als Gastautorin schreibe.)

Rebel at heart

We love everything that inspires and fascinates us and our imagination of a worst case scenario is getting bored. Goblins, elfs and little witches at the same time. And fairylike, too. But as a matter of fact: unbreakable, indeed. Colourful and airily kinds of Pippi Longstocking or wispy fairies, captured in female bodies and movements of a “Sometimes-Femme-Fatale”.

The Lolita-image is deliberately created. Later in life we become Miss Marple. Very late-late. In a hundred years perhaps.

We are born optimists.

We adore kids and we’re the biggest of all the kids by ourselves. Dreamily dreaming of a better, fairer world sometimes and again and again. Maybe never growing up completely, as a kind of and a „big whit“ Peter Pan. Robin Hood und Che Guevara at the same time. Good-natured, free spirits and combatants. We are not really interested in other’s opinions on us. And there’s no “holding hands & hugging“ with absolute strangers or people our hearts stopped beating for. Childlike consequent.

Yes, able to have charming small talks, but preferring the point of view of Diane von Fürstenberg: „I don’t like small talk. I love intimacy“. We’re typically direct as Germans, sometimes a little cool Scandinavian, but hot blooded Russian, lady-like charming and a playful, mischievous tomboyish Girls-Girl. Princesses and dragons. Beauties and beasts. And we wouldn’t hurt a fly, but like verbal wars of words.

We love brooding and ponding, drama and acting. Creating melancholia to laugh it into euphoria. Really crazy for art and although we can’t choose our favourite painter between Monet and Chagall, – in other cases we know exactly what we want and how to get it. But we fail, because we’re still young at heart and sometimes too good-natured. And sometimes we fail quite horrendously, but still standing – forever and for always. We are the embodiment of “late bloomers”, love challenges and haven’t yet reach the goals and the life we yearn for.

Sometimes we have lost and still are losing our way. Always much too curious to know what’s beside the way. We are fun society but swots. Ambitious and future. Irresistibly adorable and considerably unapproachable. Hard to get & hardly to hold close, because we like space & distance. But when ever we love and need closeness: we are cuddly & sooo pleasant. Precious and modest. Sweet and crime. We surprise, shock, provoke, shine.

We adore idealists and dislike hanger-ons, ruthless power seekers & materialism, but admire superficial stuff, sweet sins like shopping and pleasure according to “Dolce Vita” and „Diamonds are a girls best friend“. Part-time-vegetarians, nevertheless – we’d kill for a special and pretty delicious steak. Conventions and smugness lead to our common yawn. Yet ourselves outdated and ancient regarding our values and expectations.

We love creating a „new us“ every single day. Never ever being boring and want to feel bored in any way. Cherishing honesty of others, but using white lies if ever we like to. Our heart is enormous, warm and golden and without any predjudices we are open, kind and friendly curious. We are philanthropists and when ever we fall in love with someone, we’re absolutely stupid. Unfortunately. We love and let us be used. And we use and let us be loved. „Kick it like Beckham“, – and the wrong people out of our colourful, peaceful and wonderful unconventional life. We don’t judge them then, just go without turning back: take revenge, forgive, forget or understand.

„Catch me if you can“, doesn’t work for us. Much more: Leave me alone. To be a „Desperate Housewife“ we’re too much in love with our pure independence. Meanwhile we have grown endless independent, but never ever too independent to love and to beloved. And we believe in love! We love love and love to be beloved but in letting-go and free-being mostly much better then in holding and hanging on. We look and move forward and leave things and people behind. Or we love, enjoy this big pleasure, close our eyes, make a wish and keep.

No regrets cause we always did it “our way”: Nebulous, unclear and unpredictable for almost all. Obvious, easy, soft and real for the Right. Mister Right. The prince on the white horse. We are women and want to be treated as such. And use the excuse, that contradictions are allowed because of our women being.

We like to be called a fool, a jester, a crank to show that we are somebody else as well. Surely we obscure. Maybe we thrive. And if not: who cares? Not us. Poker faces. Principesse. Petissa Pans.

Foto: PetissaPan ; Text: PetissaPan

Salzbrot

Zuckerbrot und Reife

Zuckerpferdchenzauber und sich kringelig lachende Blödelei
Wie bekomme ich dich zusammen
Mit meinem Reifen über die Jahre
Durch tosende Stürme und tote Wüsten gegangen
So viele Trampelpfade und Sanftheit im Gedankengang

Wie nehmen’s andere wahr
Wenn ich glucksend lache, unterhalte
Den Pausenclown spiele, die harte Nuss
Gänge hoch und runter nach Belieben schalte
Und doch so viel Sehnsucht nach mehr auch habe

Je extremer unsere Facetten 
Desto schwerer die Balance zu finden
Von oben nach unten und ganz rechts nach links
Was wir wollen, wer wir sind zu ergründen
Und bei wem wir wer sein dürfen gleich mit 

Wenn ich ganz viel Zeit habe und Lust 
Beginne ich sie mal zu zählen
Die Herzen in meiner Brust
Die alle gelebt werden müssen 
Und schwieriger zu hüten
Als ein Rudel Windhunde und zu küssen

Ausprobieren geht so oft über studieren
Wir ziehen jede Schublade im Nu
Oft verkannt weil viel zu bunt und schwer zu greifen
Und dann kommst du:

Und nur deswegen weil du mich siehst
Verstecke ich mich nicht mehr 
Und nur weil du mich spinnen läßt 
Spinne ich nicht mehr allein, sondern will Tiefe
Und nur weil du mich frei läßt
Will ich es nicht mehr sein
Weil du mich willst 
Will ich dich
Ich wollte nie ein langweilige Leben
Und nun habe ich den Salat. Mista.

Foto & Text: PetissaPan